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09.04.1999 - 

Bielefelder Softwarehaus auf Wachstumskurs

CE: Auf leisen Sohlen an der DMS-Konkurrenz vorbeiziehen

MÜNCHEN (gh) - Mit der CE Computer Equipment AG, Bielefeld, schickt sich ein weiteres deutsches Unternehmen an, den (Welt)markt für Archivierungs- und Dokumenten-Management-Systeme (DMS) zu erobern. Die am Neuen Markt notierten Ostwestfalen gingen dabei bis dato nicht so laut und publicityträchtig wie mancher ihrer Wettbewerber vor, doch die Umsatz- und Gewinnentwicklung spricht für eine kaum weniger ehrgeizige Expansionsstrategie.

Die beiden CE-Vorstände Jürgen Bintrup und Thomas Wenzke haben eine klare Vorstellung vom künftigen Kurs ihrer Company. "Die Pionierarbeit ist vorbei, jetzt bereinigt sich der Markt", skizziert CE-Mitbegründer Bintrup in Hintergrundgesprächen das Business, in dem man sich bewegt - und sein Unternehmen soll am Ende zu den Gewinnern zählen.

Den Grundstein für den anvisierten Erfolg scheinen die Bielefelder mit der bisherigen Geschäftsentwicklung gelegt zu haben. Vor rund zwei Wochen präsentierte CE die Zahlen für 1998. Der Umsatz stieg gegenüber 1997 um rund 134 Prozent von 19,44 auf 45,43 Millionen Mark; der Jahresüberschuß nach Steuern kletterte von 1,12 auf 2,16 Millionen Mark). In puncto weiteres Wachstum dürfte aber erst jetzt so richtig die Post abgehen. Schon 1999 sollen sich die Einnahmen mit 97,4 Millionen Mark mehr als verdoppeln, 2001 erwartet man, einen Umsatz von rund 160 Millionen Mark zu erwirtschaften. Ähnliche Steigerungsraten sieht der Businessplan bei den Gewinnen vor (siehe Grafik).

Das funktioniert(e) nur mit Hilfe von Akquisitionen. Die dafür notwendige Kriegskasse wurde Ende April 1998 mit Hilfe des Börsengangs an den Neuen Markt gefüllt. Schon im Oktober 1998 brachte CE seinen bis dato größten Merger unter Dach und Fach: die Übernahme der früheren Siemens-Business-Services-(SBS-)Tochter Sidoc GmbH. Kurze Zeit später wurden die im Lotus-Notes-Umfeld tätigen Groupware-Spezialisten Group Rainer Kossow GmbH und Group Wege & Partner GmbH gekauft. Das Know-how und die Lösungen beider in Münster beziehungsweise Karlsruhe ansässigen System- und Beratungshäuser lieferten CE die bis dato fehlende Schnittstellen zwischen dem eigenen Produkt-Flaggschiff, dem Archiv-Server "CE Archiv" und der Notes-Plattform. Die bisherige Einkaufstour abgerundet hat die im März angekündigte Gründung eines Joint-ventures mit der Augsburger Datronic GmbH, das DMS-Lösungen für das Gesundheitswesen entwickeln und vermarkten soll.

Letztere Aktion ist übrigens auch deshalb bemerkenswert, weil Datronic den Angaben zufolge bisher DMS-Software der CE-Wettbewerber SER Systeme AG und Filenet im sogenannten Medical Sector installiert hatte. Doch zurück zum, wie CE-Chef Bintrup es nennt, "strategischen Deal" mit Sidoc. Den Ostwestfalen gelang es dabei, mehrere für sie essentielle Punkte auszuhandeln. Zum einen ist CE seither Hauptlieferant von DMS-Lösungen für das weltweite Siemens-Geschäft. Und was auch nicht ganz unerheblich ist: die Münchner haben sich vertraglich verpflichtet, keine eigenen Entwicklungen im DMS-Bereich vorzunehmen. Was die Sidoc-Übernahme Bintrup und seiner Mannschaft in Sachen Internationalisierung brachte, dürfte Fachleuten klar sein.

Was das Unternehmen nicht daran hindert, weitere Zukäufe zu tätigen. Mindestens drei Übernahmen sind für das laufende Jahr geplant. Eine davon in den USA, die nach Möglichkeit sowohl eine (weitere) ausgeprägte Vertriebstruktur als auch eine Ergänzung des Produktportfolios bringen soll. Dafür werde man notfalls wie bei Sidoc einen kleinen zweistelligen Millionenbetrag in die Hand nehmen, läßt sich Bintrup in die Karten blicken. Offiziell nennt man das bei CE Ausbau der nationalen und internationalen Präsenz in allen wichtigen Märkten sowie Branchen. Die 1984 ursprünglich als kleines, auf Archivlösungen spezialisiertes Systemhaus gestarteten Ostwestfalen sind insbesondere mit Kunden im Allfinanz-Sektor groß geworden; jetzt will man sich auch intensiv um die Bereiche Medien, Telecom, öffenliche Verwaltungen, Transport und Energie "kümmern".

Stichwort Produktportfolio: Erst die durch die Sidoc-Übernahme erworbene "Arcis"-Produktreihe machte die Bielefelder nach Ansicht von Experten zu einem reinrassigen DMS-Anbieter. Dem eigenen Archiv-Server "CE Archiv" wurden dabei entsprechende Client-Lösungen zur Seite gestellt, die inzwischen aber auch mit eigenen Entwicklungen wie der Toolbox "Cesar", einer integrierten Plattform aus Archiv- und DMS-Komponenten, ergänzt wurden. Schnittstellen zu gängigen Groupware-Plattformen wie "MS Exchange" oder "Lotus Notes" sowie zu den großen Standardsoftware- und Data-Warehouse-Frameworks inklusive entsprechender technologischer Rahmenabkommen und Zertifizierungen (Microsoft, Oracle) tragen dazu bei, daß CE, wie Bintrup ungewohnt reißerisch formuliert, "das am schnellsten und einfachsten zu integrierende Produkt hat".

Womit man bei den Wettbewerbern wäre, über die sich der CE-Chef zwar mit Respekt, aber nicht unbedingt zurückhaltend äußert. SER ist für ihn aufgrund einer eigenen Datenbanklösung ein "letztendlich proprietärer Anbieter", Ixos in der SAP-Ecke gefangen, und US-Konkurrent Filenet habe zuletzt "in Europa wenig gerissen". Ziel von CE sei es, innerhalb von fünf Jahren als Hersteller von integrierten Informations-Management-Systemen zum Weltmarktführer aufzusteigen.

Daß man dabei nicht nur Jäger, sondern im Zweifel auch Gejagter ist, dürfte klar sein. Der DMS-Markt, dem weltweit in den nächsten Jahren Wachstumsraten von durchschnittlich 30 bis 40 Prozent prognostiziert werden, steht nach Ansicht von Fachleuten vor einer Konsolidierung. Manch einer der Großen der Softwareszene könnte versucht sein, diesen lukrativen Nischenmarkt durch den Kauf eines oder mehrerer einschlägiger Anbieter zu besetzen. Firmen wie CE gelten deshalb mangels kritischer Masse (noch) als Übernahmekandidaten. Bintrup geht auch deshalb davon aus, daß im DMS-Markt "Stand-alone-Produkte mittelfristig keine Überlebenschance haben." Sein Erfolgsrezept: "Wir müssen an der Integrationsfähigkeit unserer Produkte arbeiten und uns rechtzeitig nach Partnern umsehen.