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07.11.1975

Chauffeur oder Selbstfahr?

"MBS" stand bisher für "Minicomputer Business Systeme" - gewiß keine geringe Herausforderung an die etablierte MDT und Klein-EDV. Jetzt werden die "Mikro-Business-Computer" (MBC) kommen - in den Schlagzeilen sind sie bereits aufgetaucht.

Die Meldung auf Seite 1, "TI Single-Chip 16 Bit-Mikroprozessor mit Familienanschluß für 1160 Mark", sollte nicht nur die OEM-Verkleider und die Netzwerk-Bastler interessieren! Wer liest, daß ein 16-Bit-Rechner mit vollen 16 KB, Konsole und allem Drum und Dran sowie der Fähigkeit, Basic, Fortran und Cobol zu verarbeiten, für gut 6000 Mark angeboten wird, dem müßte nun endgültig klar werden, daß wir tatsächlich - bei allem Vorbehalt gegen Phrasen schon wieder in ein neues Computer-Zeitalter eintreten: Das ist der auf dem Taschenrechner-Markt von Texas Instruments bereits einmal vorexerzierte Hardware-Preisverfall für letztendlich weit über 50 Prozent der Gesamt-Anwender-Zahl: Alle MDT-Anlagen sind 16-Bit-Rechner, auch der 6000-Mark-990/10-Computer ist eine Zwei-Adress-Maschine.

Mikro Business Computer

Allerorts bemühen sich Systemhäuser, aus neuen Mikros schlüsselfertige kommerzielle Systeme (Mikro Business Computer) zusammenzubauen. Die Hardware wird dann - wie lang vorausgesagt - nur noch den weit kleineren Teil der Gesamt-System-Kosten ausmachen - die Futurologen haben doch recht behalten.

Dabei geht es nicht nur um den Ersatz installierter Systeme, sondern um den gigantischen Nachholbedarf an EDV im bisherigen Vorfeld.

Beim Podiumsgespräch des "Clubs Wirtschaftspresse" auf der Systems '75 führte Heinz Nixdorf aus, daß bisher die großen Hersteller die Entwicklung von technologisch möglichen Klein- und Kleinst-Systemen künstlich unterbanden, um nicht mit Billig-Produkten die Marktchancen beim Verkauf noch immer wirtschaftlich rentabler, größerer Systeme zu gefährden. Erst Unabhängige Ó la Nixdorf hätten den typisch deutschen MDT-Markt erschlossen. Und erst dieser Erfolg hätte dann ein Nachziehen der Großen (Konzept der verteilten Intelligenz) erzwungen.

Erst 10 Prozent mit EDV

Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen. Aber auch, wenn diese These nur zur Hälfte stimmt, wird mit noch billigeren Systemen und neuen Mikro-Business-Computern ein außergewöhnlich großes Marktsegment eröffnet, das das Attribut "gigantisch" rechtfertigt - in den Büros, Filialen, Dienststellen und Fachabteilungen. (Erst 10 Prozent aller Firmen mit mehr als zehn Beschäftigten nutzen die EDV durch Eigensysteme oder durch Service-Rechenzentrums-Leistungen.)

Auf der gleichen Systems-Presseveranstaltung verwies Dr. Manfred Wahl, heute Unternehmensberater, vormals Topmanager und designierter Bösenberg-Nachfolger, daß sich alle Prognosen und Planungen irren können, wenn es sich allein um die Fortschreibung des derzeit Gängigen handelt: 1912 wurde für den Verband der Deutschen Automobilindustrie ermittelt, daß das Potential für Personenkraftfahrzeuge auf allerhöchstens 80 000 Wagen beschränkt sei, weil es überhaupt nicht mehr Chauffeure gäbe.

Auch in der EDV stehen wir erst an der Schwelle zum Selbstfahrer.