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30.01.1987 - 

US-Chemiekonzern versucht sich als Neuling im DV-Geschäft:

Celanese Corp. gründet Software-Ableger

NEW YORK (CWN) - Der amerikanische Chemiekonzern Celanese Corp., der möglicherweise bald zur Hoechst-Gruppe gehören wird, wagt sich an ein neues Metier: Mit der Gründung der Tochtergesellschaft Corporate Class Software Inc. will Celanese bald in der DV-Branche mitmischen.

Zum Einstieg in den Markt soll der nur als Vertriebsfirma agierenden Corporate Class das Programm Fastar verhelfen, die PC-Version einer ursprünglich für Mainframes entwickelten kommerziellen Management-Software. Das Know-how, auf dem dieses Produkt basiert, stammt von der MDBS Inc., Lafayette, die auch das Datenbank-Management-System "Knowledgeman" und das Expertensystem "Guru" entwickelt hat. Die Mannschaft der Celanese-Tochter besteht bislang erst aus einem Geschäftsführer und einem fünfköpfigen Verkaufsteam. Im kommenden halben Jahr soll die Belegschaft verdoppelt werden.

Die Muttergesellschaft Celanese ist bisher nur als Hersteller von chemischen Grundprodukten in Erscheinung getreten. Die US-Filiale der Frankfurter Hoechst AG hat kürzlich bei der dem Bundeskartellamt entsprechenden US-Aufsichtsbehörde beantragt, den Kauf des New Yorker 3-Milllarden-Dollar-Unternehmens zu genehmigen. Ein fusionierter Hoechst-Celanese-Konzern würde zu den sechs größten Chemieunternehmen der USA zählen.

Selektive Perspektiven in den Marktsegmenten

Die eingangs genannten Inkubationszeiten müssen allerdings von den Anbietern nicht tatenlos hingenommen werden, wie Beispiele zeigen: Vor zehn Jahren mußte ein Anwender, wenn er ein ausfallsicheres System haben wollte, Fehlertoleranz selbst programmieren. Bis alles rund lief, dauerte ein solches Unterfangen drei Jahre. Heute kann man - fast - fertige fehlertolerante Systeme kaufen, von Tandem, Stratus etc.

Jedes Angebot, das Planung, Implementierung, Einführung und Benutzung erleichtert, senkt für die Anwender die Einstiegsschwelle und führt für die Anbieter zu schnelleren Umsätzen. Selbsterklärende Benutzerschnittstellen, Standards, durchgängige Erweiterungspfade, fertige Systembausteine, fertige Problemlösungen, Softwarepakete, Support bei der Systemintegration liegen auf dem richtigen Weg.

Ausleseprozeß beschleunigt sich

Dennoch, die Anbieterschaft wird zunehmend unter Druck geraten, der Ausleseprozeß wird sich beschleunigen (siehe Abbildung 5). Steigende Entwicklungskosten, beispielsweise für digitale Nebenstellenanlagen, wachsende Gemeinkosten und steigende Vertriebskosten verlangen größere Umsatzvolumina. Andererseits verstärken gesättigte

Teilmärkte, ferner Deregulations-/Liberalisierungstendenzen im Telekommunikationsbereich und weltweit tätige Anbieter den Wettbewerb. Der Direktvertrieb an kleine Abnehmer und parallele Vertriebswege werden unerschwinglich. Anbieter, die es nicht verstehen, sich mit dem Erfolg der ersten Stunde oder durch permanente Arbeit mit dem Kunden im Markt fest zu verankern, werden auf der Strecke bleiben.

Die Marktstrukturen der Vergangenheit unterliegen einem permanenten Wandel. Kennzeichen der neuen Strukturen ist die zunehmende Markt-Polarisierung (siehe Abbildung 7). Auf der einen Seite wird es große Anbieter für "Systemkomponenten" geben, zu denen nicht nur Baugruppen, sondern auch Computer aller Größenklassen zählen als auch zahlreiche Softwarepakete sowie benutzernahe Geräte jeder Couleur. Zu dieser Gruppe gehören auch die Großlieferanten von Telekommunikations- und Informationsdiensten, einschließlich der großen System-Integratoren im Fertigungssektor.

