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27.02.2006

"CeBIT ist nicht die Funkausstellung"

ITK-Unternehmen müssen in Hannover nach Meinung ihrer Manager immer noch vertreten sein. Trotzdem verfolgen sie aufmerksam, ob durch den Trend zu Consumer-Themen das Konzept der Messe beliebig wird.

Ein Thema muss den Hannoveraner Veranstaltern kaum Kopfzerbrechen bereiten: Die Bedeutung der CeBIT als IT-Leitmesse wird nicht in Frage gestellt. Obwohl die Zahl der Hausmessen, Privatveranstaltungen, Partnershows etc. zunimmt, auf denen Hersteller ihre Produkte feilbieten, steht die CeBIT nach wie vor im Ruf des anerkannten Treffs des Who-is-Who der IT-Branche.

Wichtigste Messe überhaupt

Für Marcel Schneider, den Deutschland-Geschäftsführer von Sun Microsystems, ist die CeBIT schlicht "die wichtigste Messe überhaupt". Nach Meinung von Rainer Erlat, Executive Vice President Emea und kommissarischer Deutschland-Chef bei EMC, hat die Veranstaltung in der Leine-Stadt besonders für den deutschen Markt Bedeutung: "Ich sehe sie als eine gute Veranstaltung, auf der wir unsere neuen Produkte und Lösungen in ihrer Bandbreite vorstellen können."

Sun-Chef Schneider sieht allerdings die CeBIT im Wandel begriffen. Früher sei man auf die Messe gegangen, um sich Innovationen anzusehen. "Das ist nicht mehr so. Man zeigt heute das ganze Jahr über neue Themen."

Ins gleiche Horn stößt Heinz-Paul Bonn, Bitkom-Vizepräsident: "Die Zeiten, in denen die Messe einen gewissen Schaueffekt hatte, als der Besucher bestimmte Techniken dort zum ersten Mal gesehen hat, die sind vergangen." Heute würden selbst Großereignisse wie die Messe keine großen Signale mehr setzen. Allerdings sind sie "Spiegel des Marktes, der die vorhandenen Trends und Techniken wiedergibt."

Diese Meinung scheint mittlerweile Allgemeinverständnis zu sein. "Die CeBIT ist schon lange keine große Ankündigungsmesse mehr", sagt auch Oliver Ahrens, Geschäftsführer von Acer Deutschland. Interessant ist seine Aussage, wonach "große Geschäfte nicht mehr auf der Messe abgeschlossen werden". Acer nutze den Hannoveraner Branchentreff, um neue Partner zu akquirieren.

Den Stellenwert der CeBIT als Seismograph der IT-Branche stellt auch Microsofts Deutschland-Geschäftsführer Jürgen Gallmann in den Vordergrund: "Für Microsoft hat die CeBIT in den vergangenen Jahren immer eine wichtige Rolle als Stimmungsbarometer für die Kunden und die gesamte Branche eingenommen." Zudem besitze der größte IT-Jahrmarkt der Welt auch für den Standort Deutschland einen sehr hohen Stellenwert: "Wir sollten alle stolz darauf sein, dass die größte ITK-Messe in Deutschland stattfindet", so Gallmann.

Leitmesse ja, aber …

Michael Kleinemeier, Geschäftsführer von SAP Deutschland und verantwortlich für den CeBIT-Auftritt des größten deutschen Softwarehauses, sieht das ähnlich. Zwar sei SAP auf Hausmessen ebenso vertreten wie auf "eigenen und öffentlichen Veranstaltungen". Unbestritten aber ist "die CeBIT die IT-Leitmesse in Deutschland wie auch weltweit". Kleinemeier fügt allerdings hinzu: "IT-Leitmesse ja, es sei denn, ihr Schwerpunkt verschiebt sich künftig noch stärker in Richtung Consumer Electronics und damit zur Zielgruppe der privaten Konsumenten."

Wie auch Bitkom-Vizepräsident Bonn sieht der SAP-Manager die wesentliche Bedeutung der CeBIT nicht in der Neuheitenshow: "Bei der B-to-B-Informationstechnik stehen Produktinnovationen weniger im Vordergrund." Die wirtschaftsrelevanten Innovationen spielten sich im Bereich der Prozessinnovation ab. "Darüber aber", moniert Kleinemeier, "wird viel zu wenig gesprochen."

Zusätzliche Impulse

Michael Ganser, Vice President und Deutschland-Geschäftsführer von Cisco Systems, ist sich "ziemlich sicher, dass die CeBIT zusätzliche Impulse für den IT-Markt setzen wird". Wesentliche Themen sind für ihn Breitband, Home-Networking und IP-basierende Videoübertragungen. Insbesondere für die professionellen Anwender dürfte die CeBIT Antworten zu intelligenteren IT-Strukturen sowie Service-orientierten Architekturen (SOA) geben.

