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VM371 - ein Performance -Killer?

Chairman des Arbeitskreises VM/370 des Deutschen GUIDE*

18.05.1979

Die Zeiten, in denen man über VM/370 die Nase rümpfte und in Fachkreisen über Performance-Verluste von 30 bis 50 Prozent - manche "Spezialisten" brandmarkten VM sogar mit 80 bis 90 Prozent Overhead - spuken leider noch in allzuvielen Köpfen. So wurde seinerzeit VM aufgrund seiner Ergebnisse ein für alle Mal als "Performance-Killer" abgestempelt. Tatsache jedoch ist, daß diese Aussagen aus den Kindertagen des VM (Rel 2) stammten und zudem aus Erfahrungen des Anwenders und der IBM, die damals eher mager als gut waren.

Diese Zeiten sind allemal vorbei zumindest auf der Anwenderseite. Denn heimlich, still und leise hat IBM diesen Hypervisor (VM ist kein Betriebssystem im eigentlichen Sinne) aufgerüstet und mit guten bis sehr guten Eigenschaften ausgestattet.

Bemerkenswert ist an dieser Stelle, daß IBM auf die Frage hin welche Systeme die nächsten Jahre überleben werden, offiziell in der letzten GUIDE-Tagung des Arbeitskreises VM/370 nur die Systeme DOS/VSE (für kleine und mittlere beim Endbenutzer stehende Systeme ohne großen Generierungs- und Planungsaufwand) MVS (für große Systeme in der zentralen Datenverarbeitung und Netzwerksteuerung) und VM/370 (als Übergangs- und Universalsystem, das auf allen CPU's von den kleinen /370ern über die 4300 bis zur größten 303X betrieben werden kann) genannt wurden.

Man neigt bei VM zu philosophischen Betrachtungen in Richtung der Betriebssystementwicklung reales Speicherkonzept (MFT, MVT, DOS), virtuelles Speicherkonzept (VS1, DOS/VS), virtuelle Adreßräume (SVS, MVS), virtuelle Maschinen (VM/370). Wie die nächste Stufe der Betriebssystementwicklung aussieht, soll nicht Bestandteil dieses Artikels sein. Weshalb von seiten der IBM Deutschland im Gegensatz zu anderen IBM-Gesellschaften VM nicht in dem Maße forciert wird, wie es dieses System eigentlich verdient hätte kann nur durch den Mangel an erfahrenen Leuten erklärt werden die die Möglichkeiten dieses Systems kennen. Die Erfahrungen der letzten Jahre beweisen dies nur allzu deutlich. Gerade dieser Punkt veranlaßt IBM-Vertriebsbeauftragte, VM eher als Randerscheinung denn als ausgereiftes Software-Produkt anzubieten. Normalerweise wird VM als Umstellungshilfe von DOS nach OS angeboten, was nur eine von vielen Möglichkeiten ist.

Um die volle Breite von VM zu beschreiben, könnte man eine ganze Artikelserie konzipieren - dies sollte lieber IBM tun, um den Anwender mit einem ihrer guten Softwareprodukte vertraut zu machen. Daher möchte ich an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, eine kurze Übersicht, die in mehrjährigen Studien des GUIDE-Arbeitskreises VM/370 zusammengetragen wurde, zu geben und das Vorurteil in Frage zu stellen, welches viele Anwender und EDV-Installationen davon abhält, den Einsatz von VM erneut zu diskutieren.

Im Gegensatz zu früher unterstützt VM/370 heute die CPU-Palette von einer kleinen /370-135 bis zur 3033AP. Auch etwas "exklusivere" Peripherie wie das Massenspeichersystem oder das Drucksystem (3850 beziehungsweise 3800) können unter VM/370 betrieben werden.

Besonders hervorzuheben ist die neue Serie 4300, die häufig benutzte Funktionen des VM/370 ins Mikroprogramm verlegt und damit hohe Performance garantiert.

VM bietet mittlerweile gleichwertige und kompatible Software zu DOS/VS1 und MVS-Produkten.

