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03.03.1995

CeBIT-Rundgang/Der Desktop-PC als Kommunikationszentrale Videokonferenz: Mit Multimedia das Ohr am Puls der Zeit haben

CW-Bericht, Gerhard Holzwart

Technik fuer Avantgardisten oder erste (reale) Vorboten kuenftiger Information-Highways. Die Einschaetzungen moderner Videokonferenzssysteme gehen in der Branche immer noch auseinander - genauso wie die bezueglich des Geschaeftes mit entsprechenden Loesungen. Waehrend manche Zeitgenossen hier einen Markt explodieren sehen, sprechen andere immer noch von einer "stabilen Nische".

Knapp 100000 Videokonferenzsysteme sind nach Schaetzungen US- amerikanischer Marktforscher derzeit weltweit im Einsatz, in etwa die gleiche Zahl duerfte Analysten zufolge dieses Jahr ueber den Ladentisch gehen - was ein immenses Wachstum fuer diesen Markt bedeuten wuerde. Und falls - wofuer vieles spricht - die "Multimedia-Zentralen" noch preisguenstiger und flexibler einsetzbar werden, erwartet man 1996 den Absatz von mindestens 300000 kombinierten Desktop-Video- und -Conferencing-Systemen.

ISDN als Motor des Videokonferenz-Booms

Unter Experten unstrittig ist die Tatsache, dass zwei, wenn man so will, Katalysatoren den Videokonferenzmarkt aus seinem Dornroeschenschlaf gerissen haben: Die Verfuegbarkeit relativ preisguenstiger und kompakter Desktop-Systeme und eine taugliche

(weil bezahlbare) Uebertragungstechnik wie ISDN. Die Zeiten grosser Videokonferenzstudios mit wochenlanger Voranmeldung (in Deutschland bis dato hauptsaechlich auf Basis des Vermittelten Breitbandnetzes VBN betrieben) scheinen jedenfalls passe - wofuer natuerlich zunaechst zwei Namen stehen: Intels (allerdings proprietaere) Desktop-Conferencing-Familie "Proshare" und die Telekom mit ihrem besagten ISDN-Netz sowie als "Wiederverkaeufer" von Proshare.

Beide Unternehmen sind also sicherlich mit erste Anlaufstellen (Halle 11, E38 beziehungsweise Hallen 1 und 16), wenn es um eine Orientierung in Sachen Videokonferenz geht (Neue Produkte waren bis Redaktionsschluss nicht bekannt). Und vielleicht auch Apple Computer (Halle 11, D14). Das kalifornische Unternehmen hat vor rund vier Wochen auf der Intermedia '95 in San Franzisko ihren "strategischen Einstieg" in den Videokonferenzmarkt angekuendigt.

"Quicktime Conferencing" heisst das entsprechende Produkt, das zwar erst im Sommer auf den Markt kommen wird, dann aber kompatibel zum H.320-Standard und auf jeder PC-Plattform einsetzbar sein soll.

"Lets talk Image" heisst das Motto des Telekom-Konkurrenten British Telecom (BT) (Halle 16, D08) im Bereich Video- /Multimediakommunikation. Der Londoner Carrier ist dieses Jahr zum ersten Mal mit einem eigenen Stand auf der CeBIT und stellt dort insgesamt fuenf Videokonferenzloesungen aus. "VC 6000" ist die Bezeichnung fuer ein "Rollabout"-System zum Preis von rund 40000 Mark, das dann allerdings laut BT auch einen Qualitaetsstandard bietet, den man sonst nur von entsprechenden Studios her kannte. Die Bandbreite moeglicher Uebertragungsgeschwindigkeiten reicht von 128 Kbit/s bis 384 Kbit/s; der Anwender benoetigt zum Anschluss lediglich eine Steckdose und einen ISDN2-Anschluss.

"VC7000" ist ein gut 15000 Mark teures sogenanntes ISDN-Tischgeraet der Briten, mit Farbbildschirm, integrierter Kamera, Waehltastatur und Codec. An Uebertragungsraten stehen hier 64 Kbit/s oder 128 Kbit/s zur Verfuegung - sowie Schnittstellen fuer periphere Audio- und Videogeraete (Zusatzkameras, Dokumentenstation, Zusatzbildschirme etc.). Mit dem etwas preisguenstigeren "VC-8000"- Set kann der PC, wie es bei BT heisst, zum Videotelefon aufgeruestet werden.

Es besteht aus einer Zusatzkarte zu einem Standard-PC (ab 386er- Prozessor), einem ISDN-Adapter, je einem Audio- und Video-Codec, einer Kamera, einem Telefon sowie der zugehoerigen Software. "Multipoint Videoconferencing Service" und "Business TV" heissen die High-end-Loesungen der Briten - was im ersten Fall die grenzueberschreitende Zusammenschaltung von ISDN-Videokonferenz- Sessions bedeutet, im anderen Fall die TV-Uebermittlung via Satellit von einer Zentrale aus zu unterschiedlichen europaeischen Zielorten mit einem Audio-Rueckkanal ueber Telefon.

