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30.03.2001 - 

Frühere CE Computer Equipment AG strebt Marktführerschaft beim "Lifecycle-Content-Management" an

Ceyoniq AG: Neuer Name symbolisiert neuen Anspruch

FRANKFURT/M. (gh) - Wie seit Jahren gewohnt, konnte die CE Computer Equipment AG eine gute Bilanz vorlegen. Umsätze und Erträge nahmen auch im Geschäftsjahr 2000 überdurchschnittlich zu. Jetzt will das Bielefelder Softwarehaus unter dem neuem Namen Ceyoniq AG im Weltmarkt durchstarten. Rückenwind erhofft man sich dabei vor allem von der - bei Analysten allerdings umstrittenen - Übernahme des US-Wettbewerbers Treev.

Die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2000, die der Vorstand der frisch gebackenen Ceyoniq AG vergangene Woche in Frankfurt am Main präsentierte, können sich - nicht nur für Neue-Markt-Verhältnisse - sehen lassen. Mit 74,19 Millionen Euro stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 47,9 Prozent, der Gewinn vor Steuern (Ebit) verbesserte sich um 81,5 Prozent auf rund 14,6 Millionen Euro. Nicht eingeflossen in diese beiden Bilanz-Kennziffern sind bei den Einnahmen die Umsatzerlöse des im Januar 2001 offiziell übernommenen US-Unternehmens Treev Inc. sowie beim Ebit die Erträge aus dem Börsengang der Group Technologies AG in Höhe von 11,91 Millionen Euro. Damit konnten sich die Bielefelder, wie President und COO Jürgen Bintrup, vor der Presse betonte, erfolgreich dem zuletzt spürbar negativen Branchentrend entziehen.

Bintrup ließ sich wohl auch aus diesem Grund zu starken Worten hinreißen. Ziel der Company sei es, in absehbarer Zeit weltweit die Marktführerschaft im Bereich Content- und Dokumenten-Management zu erobern. "Wir wollen nicht die Nummer fünf und auch nicht die Nummer drei sein", erklärte der Ceyoniq-Verantwortliche. Um dieses ehrgeizige Ziel zu untermauern, hat sich die frühere CE Computer Equipment AG in den zurückliegenden Monaten einem radikalen Wandel unterzogen.

Produkte wurden auch umbenanntNach außen hin wird dies durch die Namensänderung in Ceyoniq AG dokumentiert, die zur CeBIT offiziell wirksam wurde. Der weltweit geschützte Name stehe, so Bintrup, für ein "vollkommen neues Branding", das eine entsprechende internationale Ausrichtung und den Abschied von der (durchaus erfolgreichen) Vergangenheit als Systemhaus mit einem zum Teil relativ hohen Hardware-Anteil am Umsatz symbolisieren solle. Gleichzeitig wurde der bisher aus Bintrup und CE-Gründer Thomas Wenzke bestehende Vorstand um zwei Personen verstärkt. Entsprechend der geänderten Namensgebung bekam auch das Produktportfolio der Westfalen ein neues Branding. So werden die Kernprodukte ab sofort als "Ceyoniq-Solutions for Banking", "Ceyoniq-Solutions for Insurance" und "Ceyoniq-Solutions for Public Sector" vermarktet.

Grundsätzlich sieht das Unternehmen künftig seine Kernkompetenz im so genannten Lifecycle Content-Management - will heißen: bei vertikalen Branchenlösungen für Content-Management, Dokumenten-Management-Systemen (DMS), der digitalen Archivierung sowie Internet-Portalen und Interfaces inklusive Standardschnittstellen zu Drittanbietern wie SAP, Oracle oder Siebel. Aber genau hier könnten mittelfristig auch die Probleme liegen. Denn eine Erfolgsgarantie ist diese Positionierung keineswegs. Die gesamte Szene der früher klassischen DMS- und Archiv-Anbieter schreibt sich diesen Anspruch auf die Fahnen; singt das Hohelied vom Workflow, Kowledge-Management und Portallösungen. Branchenkenner erwarten deshalb trotz der allgemein prognostizierten hohen Wachstumsraten ein Hauen und Stechen im Markt.

Das bisher gute Standing der Bielefelder im Markt, das in der jüngeren Vergangenheit zum Teil auch auf hausgemachte Management-Probleme bei einigen Wettbewerbern (Ixos, Filenet und zum Teil auch SER Systeme) zurückzuführen war, könnte deshalb auf lange Sicht trügerisch sein. Gemessen an der wirtschaftlichen Größe der Konkurrenz ist die weltweite Marktführerschaft für Ceyoniq zwar kein unerreichbares Ziel, doch die Karten im DMS-Business werden völlig neu gemischt - Ausgang ungewiss.

Auch aus einem anderen Grund dürfte 2001 für Ceyoniq ein entscheidendes Jahr werden: die im Januar nach einem zermürbenden Procedere mit der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) endlich unter Dach und Fach gebrachte Übernahme des US-Content-Management-Spezialisten Treev. Viele Analysten hatten den Deal nicht nur wegen der heftigen und sehr langen Geburtswehen, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass die Amerikaner zuletzt tiefrote Zahlen schrieben, kritisch gesehen. Neben dem Autoriesen Daimler-Benz sei Ceyoniq respektive CE Computer Equipment das bisher einzige deutsche Unternehmen, das ein an der Wall Street gelistetes Unternehmen per Aktientausch übernommen habe, hieß es. Mutet sich das Bielefelder Softwarehaus mit seinem US-Engagement zu viel zu, schimmerte da als Frage vieler besorgter Anleger durch.

Gelingt der Ceyoniq AG das "Abenteuer USA", würde man andererseits als eines der wenigen deutschen Software-Unternehmen über ein funktionierendes Standbein im Mutterland der IT verfügen. Nach einer kräftigen Restrukturierung (15 Prozent der Treev-Mitarbeiter mussten gehen) unter Federführung des neuen Vorstandsmitglieds Gerd Bührig habe man auf der anderen Seite des Atlantiks inzwischen eine "hochmotivierte Truppe", hieß es dazu in Frankfurt. Ohnehin sei Treev nicht nur der Schlüssel zum US-Markt, sondern biete auch optimale Ergänzungen zum eigenen Produktportfolio, zum Beispiel bei Portallösungen oder Workflow-Tools. Zudem könne man auf die Erfahrungen der Integration zahlreicher Übernahmen - etwa des Knowledge-Management-Spezialisten Insiders IM GmbH oder zuletzt der Softmatic-Informations-Management GmbH - verweisen.

Für das Geschäftsjahr 2001 zeigte sich das Ceyoniq-Management jedenfalls ungebrochen optimistisch. So soll zum einen die US-Tochter Treev, die im abgelaufenen Jahr rund 22 Millionen Dollar Umsatz erzielte, bereits im ersten Quartal wieder profitabel operieren. Mit Einnahmen in Höhe von 5,8 Millionen Dollar erreichte Treev die Umsatzplanung, wurde mitgeteilt. Konzernweit sollen die Einnahmen auf rund 120 Millionen Euro klettern; als Ebitda-Marge stellt man sich 25 Prozent vor.

Abb: Ceyoniq in Zahlen

Der derzeitige Anteil des Lizenzgeschäfts soll noch geringfügig erhöht werden. Quelle: Ceyoniq AG