Multiplikatoren für Kleinunternehmen wichtig

Auf der anderen Seite wird man kleinere Spezialanbieter, die technische Avantgarde und die Hilfebringer für individuelle Anwender in vertikalen, das heißt benutzergruppenorientierten Märkten finden.

Bei der Versorgung von Kleinunternehmen werden "Multiplikatoren" an Bedeutung gewinnen. Dazu gehören Verbände, berufsständische Organisationen (wie zum Beispiel die Datev) und Leitfirmen (wie zum Beispiel die Pharmaunternehmen für Ärzte oder Automobilfirmen für ihre Händler). Sie haben die standardisierende Kraft, um erschwingliche Lösungen durchzusetzen. Kennzeichnend für den Markt wird auch sein, daß immer mehr Anwender selbst als Anbieter auftreten, vor allem mit Software und Dienstleistungen.

Öffentliche Hand fragt wieder verstärkt nach

So sind auf den einzelnen produktorientierten Teilmärkten recht unterschiedliche Wachstumsraten zu erwarten (siehe Abbildung 6). Die interessantesten Zielmärkte werden die Fertigungsindustrie, das Kreditgewerbe und Versicherungen sein. Nach den Anwendungsfeldern Fabrik und Büro wird sich der Vertrieb als Feld mit der größten Phantasie entwickeln. Immer noch ist erstaunlich, daß über "Marketing-Automation" bisher so wenig geredet wurde. Vielleicht liegt das daran, daß dort vor allem Organisations- und Softwareprobleme im Vordergrund stehen und keine spektakulären Bildschirme wie bei 3D-CAD die Aufmerksamkeit wecken. Auch die öffentliche Hand wird als Kunde wieder interessanter werden. Langsam hat sie wieder etwas mehr Investitionsmittel zur Verfügung, und die über zehn Jahre alten Geräte der ersten Stunde werden auch für Beamte allmählich unerträglich, häufig sind sie schlechthin kaputt.

Immer mehr wird Informationstechnik in unsere Produkte einziehen: in Waschmaschinen, Autos, Werkzeugmaschinen. Mit der Ausbreitung an jeden Arbeitsplatz und hoffnungsvoll, auch im privaten Haushalt, wird der Bedarf nach Telekommunikation wachsen. Software-Pakete, Software-Tools aller Ausprägungen besitzen auf Jahre hinaus die höchsten Umsatz-Wachstumschancen. Innovative Problemlösungen, die nicht die alten Organisationsformen in Chips und Programme gießen, sondern neue Wege weisen, können damit rechnen, mit offenen Armen aufgenommen zu werden.

Allgemeine Konjunktur bestimmt die weitere IT-Zukunft

Als quantitatives Fazit aus all diesen Überlegungen läßt sich festhalten (siehe Abbildung 8): Für den Gesamtmarkt ist 1987 mit einer Normalisierung des Wachstums am unteren Ende der Bandbreite zu rechnen.

Trotz aller Skepsis werden dies Wachstumsraten sein, von denen die Werften, der Steinkohlebergbau oder selbst die chemische Industrie oder die Automobilhersteller nur träumen können. Was nach 1987 kommt, hängt dieses Mal wohl auch von der allgemeinen Konjunktur ab. Bei einigen etablierten Anbietern wie DEC und Siemens hatte sich Bedarf nach Computerkapazität angestaut. Die jetzt verfügbaren Maschinen am oberen Ende des Leistungsspektrums beseitigten den Engpaß und lassen das Geschäft nun blühen. Andererseits wurde das in DM bemessene Marktvolumen in der Bundesrepublik durch Preisreduzierungen zusätzlich gedrückt. Auslöser waren die niedrigeren Einstandspreise für Geräte und Komponenten aus dem Dollarraum. Dies gilt insbesondere für PCs, aber auch für andere Geräte. Bei ihnen neutralisiert der Preisverfall das Mengenwachstum.

