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12.03.1999 - 

CEO Lewis Platt kündigt Rücktritt an

CEO Lewis Platt kündigt Rücktritt an HP: Neuer Computerkonzern verstärkt Web-Engagement

MÜNCHEN (CW/IDG) - Hewlett-Packard (HP) spaltet sich in ein Meßtechnik- und in ein Computerunternehmen auf. Damit setzt der kalifornische IT-Gigant einen tiefgreifenden Restrukturierungsplan um, der auf eine Empfehlung des Beratungsunternehmens McKinsey zurückgeht. Konzentration auf die jeweiligen Wachstumsmärkte heißt die Devise, wobei die bisherige Computersparte von HP vor allem ihre Defizite im Internet-Business wettmachen soll.

HP hat seinem Ruf, ein besonderes Unternehmen der IT-Branche zu sein, wieder alle Ehre gemacht. Dies war eine der Reaktionen von Experten auf den vergangene Woche angekündigten Spinoff der bisherigen HP-Bereiche Test- und Meßtechnik, elektronische Bauelemente, chemische Analysetechnik und Medizinelektronik. Während die Weltwirtschaft derzeit quer durch alle Branchen ihre Mergermania auslebt und globale Allianzen sowie Fusionen als Erfolgsrezept gelten, beschloß die US-Company, ihr Heil in zwei kleineren, getrennt operierenden Einheiten zu suchen.

Die genannten Business Units, die 1998 rund 7,6 Milliarden Dollar zum Konzernumsatz beitrugen, werden laut HP nach Möglichkeit noch in diesem Jahr als selbständiges Unternehmen ausgegliedert und an die Börse gebracht. Geführt werden soll die neue Meßtechnik- Gesellschaft, für die es bis dato noch keinen Namen gibt, von HP- Vice-President Edward Barnholt, der schon in seiner derzeitigen Funktion für besagte Geschäftsbereiche verantwortlich zeichnet. Das "neue" Computerunternehmen wird weiter unter "Hewlett-Packard" firmieren und die Bereiche Enterprise Computersysteme, Software und Dienstleistungen, PCs, Drucker, Peripheriegeräte sowie Bildbearbeitung umfassen. In diesen Marktsegmenten erzielte HP im zurückliegenden Geschäftsjahr einen Umsatz von 39,5 Milliarden Dollar.

HP will 15 Prozent der Aktien der neuen Meßgerätefirma an die Börse bringen. Dies werde, so das Unternehmen, die größte Neuemission eines Technologiewertes in der Geschichte des Silicon Valley. Den Rest der Anteile sollen die HP-Aktionäre erhalten. Angaben, wozu das aus dem Going Public zufließende Geld verwendet werden soll, gibt es bis dato nicht. Die neue Gesellschaft soll sich beim Verkauf ihres Spezialequipments auf künftige Wachstumsmärkte wie Bio- und Gentechnik konzentrieren, hieß es. Dazu dürften einige Investitionen notwendig sein, denn die Meßgerätesparte war zuletzt langsamer als die übrigen Unternehmensbereiche gewachsen.

Doch damit nicht genug: Neben dem Spinoff kündigte HP-Chef Lewis Platt seinen Rückzug aufs Altenteil an. Der 58jährige Manager, der ohnehin in zwei Jahren aufgrund einer HP-internen Regelung sein Amt hätte aufgeben müssen, will als quasi kommissarischer CEO der Computersparte nur noch den "Übergang steuern und begleiten". Nach der Verselbständigung beider Firmen bis spätestens Mitte kommenden Jahres soll ein neuer CEO den Computerkonzern HP führen. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden dieser Personalie setzten die Spekulationen ein. Als aussichtsreichster interner Kandidat für die Nachfolge Platts gilt Insidern zufolge Ann Livermore, derzeit General Managerin des HP-Geschäftsbereichs Enterprise Computing. Der Board of Directors favorisiert dem Vernehmen nach jedoch eine externe Lösung. Hier werden Namen wie der zu Silicon Graphics abgewanderte frühere Chef der Computer-Division Rick Belluzo, Oracle-Vize Ray Lane, Ed Zander von Sun Microsystems und vereinzelt sogar Cisco-CEO John Chambers gehandelt.

