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09.04.1993 - 

Thema der Woche

CeBIT ´93: Grund des Jubels bleibt weitgehend verborgen

Auf die um 11 000 auf 660 000 angestiegene Besucherzahl, ueber die sich die Messe AG in der Abschlusspressekonferenz sichtlich erfreut zeigte, legen die Mitgliedsfirmen des Bundesverbandes Buero- und Informations-Systeme e.V. (BVB) freilich keinen gesteigerten Wert. Der weitaus groesste Teil von ihnen "verneinte" in einer vom BVB durchgefuehrten Befragung "einen direkten Zusammenhang zwischen allgemeinen Besucherzaehlungen und bewertbarem Messeerfolg". Der haenge einzig und allein davon ab, ob die "richtigen Partner zusammenkommen".

Gleichwohl erwaehnt der BVB die mangelnde Besuchermasse bei Bueromaschinen- und Computerhardware-Herstellern. Die betreffenden Unternehmen verzeichneten im Vergleich zum Vorjahr ein bis zu 30 Prozent geringeres Besucheraufkommen auf ihren Staenden. Als "Publikumsmagnete" haetten sich in diesem Bereich allenfalls interessante PC-Peripherie und neue Prozessorankuendigungen erwiesen.

Wie wenig die Messe den in Halle eins vertretenen Mainframe- Anbietern gebracht haben duerfte, kann an folgender Aeusserung von Hubert Lange, Vorstandsmitglied der Deutschen Messe AG, abgelesen werden: "Fuer die CeBIT 94 gibt es auch Anfragen einzelner Aussteller nach mehr Standflaeche. Wir koennen diese Wuensche ohne Neubauten oder weitere Hallen befriedigen, weil Grosshardware- Hersteller Flaeche freigeben."

Dagegen erfreuten sich Anbieter von DV-Konzepten wie Client- Server-Computing oder Rightsizer eines bis zu 75 Prozent gestiegenen Besucherinteresses, berichtet der BVB.

Von den insgesamt 660 000 Besuchern kamen nach Angaben der Veranstalter 104 000 aus dem Ausland (Vorjahr: 91 500). Aus den EG-Laendern reisten allerdings mit 37 000 kaum mehr Interessenten an die Leine als 1992. Das gleiche gilt fuer die uebrigen west- und suedeuropaeischen Laender, aus denen 30 000 Besucher zur CeBIT fuhren. Zugenommen hat dagegen das Interesse in Osteuropa, 14 000 Gaeste von dort besuchten das Mammutspektakel (Vorjahr: 9700). 13 000 (8700) Leute reisten aus dem asiatisch-pazifischen Raum und 8300 (5800) aus den USA an. Die Deutsche Messe AG fuehrt den erneut hoeheren Zustrom nicht zuletzt auf ihre "intensivierten CeBIT- vorbereitenden Kommunikationsmassnahmen" zurueck.

Obwohl die CeBIT in der rezessiven wirtschaftlichen Lage "fuer einen deutlichen Stimmungsaufschwung" gesorgt habe, teilte der BVB die Einschaetzung der Veranstalter nicht, die Branche gehe nach der Messe "mit frischem Wind in das konjunkturpolitische Schluesseljahr 1993". Dieser Optimismus helfe den meisten der vom BVB befragten Aussteller nicht ueber die "Unsicherheit hinweg". Diese fragten sich weiterhin, "ob sich der Konjunkturabschwung noch in diesem Jahr umkehren" lasse.

Der Fachverband Informationstechnik im VDMA und der Fachverband Kommunikationstechnik im ZVEI stellten den guten Messeverlauf ebenfalls ausdruecklich in Zusammenhang mit der "abgekuehlten Konjunktur" und den im Vorfeld der CeBIT gehegten "gedaempften Erwartungen bezueglich des Messeverlaufs". Fuer den Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) wurden die im "Zeichen der allgemeinen Wirtschaftslage niedriger angesetzten Erwartungen der Mitgliedsfirmen hinsichtlich des diesjaehrigen Verlaufs der CeBIT in weiten Bereichen uebertroffen".

