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09.07.2004 - 

IT-Standort China/Zu viel Wachstum kann auch Gefahr bedeuten - für viele

China - Zukunftsmarkt mit Blick auf die Welt

Alle schauen nach China. Alle gehen nach China. Alle machen Geschäfte mit China. Die rasante wirtschaftliche Entwicklung des fernöstlichen Entwicklungslands zieht alle Industrienationen in ihren Sog. Doch trotz vieler positiver Vorzeichen ist auch Vorsicht geboten. CW-Bericht, Jan-Bernd Meyer

53,5 Milliarden Dollar ausländische Direktinvestitionen. Eine beeindruckende Zahl. So viel Geld wurde im vergangenen Jahr für rund 41 000 Projekte nach China gepumpt. Seit das Reich der Mitte im Jahr 2002 der Welthandelsorganisation WTO beitrat, haben die Auslandsinvestitionen noch einmal angezogen. Nach Angaben des chinesischen Handelsministeriums haben sich die vereinbarten Investitionssummen ausländischer Kapitalgeber von 2001 auf 2002 von 69,2 auf 82,8 Milliarden US-Dollar erhöht, im Jahr 2003 lag der Wert sogar bei 115,1 Milliarden Dollar. Die tatsächlich realisierten Kapitaltransfers stiegen in den Jahren 2001 bis 2003 von 46,8 auf 52,7 und im vergangenen Jahr auf 53,5 Milliarden Dollar.

Auch der Handel mit dem aufstrebenden Wirtschaftsriesen wird explodieren. Der Besuch von Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao Anfang Mai in Deutschland kann als Indikator dienen. Man wolle, vereinbarten Bundeskanzler Gerhard Schröder und sein Gast, das Volumen des deutsch-chinesischen Handels von heute 50 Milliarden Euro bis 2010 verdoppeln.

Beeindruckende Zahlen, aber ...

Beeindruckende Zahlen sind das. Doch bei näherem Hinsehen kommen bereits erste Zweifel auf. Es gibt Experten, die behaupten, dass ein Drittel der 53,5 Milliarden Dollar an Auslandsinvestitionen tatsächlich von inländischen Firmen stammen. Scheinfirmen, die als angeblich ausländische Geldgeber die entsprechenden Steuervorteile nutzen wollen.

Das mag eine Petitesse sein. Die Zentralregierung in Peking sieht sich aber noch mit viel gravierenderen Problemen konfrontiert: Hierzu zählt etwa die unterschiedliche soziale Entwicklung, die in dem kommunistischen Land zu stark auseinander driftenden Einkommensverhältnissen zwischen der anteilsmäßig weit überwiegenden Landbevölkerung einerseits und den Boom-Gewinnlern der städtischen Zentren andererseits führen. Die Arbeitslosigkeit im Zuge der hieraus resultierenden massiven Landflucht in die urbanen Zentren stellt die politisch Verantwortlichen ebenfalls vor erhebliche Probleme.

Auch das Wirtschaftswachstum selbst gibt der politischen Führungscrew in Peking und Politikern und Wirtschaftsbossen in anderen Ländern mittlerweile zu denken: China zeichnete in den vergangenen drei Jahren, gemessen an der Kaufkraftparität, für ein Drittel des globalen wirtschaftlichen Wachstums verantwortlich. Im vergangenen Jahr wuchs Chinas Bruttoinlandsprodukt um 9,7 Prozent. Es gibt Experten, die glauben, dass die tatsächliche Rate bei über 13 Prozent lag.

Heute sind andere Industrienationen in eine Abhängigkeit von China geraten, die Besorgnis erregt: Südkorea steigerte 2003 seine Exporte nach China um 47,8 Prozent. Der "Spiegel" zitierte den Merrill-Lynch-Analysten Jesper Koll mit den Worten: "Bremst China ab, wird Japan eine Bruchlandung machen." Die USA, so das Magazin weiter, sind mittlerweile drittgrößter Handelspartner. China investierte rund 100 Milliarden Dollar in US-Staatsanleihen - und finanziert damit das amerikanische Haushaltsdefizit.

Angst vor Überhitzung

Im ersten Quartal 2004 wuchs Chinas Volkswirtschaft wieder um 9,7 Prozent. Dabei hatte die Regierung aus Angst, die Wirtschaft könne überhitzen, für dieses Jahr ein Wachstumsziel von sieben Prozent ausgegeben. So sollte unter anderem etwa die Kreditvergabe für große Bauvorhaben erheblich eingedämmt und an schärfere Bedingungen geknüpft werden.

