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30.03.1984

CeBIT-Anbieterumfrage: Der Gigantonomie Einhalt gebieten

Bereits zur letzten Hannover-Messe kritisierten Aussteller wie Besucher, daß CeBIT in einem Angebotswirrwarr zu ersticken droht. In diesem Jahr wurde die Ausstellungsfläche des "Weltsentrums für Büro- und Informationstechnik" noch einmal erheblich aufgestockt. Der Besucher steht heute somit mehr denn je vor einem totalen Produkt-Chaos. Mit einer Blitzumfrage vor dem Messebeginn wollte die COMPUTERWOCHE von sechs Anbietern aus unterschiedlichen Bereichen der Informations- und Kommunikationsindustrie wissen:

1. Warum stellen Sie auf der Hannover-Messe aus?

2. Ist CeBIT Ihrer Meinung nach zu groß, zu unübersichtlich, zu teuer geworden, oder finden Sie, daß das Angebotsspektrum gerade richtig ist?

3. Wie beurteilen Sie vor diesem Hintergrund die Bedeutung von Spezialmessen?

Hans Barthelme

Geschäftsführer der Control Data GmbH, Frankfurt

Zu Frage 1:

Nach fast zehnjähriger Abstinenz werden wir in diesem Jahr erstmals wieder mit einem großen Stand auf der Hannover-Messe vertreten sein. Anfang der 70er Jahre hatten wir unsere Messe-Präsenz in Hannover eingestellt, da wir auf den Bau von Größtcomputern und leistungsstarker Peripherie spezialisiert waren. In den letzten zehn Jahren wurde jedoch unser Produkt- und Dienstleistungsangebot so erweitert, daß wir die Vorteile eines traditionellen Industrie-Messemarktes wie Hannover nutzen können.

Zu Frage 2:

Für Universal-Anbieter, die in vielen Bereichen des Computermarktes engagiert sind, ist die CeBIT-Plattform hervorragend geeignet, bereichsübergreifende Lösungen vorzustellen. Und letztlich ist eine große Messe effektiver als viele kleine.

Zu Frage 3:

Spezialmessen für Computerapplikationen schießen wie Pilze aus dem Boden - aber selten bleiben sie speziell. Die "Systems" war ursprünglich als Fachkongreß mit spezieller Ausstellung geplant - und mußte sich letztes Jahr bemühen -, nicht als Universalmesse eingestuft zu werden. Wer als Universal-Anbieter in München war, mußte entweder mehrere Messestände parallel betreiben oder sich auf ein bis zwei Themenbereiche beschränken.

Arno Bohn

Vorstandsmitglied der Nixdorf Computer AG, Paderborn

Zu Frage 1:

Hannover ist die Informationsmöglichkeit für den an Daten- und Informationstechnik interessierten Fachbesucher, weil er sich hier konzentriert in vertretbarem Zeitrahmen mit dem Angebot der Hersteller beschäftigen kann.

Das gilt auch für die Hersteller, die in Hannover die Chance haben, einen großen Kreis von Fachbesuchern einen kompletten Überblick über Produkt- und Dienstleistungsangebot sowie Neuerungen zu bieten. Nixdorf macht die Messebeteiligung darüber hinaus zur intensiven Kommunikation mit Kunden und potientiellen Kunden, um die Anwenderbedürfnisse und -wünsche mit den Zielsetzungen laufender Entwicklungsprojekte zu vergleichen und abzustimmen.

Zu Frage 2:

Zu teuer allemal. Über die große und mögliche Unübersichtlichkeit wird der Besucher zu entscheiden haben.

Zu Frage 3:

Branchenorientierte Messen und Ausstellungen bilden eine sinnvolle Ergänzung zur Hannover-Messe, Systems und Orgatechnik. Vor einem Überangebot sogenannter Spezialmessen sollte sich die Branche hüten, denn häufig steht hinter einer derartigen Veranstaltung mehr das Interesse der jeweiligen Messegesellschaft denn nützliche Bedürfnisse der Anwender.

Alwin Stumpf

Geschäftsführer der Commodore GmbH in Frankfurt

Zu Frage 1:

Für viele Unternehmen ist die Präsenz im CeBIT sicherlich nur ein alljährliches Pflichtpensum.

Commodore versteht sein Anwesenheit in Hannover hingegen als optimale Chance, mit dem Mikrocomputer weitesten Kreisen aus Wirtschaft und Gesellschaft ein unentbehrliches Werkzeug der Zukunftsbewältigung an die Hand zu geben Diese Aufgabe setzen wir als Mikromarktführer an die erste Stelle in unseren Messeprioritäten.

Zu Frage 2:

Betrachtet man die sekulare Bedeutung der hochexpansiven Kommunikations-Industrie und das CeBIT-Wachstum auf dem Messegelände, so ergibt sich eine unverständliche Diskrepanz. Während Marode Industriezweige unangemessen große Flächen belegen, müssen sich die DV-Anbieter als tragende Säulen des Fortschritts weiterhin mit einem vergleichsweise unterdimensionierten Raum für die Selbstdarstellung begnügen. So wundert es nicht, daß aufgrund eines , Zusammengepferchtseins" alljährlich mehr Klagen über eine wachsende Unübersichtlichkeit zu hören sind.

