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28.05.1976 - 

Messe-Nachlese:

CeBIT im Zeichen der Kleinen

"Bei der Hardware nicht viel Neues - es wird sehr viel Kosmetik betrieben in Hannover", resümierte ein Triumph/Adler-Pressesprecher, nachdem alles überstanden war. Womit Treffendes über die diesjährige CeBIT-Schau gesagt ist. Denn die ganz großen Ankündigungen fehlten diesmal.

Wer wüßte heute schon, ob NCR's Criterion-Familie - mit einigem Wirbel als Century-Nachfolge-Serie vorgestellt - "Maßstäbe setzen wird", wie es im Ankündigungs-Begleittext heißt.

Da kündigte zwar Honeywell Bull mit den Modellen 64130 und 64150 zwei neue Mittelklasse-Systeme innerhalb der Serie 60 an, das fällt jedoch - bei aller Anerkennung für die konsequente Marktnischen-Politik des "Europäers am Weltmarkt" - unter die Kategorie "Erweiterungen". Was Fachbeobachter verblüffte, war vielmehr das breite Angebot leistungsfähiger, preiswerter Kleinrechner. Nicht, daß revolutionäre Neuerungen dabei gewesen wären - die Innovationssprünge sind auch auf diesem Gebiet kürzer geworden -, die massierte Anhäufung von "Computer-Terminals" und "Terminal-Computern" machte Staunen. Wie auch die enorme Bandbreite des MDT-Angebotes, die gar um das System eines echten Newcomers (Tealtronic) verbreitert wurde.

Neue Konkurrenz für MDT

Neue Konkurrenz könnte der Mittleren Datentechnik allerdings durch Honeywell Bull's System 61/40 erwachsen, das speziell Klein- und Mittelbetrieben gewidmet ist.

Wie auch durch die UTS-Systeme von Sperry Univac, die vorerst zwar nur als Terminals vermerktet werden sollen, letztlich jedoch genausogut stand-alone einsetzbar sind, so daß es eigentlich nur eine Frage der Zeit sein dürfte, wann hierfür die Vertriebsfreigabe erfolgt. IBM's Baby 5100 dagegen ist ausschließlich für den Einsatz im technisch-wissenschaftlichen Bereich gedacht - allein die DFÜ-Tauglichkeit läßt Raum für Spekulationen. Olivetti's Planungschefin Frau Dr. Belisario über den neuen Tischrechner: "Als Wettbewerb betrachte ich die 5100 mit Respekt, weil die drei Buchstaben draufstehen. Als Käufer fände ich sie nicht aufregend."

Floppen Sie mit!

Optimismus also bei den MDT-Herstellern.

Apropos MDT: Keine Anlage mehr ohne Diskettenstation - die Floppy Disk ist zum bevorzugten Speichermedium geworden -, wobei es offensichtlich nur noch darum geht, wer die meisten Laufwerke anschließen kann.

Von den arrivierten MDT-Herstellern hat als letzter Philips seine Floppy-Scheu abgelegt: Die Bürocomputer der Serie P 300 gibt es neuerdings mit Disketten-Anschluß. Trotz "Floppy-Euphorie": Das Magnetkonto ist nicht umzubringen. Im AMD-Kollegenkreis (Arbeitskreis Mittlere Datentechnik) - das hat die Hannover-Messe bewiesen - sind die MDT-Hersteller denn auch unverhohlen "sehr zufrieden", daß sich MKC-Anlagen immer noch so gut verkaufen lassen. Was nach dem Selbstverständnis der "Großen Fünf" (Nixdorf, Kienzle, Philips, Triumph/ Adler und Hohner) durchaus kein Widerspruch ist: Floppy Disk und Magnetkonto ergänzten sich nämlich optimal, wird gesagt.

Standards für den Standard

Noch aus einem anderen Grund war Hannover '76 eine Messe ganz nach dem Geschmack der - Nixdorf & Co.: "Never change a winning team" heißt ein Leitspruch im Sport. Was sich in abgewandelter Form ohne weiteres auf die Kontokarte mit Magnetstreifen übertragen ließe, gilt erst recht für eine erfolgreiche Marketing-Konzeption, die da lautet: "Den kleinen Anwender interessiert die Hardware erst in zweiter Linie - auf die Anwendungs-Software kommt es an."

Nach diesem Motto war denn auch im CeBIT eine Vielzahl von MDT-Herstellern (zu viele?) angetreten, auch noch der letzten bisher nicht bedienten Branche einen maßgeschneiderten Software-Anzug zu verpassen.

Skepsis gegenüber sogenannten Standard-Lösungen wurde nur vereinzelt laut: "Spätestens nach dem dritten Verkaufsgespräch - wenn es um die Realisierung des Sollkonzeptes geht - lacht der Kunde sie doch aus", kommentierte Schrem-Verkaufsleiter Meißner.

Nixdorf for ever

Das sind - wie gesagt - Ausnahmen. Nixdorf-Vorstand Klaus Luft betont IBM-like die neue Führungsrolle der Paderborner: "Wer hat in dieser Größenordnung kommerzielle Datenverarbeitung und Textverarbeitung bei einem System gemeinsam?" Gemeint ist die Nixdorf-Serie 88, die um ein dediziertes TV-System 8815 erweitert wurde.

Die wiedererstarkte deutsche MDT-Konkurrenz macht offensichtlich auch MAI zu schaffen. Mit seinen Dialogsystemen auf Minicomputerbasis lange Zeit nicht zuletzt wegen angeblich "ruinöser" Preispolitik als "MDT-Schreck" gefürchtet, reduzierte dieser Hersteller zur Messezeit seine Preise um 26 Prozent. Allein das wäre eigentlich eine Schlagzeile wert.