Cisco ist allerdings ein Sonderfall unter den befragten Interviewpartnern, da der Netzausrüster überhaupt nicht an der CeBIT teilnimmt. Erklärt Ganser: "Cisco durchlebt den vielleicht wichtigsten Wandel, seit es die Company gibt: Den Wechsel von einem Networking- zu einem IT-Player." Die Ansprache gegenüber den Business-Kunden verändere sich dementsprechend erheblich. Es gehe nicht mehr darum, einen Router, einen Switch oder ein Security-Interface zu präsentieren. Vielmehr müsse sein Unternehmen heute zeigen, "wie Cisco die IT-Anwender auf dem Wandel von Transaktionen zu Web-basierenden Interaktionen, bei denen Networking-IT eine Rolle spielt, begleitet". Solcherlei Informationen könne man auf einer CeBIT in 15-minütigen Standgesprächen nicht optimal vermitteln. "Deshalb werden wir eine eigene Großkundenveranstaltung, die Cisco Expo, ausrichten."

So ganz ohne Auftritt soll es dann aber doch nicht gehen. Cisco will auf der Messe mit Kiss und Linksys präsent sein: "Für sie ist die CeBIT eine hervorragende Plattform." Zur Erinnerung: Cisco hatte Kiss Technology aus Hørsholm, Dänemark, im Jahr 2005 gekauft. Kiss stellt Div-X-fähige DVD- und vernetzte Festplatten-Abspielgeräte her. DivX ist ein Videokomprimierungsverfahren. Mit solcherlei Produkten dringt Cisco auch in das Segment der Heimunterhaltung ein. Das dänische Unternehmen wurde in die Linksys-Division von Cisco integriert.

Messen verlieren an Bedeutung

Die Erwartung von Bernd Bischoff, President und CEO Fujitsu-Siemens Computers (FSC), an die CeBIT ist eher scherzhaft gemeint: "Eine Milliarde Umsatz. Spaß beiseite, es ist schwierig, so eine Messe nach dem Return on Investment zu messen." Die FSC-Mitarbeiter würden zwar alle Messebesuche erfassen und kontrollieren, welche Gespräche nach einem halben Jahr zu einem Ergebnis geführt hätten. Aber für den Erfolg solch einer Messe "spielen andere Faktoren auch eine Rolle".

Prinzipiell ist der Chef von FSC verhalten skeptisch: "Ich glaube, dass Messen an Bedeutung verlieren, auch weil es zu viele gibt." Trotzdem: Für das Image sei es wichtig, präsent zu sein.

Ein Thema wird allerdings kontrovers diskutiert: Die 2005 eingeleitete Öffnung der CeBIT hin zur Unterhaltungselektronik beäugen die Chefs der großen deutschen IT-Hersteller mit großer Aufmerksamkeit und zwiespältigen Gefühlen. EMC-Manager Erlat bringt die Stimmung auf den Punkt, wenn er sagt, sein Unternehmen plane zwar, auch zukünftig in Hannover vertreten zu sein, "aber wir werden genau verfolgen, wie sich die Messe weiterentwickelt. Die CeBIT tendiert Richtung Consumer-Electronics, und das ist nicht unser Zielmarkt." Mehr oder weniger unverhohlen zieht Erlat auch einen Abschied von der Hannoveraner Messe in Erwägung: "Sollte sich der Trend verstärken, müssen wir uns überlegen, ob wir dort weiter investieren."

Seitenhieb auf Konkurrenten

Mit einem unmissverständlichen Seitenhieb auf einige Konkurrenten sieht Sun-Chef Schneider das Thema: "Uns freut es, dass FSC und HP Digitalkameras und Flatscreens präsentieren. Das zeigt nur deren Mangel an Fokussierung. Uns ist es egal, wenn die Kids über die Messe laufen." Allerdings ist Schneider möglicherweise entgangen, dass Hewlett-Packard (HP) wie auch vergangenes Jahr schon gar nicht auf der CeBIT ausstellt, sondern lediglich auf Partnerständen vertreten ist.

Kleinemeier von SAP sagt, die 2005 begonnene Neuordnung der CeBIT habe SAP sehr begrüßt. An dem Wechsel in der Ausrichtung sei sein Unternehmen selbst beteiligt gewesen. Trotzdem kritisiert er: "Die Positionierung wird aber immer ungenauer, so dass wir weiter beobachten müssen, inwieweit die Messe für die Zielgruppe der professionellen Geschäftskunden interessant bleibt. Die CeBIT sollte nicht zur Kopie der Berliner Funkausstellung werden." Der SAP-Manager befürchtet für sein Unternehmen in diesem Jahr noch keine Probleme: "Dadurch, dass wir im Business-Bereich ausstellen, heben wir uns relativ gut ab und sprechen fast ausschließlich kommerzielle Besucher an."

Wie Kleinemeier sieht auch Bischoff von Fujitsu-Siemens Computers die CeBIT zunehmend in Konkurrenz zur Funkausstellung: "Ich erwarte für das Consumer-Geschäft einen Wettlauf zwischen der CeBIT und der Internationalen Funkausstellung in Berlin." Zwei Messen zum gleichen Thema könnten aber nicht überleben: "Da wird wohl das bessere Konzept siegen."

