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17.10.1997 - 

MMX-Erweiterung und RISC-Kern

Centaur will mit neuen CPUs den Low-end-Markt erobern

Diese Konzentration auf klei- nere Hersteller - im Volksmund als "Schrauber" bezeichnet - könnte sich strategisch als durchaus sinnvoll erweisen: Mehrmals im Jahr leiden gerade diese finanzschwächeren Anbieter darunter, daß ihnen die etablierten Prozessoranbieter, neben Intel vor allem IBM/ Cyrix und AMD, zugunsten größerer Kunden zu geringe Stückzahlen oder gar keine Chips liefern. Wenn es Centaur respektive der Mutterfirma Integrated Device Technology (IDT) gelingt, diese sogenannten Tier-3-Hersteller durch guten Service zu überzeugen, könnte die C6-CPU bei vielen in die engere Wahl kommen.

"Winchip" hat sich Centaur als eingängigen Markennamen für die aktuellen und kommenden Chipgenerationen auserkoren. Damit ist klar, worauf sich der Chiphersteller konzentriert: Alle Bestandteile der CPU wurden und werden auf den Betrieb von Office-Anwendungen unter Windows 95 optimiert. Vor allem PCs bis 1000 Dollar und Notebooks bis 2000 Dollar peilt die kleine Design-Schmiede für ihre Chips an, also das untere Ende des "Sockel-7"-Markts für Pentium-pinkompatible Produkte.

Speziell dieses Segment weist derzeit ein überdurchschnittliches Wachstum auf. Die Marktforscher von Computer Intelligence (CI) geben in einer aktuellen Studie an, daß Rechner für unter 1000 Dollar 40 Prozent der gesamten US-Händlerverkäufe im August ausmachen. Dabei handelt es sich allerdings keineswegs nur um Noname-Geräte. Vor allem Compaq und Packard Bell drängen mit komplett ausgestatteten, aber preiswerten Systemen in den Markt. Unter den Käufern solcher Billig-PCs sind aber erstaunlicherweise weder die Erstkäufer noch einkommensschwache Haushalte überproportional vertreten, so CI.

Die 180- und 200-Megahertz-Varianten des C6 sind ab sofort lieferbar, im November folgen bereits schnellere Versionen mit 225 respektive 240 Megahertz Taktfrequenz. Tragende Säulen des Prozessordesigns sind Optimierungen für die meistgenutzten Befehle, wenig genutzte Instruktionen wurden in den Microcode verbannt. Hinzu kommen eine einzige Hochgeschwindigkeits-Pipeline, große Cache-Bereiche - mit je 32 KB für Daten und Instruktionen doppelt soviel wie beim Pentium MMX - sowie eine sehr kleine Grundfläche, die für geringe Herstellungskosten und Stromaufnahme sorgt. Mit 88 Quadratmillimetern ist der C6 wesentlich kleiner als die Konkurrenz von Intel (Pentium MMX: 128 mm2), AMD (K6 MMX: 162 mm2) und Cyrix (6x86 MX: 197 mm2).

Trotz des internen RISC-Kerns der CPU hat der C6 alle x86-Kompatibilitätstests gemeistert. So erhielt er den offiziellen Segen der Microsoft-Labors und das Gütesiegel "Platinum Certification" des unabhängigen Instituts "Xxcalibration", das Software unter verschiedensten Betriebssystemen und Peripheriegeräten testet. Die ersten Versionen des Chips litten stark unter den nur wenig optimierten Fließkomma-Einheiten. Laut Joe Baranowski, Vice-President Sales and Marketing bei Centaur, sind diese Probleme aber mit der 180- und 200-Megahertz-Version endgültig passé.

Entsprechend fallen die Testergebnisse aus, die Centaur für die neuen Produkte reklamiert. Beim "Winstone 97 Business" unter Windows 95 erreicht der "Winchip C6" Leistungswerte von 41,0 beziehungsweise 43,5 (180/200 Megahertz). Zum Vergleich: Intels Pentium MMX kommt auf Werte von 41,0 und 43,2 (166/200 Megahertz). Für die ab November erhältlichen schnelleren Varianten nennt Centaur beim selben Benchmark Resultate von 45,3 sowie 45,1 (Intel Pentium MMX, 233 Megahertz: 44,6).

