Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

13.11.1974

CENTAURI: Ein spektakulärer Rückschritt?

Geschäftsführender Gesellschafter, IDS Forschungs-lnstitut, Bad Gandersheim

Centauri ist unzweifelhaft der "1. POP-Generator" (POP = Programmierung ohne Programmierer) und leitet damit eine entscheidend neue Ära der Anwendungs-Software-Produktion ein mit diesen Vorteilen:

1. totale Lösungstransparenz für jeden Anwender,

2. vollständige Dokumentations-Automatik,

3. um wenigstens 50; Prozent schnellere Programm-Erstellung,

4. Kostenreduktion von mindestens 40 Prozent,

5. größere Personalunabhängigkeit,

6 absolute Genormtheit der Programm-Architektur.

Als Mitinitiator und Mitbeteiligter an der Philosophie und Entwicklung von Centauri (Arbeitstitel = SIEK) - neben J. P. Gusch und H. Haunhorst - will ich die wesentlichen Voraussetzungen für eine Effizienzmaximierung aufzeigen:

- Der EDV-Organisator muß energisch ausgebildet oder ein Organisations-Modell (z. B. Inforgmodell), Insbesondere bei Mittelunternehmen eingesetzt werden, so daß der ohnehin notwendige und zu normierende Output der Organisations-Phase zugleich und unverhinderbar Input für den POP-Generator ist (Freisetzung des Programmierers).

- Der EDV-Organisator muß lernen, in anderen Kategorien zu denken, nämlich in der "hierarchisch und Output-orientierten Programm-Struktur" (HOPS).

- Trotz der nur wenigen Know-how-Träger muß schnellstens erreicht werden, daß breitere Anwendungsschichten von POP-Generatoren profitieren können durch Herunterziehung der Mindest-Partition-Größe von 128 K (Centauri - Realgröße ca. 800 K) sowie andere Zielsprachen als Output, z. B. PL 1, RPG II, Fortran lV.

Dr. Klaus Neugebauer, Geschäftsführer der Softlab, München

Einige Hersteller von Software-Werkzeugen sind leider nur allzu schnell geneigt, ein für bestimmte Zwecke vielleicht brauchbares Produkt als Allheilmittel auf dem Markt anzubieten. Ankündigungen von Produktivitätssteigerungen "von etwa 32 Prozent" für alle Gebiete der Programmierung sind der Glaubwürdigkeit der Branche nicht gerade förderlich.

Die ständig steigenden Software-Kosten erfordern neue Wege zur Rationalisierung der Programmentwicklung. Eine Reihe von Software-Hausern hat daher Forschungsgruppen aufgebaut, die sich ausschließlich mit der Entwicklung von Technologien und Werkzeugen zur wirtschaftlicheren Programmproduktion befassen. Während es heute eine einheitliche Software-Technologie für das gesamte Spektrum der Programmierung gibt, liefern Software-Werkzeuge dagegen um so wirtschaftlichere Ergebnisse, je problemnaher, d. h., je mehr sie auf ein spezielles Anwendungsproblem zugeschnitten sind. Je kleiner die Kasse der Programmierprobleme Ist, für die ein Werkzeug entwickelt wird, desto wirtschaftlicher wird der Einsatz eines solchen Werkzeuges sein. Diese Tatsache hat folgerichtig zur Entwicklung von Spezialsprachen geführt. Beispiele sind COBOL für kommerzielle Probleme APT zur Werkzeugmaschinensteuerung, PEARL für Prozeßrechnerprobleme, LISP zur Formulierung von Problemen der Artificial Intelligence. Die Entwicklung eines für alle Einsatzgebiete von der kommerziellen Programmierung bis zur TP-Anwendung und Realzeitsteuerung gleich wirtschaftlich einsetzbaren Werkzeugs zur Programmentwicklung ist unmöglich.

Dieter Wohlert, Leiter der Abteilung Programmierung bei der Firma HAG AG, Bremen

Es ist grundsätzlich zu begrüßen, wenn neue Verfahren entwickelt werden, die die Programmierarbeit erleichtern. Ich bin Jedoch skeptisch, ob nach einer nur dreitägigen Schulung die Sachbearbeiter der Fachabteilung das System so beherrschen, daß sie in der Lage sind, durch exakt formulierte Anweisungen ein optimales Maschinenprogramm zu erzeugen. Schon bei den Programmgeneratoren NPG und SPL hat sich gezeigt, daß nur solche Mitarbeiter mit dem Generator wirkungsvoll arbeiten können, die die Normierte Programmierung beherrschen. Auf Systor Centauri bezogen bedeutet das, nur die Mitarbeiter, die auch heute bereits Probleme exakt definieren können. werden mit diesem System arbeiten können.

