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22.08.1975

Chancen nur für Karrierefrauen?

1975 - Jahr der Frau. Wie steht es um Gleichberechtigung und Emanzipation in der Datenverarbeitung? Welche Karriere-Chancen haben die weiblichen Kollegen? Ist der Durchbruch in Führungspositionen nur möglich bei Verzicht auf Weiblichkeit? Hatten die EDV-Damen der ersten Generation es besser als der Nachwuchs heute?

CW befragte fünf "Karriere-Frauen", die in der EDV ihren Weg gemacht haben.

Liselotte Marsen, Leiterin einer EDV-Entwicklungsabteilung bei der Datenzentrale Schleswig-Holstein, Kiel

Anfang der 60er-Jahre ergab sich in den EDV-Berufen für die Frau eine Chance, in ein Vakuum vorzustoßen, das bis dahin von den männlichen Kollegen nicht allein ausgefüllt werden konnte.

Die stürmische Entwicklung der EDV auf allen Gebieten erforderte den Einsatz von Kräften, für die noch keine vorgezeichnete Ausbildung vorhanden war. Da der Prozentsatz der Frauen ohne abgeschlossene Ausbildung im Berufsleben wesentlich größer ist, als der ihrer männlichen Kollegen, ergab sich hier die Möglichkeit, über eine bis dahin nicht existierende Berufsausbildung in ein Neuland vorzustoßen, das daher auch nicht eine alleinige männliche Domäne war.

Wie sieht nun heute die Situation der Frau in der EDV aus? Das Bild hat sich doch wesentlich geändert. Infolge der Erweiterung der Möglichkeiten zur Ausbildung für EDV-Berufe auf Fachschulen und Universitäten wird dieser Weg jetzt auch wesentlich gezielter von männlichen Bewerbern beschritten. So hat sich wieder einmal das Verhältnis zu Ungunsten der Frau verschoben .

Auf leitenden Posten in der EDV findet man außerdem selten eine Frau,- wie auch sonst allgemein üblich. Dazu trägt der altbekannte Zustand bei, daß Frauen zeitweise aus dem Berufsleben ausscheiden, um ihre Pflichten als Mütter wahrzunehmen. Bei einer Jahre späteren Rückkehr sind ihnen die ehemaligen männlichen Kollegen durch die inzwischen erworbenen Erfahrungen weit überlegen und bekleiden höherwertige Posten oder sind auf dem Wege dorthin. Es bedarf unendlicher Anstrengungen und Einsatz, diese Benachteiligung zu überwinden, beziehungsweise es ist gar nicht mehr möglich, diesen Vorsprung aufzuholen.

Daß die Frau die gleichen geistigen Voraussetzungen mit logischem und abstraktem Denken haben kann wie die männlichen Kollegen, braucht hier wohl nicht mehr gesondert gesagt zu werden.

Maria Christine Fürstin von Urach, Hauptabteilungsleiterin des Bereiches Org. u. DV, Daimler-Benz AG, Werk Untertürkheim

Wichtigste Voraussetzungen für eine Frau in der EDV ist eine abgeschlossene Berufsausbildung und ein Hochschulstudium. Notwendig ist zudem logisches Denken, hier sehe ich aber keinen Unterschied zwischen Frau und Mann, obwohl es manchmal - schon aus Tradition - angezweifelt wird.

Heute ist die Situation etwas anders gelagert als damals, als ich angefangen habe. Früher war die Bereitschaft, eine Frau einzustellen, wohl etwas größer als heute, da die Berufsausbildung noch in keiner Weise festgelegt war. So hatte die Frau vielleicht noch mehr Chancen, da zudem alle Bewerber gleich alt waren,- man kam praktisch zusammen "hoch".

Als Frau muß man einen kollegialen Stil haben und anpassungsfähig sein. Ganz besonders wichtig ist das Selbstverständnis, daß man sich nicht als etwas anderes als ein Mann vorkommt .Hier darf nicht auf der "holden Weiblichkeit" herumgeritten werden. Eine Leistung muß erbracht werden - unabhängig vom Geschlecht. Das muß die Frau lernen. Dann wird sie akzeptiert.

Eine weitere Voraussetzung ist das Durchsetzungsvermögen. Außerdem darf eine Frau keine Emotionen haben. Bei einem Mann wird das zur Not akzeptiert, bei einer Frau niemals.

Ein wichtiger Punkt noch: einem Mann hilft die Familie beim Weiterkommen im Berufsleben, in der EDV muß eine "Karriere-Frau" darauf verzichten.