Gleichzeitig liegt der Stromverbrauch des C6 deutlich niedriger. Im Schnitt benötigt die Centaur-CPU 8,0 beziehungsweise 8,9 Watt (180 und 200 Megahertz bei 3,3 Volt Versorgungsspannung). Der Pentium MMX schluckt demgegenüber 13,1 und 15,7 Watt (166/200 Megahertz). Am leistungshungrigsten ist der 6x86 von Cyrix, der mit 18,9 und 20,2 Watt mehr als doppelt soviel Strom verbraucht wie der Centaur-Chip.

Auf seiten der Systemintegratoren sind alle wichtigen Voraussetzungen gegeben, um dem C6 eine breitere Basis zu schaffen. Von den Boardherstellern (Acer, FIC, Gigabyte, Hsingtech und andere) über BIOS-Anbieter (Award, Ami, Systemsoft) bis zu den Chipsatzanbietern (Intel, ALI, Opti, SIS und Via) gibt es alle nötigen Komponenten. Bei Intel ist die Auswahl der Chipsätze allerdings auf die Typen "VX", "HX", "TX" oder "FX" beschränkt).

Bereits in der Pipeline ist der "C6+" als designierter Nachfolger des C6. Er verfügt laut Hersteller über weitere Verbesserungen in der Fließkomma-Einheit, beim MMX-Befehlssatz und wurde zudem bei typischen Windows-Instruktionen nochmals beschleunigt. Außerdem haben die Entwickler dem für die zweite Hälfte 1998 avisierten Chip Verbesserungen bei der Behandlung von 3D-Anweisungen mit auf den Weg gegeben.

Ob Centaur mit seinen Prozessoren den erhofften Erfolg erreichen und sich im unteren Marktsegment signifikante Anteile sichern kann, hängt entscheidend davon ab, wie lange der Sockel 7 noch als Plattform bestehen kann. Intel setzt verstärkt auf den "Slot-1" des Pentium II und den kommenden "Slot-2" beim "Deschutes" und künftigen Prozessoren. Gleichzeitig tut der Chipkrösus mit seiner Firmenpolitik bei Chipsätzen und anderen Innovationen, etwa dem Accelerated Graphics Port (AGP), ein übriges, um die Konkurrenz auszubooten. Anwender, die aktuellste Technik einsetzen wollen, kommen an den Produkten der Company von CEO Andy Grove nicht vorbei.

Dennoch bleibt für die kleineren Chiphersteller, die sich die von Intel "übriggelassenen" 20 Prozent des Markts teilen müssen, immer noch genug Raum für Profite. Speziell die Ausrichtung auf das Low end, das von den Silikon-Anbietern für gewöhnlich eher stiefmütterlich behandelt wird, bietet der Firma von Glenn Henry ausreichende Perspektiven.

Bis die Slot-1-CPUs nach unten durchgereicht werden, dürften noch einige Jahre vergehen. Und bis dahin hat dann auch Centaur - im "Überlebensfall" - entsprechende Produkte parat..

Centaur C6

-pinkompatibel zum Intel Pentium ("P55") und Sockel 7-88 mm2 Grundfläche (40 bis 50 Prozent kleiner als Konkurrenzprodukte)-150 bis 200 Megahertz Taktfrequenz-3,3 Volt Versorgungsspannung-5,4 Millionen Transistoren-0,35-Mikrometer-Prozeß, vierlagiger CMOSHerausragende DesignMerkmale des C6 von Centaur sind seine kleine Grundfläche, die je 32 KB großen Caches für Instruktionen und Daten sowie der RISC-Kern mit vorgeschaltetem x86-Übersetzer.

IDT und Centaur

IDT:

-Halbleiterhersteller-Hauptsitz in Santa Clara, Kalifornien-4400 Mitarbeiter-600 Millionen Dollar Umsatz-Produkte aus den Bereichen SRAM, FIFO, ATM, RISC-Prozessoren, Logik-Chips

Centaur Technology:

-1995 als IDT-Tochter gegründet-Hauptsitz in Austin, Texas, mit Design Center, Testlabors, Marketing-CEO: Glen Henry (zuvor bei IBM, Dell und Mips)-50 Angestellte-Produktionsstätten in San Jose, Kalifornien, und neues Werk mit Acht-Zoll-Wafern und 0,25-Mikrometer-Prozeß in Hillsboro, Oregon (soll im Laufe 1998 die komplette Produktion übernehmen)