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20.03.2007

"CeBIT von Dienstag bis Samstag reicht"

Ernst Raue, im Vorstand der Deutschen Messe AG für die CeBIT verantwortlich, jubelte zur Halbzeitbilanz: "Unsere Erwartungen sind weit übertroffen worden." Seine Begeisterung teilten nicht alle.

Raue meldete für die CeBIT einen Besucheranstieg von zehn Prozent für die ersten drei Tage. "Deutlich mehr als 200000 Besucher" seien gekommen. Erfahrungen der Vergangenheit zeigten, dass für den gesamten Messeverlauf ebenfalls mit einem Wachstum bei den Besucherzahlen zu rechnen sei. Der CeBIT-Manager reagierte zurückhaltend auf die Frage, ob dieser Anstieg nicht auf die sehr freigiebige Verteilung von Eintrittskarten zurückzuführen sei. Unteraussteller sollen im Vorfeld der Messe Eintrittskarten-Pakete zum Schleuderpreis von einem Euro pro Stück verteilt haben.

Zimmer ab 2008 zum Dumpingpreis

Laut Messechef Ernst Raue verspreche die Hotellerie in Hannover, das ab dem kommenden Jahr einige Tausend Zimmer zur Verfügung stehen, "deren Preise gedeckelt sind."

Die Konjunktur hilft

Stefan Engel, Geschäftsführer der Acer Computer GmbH, bestätigte die Schnäppchenaktion indirekt: "Wenn die Messeleitung verkündet, es seien zehn Prozent mehr Besucher gekommen, dann glaube ich das gerne. Ich habe von Deals gehört, wonach 500 Tickets für 500 Euro verkauft wurden." Unter den Ausstellern kam das nicht besonders gut an. Michael Wockenfuss, Produkt-Manager bei der SoftM AG: "Eintrittskarten zu verschenken macht einen schlechten Eindruck."

Raue sagte weiter, die Nürnberger Konsumforscher der GfK AG hätten in den ersten drei Tagen (die CeBIT lief bei Redaktionsschluss noch) einen Auftragseingang von fünf Milliarden Euro bei den ausstellenden Unternehmen ermittelt. Dieses Volumen übersteige das des Vorjahres, "da kann keine Fachmesse mithalten", so der CeBIT-Macher. Auch der Branchenverband Bitkom sprach von einem "guten Messestart". Vizepräsident Heinz-Paul Bonn sagte: "Die Aussteller spüren die gute Konjunkturlage auf der Messe."

Mehr Konferenzen

Im nächsten Jahr wird die CeBIT einem neuen Konzept folgen und von Dienstag bis Sonntag stattfinden (4. bis 9. März 2008). Die CeBIT-Verantwortlichen setzen dann auf ein stark ausgebautes Konferenzprogramm und ein, so Raue, "erweitertes Messekonzept". Wohin es gehen soll, habe sich in diesem Jahr schon angedeutet - etwa mit dem erfolgreichen Verlegerkongress "Magazine Media 2.0" und der "SOA World" in Halle 4 - laut Raue "ein voller Erfolg".

Man werde das neue Konzept nun verstärkt an internationale Hersteller kommunizieren, sagte Raue. Dann könnten die Messeausrichter auch große Unternehmen wieder für die CeBIT gewinnen, die der Stadt an der Leine jetzt und in den vergangenen Jahren ferngeblieben waren. Raue freute sich in diesem Zusammenhang noch einmal über die Rückkehr der Software AG. Die Darmstädter hätten bereits signalisiert, dass sie wegen des Erfolgs in diesem Jahr auch 2008 wieder teilnehmen wollten.

Ausrichtung auf Fachbesucher

Umfragen der computerwoche unter Herstellern zeigten, dass die Begeisterung der Messeverantwortlichen nicht von allen geteilt wird. So meinte etwa Johannes Untiedt, Vorstand beim Berliner Softwarehaus Inubit, das Konzept der CeBIT müsse noch stärker auf Fachbesucher ausgerichtet werden. "Es gibt zu viele Consumer-Themen, zu viele Privatkunden", kritisiert er. Das Konzept der CeBIT sei einfach nicht klar genug. Die künftige Messeteilnahme stehe zwar nicht in Frage, aber "die CeBIT muss besser werden."

Stephan Koch, Regional Sales Manager beim Unteraussteller Webmethods, schlug in die gleiche Kerbe: "Es gibt zu wenig Business-Besucher, vor allem im Vergleich zu spezialisierten Fachmessen, auf denen Webmethods sonst vertreten ist. Für uns ist die CeBIT nicht die optimale Messe."

Regina Mehler, Marketing-Managerin bei der Software AG, zeigte sich hingegen zufrieden. Die SAG ist nach drei Jahren erstmals wieder in Hannover vertreten und auf der CeBIT Hauptsponsor der SOA World. "Die Software AG wollte einen großen Auftritt, um ihre SOA-Strategie zu kommunizieren." Mehler weiter: "Auf der CeBIT geht es uns vor allem um Image und Branding." Die Besucherqualität sei durchmischt gewesen, vom "hochkarätigen Interessenten bis zum Studenten, der sich am HR-Stand nach Jobs erkundigte."

