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15.09.2000 - 

Anteile an Dotcoms können ersteigert werden

China macht ernst und lässt ausländische Investoren ins Land

MÜNCHEN (CW) - Noch bevor die Internet-Wirtschaft in China richtig durchstarten kann, droht sie bereits an Kapitalmangel zu scheitern. Zwar zeigen ausländische Investoren schon lange Interesse an dem Markt, doch eine eigensinnige Bürokratie und Gesetzgebung blockierten bisher den massiven Durchbruch. Das könnte sich nun ändern.

Auf gemeinsame Initiative verschiedener staatlicher Organisationen und Vertretern der Industrie will die chinesische Regierung nun Beteiligungen an Internet-Firmen im Rahmen einer Auktion versteigern. Zur Disposition stehen einheimische Web-Content-, Internet-Technologie- und Dotcom-Unternehmen. Wie es in einer Meldung der "China Daily" heißt, handelt es sich dabei vorwiegend um private Unternehmen. Eine Reihe ausländischer Investoren habe bereits Interesse an der Versteigerung bekundet, so das staatliche Organ weiter.

Wie die für den 29. September anberaumte Auktion konkret verlaufen soll, ist selbst Marktkennern noch schleierhaft. Christian Pfalz, Partner bei der Münchner China Consulting Dr. Rummel & Partner GmbH, betrachtet das Vorhaben eher mit Skepsis: "Sie werden die Firmen sicherlich oberflächlich zu sehen bekommen, aber die Möglichkeit einer sorgfältigen Prüfung vor Ort (Due Diligence) dürfte wohl kaum gegeben sein." Davon abgesehen, entspreche der Rechnungslegungsstandard in der Volksrepublik nicht internationalen Normen, auf die Präsentation von Zahlen dürfe man nicht viel geben.

Prüfung chinesischer Startups ist schwierig"Im Prinzip muss man mit Leuten in die Firmen hinein, die sich am Markt auskennen und die Reputation überprüfen können", so Pfalz. Die Auktion scheint daher eher für Risikokapitalgeber oder große Unternehmen interessant, die eine längere Durststrecke aussitzen könnten.

Insgesamt lässt sich die eher befremdliche Methode, Investoren ins Land zu locken, als ein geschickter Schachzug werten. Denn bei einer öffentlichen Veranstaltung bleibt dem Staat, der fremdländische Beteiligungen eher argwöhnisch beäugt, immer noch ein gewisses Maß an Kontrolle. Auf der anderen Seite wird deutlich, dass man mittlerweile auch im Land des Lächelns erkannt hat, wie wichtig das Internet für die wirtschaftliche Weiterentwicklung ist. Dem Marktforschungsinstitut IDC zufolge vervierfachte sich die Zahl der Internet-Nutzer im vergangenen Jahr auf 8,9 Millionen. Und eine fundierte Finanzierung ist gerade für junge Companys essenziell. Da es in China jedoch noch keine Venture-Capital-Kultur gibt - sie wird gerade erst aufgebaut - war es nur noch eine Frage der Zeit, wann auch von offizieller Seite die notwendige Unterstützung erfolgen würde. Ein wichtiges Signal setzte die im Mai von den USA befürwortete Aufnahme in die Welthandelsorganisation WTO. Wahrscheinlich Ende dieses Jahres soll die Volksrepublik in die weltweite Handelsgemeinschaft aufgenommen werden. Dies bedeutet, dass Maos Enkel die einheimischen Gesetze und Vorschriften internationalen Standards anpassen müssen. Zwar kann es noch ein bis zwei Jahre dauern, bis die neuen Regelungen auch umgesetzt werden, doch dann, vermutet Pfalz, kann eine Marktpräsenz in dem bevölkerungsreichsten Land der Erde wesentlich zum Erfolg eines Unternehmens beitragen.