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02.05.1980 - 

Dem Rätsel um den Messe-Erfolg auf den Fersen:

CeBIT - Treffpunkt der Luftikissenfahrer?

HANNOVER (gr) - Die Messe der Messen ist vorbei. Aufträge in Höhe von insgesamt mehr als 2,1 Milliarden Mark wurden nach Mittteilung der Messegesellchaft geschlossen. Für die drei CeBIT-Hallen spricht die Gesellschaft von "beachtlichen Abschlüssen". Das Nachmessegeschäft dürfte gute Erfolge bringen. Gerade die Büro- und Informationstechnik erweist sich als das Rationalisierungsinstrument, so daß der Fachverband für 1980 zweistellige Wachstumsraten erwartet. Bei den steigenden Personal-, Material- und Energiekosten ist die Automation im Bürobereich eine wesentliche Möglichkeit für den Unternehmer, "seine Kosten im Griff zu behalten", erklärte Josef Pecher, Marketingdirektor der Sperry Univac, Sulzbach/ Taunus.

"Die Messe zeigt, wie rasch die Unternehmer ihre Investitionen durchführen wollen", erklärte Fritz Jörn für Hewlett-Packard. "Die Investitionsfreudigkeit hält gut an. Ein Boom ist nicht zu sehen, doch sieht sich die Industrie weit entfernt vom Pessimismus "

Hannover präsentiert sich nach Ansicht vieler Hersteller als Informations- und Kaufmesse. MAI und Nixdorf schlossen beide nach eigenen Angaben Verträge über rund zehn Prozent ihres Jahresumsatzes ab. Die Allgeier Computer GmbH, Bremen, und Hewlett-Packard setzen die Messe nicht als Verkaufsinstrument ein, weil sie erklärungsbedürftige Applikationen für den Kunden lieferten.

"Die Toten werden nach der Schlacht gezählt", meint Peter Wolf für die Datic. Der Messe-Erfolg zeige sich erst in drei bis vier Monaten. "Abschlüsse auf der Messe sind eine Show", urteilt Dr. Manfred Wittler, Geschäftsführer der General Electric Informations-Service GmbH Köln, weil Großinvestitionsentscheidungen etwas anders getroffen würden als Spontankäufe im Supermarkt. Doch auf der Show wollen weder die Anbieter, die am vorletzten Messetag leicht überfordert waren und ab und an dem Interessenten lieber den Rücken zudrehten, noch die Besucher fehlen. "Fehlt ein Hersteller auf der Veranstaltung, glaubt die Branche, er sei in Schwierigkeiten", räsoniert Jörg Michaelis als Vertriebsleiter von RC Computer GmbH, Hannover. Leisten können es sich also nur die über jeden Verdacht erhabenen Marktpartner, seien es nun Hersteller oder Anwender.

Medien kein Messe-Ersatz.

Keine der neuen, in den CeBIT-Hallen demonstrierten Kommunikationstechniken sei im Stande, den Messetrubel und das Kennenlernen von Gesprächspartnern und Maschinen zu ersetzen "Hannover wird bleiben wie bisher", sagt ein Sprecher der IBM dazu, eine Einstellung, der auch der Kommunikationskonzern Siemens anhängt "Die Teilnahme an der Messe bedarf keiner Kosten-/Nutzenanalyse", erläutert der IBM-Vertreter weiter. "Hannover muß sein, die Messe ist eine Institution ". Im Vordergrund stehen laut Siemens oder Deutsche Eurotech das direkte Gespräch, persönlicher Kontakt, Erproben von Lösungen und das Anfassen der Maschinen, Messekomponenten, die durch den Einsatz von Medien verloren gingen. Dennoch nutzen Hersteller wie IBM die Medien zur Demonstration vor allem im Bereich der Basisdatenversbeitung.

Dem nach Ansicht von Gerti Schmitz, Computext, übertriebenen Messeaufwand begegnen die Veranstalter, indem sie die Schau 1981 um einen Tag verkürzen. Dem Wunsch zur Neugliederung der Exponate nach Fachgebieten könnte die geplante, neue Mehrzweckhalle entgegenkommen. Doch erscheinen diese Maßnahmen wie ein Kurieren an Symptomen. Paul Müller von der Sperry Univac hielte einen zweijährigen Turnus für günstiger, um nicht das ganze Jahr über mit Hannover beschäftigt zu sein; Reiner Schneyer von der GmbH glaubt, obwohl zum ersten Mal in Hannover vertreten, sein Unternehmen auf Fachmessen besser aufgehoben; eine Version, der sich Marktbeobachter anschließen und die dem Trend der Vertriebskonzeptionen in der Branche entspricht.

In der Regel werden nicht nur einem Unternehmenssprecher zufolge upgedatete Produkte vorgestellt, die sich zudem äußerlich immer mehr ähnelten. Die Messe wird damit zu seiner Imagewerbung; viele Anwender kämen deshalb auch nicht mehr zur "größten Investitionsgüterschau". Doch ist die Warteliste für den Ausstellungsplatz der Wichtigen nach Mitteilung der Messegesellschaft noch lang.