Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

06.05.1983

CeBIT-Forum: Neue Formen computergestützter Arbeit verändern die Berufswelt

Geräte-Know-how bestimmt zunehmend Jobprofil

Mit zunehmendem Einsatz moderner Informationstechniken wird sich die Arbeitswelt künftig verändern: Benutzerfreundlichere Geräte sowie durch Telekommunikation ermöglichte räumliche und zeitliche Entkoppelung von Geschäftsvorgängen machen die Beschäftigten unabhängig von Arbeitszeit und Arbeitsort. So können neue Formen der Computerunterstützung zur Heimarbeit führen, aber auch zur Tätigkeit in kleinen, dezentralen Arbeitsgruppen in unmittelbarer Nähe der Wohngebiete. Bislang jedoch konzentriert sich die öffentliche Diskussion noch auf die Auswirkungen der Informationstechnik auf die Beschäftigung. Auf den strukturellen Wandel der Arbeitsinhalte und die daraus entstehende Ausbildunsproblematik wurde nach Ansicht von Fachleuten zuwenig eingegangen.

"Jobkiller oder Jobknüller" - unter diesem Motto setzten sich auf der Hannover-Messe das CeBET-Forum '83 mit der Arbeitsplatz-Problematik auseinander. Als Ergebnis schälte sich dabei heraus, daß die Frage, ob Büro- und Informationstechnik Arbeitsplätze schafft oder vernichtet, so pauschal nicht beantwortet werden kann: Einerseits könne diese Technik, als Rationalisierungsinstrument genutzt, durchaus Arbeitsaufwand einsparen helfen (Fernschreiben statt Brief, Telekonferenz statt Geschäftsreise), andererseits sei es genauso denkbar, daß vorhandene Informationsbeziehungen verbessert und durch die dann hervorgerufene Expansion Arbeitsplatze gesichert werden (Nutzung von intelligenten Kopierern und neuartigen Informationssystemen zur Verbesserung des Informationsgrades). Bis 1988 dürfte sich die Zahl der Erwerbspersonen, führte Dr. Rudolf Lambrecht von der Siemens AG aus, noch erhöhen. Erst danach sei ein Rückgang zu erwarten. Dabei gingen die Prognosen für die Zeit bis 1990 davon aus, daß es zu einem Rückgang der geringqualifizierten Beschäftigten und zu einem Ansteigen der höherqualifizierten kommen werde.

Informationstechnologie sozial beherrschbar machen

Der stellvertretende Leiter der SCS-Personalberatung, Dr. Manfred Schulze, sprach die dadurch notwendige Änderung der Ausbildungsstrategien an. Die durch die Informationstechnik entstehende, ganzheitliche Sachbearbeitung führe zu einer umfassenden Kompetenz und Verantwortung am Arbeitsplatz. Die neuen Technologien beeinflußten , Schulze zufolge, sowohl den verwaltenden als auch den abwickelnden Bereich im Unternehmen. Gefragt sind demnach künftig Mitarbeiter , die in der kreativen und operativen Ebene der Organisation arbeiten. Allerdings entstünden auch neue Märkte durch neue Produkte. Dies sichere die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft - und damit auch Arbeitsplätze.

Für besonders wichtig in diesem Zusammenhang hielt es Dr. Edmund Bernardi, Betriebsrat bei der Hewlett-Packard GmbH, daß versucht werde, die Informationstechnologie sozial beherrschbar zu machen. Das Ausbildungssystem müsse entsprechend ausgerichtet werden. Dies dürfe nicht allein dem Staat überlassen bleiben. Entsprechende Maßnahmen sollten auch im Betrieb selbst vorangetrieben werden. Allerdings liegt es nach Meinung des Wolfsburget DV-Beraters, Karl-Heinz Mayer, gerade hier noch im Argen. Er glaubt, daß die Wirtschaft die Lokomotive ist und die Ausbildung als letzter Wagen hintenan hängt. "

Inzwischen jedoch wachsen bei allen Büroberufen, vor allem aber in bereichsübergreifenden, gleichartigen "Infrastruktur-Tätigkeiten " , die Möglichkeiten, technische Einrichtungen (Terminals, Computer, Bildschirmgeräte, Textprogrammierung sowie automatische Textverarbeitung) verstärkt einzusetzen. Aufgrund zunehmender Rationalisierung verändern sich die traditionellen Abgrenzungen der Berufe und Aufgabengebiete, Ob dabei die vorhandene Tendenz zu einer immer weitergehenden Spezialisierung anhält, wie sie in einer rasch wachsenden Zahl vorhandener Berufsbenennungen zum Ausdruck kommt,

konnte auf dem CeBIT-Forum nicht geklärt werden.

Immerhin zeigte sich ein Vertreter der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG) davon überzeugt, daß die Qualifikation der Erwerbstätigen insgesamt breiter werde. So glaubt der DAG-Vertreter, daß sich die Ausbildungsinhalte grundsätzlich ändern. Es werde beispielsweise einen kaufmännischen Grundberuf geben, auf dem aufbauend sich der einzelne Arbeitnehmer spezialisieren könne. Dabei werden künftig wohl Bürogehilfinnen und Sekretärinnen ein vermindertes Stellenangebot vorfinden, während die Zahl der Sachbearbeiterplätze weiter ansteigen dürfte.

Große Bandbreite

Wie genau sich nun die Büroberufe in ihrer Struktur ändern werden, darüber mochte jedenfalls in Hannover keiner der Anwesenden eine Aussage machen. Klar zum Ausdruck kam allein, daß sie sich ändern. So soll sich der Büroarbeitsplatz zum multifunktionalen Bildschirmarbeitsplatz mausern, sich eine Sekretärin zur Assistentin entwickeln. Wenn sich ein Erwerbstätiger spezialisiere, so die Empfehlung, dann nicht branchenmäßig, sondern eher auf bestimmte Geräte. Wichtig dabei sei, Berufe zu schaffen, die eine große Bandbreite abdecken, sowohl im Hinblick auf Tätigkeiten als auch auf Geräte. Der Einzelne werde künftig auch nicht mehr damit auskommen, in Funktionen zu denken. Gefragt sein soll vielmehr derjenige, der in Projektzusammenhängen denken und Probleme analysieren kann. Dabei werde nicht mehr die Intelligenz den Ausschlag geben, sondern die Ausbildung.