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26.04.1985 - 

Mikropreise, Unix und Btx-Entwicklung die Fachthemen in Hannover:

CeBIT verabschiedet sich mit Rekordzahlen

HANNOVER (ru/lh/bi/cmd) - Die Messemacher waren sich schon vorher einig: Ein Rekordbesucherandrang und überdurchschnittlich viele Auftragsabschlüsse kennzeichneten das diesjährige Spektakel. Das CeBIT Fachpublikum interessierte sich besonders für die Preisbewegungen auf dem Mikromarkt, für den Gang der Ereignisse in Sachen Unix sowie für multifunktionale Btx-Endgeräte.

Weit oben in der Besuchergunst lagen wiederum die modernen Informations- und Kommunikationstechniken in den CeBIT-Hallen. Bis zum Kassenschluß des fünften Messetages wurden 525000 Besucher gezählt. Allein am vergangenen Sonntag tummelten sich 135000 Gäste auf dem Gelände.

Wenn der Ansturm auch in den letzten Tagen angehalten hat, könnten die Hoffnungen der Messegesellschaft auf 800000 Besucher in Erfüllung gegangen sein. Ob es nur das kraftvolle Aufbäumen vor der Abkoppelung des CeBIT von der übrigen Hannover-Messe im nächsten Jahr sein wird, bleibt abzuwarten. Die Verantwortlichen der Zellteilung sehen 1986 zumindest gelassen entgegen.

Messechef Klaus E. Goehrmann gab sich denn auch optimistisch: Viele Kritiker haben inzwischen das neue Konzept begrüßt. Auf keinen Fall stehe bei dem 86er-Splitting der Gedanke nach einem höherem Messe-Umsatz im Vordergrund. Die Messe in der jetzigen Form sei aber an den Grenzen ihrer Kapazität angekommen. "Die auf das nächste Jahr gerichteten Sorgen der Aussteller", erklärte Goehrmann, "nehmen wir sehr ernst."

Dagegen wetterte SEL-Vorstandsmitglied Roland Mecklinger kräftig gegen die Messe-Zweiteilung und sprach von einer "Fehlentscheidung, die von der Geschichte bestätigt werden wird". Diese Entscheidung werde zudem nicht von dem Gros der Aussteller befürwortet. Wer das behaupte, habe die Falschen gefragt, meinte Mecklinger.

Diverse Firmen aber wissen heute schon, daß die kommende Hannover-Messe sie teuer zu stehen kommt. Dazu gehört auch die Siemens AG. Zähneknirschend verlautete dazu: "Wir müssen zweimal nach Hannover kommen, das kostet mehr Geld und Personal."

Positiv kennzeichnete die Messegesellschaft in einer Zwischenbilanz auch die Auftragstätigkeit. Groß und Größtaufträge spiegelten das Konjunkturklima wider, hieß es. Siemens erklärte, mehrere 100 Mikrocomputer "direkt vom Stand weg" verkauft zu haben, und auch die IBM berichtete von einem guten PC-Geschäft wie von sogenannten Imageaufträgen. Übereinstimmend äußerten mehrere Unternehmenssprecher:" Eine optimistische Stimmung, die nicht herbeigeredet ist."

Commodore-Preissignale noch allein auf weiter Flur

Die von Commodore mit ihrem Billig-Mikro PC 10 gesetzten Preissignale wurden zur Messe-Halbzeit in Hannover weitgehend ignoriert. Wenn Preise korrigiert wurden - wie das etwa bei NCR und Wang der Fall war -, dann, um den ursprünglichen Preisabstand zu den vor der Messe etwas billiger gewordenen IBM PCs wieder herzustellen.

Wer auf drastisch fallende Preise gesetzt hatte, mußte sich im CeBIT-Bereich lange umhören, bis er einen Anbieter fand, der von Preissenkungen als Reaktion auf den PC 10 sprach. Tenor derer, die mit ihren Produkten in Richtung kommerzieller Anwendungen zielen: Zu solchen (Commodore-)Preisen können wir nicht die Unterstützung bieten, die wir Händlern und Anwendern schuldig sind.

Commodore wird's nicht kümmern, denn der PC 10 und der PC 20 sollen wohl den Anwenderkreis ansprechen, der auf Support verzichten und mit Lösungen von der Stange arbeiten kann. All jene also, die wissen, was ein Mikro für sie persönlich tun kann und denen die Anschaffung bisher zu teuer schien. Oder Umsteiger vom Homecomputer, die mit einem IBM-Kompatiblen arbeiten wollen.

Bei Herstellern mit Ambitionen im kommerziellen Bereich geht der Trend eher in die entgegengesetzte Richtung. Rair-Geschäftsführer Günther H. Krauss bringt diese Strömung auf den Punkt: Der deutsche Kunde wolle keine Spreadsheet-Maschine, sondern eine kleine MDT, solide Datenverarbeitung eben. Und: "Der deutsche Markt ist (von der Mentalität) ein Nixdorf-Markt." So tauchen denn als Konsequenz der auch bei den Kleinen immer höheren Festplattenkapazitäten zunehmend professionelle Lösungen zur Datensicherung auf, die ihren Preis haben. Olivetti etwa bietet für den M24 ein Winchester-Subsystem (27 MB) mit Streamer an, das mit 18000 Mark mehr kostet als drei Commodore PC in der Grundausstattung.

