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27.08.2007

Chaos im Typhoon-Lager

Streit um die Anubis-Konkursmasse: Der Verwerter Orleando und seine Kunden klagen über lange ausbleibende oder zum Teil defekte Ware und sehen sich von COS getäuscht. Der Distributor aus Linden sieht das allerdings ganz anders.

Von Klaus Hauptfleisch

Rufschädigend findet COS-Chef Michael Krings die Vorwürfe, die gegen ihn und den Lindener Distributor erhoben werden. Für den Koblenzer Verwerter Orleando GmbH, ein kleines Familienunternehmen, und dessen Kunden, meist ebenso kleine Wiederverkäufer, geht es aber mitunter um die nackte Existenz.

Ende Juni 2007 hat die COS AG die Geschäftsaktivitäten der Marke Typhoon von der insolventen Anubis Electronic GmbH übernommen - und damit offenbar auch so manches Chaos. Denn in den Außenlagern verschiedener Distributoren stapelt sich teils lose, teils defekt Anbubis-Konkursware, die COS weiterveräußern wollte.

Die Ware darf nur bei COS kommissioniert werden

Orleando zufolge ist die Crux aber, dass die Konkursware auf Verlangen des Anubis-Insolvenzverwalters gar nicht in den Außenlagern, sondern nur im Lager von COS kommissioniert werden kann. Laut Orleando-Geschäftsführer Dirk Martini war das nicht vereinbart. Auch dass in einem Hamburger Außenlager Mietpfandrecht geltend gemacht wurde, will er nicht gewusst haben. Wie er meint, konnte die ihm zugesagte Lieferfrist zum 5. Juli 2007 für bereits bezahlte Ware daher gar nicht eingehalten werden. Und so drängt sich ihm und seinen Rechtsanwälten Alexander Peters und Michael Heuchemer "der Verdacht auf, dass sich COS durch die frühzeitige Zahlungsaufforderung in den unberechtigten Genuss liquider Mittel zu bringen versuchte", wie in einem Schreiben der Rechtsanwälte zu lesen ist, das auch ChannelPartner vorliegt.

Getäuscht sehen sich auch die betroffenen Händler, die für Vorkasseleistungen teils hohe Kredite aufnehmen mussten. Dabei sehen einige von ihnen eher die Schuld beim Distributor als bei der Verwertungsgesellschaft. "Ich weiß nicht, was sich COS davon verspricht, uns bei solchen Peanuts-Summen in den Ruin zu treiben", stöhnt Wolfgang Rütten, ein kleiner Internethändler aus Walddorf, der von der KfW gerade erst ein Existenzgründungsdarlehen bekommen hat. Doch weil keine Ware geflossen ist, hat die betreuende Hausbank den Kredithahn zugedreht. Einen Monat später fand sich in einer ChannelPartner vorliegenden Mail für ihn keine Bestellung im COS-System. Entschuldigt hat man sich trotzdem bei Rütten. "Aus den gezeigten Unterlagen und einer E-Mail von COS vom 27. Juli 2007 sehe ich keinen Grund, Herrn Martini nicht zu glauben", so der nun verschuldete Familienvater.

Krings zufolge habe man wegen der Problematik mit den verschiedenen Außenlagern in Abstimmung mit Orleando keine konkreten Liefertermine vereinbart. Auch sei dem Verwerter bekannt gewesen, dass der Zustand der Ware noch geprüft werden müsse, weshalb bewusst keine Spezifizierung abgegeben wurde. Und so drängt sich ihm wiederum der Verdacht auf, dass Orleando auslaufende B- oder defekte C- als A-Ware angeboten habe, zumal die von COS angesprochenen Kunden weit mehr als Orleando bezahlt hätten. Im Übrigen habe der Distributor vertragsgerecht zum 3. August 2007 insgesamt 93,3 Prozent der bestellten und bezahlten Ware ausgeliefert.

"Gar nicht wahr! Die meisten Kunden warten immer noch auf ihre Ware", so Martini. In einem ChannelPartner vorliegenden Schreiben vom 22. Juli 2007 stellt sein Anwalt Peters fest, dass in acht Fällen noch keine Auslieferung erfolgt war, in einem neunten Fall, dem größten Kunden, der in mehreren Chargen einen mittleren sechsstelligen Betrag direkt an COS bezahlt hat, diverse Teillieferungen. Diese bestanden in einem Fall aber meist aus stark mangelhafter, sprich defekter Ware. Da er auf eine Einigung mit dem Distributor hofft, will er aber nicht genannt werden. Auf einer Rechnung von COS finden sich auch Belege, dass der Deal mit Orleando neben B- und C- auch A-Ware umfasste.

Wie Martini sagt, sind im Juni des Jahres COS und Typhoon auf ihn zugekommen, ob er nicht Konkursware übernehmen wollte. Er wollte und schloss einen Kaufvertrag in Höhe von 800.000 Euro, ihm zufolge bei einem Lagerwert von 2,6 Millionen Euro zur Verwertung an seine Kunden. "Falsch ist, dass sie den gesamten Deal gekauft haben", kontert Krings. Da Orleando den COS-Versicherern nicht kreditwürdig genug war, hatte man sich auf Vorkasse geeinigt. Und weil COS laut Martini auf schnelle Bezahlung für schnelle Lieferung pochte, hat Orleando den Kunden ebenfalls gegen Vorkasse Ende Juni im Vorfeld Waren mit einem Bruttoeinkaufswert von rund 400.000 Euro angeboten, wobei die Gelder wie im Fall des größten Kunden teilweise direkt, teilweise über das Kundenkonto von Orleando an COS geflossen sind.

Orleando steigt aus, COS beharrt auf Vertragstreue

Nachdem Ende Juli 2007 immer noch ein Großteil der Ware ausblieb oder als defekt unverkäuflich war, hat der Verwerter am 27. des Monats die Reißleine gezogen und den Vertrag mit COS gekündigt, der erst am 22. August 2007 wirksam wurde. COS bestand dagegen auf Vertragserfüllung und hat daher den Rest der Ware zurückgehalten, laut Krings 6,7 Prozent der offenen Lieferungen, Martini und den betroffenen Kunden zufolge wesentlich mehr als das. In einem Fall soll bestellte und bezahlte Ware sogar bei einem falschen Kunden aufgetaucht sein. Viel Ärger macht auch, dass sich COS und Orleando wegen der meist losen Ware gegen drei Prozent Nachlass auf Ausschluss von Garantien geeinigt haben. "Aber damit fällt doch nicht die Gewährleistungspflicht weg", beharrt Martini und verweist auf die zum Teil völlig defekte, unverwertbare Ware. COS-Chef Krings zufolge "wurde die Ware (von Orleando, Anm. d. Red.) schriftlich mit anderen Zustandsgarantien versehen und mit abweichenden Lieferzusagen geschmückt". Zudem ist COS nicht Rechtsnachfolger Anubis.

Nachdem Orleando den Vertrag einseitig und vorzeitig beendet hat, haben einige Händler von dem Distributor aus Linden schon Abtretungserklärungen zugeschickt bekommen. COS scheint sich also mit den betroffenen Orleando-Kunden gütlich einigen zu wollen. "Dass mit den beiden größten Kunden schon eine Einigung zustande gekommen ist, davon kann keine Rede sein", betont Martini und will mit den betroffenen Händlern nun den Klageweg beschreiten.