Dietmar Holderle, Vice President für Kontinentaleuropa Foundry Networks, ist die Ausrichtung ebenfalls noch zu stark konsumentenlastig. "Ich sehe nicht, dass genug unternommen wurde, um mehr B-to-B auf die Messe zu bringen."

Ein Muss für Unternehmen

Sehr positiv äußerte sich dagegen Udo Reckemeyer, Press Officer Communications bei Alcatel-Lucent Deutschland. Die Messe sei eindeutig eine wichtige Ausstellungsveranstaltung, Plattform für Kundengespräche und dazu da, Lösungen zu zeigen - mithin "ein Muss für Unternehmen, sich zu präsentieren."

Wolfgan Grandjean, Marketing-Leiter bei Wilken, Business-Software-Anbieter aus Ulm, macht eine deutliche Rechnung auf: "Uns kostet das CeBIT- Engagement 150 000 Euro. Dafür kann ich mit meinen Kunden auch nach Rio fliegen." Wie viele andere Aussteller ist Grandjean der Meinung, dass die CeBIT eine deutlichere Fokussierung braucht. "Geschäfts- und Privatkunden auf einer Messe - das ist keine klare Ausrichtung." Für Wilken seien branchenspezifische Messen interessanter, um Neukunden zu gewinnen.

Boris Kaapke, PR-Manager von BT Germany, sieht die Veranstaltung in Hannover mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits sei nicht von der Hand zu weisen, dass "die CeBIT in einer Krise steckt." Andererseits gebe es keinen anderen Event, bei dem BT Germany so viele Vertreter der eigenen Zielgruppe erreichen könne. Alles in allem könne sein Unternehmen über den Verlauf der CeBIT 2007 nicht klagen. Ganz im Gegenteil sei man mit der Messe sogar sehr zufrieden.

Lob und Tadel für neues Konzept

Aloke Palsikar, Deutschland-Chef des indischen IT-Dienstleisters Satyam: "Auf der CeBIT treffen wir viele Kunden und Partner, insofern ist die Messe für uns wichtig." Die Besucher führten aber - anders als auf Fachmessen - technisch und fachlich weniger tiefgründige Gespräche.

Richard Evans, General Manager Germany bei Hitachi Data Systems (HDS), kommentiert Erfolgsmeldungen der Messeveranstalter zu gestiegenen Besucherzahlen eher zurückhaltend: "Weniger Besucher, dafür ein besseres Publikum wäre mir lieber." Trotzdem ist auch Evans sehr zufrieden mit der diesjährigen Messe. Von der Verkürzung der CeBIT 2008 um einen Tag und der Ausstellungsdauer von Dienstag bis Sonntag erwartet sich der Manager mehr Effizienz und eine bessere Terminauslastung.

Das sieht Phillip Rimensberger, Leiter Business Development der Bison AG, ganz anders. Der Manager des Schweizer ERP-Anbieters beurteilt das neue Messekonzept für die CeBIT 2008 mit gemischten Gefühlen. "Wenn am Wochenende die Consumer auf das Messegelände stürmen, brechen die Anbieter von Business-Lösungen bereits ihre CeBIT-Zelte ab."

Consumer-Themen sollen bleiben

Wegen des CeBIT-Endes an einem Wochenende bekommt auch Stefan Engel, Geschäftsführer der Acer Computer GmbH, heute schon graue Haare: "Mir graut vor dem Sonntag. Das Standpersonal ist dann müde, muss sich aber mit den Endkunden beschäftigen und soll nebenbei noch den Stand abbauen." Engel fordert dementsprechend: "Wir wünschen uns eine CeBIT von Dienstag bis Samstag."

Die Klagen, die CeBIT sei nicht fokussiert und biete zu viel Consumer-Produkte und zu wenig B-to-B-Inhalte, konterte Messevorstand Raue mit einer bereits im vergangenen Jahr formulierten Erklärung: "Technologien sind konvergent, sie wachsen zusammen. Das können Sie nicht mehr trennen." Er nannte das Beispiel Handy: Das werde die "Fernbedienung der Zukunft". Und da "kann ich ja nicht sagen, ich schneide die Consumer-Elektronik ab." Der Kern der CeBIT bleibe aber "die Business-Plattform für die digitale Welt".

Hannes Schwaderer, Deutschland-Geschäftsführer von Intel, glaubt jedoch, dass der neue Kurs ab 2008 einem Versuch gleich kommt, Business- und Consumer-Themen wieder zu trennen. Jahrelang hätten die Messe-Verantwortlichen von der Konvergenz zwischen Consumer- und Business-IT gesprochen. Nun versuchten sie, beides wieder auseinander zu dividieren. Darüber hinaus passe es nicht zusammen, auf der einen Seite zu fordern, die junge Generation müsse sich mit den neuen Techniken auseinandersetzen, um auf der anderen Seite dann zu versuchen, die Kiddies, die in einigen Jahren die IT-Entscheidungen in den Unternehmen treffen werden, von der größten IT-Messe weltweit fernzuhalten. "Damit droht die CeBIT ein großes Stück dessen zu verlieren, was die Messe eigentlich ausmacht." (jm)