Ein breites Angebot an Consumer- beziehungsweise Digital-Home-Produkten habe es schon vor einem halben Jahr auf der IFA gegeben. Das Interesse sei sehr groß gewesen, was insbesondere der Tatsache geschuldet sei, dass "Kommunikation, Computing und Consumer-Elektronik zusammenwachsen".

CeBIT und Digital Lifestyle?

Acer-Mann Ahrens stellt sich die Frage, "ob die Hannoveraner nicht etwas spät dran sind" mit der Integration des Themas Consumer-Elektronik. "Ich habe da meine Zweifel, ob die CeBIT das noch erfolgreich integrieren kann." Die Frage sei, ob eine Konzentration auf Business-IT und -TK nicht langfristig größeren Erfolg verspräche. "Für mich", sagt Ahrens, "passt das besser zu Hannover als der Digital Lifestyle".

Entspannt zeigt sich Microsofts Deutschland-Chef Gallmann beim Thema Consumer und CeBIT. Sein Unternehmen bedient beide Anwendertypen und will insbesondere das Geschäft mit Privatkunden weiter ausbauen. "Microsoft stellt auf der CeBIT sowohl Lösungen für Unternehmen als auch für Privatkunden vor. Insofern begrüßen wir die Entwicklung hin zu einer übergreifenden IT-Messe."

Gallmann sieht nicht die Gefahr, dass die Interessen von B-to-B-Anbietern durch den Spagat der Messeverantwortlichen nachhaltig geschädigt werden könnten. "Ich denke, dass diese Ausrichtung eher helfen kann, die jeweiligen Themen noch populärer und breiter zu kommunizieren." Außerdem würden Berufs- und Privatleben zumindest bezüglich der Möglichkeiten der digitalen Infrastruktur enger zusammenwachsen: "Diesem Trend kann sich kein bedeutender IT-Anbieter entziehen."

"Uns stört das nicht"

Ähnlich argumentiert man bei Acer, ebenfalls in beiden Kundensegmenten zu Hause: "Uns stört das nicht, wir bieten in beiden Märkten Produkte an", beantwortet Acer-Chef Ahrens die Frage nach einem allzu schwierigen Spagat, den die Messe vollführt.

Hatte sich der Bitkom noch 2005 eher wenig begeistert über die Hinwendung der CeBIT zur Consumer-Elektronik geäußert, so sieht man die Neuausrichtung mittlerweile anders. Bitkom-Vizepräsident Bonn hierzu: "Auch unsere Industrievereinigung muss in Zeiten der Konvergenz an ihren Positionen feilen." Eine Trennung zwischen IT und Unterhaltungselektronik gebe keinen Sinn mehr. Die Messe sei ein Spiegel des Marktes, und die Consumer-Produkte gehörten inzwischen einfach dazu. Dies gelte auch deshalb, weil kommerzielle IT und Unterhaltungselektronik zum Teil von den gleichen Unternehmen angeboten würden. "Außerdem wird auch der private Haushalt immer stärker zum Ort komplexer Informationsverarbeitung. Daran kommt eine Messe wie die CeBIT nicht vorbei."

IT-Zukunft 2006

Nach den Worten Bonns erwartet der Bitkom für 2006 in der Informationstechnik ein Wachstum von mehr als drei Prozent. Das Umsatzplus im deutschen IT-Markt liege über dem Vorjahr, allerdings leicht unter dem Durchschnitt in Westeuropa. Das Wachstum werde im Wesentlichen getrieben von den Themen Software, IT-Services und Beratungsleistungen. "Die allgemein gute Stimmung wirkt sich natürlich auch auf die Messe aus", sagte Bonn. Er bezieht sich dabei auf Veröffentlichungen wie unter anderem die des Münchner Ifo-Instituts, das vor kurzem in seinem regelmäßig veröffentlichten Klimaindex festgestellt hatte, die Stimmung in deutschen Firmen sei so gut wie letztmals zu Zeiten der Wende.

Sun-Manager Schneider vertritt die Meinung, es werde erstmals auch nicht mehr nur um das Thema Kostenreduzierung gehen: "Es wird wieder über Ersatzinvestitionen und über neue Geschäftsmodelle gesprochen." Die Gespräche mit Kunden zielten, so Schneider, in eine ganz andere Richtung als noch vor wenigen Jahren. Die IT-Branche orientiere sich derzeit vor allem an Geschäftsprozessen, was "letztendlich auch zu mehr Investitionen" führen werde.

SAP-Mann Kleinemeier verbindet mit der CeBIT 2006 ebenfalls eine Hoffnung: "Sie wird hoffentlich erfrischender als die der vergangenen Jahre." Zu erwarten sei eine verstärkte IT-Investitionsbereitschaft bei mittelständischen Unternehmen, die so ihre Marktposition ausbauen wollen.