In Richtung streng kommerzieller Anwendungen geht auch die auf vielen Ständen gezeigte Vernetzung von Mikros, die zwar nicht neu, jetzt aber - so wird versichert - funktionstüchtig sein soll.

Mit hohen Investitionen scheint der derzeitige Stand der Unix-Entwicklung abgefedert. Zwei europäische Unternehmen insbesondere unterstrichen ihr Engagement: Bull und Olivetti/AT&T. Bull, als Sprecher der Gruppe "Bison", verwies auf die Einigung dieser Herstellervereinigung bereits vor der Messe auf einen ersten Unix-Standardisierungsteil. Verstärkt hat sich die Unix-Phalanx noch durch den weiteren AT&T-Partner, nämlich Philips, so daß der einprägsame Gruppen-Titel "Bison" (= Bull, ICL, Siemens, Olivetti, Nixdorf) wohl zugunsten von "Open Unix Group" verschwinden wird.

Jedenfalls wirkt der Hardwareclub bereits anziehend auf Softwarehäuser. Olivetti/AT&T präsentierten der Fachpresse eine Handvoll großer und kleiner Softwareschmieden, angeführt von Beratungs-Primus SCS sowie mbp, Dortmund. Stoßrichtung der SW-Schreiber: Portable Anwendungsprogramme in "C" für kommerzielle Anwendungen geeignet, für die Anfang 1984 angekündigte AT&T-Maschine 3B. Bisher seien weltweit seit September 1984 zwar erst 150 dieser Geräte im Markt, weitere 220 Systeme gibt Olivetti/Ivrea an, unter Vertrag zu haben. Abnahmeschätzungen oder gar -verpflichtungen mochten die Vertreter der Beratungszunft entweder nicht nennen beziehungsweise noch nicht eingehen. Installiert ist die 3B dort für die SW-Erstellung erst viermal. Die kräftigste Aussage zum Engagement in Unix kam auf dem Olivetti-Treff von Eberhard Rauch, SCS: Unix-Software ist billiger in der Erstellung als andere bisher; ihre verhältnismäßig leichtere Portabilität macht den Markt. SCS stehe kurz vor Abschluß eines Vertrages mit AT&T/Olivetti. Zum Vertragsvolumen machte der SCS-Mann keine Angaben. Offenbar hat die britische Mutter, die British Petrol (BP), noch nicht ihren Segen gegeben.

Branche in puncto Btx eher ernüchtert

Für die Bildschirmtext-Branche sollte die diesjährige Hannover-Messe endlich den erhofften Durchbruch bringen. Die Voraussetzungen waren von der Papierlage her positiv: Da die Valvo-Leute zu guter Letzt und rechtzeitig vor der Messe die Wärmeprobleme ihres Eurom-Chips in den Griff bekommen hatten, stand der Massenfertigung für den vielzitierten "Cept"-Decoder auf Eurom-Basis und damit einem entsprechenden Endgeräteangebot nichts mehr im Wege.

Nicht ein großer oder kleiner Endgerätehersteller, der sich da in puncto to Produktangebot lumpen ließ und etwa Bildschirmtext nicht besonders herausstellte. Verteilt auf acht Hallen, präsentierten rund 90 Aussteller ihre Btx-Lösungen, -Systeme und -Endgeräte. Besonderes Interesse fanden beim Fachpublikum wie bei den "Sehleuten" die sogenannten "Multitels", also multifunktionale Endgeräte, die vierfarbig oder schwarzweiß mindestens als Telefon und als Btx-Terminal, zuweilen sogar als Mikrocomputer nutzbar sind.

Während die überwiegende Mehrzahl der Hersteller froh ist, mit dem Eurom-Chip endlich wenigstens einen Decoder für den Cept-C0-Standard bieten zu können, zeigten 61 Kronacher Loewe-Opta-Mannen bereits im Messe-Hinterstübchen ein Bildschirmtext-Terminal der "zweiten Generation" mit C2-Standard. Dank des von Loewe selbstentwickelten Chips "Lotus" und des darauf basierenden Decoders sind damit jetzt auch ein wesentlich schnellerer Bildaufbau, Darstellungen im Alpha-Geometrie-Standard sowie Telesoftware-Funktionen möglich.

Trotz aller dieser Btx-Novitäten ließen sich aber die Messe-Besucher ihre Skepsis gegenüber dem neuen Medium nicht ausreden oder gar nehmen. Die Bilanz der Aussteller - gezogen kurz vor Messe-Ende - fiel dementsprechend ernüchternd aus. Jetzt hoffen alle auf die Signalwirkung der Berliner Funkausstellung im Herbst.