Ende Mai 2004 dann ordnete - offiziell nie bestätigt - die chinesische Bankenaufsicht an, sämtliche Kreditvergaben für drei Tage auszusetzen. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete, "fast sämtliche" Investitionsprojekte im Land ständen auf dem Prüfstand. Egal, ob Zementwerke, Messehallen, Einkaufszentren oder Golfplätze - dem massiv wachsenden Anlageninvestitionsschub sollte ein Riegel vorgeschoben werden.

Chinas Wirtschaft muss aber schon allein deshalb ständig wachsen, weil Jahr für Jahr zwölf bis 15 Millionen Arbeitskräfte und etwa 2,8 Millionen Hochschulabsolventen einen Job suchen. Die chinesische Vizeministerin für Erziehung, Wu Qidi, sagte auf einem Management-Symposium in Sankt Gallen Mitte Mai 2004, derzeit würden in China 250 Millionen Menschen die Schule besuchen, 45 Millionen an Universitäten studieren.

Das Reich der Mitte befindet sich also in der Zwickmühle: Einerseits fürchten die Politoffiziellen ein unkontrolliertes Wachstum, andererseits ist die Wirtschaft gezwungen, massive Steigerungsraten zu erzielen, um das Millionenheer von Jobsuchenden in Lohn und Brot zu bringen. Eine im Mai 2004 vom amerikanischen Center for Strategic and International Studies (CSIS) vorgelegte Studie zitiert den chinesischen Wirtschaftler Fan Gang mit den Worten: "Das ist das Schicksal eines Entwicklungslands. Wenn du anhältst, bist du tot."

Problem Arbeitslosigkeit

Zudem macht die Arbeitslosigkeit den Granden der Kommunistischen Partei Sorge. Gründe hierfür sind unter anderem die Schließung unrentabler Staatsbetriebe: Allein zwischen 1995 und 2000 gingen deshalb 55 Millionen Jobs verloren. Zudem strömen millionenfach junge, neue Arbeitskräfte auf den Arbeitmarkt. Abermillionen Bauern, deren Einkommen im Gegensatz zu dem der Stadtbevölkerung seit etwa zehn Jahren nicht mehr gestiegen, sondern eher gesunken sind, suchen in den urbanen Zentren Jobs. Angeblich versuchen jährlich bis zu 150 Millionen Landbewohner, sich außerhalb der Erntezeit in Städten als Arbeitskräfte zu verdingen.

Am 27. April 2004 titelte die "Shanghai Daily", die Arbeitslosigkeit sei ein wachsendes Problem. Offiziell liegt deren Rate bei 4,3 Prozent. Das aber, so das Blatt weiter, sei nur die halbe Wahrheit: In diese Statistik wurden nur die Arbeitskräfte eingerechnet, die sich in urbanen Gebieten arbeitslos meldeten. Nicht einbezogen wurden etwa alle Mitarbeiter, die aus Staatsbetrieben und Kollektiven entlassen wurden. Deren Unterhalt wird nämlich noch von den jeweiligen Arbeitgebern besorgt.

Die Statistik verschwieg zudem alle Menschen, die auf der Suche nach Arbeit aus ländlichen Gebieten in die Städte ziehen, sagte der im Arbeitsministerium zuständige Direktor Yu Faming. Zheng Gongcheng, Professor am Institut für Arbeitsbeziehungen und Humanressourcen der Volksuniversität in Peking, fordert deshalb, die chinesische Regierung müsse auf lange Sicht ihren Fokus auf die Beschäftigungsproblematik der Landbevölkerung richten. Diese macht mit 800 Millionen Menschen den bei weitem größten Bevölkerungsanteil des 1,3-Milliarden-Volks aus. Würde man all die Arbeitslosen vom Land mit einrechnen, hätte China ein richtig großes Arbeitslosenproblem, sagte Zheng.

Andere Zahlen als die offizielle Statistik gehen davon aus, dass in ländlichen Gebieten rund 150 Millionen Menschen keine Arbeit haben - näherungsweise doppelt so viele Menschen wie die Bundesrepublik Deutschland insgesamt Einwohner hat. Schlimmer noch: Zheng schätzt, dass in den kommenden zwei Jahrzehnten 300 bis 400 Millionen Bauern sich in urbanen Zentren auf Jobsuche begeben werden. Indirekt hat die Regierung diese Wanderbewegungen befördert, als sie 2002 die innerchinesischen Umzugsbedingungen lockerte.