Im DOS-Bereich:

- CMS/DOS als vergleichbares System zu ETSS beziehungsweise ICCF

Vorteile: bessere Funktion und bessere Performance als das DOS-System;

- VSAM/DL/I und DOS-Compiler unter CMS einsetzbar

Vorteile: Möglichkeit der Nutzung von interaktiven OS-Compilern auch für DOS-Programme.

Darüber hinaus Ausführen von OS-Programmen möglich unter CMS ohne OS-Betriebssysteme.

Im OS/VSl-Bereich:

- CMS ist bei weitem überlegener als mögliche Systeme wie VSPC/ IOS/SPMO/ROSCODE für die interaktive Verarbeitung, zudem ist der Einsatz aller OS-Compiler und interaktiven Compiler möglich.

Im OS/VS2-Bereich:

- CMS-SPF ist funktionell gleichwertig wie TSO-SPF, hat jedoch erhebliche Performance-Vorteile;

- Möglichkeiten, MVS im AP- und MP-Mode unter VM zu betreiben;

- Es gibt Möglichkeiten des dynamischen Übergangs zu und vom "Native Mode" für OS/VS1, SVS und MVS (das heißt ohne IPL ist es möglich, VM ein- oder auszuschalten und die erwähnten Betriebssysteme ohne den VM-Overhead zu betreiben).

Weitere Möglichkeiten des Einsatzes von VM sind:

- Standardisierung und Automatisierung der Arbeitsvorbereitung im Dialog vom Bildschirm

- Revisionsfähiges Programmverwaltungssystem bei interaktiver Programmbearbeitung (ähnliche Lösungen werden über kostenpflichtige Software wie Librarian oder Panvalet; angeboten);

- Realisierung des kontrollierten VSAM-Zugriffs von vielen virtuellen Maschinen über eine IFS-Maschine (interaktives File Sharing);

- Anlegen, Löschen und Verarbeiten von VSAM-Dateien dialoggesteuert;

- Billiges Trägersystem für APL bei hoher Leistung;

- Softwarekopplung ist über das RSCS-Spooling-System möglich und wird von IBM selbst als weltweites Verbundsystem von MVS- und VM-System eingesetzt.

Davon ausgehend, daß DOS- und VSl-Systeme unter dem heutigen VM kein Problem mehr darstellen, wurden im VM gerade für den MVS-Benutzer weitreichende Verbesserungen realisiert. Das bedeutet, daß MVS unter VM heute mit durchaus respektablen Zahlen

aufwarten kann, die die Leistungszahl des MVS erreichen, wenn man die Möglichkeit nutzt, VM dynamisch abzuschalten.

Vorteile von VM sind auf alle Fälle darin zu sehen, jedes IBM-Betriebssystem einschließlich VM selbst parallel generieren, austesten und produktiv betreiben zu können. Der Test eines Betriebssystems neben einem Produktionssystem, der produktive Einsatz eines OS-Systems neben einem DOS-System oder ein Online-System neben einem Batch-System (oder alles zusammen) ist unter VM kein Problem und die Diskussion über Blockzeiten oder Nacht- und Wochenendarbeit für die Systementwicklung oder Wartung gehören der Vergangenheit an. Auch der Hard- und Software-TA hat durch die Einrichtung einer eigenen virtuellen Maschine die Möglichkeit, über IPCS im Dialog Softwarefehler zu analysieren und zu dokumentieren sowie über seine Stand-alone-Tests Hardwarefehler einzukreisen, ohne den Produktionsbetrieb zu behindern.

Dies alles sind Punkte, die man nicht unter den Tisch fallen lassen sondern erneut diskutieren sollte. Daher möchte ich Sie in meiner Eigenschaft als Chairman des Arbeitskreises VM/370 des Deutschen GUIDE zu unserer nächsten Tagung einladen, die

voraussichtlich im Spätsommer dieses Jahres stattfinden wird. Dies gilt besonders für die Benutzer der 4300-Serie.

Bei vorhandenem Interesse schicken Sie bitte eine Notiz an die folgende Adresse:

Hans Roland Becker e/o BHF-Bank

Abt. Systemtechnik Postfach 2301

6000 Frankfurt/Main 1

*GUIDE = Guidance for Users of Integrated Data Processing Equipment.

_AU:Hans Roland Becker