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27.04.1979

CeBIT: Soll die Hardware im Keller bleiben?

Die Anwendungen standen auf der diesjährigen Hannover-Messe unbestritten im Vordergrund der Computerhersteller-Präsentationen: Software-Demonstrationen - zumeist branchenbezogen - ließen "elektronische Imponierschränke" - wie Heinzgünther Klaus von Honeywell Bull, Köln, die Hardware bezeichnet - fast völlig in den Hintergrund treten. Ob allerdings die Hannover-Messe mit ihrem heutigen Konzept das richtige Forum für qualifizierte Software-Beratung ist, zweifelt Dieter Gallist, Marketing-Leiter bei NCR in Augsburg, an. Dennoch - und darüber sind sich die drei befragten EDV-Hersteller einig: Wichtig sind nach wie vor Kontakte, Kontakte und nochmals Kontakte . . .

Heinzgünther Klaus

Honeywell Bull AG, Köln

Die alljährlichen CeBIT-Diskussionen über Sinn und Nutzen augenfällig ausgestellter Hardware sind so sicher wie die aprilfrischen Baustellen auf den Autobahnen nach Hannover. Auch 1979 bewegte das Reizthema die an messetechnischen Grundsatzfragen Interessierten. These: Die Anwendung steht - unbestritten - im Blickpunkt der computerbezogenen Präsentationen; für den Benutzer sind elektronische Imponierschränke weniger wichtig als die damit rationalisierten organisatorischen Abläufe (ebenfalls unbestritten); der Wandel von der Direktdarstellung der Apparate zur subtilen Visualisierung der Applikationen sollte angestrebt und gefördert werden (durchaus zweifelhaft).

Zweifel deshalb, weil die Kette der Überlegungen aufzeigt, wie man aus richtigen Prämissen die falschen Schlüsse ziehen kann, wenn man Gegensätze konstatiert wo Sachzusammenhänge vorherrschen. Zwar läßt sich die gedankliche Trennung von Hardware und Problemlösungsverfahren bis zu einem gewissen Abstraktionsgrad durchführen. Das ist sogar wünschenswert, weil die Differenzierung dem Verständnis von Ursache und Erfolgswirkung dient - doch zum physischen Rückzug der "langweiligen Kästen" vom Messestand besteht kein Anlaß, denn das Gerät gilt so lange als Träger (und nicht nur als Symbol) seiner Funktion, wie die Funktion von der Beschaffenheit der Gerätschaft, von Technologie und "State of the Art" beeinflußt wird - und diese Beeinflussung ist beim innovativen Schnellgang der EDV-Entwicklung ein branchenweit akzeptierter Dauerzustand.

Die starke begriffliche und anwendungsbezogene Verschränkung von Hardware, Software, Firmware - von Instrumenten und Einsatzmöglichkeiten also - bedingt, daß eine bestimmte Organisationsidee nahezu unablösbar auf den gegenständlichen Funtkionsträgern ruht - zumindest erscheint es wegen der Verdeutlichung von Funktionalität unzweckmäßig, Abstraktes dadurch aufzuwerten indem man Konkretes verbannt weil man das optisch Präsente als vorgründige Verlockung mißversteht.

Schreckensvision CeBIT 1984: Der Informationssuchende wandelt auf blechfreiem Teppichboden durch die Flipchart-Ödnis der Diagramme. Multivisionswände, Dias, Bilder, Bücher und Prospekte ersetzen vulgäre Unmittelbarkeit - der technologische Fortschritt findet als Beratergespräch statt . . .

Doch wie soll man ein modernes Fernwartungssystem verinnerlichen, wenn man kein schickes Modem stemmen darf? Womit den Trend zum Distributed Processing demonstrieren, wenn der verteilte Prozessor fehlt? Wie plastisch ist und wirkt eigentlich ein körperloses Konzept?

Freilich: Die angeheizte Phantasie macht das Prinzip Liebe auch ohne Zielobjekt vorstellbar. Besser aber mit!

Josef Pecher,

Direktor Marketing Sperry Univac, Sulzbach/Ts.

