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31.05.1985 - 

Fachmagazin "Natur" stellt Umweltfreundlichkeit der Elektronikindustrie in Frage:

Chemikalien bei Chip-Erzeugung machen krank

MÜNCHEN (CW) - Den Vorwurf, daß die Halbleiterindustrie eine "gewisse Gesundheitsgefährdung" für Mensch und Tier darstellt, erhebt Jetzt das Umweltmagazin "Natur" in seiner soeben erschienenen Juni-Ausgabe. Dabei geriet besonders die amerikanische Technologiehochburg Silicon Valley ins Kreuzfeuer der Kritik.

Den Angaben des Blattes zufolge gehen von mehreren der insgesamt 6000 verschiedenen Chemikalien, mit denen weltweit in den Labors der Halbleiterfabriken gearbeitet wird, schädigende Wirkungen aus. In diesem Zusammenhang werden hauptsächlich die Stoffe Jeffersol, Cellosolve, Dowanol, Ektasolve, Clycolester, Poly-Solv, Oxitol und Prist genannt, die man bei der Übertragung eines Schaltplanes von einem Film auf die Siliziumplatte benötigt. Ein Risiko sei außerdem dadurch gegeben, daß viele der in der Elektronikindustrie verwerteten Substanzen in bezug auf ihre gesundheitlichen Einflüsse noch wenig erforscht seien.

Gerade im "Wunderland" Silicon Valley würden Arbeiterinnen reihenweise ohnmächtig, weil sie chemische Dämpfe einatmeten. Neben Ohnmacht tauchten als Krankheitsbilder auch Übelkeit, Asthma, Gedächtnisschwund, Nervenkrankheiten und Krebs auf. Das Umweltmagazin "Natur" spricht unter Berufung auf Aussagen des Zentrums für Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit in Santa Clara von zahlreichen Unfällen mit gefährlichen Chemikalien. Die Firmen würden jedoch versuchen, solche Skandale zu vertuschen und entsprechende Vorgänge firmenintern zu bagatellisieren. So sei beispielsweise ein Fall bekannt, wo einer Mitarbeiterin, die eine Überdosis von Chlorgas eingeatmet hatte, kurzerhand die Einnahme von Hustensaft und das Gurgeln mit Zuckerwasser empfohlen worden sei.

Wie es weiter heißt, arbeiten zur Zeit Beamte der amerikanischen Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA) an Schutzvorschriften für den Umgang mit den eingangs genannten acht Substanzen.

Gesundheitsschädigende Wirkungen sollen sich im Silicon Valley auch dadurch ergeben, daß die dort meist Ende der sechziger Jahre aufgestellten Tanks mit gefährlichen Substanzen Lecks haben und das Grundwasser verseuchen. So hat man den Angaben von "Natur" zufolge im District Santa Clara, zu dem das US- Technologiezentrum gehört, bei über 86 Prozent der Halbleiterfirmen giftige Substanzen im Boden aufgespürt. Außerdem seien in Brunnen der Region San Francisco bislang fünf toxische Stoffe gefunden worden. Dabei handele es sich um Trichlorethylen, Trichloretan, Dichlorethylen, Toluol und Xylol.