Mit einer der größten Firmenaufspaltungen in der US-Geschichte - Experten ziehen einen Vergleich mit dem Spinoff der früheren AT&T- Töchter Lucent Technologies und NCR - reagierte HP auf eine zuletzt stagnierende Umsatzentwicklung sowie bescheidene Gewinne. Anfang der 90er Jahre noch als der Technologiewert schlechthin gehandelt, rangierte die HP-Aktie in den beiden zurückliegenden Jahren in Sachen Kursgewinne unter ferner liefen. Das Unternehmen gilt derzeit, nicht nur unter Börsianern, als zu groß und unflexibel, in seinen zahlreichen Geschäftsbereichen als unüberschaubar. Darüber hinaus kritisierten Branchenkenner zuletzt die mangelnde "Time-to-Market"-Fähigkeit der Kalifornier, vor allem das Fehlen einer klaren Produktstrategie für das Internet- Business.

Gerade letzteres soll sich nun mehr oder weniger über Nacht ändern. Platt stellte für den HP-Computerkonzern binnen weniger Wochen die Formulierung eines "auch für den Markt schlüssigen E- Commerce-Angebots" in Aussicht. Damit werde man Wettbewerbern wie IBM, Sun Microsystems, Dell und Compaq künftig das Leben schwerer machen, hieß es. Erster Beleg dafür, was man bei HP darunter versteht, dürfte vermutlich die ebenfalls vergangene Woche angekündigte gemeinsame Web-Site mit dem Start-up-Unternehmen Ariba Technologies sein. Die Internet-Newcomer wollen demnächst eine Portalseite (www.ariba.com) eröffnen, die als Plattform für den weltweiten Handel mit Büromöbel und -material ausgebaut werden soll. HP liefert hierzu sämtliche Hard- und Software und will künftig seinen gesamten internen Bedarf an Büro- und Schreibmitteln über den Portaldienst beziehen. HP werde sich primär um die Ausrüstung von Firmen kümmern, die Produkte oder Services über das Internet mit einem eigenen Front-end anbieten wollen, erläuterte Platt.

Ob der "neue" HP-Computerkonzern damit reüssieren kann, bleibt offen. Vielen Experten geht der jetzt beschlossene Spinoff nicht weit genug. Das Management um CEO Platt, das die strukturelle Krise des Konzerns bis dato nur mit einem strikten Sparkurs hatte eindämmen wollen, sei, so deren Kritik, gescheitert. Die bloße Verselbständigung der Computersparte ändere daran nichts. Im E- Business hinke man der Konkurrenz hinterher, zu lange habe man sich auf wenig margenträchtige Märkte wie das PC- und Server- Geschäft konzentriert. Platt sei daher schon länger nicht mehr Herr, sondern Getriebener der Entwicklung.

In einem letzten Kraftakt habe der altgediente und in der Branche hochangesehene HP-Chef verhindert, daß ein weitaus einschneidenderer Plan der von ihm selbst ins Haus geholten McKinsey-Berater in die Tat umgesetzt wird. Seit Ende vergangenen Jahres lag Insidern zufolge ein Papier der Consultants auf dem Tisch, das neben der Ausgliederung der Meßtechnik auch ein Spinoff der Druckersparte vorsah. Die Verselbständigung und das Going Public der bisherigen Cash-cow des Unternehmens hätte vermutlich nicht nur an der Wallstreet für den gewünschten Aha-Effekt gesorgt. Dieser radikale Schritt sei jedoch dem HP-Board, in dem vier Enkel der beiden Firmengründer Bill Hewlett und David Packard sitzen, die vor 60 Jahren das Unternehmen mit der Entwicklung und dem Verkauf von Meßtechnik-Equipment gründeten, "nicht vermittelbar" gewesen, heißt es.