Heutzutage fährt kein Interessent mehr nach Hannover, um sich dort viereckige, mit Blech verkleidete Kästen anzusehen. Einzig und allein durch Fachgespräche können Besucher noch auf die Stände gelockt werden. Die Hannover-Messe hat zudem ein ganz wesentliches Element, und zwar soll hier das Profil und Image eines Unternehmens offengelegt werden.

Dennoch: Ganz ohne Hardware kommt man als EDV-Anbieter in Hannover nicht an. Wir haben alle wesentlichen neuen Produkte durchaus akzentuiert. Allerdings sind diese Systeme eingebettet in Software. Die Hannover-Messe als Hardware-Show zu verstehen, gehört der Vergangenheit an.

Wir haben unser Konzept von vornherein so abgestimmt, bereits bei den Einladungen, uns auf dem Messe-Stand zu besuchen, schwerpunktmäßig nicht den EDV-Chef anzusprechen, sondern vor allem diejenigen im Unternehmen, die tatsächlich EDV-Leistung nutzen, nämlich die Fachabteilungsleiter. Wir wollen ihm zeigen, welche Möglichkeiten die EDV heute bietet, um ihn vielleicht dazu zu bringen, zu überlegen, in welcher Form er in seinem Unternehmen vergleichbare Lösungen realisieren kann. Ziel unserer Demonstration soll sein, dem Besucher Entscheidungshilfen in Form von Denkanstößen mitzugeben. Auf unserem Stand soll nicht das komplette Demonstrationspaket ausgelotet, sondern demonstriert werden, wie der Dialog Mensch/Maschine funktionieren kann. Der Interessent soll dahingeführt werden, seine Tagesprobleme mit einem Fachmann durchsprechen zu können, der nicht gleichzeitig auch der Hardware-Hauslieferant sein muß. Sicherlich kann man eine derartige Beratung auch anders durchführen, indem man zum Beispiel am ersten Montag im Monat jeweils in der Sperry Univac-Hauptniederlassung eine Buchhaltungs-Show veranstaltet und an jedem ersten Dienstag eine Speditionsanwendung zeigt. Dennoch hat der Anwender auf der Messe Gelegenheit, diese Anwendung mit Lösungen anderer Hersteller umgehend zu vergleichen.

Die Mehrheit der Besucher hier auf unserem Stand kommt nach Hannover, um ihre akuten Probleme zu diskutieren und Lösungsansätze zu finden. Gerade deshalb steigt doch auch das Interesse an der Münchner "SYSTEMS", die sicherlich nicht darauf ausgerichtet ist, Hardware zu präsentieren, sondern vielmehr durch die vielen Fachsymposien Lösungsansätze zeigen will.

Dieter Gallist,

Marketingleiter, NCR Augsburg

In unserem Haus wird seit längerer Zeit ernsthaft darüber diskutiert, ob die Hannover-Messe in ihrer jetzigen Konzeption noch das geeignete Forum ist, um unsere Kunden und Interessenten zu beraten. Vor allem deshalb, weil unser Bestreben dahin geht, Systemlösungen für Branchenprobleme anzubieten. Sicherlich ist die Messe nicht die ideale Umgebung, um präzise und detailliert auf die Probleme des einzelnen eingehen zu können.

Die Hannover-Messe dient dem Hersteller und dem Kunden allenfalls dazu, einen großen Überblick darüber zu bekommen, welche Produkte derzeit angeboten werden, sozusagen ein Inhaltsverzeichnis der DV-Branche.

Der wichtigste Grund, warum wir in Hannover bleiben, ist, daß es sich ein einzelnes Unternehmen nicht leisten kann, wegzubleiben. Möglich wäre dies nur dann, wenn sich einmal drei oder mehr EDV-Hersteller dazu entschließen könnten, sich zum Beispiel mehr auf die "SYSTEMS" zu konzentrieren und in Hannover nicht mehr präsent zu sein. Wir selbst sehen ein zu großes Risiko darin, im Alleingang von Hannover wegzugehen. Die Assoziation, daß es einem Unternehmen dann schlecht geht, liegt zu sehr auf der Hand.