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29.04.1983 - 

Internationale Unternehmen suchen in Hannover in erster Linie Kontakte:

CeBIT als Sesam-öffne-Dich für Fremdaussteller

HANNOVER - Als internationaler Marktplatz wird die Hannover-Messe immer interessanter. Auf der diesjährigen Industrieshow registrierten die Statistiker insgesamt 1790 Anmeldungen aus dem Ausland, 150 mehr als im Vorjahr. Viel Gutes war speziell von den CeBIT-Gästen zu hören. zum Beispiel: "internationaler Messecharakter, kompetente Besucher, enormer Zuspruch". Bei soviel Optimismus störte es die Ausländer offenbar nur wenig, daß es kaum Spontaneinkäufe oder Abschlüsse gab.

Rein rechnerisch stammt jeder dritte Messe-Aussteller aus dem Ausland. Tatsächlich ist nach Angaben der Deutschen-Messe- und Ausstellungs-AG die Internationalität aber weit höher zu veranschlagen, da Anmeldungen ausländischer Aussteller über deutsche Tochtergesellschaften oder Vertretungen generell als inländische Beteiligungen zählen.

Mit einer Rekordteilnehmerzahl von 144 Firmen, davon allein 75 auf dem Gemeinschaftsstand für Büro- und Informationstechniken, präsentierten sich dieses Jahr die amerikanischen Aussteller. Um dem Besucher "the American way of business" so hautnah wie möglich zu demonstrieren, simulierten die US-Anbieter auf ihrem Stand in Halle 3 ein typisches amerikanisches Geschäftszentrum. Hier konnten potentielle Kunden und Interessenten freundlichen Service und Beratung in Anspruch nehmen.

Repräsentanten der amerikanischen Botschaft in Bonn und des US-Department of Commerce in Washington, D.C., sowie amerikanische Handelsattachés aus Hamburg, München, Stockholm, Paris, Mailand und anderen europäischen Städten hatten eigene Büros auf dem Gemeinschaftsstand. Diese Regierungsvertreter der Vereinigten Staaten unterstützten die Aussteller mit Marktdaten, Exportinformationen und bei Kreditfragen, halfen amerikanische Firmen bei der Vermittlung von geeigneten Vertretern oder Vertriebsagenten ihrer Produkte und berieten die Besucher des Gemeinschaftsstandes bei Geschäften mit amerikanischen Unternehmen.

Als Grund für dieses verstärkte Engagement nannte Michael Delia, Organisator des US-Gemeinschaftsstandes, die Entschlossenheit der Amerikaner, auf dem europäischen Markt langfristig Fuß zu fassen. Die derzeitige Wirtschaftslage in den USA zwinge die DV-Produzenten, neue Vertriebswege und Absatzmärkte zu finden. Zudem wolle man gegen das Image ankämpfen, für die Europäer nur ein "Ex-and-Hopp-Partner" zu sein.

Hannover als Forum für Europa

Zum vierten Mal waren die Norweger mit ihrem Gemeinschaftsstand in Hannover. Allein durch das Design ihres Standes in Halle 3 zogen sie das Interesse der CeBIT-Besucher auf sich. Neben den Messeprofis Norsk Data, Stentofon und Tandberg Data, nahm erstmalig auch der Büromöbelhersteller Ergotec teil. Wichtig ist für die Norweger vor allem der internationale Charakter der Messe sowie die Möglichkeit, sie als Kommunikationsforum zu nutzen. Wie sich die Unternehmen auf der größten Industrieshow der Welt dem Publikum darstellen, hält Ingo Lentz vom Königlichen Norwegischen Generalkonsulat für entscheidend.

Angenehm überrascht war der Düsseldorfer Pressechef von der Kompetenz der Besucher in diesem Jahr. Auch wenn es keine Spontankäufe gab, glauben die Norweger, einen Aufwärtstrend in der Wirtschaft zu erkennen. Für Lentz ist klar, daß die Hannover-Messe an Stellenwert hinzugewonnen habe. Der frühere Ruf, "eine Plastikbeutel-Messe" zu sein, treffe heute nicht mehr zu.

Den japanischen Ausstellern ist nach eigener Aussage der Lerneffekt genauso wichtig wie die Möglichkeit neue Kontakte herzustellen. Vor allem wollen sie erkunden, wie sie ihre Produkte auf dem europäischen Markt an den Mann bringen können. Auf der Messe hätten sie die einmalige Gelegenheit, die Produktpalette ihrer Mitbewerber "hautnah" zu erleben und vor allem auf dem Gebiet der Ergonomie Erfahrungen zu sammeln. Sein Unternehmen, so verkündete Hideo Watanabe, Marketing Manager bei Fujitsu Ltd., messe speziell dem OEM-Business große Bedeutung bei. Zufrieden konstatiert Watanabe: "Wir sind das dritte Mal hier und freuen uns, daß das Interesse an uns und unseren Produkten von Jahr zu Jahr wächst".

Bescheidene Comecon-Länder

Eher bescheiden wirken die Stände der Comecon-Länder neben den gewaltigen Showrooms der Amerikaner oder Japaner. Die Vertreter der Ostblockländer fasziniert hauptsächlich die Internationalität der Messe.

Für die Ungarn ist die Präsenz in der CeBIT-Halle wichtig, um neue Kontakte herzustellen und um sich ebenso wie ihre größeren Mitbewerber die Wege in neue Märkte zu ebnen. Ein Sprecher des ungarischen Elektronik-Unternehmens Videoton: "Wir sind mit dem Absatz unserer Erzeugnisse in der Bundesrepublik Deutschland noch nicht sonderlich zufrieden. Vielleicht können wir in Hannover ein wenig nachhelfen."

Kontakte mit internationalen Distributoren anknüpfen will das jugoslawische DV-Unternehmen Iskra Delta. Für Vladimir Bohinc, Regionalverkaufsleiter bei Iskra, ist die Bundesrepublik Deutschland zwar das Gastland, aber 50 Prozent der in Frage kommenden Vertriebspartner kämen dennoch aus dem Ausland. Für ihn sei entscheidend, hier "ein Gefühl aus erster Hand" zu bekommen, wie sich der hiesige und der internationale DV-Markt präsentieren.

Neben den etablierten DV-Unternehmen waren auf der diesjährigen Messe auch "Exoten" stark vertreten. Die Australier zum Beispiel suchten für ihre Produkte hauptsächlich Lizenznehmer und wollten zudem internationales Know-how mit nach Hause nehmen. Allerdings habe das Interesse der Deutschen am fünften Kontinent nachgelassen. Colin Truslove von Victorian Economic Development Corp. führte dies auf die "große Wende" in Bonn und die dadurch seiner Meinung nach verminderte Existenzangst der Bundesbürger zurück.

Voll auf ihre Kosten kamen die Saudis. Saleh Al Ashgar, Public Relations Direktor der Handelskammer in Riad, kam mit seiner Crew nach Deutschland, um auf sein Land aufmerksam zu machen und stellte vor Ort fest, daß DV-Vertreiber durchaus Interesse an Kontakten, speziell finanziellen Transaktionen, haben.

Alles in allem glaubten die ausländischen Aussteller, einen Hauch von konjunkturellem Aufschwung zu verspüren. Ob dieses Gefühl sich in Aufträgen oder Kooperationsbeziehungen niederschlagen wird, bleibt bis zur Hannover-Messe 1984 abzuwarten.