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06.06.1997 - 

Vier weitere Firmen arbeiten an x86-CPUs

Centaur betritt mit Prozessor Intel-dominierten Markt

Mit dem C6-Prozessor erwächst Intel ein dritter Wettbewerber, der zwar sehr klein, aber trotzdem gewillt ist, der Andy-Grove-Company Schwierigkeiten zu machen - vor allem dort, wo der Prozessor-Riese Nischen offen läßt. Daß die PC-Branche an Konkurrenzprodukten zu den Pentium-, Pentium-Pro- und Pentium-II-Chips von Intel interessiert ist, zeigte vor wenigen Wochen die Markteinführung des "K6"-Prozessors von Advanced Micro Devices (AMD). Vergangene Woche hat Cyrix den ebenfalls als Pentium-Konkurrenz gedachten "M2"-Chip vorgestellt. Centaur-Gründer Glenn Henry erklärte im CW-Gespräch, er zähle insbesondere auf Anbieter aus dem asiatisch-pazifischen Raum, denen an der Produktion sehr preisgünstiger Intel-kompatibler Desktop- und Notebook-Rechner gelegen sei.

Linley Gwennap, Herausgeber und Chefredakteur des "Microprocessor Report", dessen Verlagshaus Microdesign Ressources die "PC-Forum"-Konferenz ausrichtete, äußerte sich durchaus optimistisch zu den Chancen des Prozessor-Newcomer: Centaur werde Intel nicht in Mark und Bein erschüttern. "Aber wenn es in seinem angepeilten Marktsegment der niedrigpreisigen PCs und Notebooks auch nur fünf Prozent gewinnt, dann ist das für Henrys Firma schon ein Erfolg. Und der ist durchaus denkbar."

Sein Kollege Michael Slater meinte gegenüber der CW zudem, Intel werde es in Zukunft neben AMD und Cyrix nicht mehr nur mit Centaur zu tun bekommen.

Mit der Rise Technology Co., Transmeta Corp. und Metaflow Technologies Inc. sowie Exponential mit einer Restgruppe des Power-PC-Entwicklungsteams würden vier weitere Firmen versuchen, der Grove-Company mit x86-kompatiblen Prozessoren Marktanteile abzujagen.

Slater meinte allerdings, Henrys Start-up-Company habe nur dann eine Überlebenschance, wenn sie ein klar umgrenztes Nischensegment identifiziere. Dieses dürfe niemand sonst bedienen.

Centaur müsse sich dann ausschließlich auf diesen ausgeloteten Bereich konzentrieren. Er könne sich hingegen nicht vorstellen, daß ein Start-up-Unternehmen wie Centaur als Allround-Anbieter von Prozessoren auftreten könne.

Centaurs in knapp zwei Jahren entworfener IDT-C6-Chip paßt in den Sockel 7, den Intel und seine Wettbewerber bislang für ihre Pentium-Klasse-Prozessoren nutzen. Er entspricht somit dem Industriestandard, den Intel selbst gesetzt hat, von dem das Unternehmen mit seinen neuen Pentium-II-Prozessoren und dem dort verwirklichten Sockel 1 aber abgewichen ist.

Auf nur 88 Quadratmillimetern hat Centaur 5,4 Millionen Transistoren untergebracht. Knapp 4 Millionen hiervon belegen die je 32 KB großen Daten- und Instruktionen-Cache-Speicher, die im Prozessorkern integriert sind.

Henry betonte, insbesondere die geringe Größe sowie der niedrige Stromverbrauch würden den C6-Prozessor attraktiv machen für Notebook-Anbieter sowie generell für alle PC-Produzenten, denen es in erster Linie um die Herstellung sehr kostengünstiger Rechner gehe.

Ein Vergleich mit marktgängigen Prozessoren zeigt dabei die Relation zwischen Chipfläche und Produktionskosten auf: Digitals nächste Generation von Alpha-Prozessoren, die "21264"-Chips, sind mit 314 Quadratmillimetern fast viermal so groß wie der C6. Nach Kostenschätzungen von Microdesign Resources (MDR) liegen die Herstellungskosten für DECs neuen Hoffnungsträger bei rund 300 Dollar. Die Produktion der AMD-CPU K6 (162 Quadratmillimeter) dürfte , glaubt MDR, rund 70 Dollar, die von Cyrix' M2-Pendant (198 Quadratmillimeter) 90 Dollar und die des Intel-P55C-Chips (140 Quadratmillimeter) etwa 55 Dollar kosten.

Henry betonte, die interne Architektur des C6-Prozessors sei nicht zu vergleichen mit denen der Intel-Pentium-Chips oder AMDs "K5"- und "K6"-CPUs sowie Cyrix "6x86"-Baustein. Nichtsdestotrotz seien Kompatibilitätstests unter Microsofts diversen Betriebssystemvarianten sowie unter OS/2 ebenso positiv verlaufen wie mit verschiedenen Software-Applikationen und darüber hinaus mit Systemplatinen, Chipsets und diversen BIOS-Varianten verschiedener Drittanbieter. Der C6 weist zudem einen MMX-kompatiblen Befehlssatz auf.

Henry verneinte, daß Centaur mit dem Design des C6-Prozessors Patentrechte von Intel verletze. Intern sei die CPU völlig anders ausgelegt. Er sehe deshab etwaigen juristischen Scharmützel mit Intel ruhig entgegen.

who is who

Der Gründer und President der Centaur Technology Inc, Glenn Henry, arbeitete 21 Jahre lang bei der IBM. Dort zeichnete er als Systemarchitekt und Entwicklungsmanager verantwortlich für den Entwurf der System/32- und System/38-Maschinen sowie für den wenig glücklichen "RT/PC"-Versuch, einem Vorläufer der Power- und Power-PC-Rechner. 1985 verlieh ihm die IBM den hausintern sehr prestigeträchtigen Titel eines IBM-Fellow. Als solcher hat Henry wesentliche Anstrengungen der Erforschung von x86-Prozessorarchitekturen und entsprechender Entwicklungsprojekte gewidmet.

Von Big Blue wechselte Henry für fünf Jahre zum PC-Direktvertreiber Dell Computer. Als Chief Technology Officer war er Ideengeber des erfolgreichen PC-Herstellers. Eine Aufgabe, die ihn allerdings wenig erfüllte, weswegen er zu Mips Technology wechselte, um sich wieder dem Design von CPU-Architekturen zu widmen.

Nach einem Jahr bei der Silicon-Graphics-Tochter gründete Henry mit dem Geld der Integrated Devices Technology Inc. (IDT) 1995 Centaur Technology Inc.

Centaurs Finanzier und Mutter IDT hat sich in der Vergangenheit einen Namen gemacht als Produzent von Mips-RISC-Prozessoren. Diese wurden insbesondere als sogenannte Embedded-Prozessoren eingesetzt in Hubs, Switches, Routern, Laser-Druckern und niedrigpreisigen Scannern. Das 1980 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Santa Clara, Kalifornien, machte mit 4100 Angestellten 1996 einen Umsatz von 680 Millionen Dollar bei einem Gewinn von 120 Millionen Dollar. IDT wird die C6-Prozessoren in zwei Produktionsstätten produzieren, unter anderem in der neuen 8-Zoll-Wafer-Fertigung in Hillsboro, Oregon. Entworfen werden die C6-CPUs in der Centaur-Denkfabrik in Austin, Texas.