Gute Nachrichten für Zyniker

Für Unternehmen sind das zynischerweise gute Nachrichten: Laut Marshall Meyer, Professor für Management und Soziologie an der Wharton-University in Pennsylvania, stiegen seit 1996 die ohnehin geringen Einkommen der ländlichen Bevölkerung nicht mehr. Während das jährliche Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in China momentan rund 1000 Dollar beträgt, liegt das Haushaltseinkommen der Landbevölkerung bei lediglich einem Zehntel dessen. Abermillionen von Bauern strömen deshalb in die Großstädte, um dort Arbeit zu finden, mit denen sie ihre Familien auf dem Land ernähren können. Dieses Überangebot an Arbeitskräften drückt auf die Lohnkosten, sagt Meyer. Wirtschaftswissenschaftler Hu Biliang von der Akademie der Sozialwissenschaften in Peking bestätigt diese Ansicht. Die massenhaft in die Städte ziehenden jungen Arbeitskräfte und Landbewohner werde noch lange dafür sorgen, dass die Löhne nicht in die Höhe schießen.

Die Zentralregierung in Peking sah sich nunmehr genötigt, erstmals ein Maßnahmenpapier zur Arbeitslosigkeit zu erarbeiten. Darin heißt es, in den kommenden 20 Jahren werde die Zahl der Menschen über 16 Jahren jährlich um 5,5 Millionen steigen, die arbeitsfähige Bevölkerung bis zum Jahr 2020 auf 940 Millionen Menschen anwachsen. Heute schon, so das Papier weiter, seien 70 Prozent der in Städten arbeitslos gemeldeten Menschen unter 35 Jahre alt.

"In China muss man präsent sein"

Trotz solcher Probleme wächst die Bedeutung Chinas ständig. Das drückt sich auch in den Bewertungen des Schweizer Institute for Management Development (IMD) aus, das Jahr für Jahr seine Bewertung zur Wettbewerbsfähigkeit der Nationen veröffentlicht. Im Vergleich zu anderen Ländern liegt China in der Rangliste von 2004 immerhin schon auf Platz 27 und hat damit gegenüber dem Vorjahr fünf Plätze gut gemacht. Direkt vor China rangieren mit unwesentlichem Vorsprung Japan, Großbritannien, Deutschland und - auf Platz 23 - Bayern. Frankreich, Spanien, Italien, Indien, Russland und Polen finden sich teils weit abgeschlagen hinter den Asiaten wieder.

Russland etwa, stellen die Schweizer Wirtschaftsforscher fest, hat nur fünf Prozent der Auslandsinvestitionen anlocken können, deren sich China erfreut. Kurz und bündig formulieren die IMD-Forscher: "China ist heutzutage wahrscheinlich der attraktivste Ort, um Geschäfte zu machen." Nach Einschätzungen der Investmentbank Goldman Sachs wird China im Jahr 2050 weltweit die stärkste Wirtschaftsnation sein.

Georg Stalk, Senior Vice President bei der Boston Consulting Group (BCG) in Toronto, fasst die Bedeutung des Riesenreichs mit einem Satz zusammen: "Wenn ein Unternehmen keine China-Strategie besitzt, verpasst es die größten wirtschaftlichen Potenziale, die es heutzutage gibt." Zumindest für global agierende Unternehmen gelte, "dass man in China präsent sein muss", sagte sein Kollege David Michael, Vice President der BCG und in Peking tätig.

Schon heute ist China der wichtigste Handelspartner Deutschlands im fernen Osten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden betrugen die deutschen Ausfuhren nach China im Jahr 2003 rund 18,2 Milliarden Euro. Die Handelsbilanz Deutschlands mit China ist allerdings negativ, da China im gleichen Zeitraum für 25,02 Milliarden Euro Waren in die Bundesrepublik exportierte.

China: Land für den Mittelstand

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit schreibt, über 660 deutsche Unternehmen würden derzeit insgesamt mehr als 6,8 Milliarden Euro in China investieren. Anfang Mai 2004 hatten große Konzerne wie Siemens, Daimler-Chrysler und Bayer im Schlepptau von Bundeskanzler Schröder beim Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao in Deutschland Lieferverträge und Investitionsabkommen im großen Umfang geschlossen. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hatte zudem mit Wen verabredet, das Galileo-Satellitenprojekt voranzutreiben. Dieses war auch Gegenstand von langwierigen und teils harten Verhandlungen der Europäer mit den US-Amerikanern. Im Vertrag von Newmarket-on-Fergus (Irland) einigten sich die Kontrahenten jetzt auf eine weltweite Gleichbehandlung des vom Pentagon entwickelten Global Positioning System (GPS) mit Galileo.