Zu Frage 3:

Wir halten es für dringend erforderlich, daß der Informationstechnologie aufgrund der Beengungen unter dem Hermes-Turm auf bisherigen, vor allem aber neu zu initiierenden Spezialmessen umfassend Gelegenheit geboten wird, ihre innovative Leistung vorzustellen.

Hierbei sind mehr regionale und zielgruppenspezifische Fachausstellungen wünschenswert. Wir könnten uns zum Beispiel eine spezielle Mikromesse für Schüler und Studenten vorstellen.

Helmut Krings

Marketing-Leiter Digital Equipment GmbH, München

Zu Frage 1:

Für Digital Equipment ist die Hannover-Messe "das" große Treffen, dieses Jahr unter dem Motto "Entwickeln, Fertigen, Informieren". Gespräche mit Kunden, Interessenten, Händlern, Beratern und der Presse bilden den Mittelpunkt der Messe-Aktivität. Die eigentliche Ausstellung, die einen repräsentativen Querschnitt unserer Produkte und Programme darstellt, ist als flankierende Maßnahme zu sehen, gleichsam zur Illustration der Information, die wir vermitteln möchten.

Zu Frage 2:

Die Größe des CeBIT bringt zwangsläufig eine gewisse Unübersichtlichkeit mit sich und stellt jedes Jahr höhere Anforderungen an die Messebesucher. Wir stellen allerdings fest, daß fast alle Entscheidungsträger in unserem Marktbereich sich die Zeit zu einem Besuch in Hannover nehmen. Die Gesamtkosten einer solchen Messe sind zweifellos zu hoch und die Unternehmen werden sehr wohl überlegen, in welchem Umfang sie an der Hannovereigenen Gigantomanie partizipieren möchten.

Zu Frage 3:

Spezialmessen, sowie sie thematisch sauber abgegrenzt und auch entsprechend organisiert sind, erscheinen uns als ein sehr effizienter Weg zur Erreichung eines bestimmten Zielkundenkreises. Firmen, mit einem breitgefächerten Produktangebot wie unsere, sind natürlich gezwungen, eine sinnvolle Auswahl zu treffen. Auch Spezialmessen weisen eine zunehmende Tendenz zu Wildwuchs aus.

Dieter Basziszta

Geschäftsführer der Wang Deutschland GmbH, Frankfurt

Zu Frage 1

Als Computeranbieter ist Hannover für die Wang Laboratories Inc. Hauptereignis überhaupt. Wir bedauern jedoch, daß die Größe unseres Unternehmens im CeBIT nicht so zur Geltung kommen kann, wie es unserem Konzern zukommt.

Der Hauptstand wird ausschließlich als Anlaufpunkt und Kontaktmöglichkeit genutzt, um Interessenten auf die Pavillon-Ebene zu leiten. Schwerpunktthema unter dem diesjährigen Leitmotto Wang Computer, Kommunikation ohne Grenzen, ist unsere Wang-Office-Philosophie. Schon aus diesem Grund ist die Hannover-Messe für uns unerläßlich. Damit erübrigt sich die Frage 2.

Zu Frage 3

Die Zahl der Spezialmessen nimmt unter diesen Prämissen wohl für jeden Anbieter überhand. Einige Spezialmessen haben durchaus ihre Bedeutung - allerdings können wir nicht auf jeder kleinen Messe mit gleichem Engagement auftreten.

Dr. Heinz Streicher

Leiter Kommunikation SCS GmbH, Hamburg

Zu Frage 1:

Obwohl die Hannover-Messe auch in unseren Augen unbestritten das wichtigste Ereignis der Investitionsgüterindustrie ist, hatten wir bisher stets gezögert, selbst als Aussteller vertreten zu sein, weil ein Dienstleistungsunternehmen für Organisation, Informationstechnik und Automation eigentlich nichts "auszustellen" hat, es seien denn, intelligente und fachkundige Mitarbeiter als Gesprächspartner.

Die Zunahme von Projekten in den letzten Jahren, die neben Beratung, Konzepten und Softwareproduktion auch die Verantwortung für das Gesamtsystem, einschließlich -inzwischen recht handlicher - Hardware, umfassen, sowie das Vordringen von standardisierten Softwarelösungen oder Lösungsmodulen, haben jetzt den Ausschlag zugunsten unserer Teilnahme an der Hannover-Messe gegeben.

Zu Frage 2:

Für die Aussteller ist eine große Messe grundsätzlich weniger problematisch als für die Besucher. Die Struktur und Größe der CeBIT spiegelt die Komplexität des Themas Informations- und Kommunikationstechnik wider; sie künstlich kleiner zu machen, würde eine Verfälschung darstellen. Wer die entsprechenden Zielgruppen überregional ansprechen will, muß vertreten sein. In zunehmenden Maße bieten übrigens regional ausgerichtete Themenmessen kleineren Anbietern wirtschaftlich vertretbare Kontaktmöglichkeiten.

Zu Frage 3:

CeBIT kann als Messe für den genannten Spezialbereich dem Entscheidungsträger zur Übersicht, also zur Vorauswahl dienen. Für ausführliche Vorführungen, wie sie etwa für eine Endauswahl notwendig sind, fehlt meist die Zeit und die Ruhe. Spezialmessen, wie die Systems oder die Interkama dienen vor allem dem Spezialisten. Er kann - bereits vorbereitet durch Lektüre und Rechere - die angebotenen Geräte und Lösungen in genauen Augenschein nehmen und sich gezielt präsentieren lassen.