Die Hypothese vom schwieriger werdenden Geschäft wird jedoch dadurch bestätigt, daß Softwarepakete nach wie vor Konjunktur haben, marktgerechte Produkte vorausgesetzt: Das sind solche, die dem Anwender die Arbeit der Integration erleichtern und solche, die von Endbenutzern relativ schnell beherrscht werden können. Auch etablierte Problemlöser wie Nixdorf sind nach wie vor gut im Geschäft.

Überall sonst wird das Wachstum durch erhebliche Engpässe bei qualifizierten Mitarbeitern, die die Anwendungen vorbereiten sollen, gebremst. Auch für ISDN ist der Weg noch nicht bereitet. Das erzeugt weitere Bremseffekte: Investitionen in neue Nebenstellenanlagen bereiten noch zuviel Kopfzerbrechen, insbesondere seit sich herumsprach, daß ISDN-Fähigkeit noch lange nicht ISDN-Standard heißt. Außerdem sind die Organisationsformen, die integrierte Kommunikation effektiv und damit auch wirtschaftlich nutzen, noch lange nicht gefunden.

Die Beobachtung der Auftragseingänge am Beispiel der mittleren und größeren Computer läßt erkennen, daß sich die informationstechnische Branche zur Zeit im Sinkflug befindet (siehe Abbildung 2).

Welcher Wirtschaftsfaktor die Informationstechnikbranche selbst inzwischen geworden ist - die Auswirkung auf andere Sektoren und Wirtschaftszweige einmal nicht gerechnet - zeigt ein Blick auf das Marktvolumen (siehe Abbildung 3). Das Gesamtumsatzvolumen mit Produkten und Dienstleistungen beläuft sich auf jährlich über 120 Milliarden Mark, der engere Markt der Datenverarbeitung und Kommunikation erreicht nahezu 90 Milliarden Mark. Dabei sind die Kommunikationssysteme und hier vor allem die Kommunikationsdienste - namentlich die der Deutschen Bundespost - die Hauptumsatzträger. Sie sind in diese Gesamtschau genauso einzubeziehen, wie beispielsweise die Rechenzentrumsdienstleistungen der Datev.

Für den Chronisten ist der Blick auf die Steigerungsraten interessant. Trotz des schwieriger werdenden Geschäfts wird der Gesamtmarkt 1986 gegenüber 1985 von 116 auf 126 Milliarden Mark, das heißt um zirka 8,5 Prozent gewachsen sein. Wiederum wird der DV-Teilmarkt schneller als alle anderen Teilmärkte zulegen, nämlich um 17 Prozent. Die letztjährige Diebold-Prognose lag demzufolge mit 15 bis 20 Prozent nicht schlecht. Der Schnitt der Jahre 1985 und 1986 beläuft sich damit in diesem Teilmarkt auf bemerkenswerte 21 Prozent Wachstum in den Umsätzen pro Jahr.

Allmählich nähern wir uns auch einer Situation, die schon lange erwartet wurde: Umsätze mit Software und Dienstleistungen liegen nur noch knapp hinter den Umsätzen mit Hardware zurück (Abbildung 4). Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, daß die Softwerker im Gegensatz zu den Hardwarelieferanten gerade in den letzten Jahren Preis- und Honorarerhöhungen durchsetzen konnten, die im Mittel zwischen 5 und 15 Prozent akzeptiert, vor allem, wenn die Alternative für die Kunden Warten auf Eigenentwicklungen und damit Opportunitätskosten hieß. Erstmals haben 1986 Softwarepakete mit einem Drittel den größten Anteil am gesamten Software- und Servicemarkt erreicht, vor den Sektoren Beratung/Schulung/RZ-Service, Individualsoftwareerstellung und Software-Wartung.

Trotz konjunktureller Wellen ist das Wachstumspotential für informationstechnische Produkte und Dienstleistungen noch lange nicht ausgeschöpft. Drei Faktoren begründen Innovation, Aktivität und damit Wachstum:

* Informationstechnik verspricht RationalisierungserfoIge und Wettbewerbsvorteile.

* In den Basistechnologien werden weitere Fortschritte erzielt.

* Trotz mächtiger Marktführer herrscht ein harter Wettbewerb.