Doch nicht nur für weltweit agierende Konzerne wie Siemens, Daimler-Chrysler oder Bayer ist China interessant. Roland Klein, Geschäftsführer der Deutsch-Chinesischen Wirtschaftsvereinigung e.V. in Köln, ist der Meinung, dass der boomende chinesische Markt auch dem Mittelstand zahlreiche Chancen bietet.

Eine Umfrage der IKB Deutsche Industriebank AG gemeinsam mit der KfW-Bankengruppe im Frühjahr 2004 bestätigt diese Auffassung. Untersucht wurden 230 mittelständische Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes. Jeder dritte Befragte sieht in China einen wichtigen oder sehr wichtigen Absatz- und Zielmarkt für seine Produkte. 20 Prozent haben schon in den vergangenen drei Jahren in China investiert. Bemerkenswert: Zwar sind die vormaligen 15 EU-Staaten sowie die osteuropäischen Nationen noch die wichtigsten Exportländer für mittlere und kleine deutsche Unternehmen. Dann aber folgt schon China - vor Nordamerika (USA und Kanada) und den anderen asiatischen Nationen. Einschränkend gilt zu sagen, dass nicht einmal jedes zehnte Unternehmen mit einem Umsatz bis zu 100 Millionen Euro in China investiert - ab einem Umsatz von über 250 Millionen Euro allerdings schon fast jedes zweite.

Dabei ist China nicht nur der weltgrößte Markt für Kühlschränke und Mobiltelefone und der drittgrößte Markt für Elektronik. China mausert sich auch zum großen Exporteur von Maschinen, Elektronik, Computer- und Kommunikationsgerätschaft (siehe Kasten "Wichtige Außenhandelsprodukte").

Chinas Mobilfunkmarkt ist der größte weltweit, China Mobile mit 138 Millionen Kunden der größte Mobilfunkanbieter auf dem Globus. Zum Vergleich: Vodafone verzeichnet weltweit 130 Millionen Kunden. T-Mobile, die Telekom-Tochter, bringt es auf 61 Millionen. Kein Wunder: Chinas momentan rund 270 Millionen Handy-Benutzer sind für Anbieter wie Nokia, Siemens, Sony-Ericsson oder Motorola von größtem Interesse.

Welche Märkte boomen

Anfang Mai 2004 erst hat Siemens mit dem führenden chinesischen Handy-Hersteller Ningbo Bird eine Entwicklungs- und Vermarktungskooperation geschlossen. TCL Corp., Chinas größter öffentlich gehandelter Anbieter von Consumer-Elektronik und viertgrößter Handy-Anbieter, schloss zudem gerade ein Abkommen mit Alcatel SA.

Neben Bird und TCL gibt es rund 30 Anbieter von Mobilfunkgeräten in China, die zusammen die Hälfte aller Handys liefern - ausländische Anbieter haben sich in der Vergangenheit von inländischen Firmen den Rang ablaufen lassen.

China produzierte zudem 2002 etwa 11,8 Millionen PCs, von denen 25,8 Prozent exportiert wurden. Zur Einordnung der Größenverhältnisse: Nach Schätzungen von Gartner wird der PC-Markt 2004 weltweit auf rund 186,4 Millionen PCs anwachsen. Die PC-Durchdringung im privaten Bereich ist in China allerdings mit etwa zwölf Prozent noch vergleichsweise niedrig. Kein Wunder, dass für die Dells, HPs und IBMs dieser Welt der chinesische Binnenmarkt von größtem Interesse ist.

Glaubt man offiziellen Angaben, sieht auch die Softwarebranche Chinas einer rosigen Zukunft entgegen. Im abgelaufenen Jahr 2003 besaß dieses IT-Segment ein Volumen von 4,8 Milliarden US-Dollar. Bis in vier Jahren soll es laut Angaben des Ministeriums für IT-Industrie auf zwölf Milliarden Dollar anwachsen.

Die Halbleiterindustrie Chinas befindet sich nach drei schwächeren Jahren 2004 wieder auf Wachstumskurs. Die Semiconductor Industry Association (SIA) erwartet für dieses Jahr eine Steigerung von 20 Prozent auf ein Volumen von 36 Milliarden Dollar. Bis 2008 sollen die Zunahmen jährlich rund 14 Prozent betragen. Wichtigster Standort der chinesischen Halbleiterfertigung ist Shanghai, wo Infineon für eine Milliarde Euro eine Produktion aufbauen wird. Weitere bedeutende chinesische Regionen für die Chipfertigung sind die Provinzen Sichuan und Guangdong.

