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13.04.2001 - 

Hersteller müssen kooperieren

China verlangt die Herausgabe von Virencode

MÜNCHEN (CW) - Hersteller von Antivirensoftware können ihre Produkte nur dann in China verkaufen, wenn sie der Staatssicherheit den Code aufgespürter Viren überlassen. Kritiker vermuten hinter dieser Auflage wirtschaftliche und militärische Interessen seitens Pekings.

Mit dem Quellcode von rund 300 gängigen Viren erkauften sich die auf Antivirensoftware spezialisierten Anbieter Network Associates, Symantec und Trend Micro in der Zeit von 1999 bis Ende 2000 den Zugang zum lukrativen chinesischen Markt. Dies erklärten Firmenvertreter dieser Tage gegenüber dem "Wall Street Journal". Danach hatte das Pekinger Ministerium für Staatssicherheit den Virencode mit der Begründung verlangt, dass man vor einer Verkaufserlaubnis noch einmal die Wirksamkeit der Antivirensoftware in eigenen Tests überprüfen wolle.

Waffen für den Virenkrieg?Marktbeobachter vermuten, dass die chinesischen Autoritäten in erster Linie wirtschaftliche und militärische Motive mit den Viren verfolgen. So befürchten US-Sicherheitsexperten, dass China sich mit Werkzeugen für einen möglichen Virenkrieg über das Internet rüsten wolle und schon seit einiger Zeit in einer eigenen "Net Force" junge Computerexperten für den virtuellen Kampf schule. Durch den Besitz des Virencodes könnten die Chinesen Zeit gewinnen und schnell neue Virusvarianten erstellen. Eine wachsende Bedrohung gehe dabei von so genannter Back-Door-Software aus, mit der sich Anwendungen beispielsweise zum Zweck der militärischen oder der Wirtschaftsspionage heimlich überwachen lassen.

Andere Vermutungen über den Virenhandel gehen dahin, dass China möglicherweise mit eigenen Produkten in den Markt für Antivirensoftware einsteigen will. Dieser hat laut einer Untersuchung von IDC ein Volumen von derzeit rund 1,2 Milliarden Dollar und soll laut den Auguren bis 2004 auf 2,7 Milliarden Dollar steigen. Für China werden dabei doppelt so hohe Umsatzzuwächse erwartet wie für den übrigen Weltmarkt. Allerdings beschränken sich die chinesischen Forderungen an die Hersteller nur auf die Viren und nicht auf den Sourcecode der zu ihrer Bekämpfung entwickelten Produkte.

Entgegen diesen Szenarien halten manche Experten das tatsächliche Bedrohungspotenzial, das durch die Virenabgabe entstanden ist, für eher gering. So seien beispielsweise viele der Viren längst im Internet in entsprechenden Sammlungen erhältlich. Auch wurden von den US-Behörden, die über die Vorgänge informiert worden waren, keine Bedenken geäußert.