Mehrpunktkonferenz als neues High-end-Feature

Desktop-Multimedia steht auch im Mittelpunkt bei der Buerotechnik Bissinger GmbH (Halle 8, C35), deutscher Distributor fuer die Produkte des texanischen PC-Videokonferenz-Spezialisten Vtel. Am Stand des schwaebischen Kommunikationsunternehmens, dass auf ein grosses Videokonferenz-Vorzeigeprojekt bei der Muenchner BMW AG verweisen kann, werden unter anderem die Vtel-Loesungen "Vtel115S", "Vtel127S" und das Mehrpunkt-Konferenzsystem "Multimax II" zu sehen sein.

"Vtel115S" ist nach Angaben des Herstellers als Loesung fuer die Videokommunikation zwischen Firmenzentrale und Aussenstellen konzipiert und besteht im wesentlichen aus einem ISA-PC, einem 15- Zoll-SVGA-Monitor, Windows 3.1, Keyboard, Maus, einer steuerbaren CCD-Kamera mit eingebautem Mikrofon und einem integriertem ISDN- Basisanschluss. Das knapp 19 000 Mark teure System unterstuetzt zudem die H.320-Norm und ist ueber Multipoint-Control-Units (MCU) mehrpunktkonferenzfaehig.

Zwei Raum-Lautsprecher als Quasi-Draufgabe

"Vtel 127S" basiert auf der sogenannten "SMAX"-Plattform von Vtel und besteht ebenfalls aus einem ISA-PC, 27-Zoll-Monitor, Windows 3.1 und CCD-Kamera. Als quasi Draufgabe gibt es bei diesem Paket zwei Raum-Lautsprecher sowie ein Sieben-Kilohertz-Echocanceller. Die Zusammenschaltung mehrere ISDN-B-Kanaele (ISDN-Basisanschluss ist integriert) ermoeglicht hier nach Angaben von Vtel die "dynamische Bandbreitenanpassung" mit Uebertragungsraten von 56 Kbit/s bis 384 Kbit/s. Mit der MCU-Loesung "Multimax" schliesslich bieten die Texaner ein H.320-kompatibles Konzept fuer die Zusammenschaltung von bis zu 80 Videokonferenzteilnehmern in zehn gleichzeitigen Sessions an.

Auch die hauptsaechlich aus dem LAN-Equipment-Geschaeft bekannte Datapoint Corp. ist auf der CeBIT in Sachen Videokonferenz praesent. Auf dem Messestand der Konstanzer Vincent GmbH (Halle 8, C31/1), seit Ende letzten Jahres offizieller Vertriebspartner fuer die "Minx"-Produktreihe der Amerikaner, wird die neue "Minx NVS"- Serie zu sehen sein. Minx steht im uebrigen fuer "Multimedia Information Network Exchange" und ermoeglicht die Integration von Desktop-Videokonferenz-Anwendungen in bestehende Computersysteme unterschiedlicher Plattformen. Technisch ausgedrueckt bedeutet dies Full-Motion-Video ueber ein lokales Videonetz mit bis zu 786 Verbindungen und im ueberregionalen Bereich Standard-H.320- Komprimierung mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde.

Die neue NVS-Produktreihe zeichnet sich Datapoint zufolge in ihrer aktuellen Version 3 durch mehrere Vorzuege gegenueber ihren Vorgaenger-Releases aus. So konnte durch noch staerkere Integration der Komponenten die gesamte Funktionalitaet auf einer internen PC- Steckkarte beziehungsweise in einem kleinen handlichen Zusatzgeraet (NVS) untergebracht werden. Die optional mit Voll-Duplex-Echo- Unterdrueckung lieferbaren Systeme sind also mittels einer Kamera- Lautsprecher-Kombination direkt am PC oder auch stand-alone zu betreiben. Beim PC-Betrieb ist zudem die Steuerung durch das Windows-Programm "Win Minx" moeglich, das die Anwahl der Teilnehmer via Telefonbuchfunktion, die Anzeige des Gespaechspartners in einem Videofenster sowie die Konfiguration des Systems gewaehrleistet.

Die in Singapur ansaessige Creative Technology Ltd. stellt (zusammen mit ihrer Tochtergesellschaft Share Vision Technology Inc.) (Halle 9, D37) mit "Share Vision PC300" und "Share Vision PC3000" erstmals zwei neue Multimedia-Kommunikationsloesungen fuer die PC-Plattform vor. Erstere steht fuer Data-Conferencing ohne Video, zweitere fuer Video-Desktop-Conferencing. Beide Produkte koennen laut Hersteller sofort eingesetzt werden, da sie ueber das analoge Telefonnetz(!) betrieben werden und nur eine einzige Telefonleitung benoetigen, um Sprache, Video, Grafik, Bilder, Texte und Daten zu uebertragen.