Gisela Peternel, EDV-Leiterin, Kaufhaus Horn, München

Ich persönlich halte von dem ganzen Emanzipationsgerede nicht viel. Auch davon nicht, daß eine Frau in der EDV wenig Chancen hat, - das hängt meiner Meinung von jedem selber ab. Ich bin seit etwa vier Jahren in der EDV-Abteilung tätig. Begonnen habe ich als Buchhalterin. Als dann die Anschaffung einer EDV-Anlage notwendig wurde, habe ich die Chance ergriffen und mich über den zweiten Bildungsweg in EDV schulen lassen. Nachdem ich die heutige EDV dann von der "Pike auf" mit aufgebaut, die ersten Programme selber geschrieben hatte, habe ich nach und nach die Leitung der gesamten Abteilung in die Hand bekommen. Wir arbeiten mit einem IBM System /3 - vorläufig reicht dieses System für unsere Belange aus.

Mir macht die ganze Sache ungeheuren Spaß. Von einer trockenen, unfraulichen Beschäftigung können nur die reden, die sich niemals damit beschäftigt haben, oder solche, die Engagement und Verantwortung scheuen. Gerade in unserem Betrieb gibt es so viele Möglichkeiten - bedingt durch die vielen Artikel- mit dem Computer "zu spielen" - keineswegs eine trockene Sache.

Pläne, mich zu verändern und noch weiterzukommen, habe ich derzeit noch nicht. In absehbarer Zeit werden wir ein größeres System anschaffen und auch da werde ich mich herantrauen. Mit entsprechender Schulung sehe ich keine Probleme, die Abteilung auch weiterhin zu leiten. Meine männlichen Kollegen haben mich nie spüren lassen, daß ich "ein unlogisches Weib" wäre. Im Gegenteil.

Helga Koeppe, Leiterin des Rechenzentrums Stuttgart der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt e. V. (Dfvlr)

In dem Bereich der Wissenschaft und Forschung, der mir aus meinem Arbeitsgebiet am nächsten liegt, würde ich die Chancen der Frau in der EDV genauso wie die Chancen der Männer einschätzen. Das staatliche Tarifgefüge (zum Beispiel BAT) sieht ja von vornherein keinerlei Unterschied zwischen Mann und Frau vor. Bei gleicher Ausbildung wird die gleiche Eingangsstufe geboten, bei gleicher Bewährung auch der gleiche Aufstieg.

Überall in der EDV, besonders aber in der EDV in der Forschung ist es unumgänglich nötig, daß man sein Wissen stets auf dem neuesten Stand hält. Das bedeutet ein stetiges Weiterlernen, Fortbilden, Umdenken. Das bedeutet aber auch viel Kraft, viel Einsatzbereitschaft und auch viel Opfer an Freizeit. Bei entsprechender Leistung hat dann auch die Frau durchaus die Chance weiterzukommen, nicht nur in denjenigen Bereichen der EDV, die von vornherein den Frauen überlassen wurden wie zum Beispiel die Datenerfassung.

U. Feller-Weiss, Selbständige EDV-Beraterin, Pro-EDV, München-Garching

Meine Erfahrung: Zunächst Skepsis - eine Frau? - dann Verwunderung - es geht Ja trotzdem erstaunlich gut voran und von da ab merkte ich im Vergleich zu männlichen Kollegen keinen Unterschied mehr - im Gegenteil, manchmal habe ich es vielleicht sogar leichter.

Ich arbeite schon seit neun Jahren in der EDV und habe meine Berufswahl noch keinen Tag bereut. Angefangen habe ich 1966 - nach dem Abitur - als Volontär in der EDV-Abteilung einer großen Münchner Versicherungsgesellschaft. Dort erlernte ich Programmiersprachen und wurde später Mitarbeiterin in der zentralen EDV-Organisation und -Dokumentation. Anschließend arbeitete ich mit an der ersten Konzipierung eines Management-Information-Systems für die Luftwaffe. Mit 24 Jahren wurde ich in einer Unternehmensberatung Leiterin einer kleineren Programmierabteilung um schließlich bei einer anderen Beratungsgesellschaft den Geschäftszweig "Mittlere Datentechnik" zu übernehmen.

Vor einem Jahr habe ich mich selbständig gemacht.

Meine Erfahrung mit Kollegen? Ich glaube, es wurden keine Unterschiede gemacht - und wenn, dann konnte ich nur positive Abweichungen feststellen. Einmal wurde mir jedoch klar, daß ich offensichtlich ein Manko haben mußte: Ich wurde zum "Mann ehrenhalber" befördert.