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Abteilung Informatik wird zur GmbH umgewandelt:

CDU gründet Software-Serviceunternehmen

24.07.1987

BONN (ujf) - Der US-Computerhersteller Wang verliert sein Monopol bei den Christdemokraten in der Bundeshauptstadt. Die Abteilung Informatik im Konrad-Adenauer-Haus wird in diesen Tagen am Bonner Handelsgericht unter dem Namen "Dicos GmbH" als rechtlich selbständiges Unternehmen eingetragen. Die junge CDU-Firma sieht sich als herstellerunabhängiges Systemhaus.

Politische Kreise in Bonn sehen in der Ausgliederung der Informatiker aus der Parteiorganisation vor allem eine geschickte Lösung von Finanzproblemen der Bundes-CDU. Denn für den DV-Service aus der Zentrale mußten die regionalen Gliederungen der größten Regierungspartei bisher nichts bezahlen - sie bekamen Software und Beratung als Dreingabe zu den normalen Diensten, die den Orts-, Kreis- und Landesverbänden für den nach Bonn abgeführten Obulus pro Mitglied zustanden.

Verursacher müssen DV-Kosten künftig selber tragen

Doch mittlerweise herrscht in der Parteikasse Ebbe; nach Ansicht politischer Korrespondenten in Bonn wäre bald eine Beitragserhöhung fällig gewesen. Dies läßt sich nun umgehen: Die Gründung einer Firma wie der "Dienstleistungs-Computer- und Software GmbH" - so der volle Name von Dicos - entlastet die Union von dem Etatposten Datenverarbeitung, da nun die Kosten auf ihre internen "Verursacher" umgelegt werden können. Außerdem hat die Union jetzt eine steuerlich unbedenkliche Möglichkeit, die im Laufe der Jahre perfektionierte Software - speziell auf dem Sektor Verbandsverwaltung und Kongreßorganisation - "draußen" zu vermarkten.

Als bekannt geworden war, daß der CDU-Vorstand auf einer Sitzung Mitte Juni die Gründung einer solchen Gesellschaft beschlossen hatte schossen die Gerüchte ins Kraut, zumal die Initiatoren auffällig wenig Aufhebens darum gemacht hatten. Als durchsickerte, Dicos werde auch ins Geschäft mit Direct Marketing einsteigen, war für die "Wirtschaftswoche" der Fall klar: Sie unterstellte ziemlich direkt den Mannen um Generalsekretär Heiner Geißler, sie wollten "allen möglichen Firmen von Bausparkassen bis zu Kreditkartenunternehmen" die Adressen der über 700 000 Mitglieder verkaufen.

Dicos-Geschäftsführer Karl Schumacher, bisher Chef-Organisator der Unions-DV, weist den Vorwurf, auch mit Hinweis auf das Bundesdatenschutzgesetz, entrüstet zurück: "Wir verwalten die Adressen nur treuhänderisch für unsere Landes- und Kreisverbände." Parteisprecher Jürgen Merschmeier ergänzt: "Eine Überlassung von Mitgliederdaten an fremde Dritte kommt auch zukünftig nicht in Betracht. "

Solche "fremden" Dritten werden sich nichtsdestoweniger die Dicos-Dienste nutzbar machen können. Denn die Bonner Computer werden auch für einen RZ-Service - beispielsweise für Kongreßveranstalter - bereitstehen. Kommerzielle Programme steuert das kooperierende "Waiblinger Softwarehaus" bei.

Das Hauptgeschäft der neuen Firma wird im Verkauf von Hard- und Software an Parteigliederungen und -mitglieder liegen. So inseriert des Unternehmen, das zu 51 Prozent der Partei und derzeit zu 49 Prozent der Unions-Betriebsgesellschaft mbH (UBG) gehört, bereits fleißig in Publikationen des UBG-Verlags - wie der Postille " Wirtschaftsbild".

Die bisher verfügbare Software läuft ausschließlich auf Wang-Systemen vom PC bis zur VS 300, doch dieses Hardware-Monopol ist bereits durchbohrt. In Kürze will nach Informationen, die der COMPUTERWOCHE vorliegen, Nixdorf einen Systemhausvertrag mit Dicos schließen; vorerst geht es um eine PC-Lösung. Andere Hardwarehersteller stehen auf der Matte. Sie hoffen, sich mit einem Partner wie Dicos auch bei Behörden einen Namen zu machen - denn die meisten Entscheidungsträger auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene sind zur Zeit nun einmal Mitglieder der CDU.