Deutsche Firmen zeigen Flagge

Wie wichtig deutsche Unternehmen China nehmen, zeigte auch die rege Präsenz hiesiger Konzerne auf der CeBIT Asia, die im April 2004 im neuen Messezentrum Shanghais stattfand. Zwar ist die Leistungsschau vergleichsweise klein. Lediglich in zwei Hallen zeigten Hersteller ihr Produktportfolio. Neben SAP, präsentierten sich in Halle 1 ein Dutzend weitere deutsche Unternehmen aus der mittelständischen Firmenszene sowie dem Forschungs- und Industriehandelskammerbereich, die alle mit den Chinesen ins Geschäft kommen wollen.

"Die Chinesen mögen die Deutschen", sagt Horst Meier, der den "Future Parc" auf der Messe in Shanghai betreut. Außerdem fungiert er als Repräsentant der deutschen Forschungsinstitute und insofern als Stellvertreter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung von Ministerin Edelgard Bulmahn. Meier bestätigt, dass sich für deutsche Unternehmen in China große Chancen bieten. Die aber müssen genutzt werden. "Es reicht nicht, einmal hier teilzunehmen, sich an den Stand zu stellen und abzuwarten, was passiert."

Wie Meier sieht auch Gunter Küchler, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei der Lufthansa Systems, die Pflege der Beziehungen als A und O im Verhältnis zu den Chinesen. Die Chinesen, so Küchler, würden dabei ihren Wert, ihren riesigen Markt nämlich, exakt kennen. "Die Chinesen wissen genau, was sie wollen. Sie kommen sehr gut vorbereitet in die Verhandlungen und die sind hart."

Ina Kessler von der Berliner Wirtschaftsförderung sieht es ähnlich. Die Hauptstädter beteiligen sich nun schon das dritte Mal an der CeBIT Asia mit dem Ziel, deutschen Firmen das Entree in China zu verschaffen und auch chinesische Firmen nach Berlin zu locken. Kessler bestätigt die Aussagen von Meier und Küchler: "Wer hier das schnelle Geschäft wittert, kann gleich zu Hause bleiben. Hier braucht man einen langen Atem."

Hier lesen Sie ...

- warum die politisch Verantwortlichen der Pekinger Zentralregierung ein Problem mit der Massenarbeitslosigkeit haben;

- warum andere Nationen China als künftig größte Wirtschaftsmacht der Welt im Auge behalten müssen;

- dass das Reich der Mitte nicht nur für große Konzerne, sondern auch für den Mittelstand von großem Interesse ist;

- dass aber niemand etwas geschenkt bekommt im Entwicklungsland China.

Steuern in China

Die Steuerbelastung für Unternehmen beträgt offiziell 33 Prozent. Tatsächlich haben von ausländischem Kapital gesteuerte Unternehmen diverse Möglichkeiten, Steuervorteile zu nutzen. In besonders ausgewiesenen Zonen (Technologie- und Wirtschaftsentwicklungszonen) gibt es erhebliche Reduktionen auf den Körperschaftssteuersatz von bis zu 15 Prozent. Bis zu 24 Prozent betragen die Steuernachlässe in 14 "offenen Städten" an der Küste. Allerdings sollen einige Steuervergünstigungen in diesem Jahr verändert oder gar aufgehoben werden.

Wirtschaftsraum China

Der chinesische Wirtschaftsraum besteht aus der Volksrepublik China, Hongkong, Macao und Taiwan. Bei der Industrialisierung lässt sich ein klares Geschwindigkeitsgefälle feststellen: Die ehemalige Kronkolonie Hongkong und Taiwan hatten Vorschubarbeit geleistet und waren - insbesondere Taiwan - zu boomenden Wirtschaftszentren emporgeschossen. Nun aber prosperieren Shanghai, die Bohaibucht im Norden Chinas, das Perlflussdelta im Süden sowie das Yangtzedelta ebenfalls.

Politisch Verantwortliche

Ministerpräsident:

Wen Jiabao

Stellvertreter (u.a.):

Huang Ju (verantwortlich unter anderem für Finanzen),

Wu Yi (unter anderem Außenhandel),

Zeng Peiyan (Industrie)

Ministerium für Wissenschaft und Technologie:

Xu Guanhua

Staatliche Kommission für Wissenschaft, Technologie und Rüstung:

Zhang Yunchan

Ministerium für IT-Industrie:

Wang Xudong

Wichtige Außenhandelsprodukte Chinas (ausgewählte Produkte)

Produkt / Exportwert 2003 (in Milliarden Dollar) / Wachstum in Prozent (gegenüber Vorjahr)

Computer und Kommunikationsausrüstung / 91,93 / 68,6

Elektronikprodukte / 88,98 / 36,6

Maschinen und Ausrüstungen / 83,47 / 64,3

Quelle: Handelsministerium China