In diesem Zusammenhang ist weiter die Frage zu stellen, ob für umfassende Projekte nicht besser Standard-Software-Pakete den individuell erstellten Programmen vorgezogen werden sollen: Durch Standard-Software ist ein Problem bereits exakt definiert und auch programmiert. während bei eigenen Problemlösungen diese Aufgaben noch gelöst werden müssen, wobei außerdem die Gefahr besteht, daß alte Zöpfe der Vergangenheit wieder einmal mit der "neuen Lösung" übernommen werden .

Ich meine, neue Verfahrentechniken, die die Organisations- und Programmierarbeit erleichtern, sind gut sie sollten aber nicht als Alternative zur Standard-Software angeboten werden.

Gerhard Karck, Verwaltungs-Direktor, DV-Leiter der schleswig-holsteinischen Ortskrankenkasse, Landesvorsitzender des ADL

Die Ankündigung eines Analyse-Generators durch die Systor AG findet natürlich mein Interesse, denn der Engpaß der Datenverarbeitung heißt längst nicht mehr Datenerfassung, sondern Programmierung. Allerdings ist uns schon oft das Ende der Programmierung versprochen worden. Die Ergebnisse waren jedoch nur leicht verbesserte List-Generatoren, mit denen "gehobene" Anwendungen kaum oder gar nicht möglich waren.

Wer bereits mit Datenbanken und TP-Verfahren beschäftigt ist, kann Generatoren nur selten nutzen weil deren Leistungsfähigkeit bereits vorher endet. Trotzdem prüfen wir jede Ankündigung genau .

Wenn es der Systor AG mit dem Analyse-Generator gelungen sein sollte, etwas Besonderes geschaffen zu haben, wird man einen dankbaren und großen Markt vorfinden.

Über unseren Anwender/Fachverband ADL würden wir solche Entwicklungen weiterempfehlen.

Hansbernd Berzheim, Leiter des Geschäftsbereichs Software der ADVIS, Software-Partner, Hannover

Merket auf, jetzt gibt es "Super-Software" und "ein wirklich neuer Schritt" ist getan! Tut Ihr ihn nicht, Ihr Götter der gestelzten Programmiersprachen, Ihr werdet stürzen bei der "Götterdämmerung für Programmierer" Frohlocket, die Ihr Eure Mühe hattet mit der Formulierung vertrakter DV-Probleme, jetzt könnt Ihr darüber reden, wie Euch der Schnabel gewachsen ist. Systor Centauri ist da - ein Problem-Prozessor-System, das "exakte Problemdefinition verarbeitet, die in der Muttersprache formuliert sind" .

Man ist leicht irritiert: waren hier Experten für einige Jahre im Kälteschlaf, oder hatten sie ihre Werbeleute nicht unter Kontrolle? Dem der Schuh paßt, eine kurze Nachhilfe zum Altthema "Problemdefinition in der Muttersprache". Mutters Problem ist vielleicht der neue Hut der Nachbarin oder die Prüfung der Plausibilität von Vaters Ausrede, aber nicht etwa ein komplexes DV-Problem. Eine Sprache hat genau die Mächtigkeit, die der Ausdruckswille braucht, der sie zu seinem Mittel geformt hat. DV-Probleme liegen nicht im Zielfeld der Alltagssprache. Gerade deshalb werden ja Dokumentations- und Design-Sprachen entwickelt, die eindeutige, widerspruchs- und redundanzfreie Problemdefinitionen zulassen und die heuristische Eigenschaften haben. Selbst bei Hardware-Beschreibungen sieht man sich gezwungen, Kunstsprachen zu verwenden, weil es anders einfach nicht mehr geht. Problemdefinition in der Umgangssprache hat nur Sinn und Vorteil im Zusammenspiel mit einer echten, direkten Dialog-Software, die die Nachteile der Umgangssprache durch eine ausgeklügelte Fragestrategie abfängt . . .

Solche Software wurde dann aber noch teurer!

Ehrlich - es ist nicht der böse Geist der Konkurrenz, der resümiert: Bei hinreichend simplen Problemstellungen wird Centauri wohl Vorteile bringen. Vom gedanklichen Ansatz her ist es ein spektakulärer Rückschritt, der aller modernen Tendenz zuwiderläuft.

Si tacuisses. . .