Jedes Share-Vision-Produkt arbeitet mit einem Bildschirm- gestuetzten Telefon, einem sogenannten interaktiven Online- Whiteboard, einem Application-Sharing-Tool (zur gemeinsamen Nutzung von Software-Anwendungen) sowie einem High-speed-Daten- und -Fax-Modem. Zum Lieferumfang des fuer rund 1300 Mark erhaeltlichen Share Vision PC300 gehoert eine Audio- Kompressionskarte, besagtes externes High-speed-Fax-Modem, die Share-Vision-Software sowie ein Kopfhoerer. Das knapp 2900 Mark teure Share-Vision-PC3000-Paket besteht aus den Share-Vision- PC300-Komponenten und bietet dem Anwender darueber hinaus noch eine Farb-Videokamera sowie Videodatenuebernahme (Video-Capture) und das Kompressionsboard Video Blaster RT300.

Videokonferenz etwas anders als (die meisten) anderen demonstriert auch die Radvision Ltd. (Halle 12, A14), ein Unternehmen der israelischen RAD-Gruppe. Die Israelis zeigen ihr schon im Herbst vergangenen Jahres auf diversen kalifornischen Messen vorgestelltes "On-LAN"-System - ein, wie sie sagen, robustes Connectivity-Paket zur Verbindung von H.320-kompatiblen Videokonferenz-Stationen ausschliesslich in herkoemmlichen Ethernet- LANs. On-LAN funktioniert dabei wie eine Art "Video-PBX", dient also in Form eines vorkonfigurierten Routers als Schnittstelle zu den ISDN- beziehungsweise WAN-Services grosser Carrier.

Videokonferenz nach wie vor (besser gesagt erst recht) im Breitband-ISDN kann man sich indes am Stand der Fakultaet Informatik der Technischen Universitaet Dresden (Halle 22, D05) ansehen. Die saechsischen Informatiker zeigen dort eine digitale Multimedia-Konferenz mit Audio- und Video-Verbindungen zwischen raeumlich verteilten Teilnehmern. Die Besonderheit dieser Anwendung liegt, wie es heisst, in der gleichzeitig moeglichen gemeinsamen Nutzung von Software-Werkzeugen - etwa zur Entwicklung von Bauplaenen durch kooperierende Architekten. Diese Funktionalitaet soll am Beispiel der Dresdener Stadtplanung praktisch illustriert werden. Der Pilotversuch basiert auf dem System "Multimedia Collaboration" aus dem Berkom-II-Projekt der Telekom-Tochter DeTeBerkom.

Neue Desktop-Familie von Marktfuehrer Picturetel

Last, but not least muss man natuerlich beim Thema Videokonferenz vom derzeit wohl unumstrittenen Marktfuehrer reden - von Picturetel (Halle 8, C27). Die US-Company hat sich als eine Art Videokonferenz-Pionier naturgemaess ihre Meriten bis dato eher im Bereich von High-end- und Midrange-Loesungen verdient, kann aber seit einiger Zeit auch schon mit einer recht umfangreichen Produktpalette fuer den Desktop aufwarten.

Zur CeBIT '95 stellt Picturetel mit "PCS 50" dem europaeischen Publikum erstmals eine neue Familie standardbasierter Desktop- Videoconferencing- und Application-Sharing-Systeme vor. Diese erweitert, wie der Hersteller angibt, den PC zu einem Videokommunikations-Terminal. Bezogen auf die Produkt-Features heisst dies, dass jeder PC-Benutzer durch die Implementierung einer Karte, Aufspielen der entsprechenden Software sowie die Verbindung des PCs mit Kamera und Audioeinheit weltweit mit Gespraechspartnern von Angesicht zu Angesicht kommunizieren kann.

Application-Sharing als zweitwichtigste Anwendung

Neben der Videokommunikation ermoeglicht das - je nach Ausstattung - schon fuer knapp 6000 Mark erhaeltliche System auch umfassendes Application-Sharing: Windows-Texte, -Grafiken und -Tabellen koennen gemeinsam besprochen, simultan bearbeitet und veraendert werden. Dazu benoetigt laut Picturetel nur noch ein Partner die entsprechende Applikation auf seinem PC. PCS 50 erweitert die bestehende Desktop-Reihe "Live" um insgesamt sechs unterschiedlich konfigurierbare Systeme. Bereits zur letztjaehrigen CeBIT hatte Picturetel mit "PCS 100" ein H.320-basiertes Desktop-System vorgestellt. Dieses soll, wie es heisst, weiter vertrieben werden und die Live-Familie nach oben abrunden.