Positives meldet der Veranstalter auch ueber die Besucherqualitaet, die sich nochmals gesteigert habe. So seien etwa 180 000 Besucher (1992: 164 000) in ihren Unternehmen "in fuehrender betrieblicher Stellung, als Geschaeftsfuehrer, Vorstand oder Direktor" taetig. Immerhin noch 445 000 Messegaeste, so die Deutsche Messe AG weiter, seien "beratend bis ausschlaggebend in Einkaufsentscheidungen ihrer Unternehmen" eingebunden.

Diese Aussage deckt sich nur teilweise mit den Erfahrungen von Ausstellern, die vor allem am Wochenende einen Mangel an Fachpublikum beklagten: "Fuer uns als OEM-Lieferanten ist das Wochenende natuerlich uninteressant. So viele Werbegeschenke, wie man fuer die Kids brauchen wuerde, kann man gar nicht mitnehmen", meinte beispielsweise Michael Wendl von Conner Peripherals GmbH. Auch Agathe Freudl, Oeffentlichkeitsarbeiterin bei der Schneider & Koch Datensysteme GmbH, stellt das Wochenende in Frage: "Fuer uns war die Messe sehr gut, allerdings koennte sich die Messegesellschaft das Wochenende sparen. Fuer uns in der Netzwerkhalle sind diese Tage verloren, aber wir duerfen den Stand ja nicht fuer zwei Tage schliessen."

Elke Jaeger von der Muenchner Alldata GmbH meinte, dass zumindest zur Sonderschau "Bank-Finanz-Systeme", auf der ihr Unternehmen vertreten war, "ein leichter Besucherrueckgang" zu verzeichnen gewesen sei. Besonders das Wochenende "bringe nichts", betonte sie. Ins gleiche Horn stoesst Hiltrud Videk-Mertens, Marketing-Leiterin der Epson Deutschland GmbH: "Die Messe ist generell zu lang. Am Wochenende hat die eigentliche Vertriebsmannschaft nichts zu tun." Obwohl die Marketing-Frau mit dem Verlauf der Messe zufrieden ist, kann sie sich auch einen zweijaehrlichen Turnus fuer die CeBIT vorstellen.

Preisbewusstsein wurde offenbar unter den Kunden der vom BVB befragten Firmen grossgeschrieben, denn fuer ihre Klientel sei der staerkste Anreiz, jetzt in DV und Kommunikations-Equipment zu investieren, "das inzwischen attraktive Preis-Leistungs- Verhaeltnis" der angebotenen Ware.

Ob auch innovative Produkte und Loesungen das Kaufinteresse geweckt haben, ist aus dem Kommunique des Verbandes nicht zu entnehmen. Dafuer habe sich schon waehrend der Messe gezeigt, dass der "private Konsument" in den fuer ihn interessanten Maerkten PC- Hard- und -Software sowie Telefon mit "weiteren Preisreduzierungen rechnen" koenne.

Werner Suelzer, Geschaeftsfuehrer der Olivetti GmbH, ist sehr zufrieden mit dem Abschneiden seiner Firma auf der Messe. Er fuehrt den Erfolg allerdings nicht zuletzt darauf zurueck, dass man sich "vom Laufpublikum entkoppelt" habe. Bereits im Vorfeld der Messe seien Kunden und potentielle Klientel gezielt eingeladen worden. Suelzer will ebenfalls eine verkuerzte CeBIT, die nicht laenger als von Dienstag bis einschliesslich Samstag dauert und von 8.00 bis 17.00 Uhr geoeffnet ist. "Dabei sollten die ersten beiden Tage den Fachbesuchern vorbehalten sein."

Mit dieser Forderung befindet sich der Olivetti-Mann eigenen Aussagen zufolge "in Konsens" mit anderen grossen Ausstellern in Halle eins, mit denen er ueber das Thema gesprochen habe.

Die Deutsche Messe AG hat den Termin fuer die CeBIT 1994 indes schon bekanntgegeben. Sie findet vom 16. bis 23 Maerz statt.