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14.04.1989 - 

Mit Importen und Joint-ventures suchen Chinesen High-Tech-Anschluß:

Chinas Computer-Lücke schließt sich

Produktion und Anwendung moderner Computertechnologie beschränken sich keinesfalls auf Industrienationen. Während China die Rechner bisher überwiegend aus dem Westen importierte, gewinnt die eigene Herstellung an Bedeutung. Ein Boom ist jedoch erst zu erwarten, wenn genügend Spezialisten mit entsprechendem Know-how vorhanden sind und die komplizierte Zeichenschrift computergerecht standardisiert ist.

Eigentlich haben Computer in China Tradition: eine Urform davon, der Abakus, stammt nämlich aus dem Reich der Mitte. Findige Gelehrte erfanden die nützliche, Suan-Pan genannte Rechenhilfe in der frühen Chou-Dynastie. Das war um 1100 vor Christus.

Die nächsten Kapitel der Computerentwicklung wurden von den Arabern und Europäern geschrieben - die Chinesen hatten damals andere Sorgen. Sie stiegen erst wieder ein, als im Westen die ersten Elektronikrechner auftauchten. Die Entwicklung begann zaghaft in den späten 50er Jahren. An den Hochschulen interessierten sich vor allem Mathematiker und Physiker für die neue Technik. Sie hatten allerdings Muhe,

ihre Ideen zu verwirklichen, denn es fehlten vielfach die nötigen Bauteile.

Um 1965 wurden Röhrenmonster zum ersten Mal von transistorisierten Computern abgelöst; von 1971 an setzten auch die chinesischen Computerbauer auf die Technik mit integrierten Schaltungen.

Die eigentliche Aufholjagd im High-Tech-Bereich begann nach der Kulturrevolution. Die Chinesen erkannten, daß Technik - eigene oder importierte - für die Entwicklung des riesigen Landes nötig ist. Außerdem wollen sie mit dem Westen gleichziehen - wenn möglich noch vor der Jahrtausendwende.

Der Schlüssel zur High-Tech ist natürlich der Computer. Nun haben die Chinesen etwas Mühe, bei der rasanten Entwicklung auf dem Gebiet der Chip-Produktion mitzuhalten -dazu fehlen ihnen die Infrastruktur und das Kapital. Ins Vakuum springen dankbar die Ausländer - allen voran die Japaner. Aber auch die amerikanischen Firmen wittern bereits das Geschäft des Jahrhunderts. Den Chinesen kann's recht sein: So können sie die rasant steigende Nachfrage besser befriedigen und gleichzeitig von der technischen Entwicklung der Marktleader profitieren.

Nach der stufenweisen Lockerung des Handelsembargos der westlichen Länder in den Jahren 1972 und 1979 ist eines der Hauptprobleme der Chinesen jetzt - abgesehen vom chronischen Devisenmangel - die High-Tech-Klausel der amerikanischen Regierung, die verhindern soll, daß kommunistische Länder die aller neueste US-Technologie kaufen können. So steht denn in der Abteilung für Computerwissenschaften der Universität Beijing zum Bedauern von Informatik-Professor Hsu Cho-Chun auch nicht der letzte Schrei der Technik, sondern eine für westliche Begriffe antiquierte Honeywell-Maschine. Sie ersetzte 1984 den letzten chinesischen Computer der Uni, einen "wenig leistungsfähigen und sehr störanfälligen Eigenbau" (Cho-Chun).

Die meisten chinesischen Fabriken, die Computer für kommerzielle Zwecke bauen, kaufen einen großen Teil der Bauteile im Ausland und setzen sie nachher zu einem chinesischwestlichen Verschnitt zusammen. "China versucht zwar, möglichst viel selber zu machen", erklärte Wang Zhaofan von der Shanghai Computer Factory vor Journalisten au, dem Westen, "aber die Kosten sind hoch und die Qualität läßt zu wünschen übrig. Unsere Firma kauft die meisten Chips in Japan."

Gewisse Computer für Forschung und Militär bauen die Chinesen nach wie vor selber. 1983 brachte das Institut für Computertechnologie (ICT) der Academia Sinica einen Vektorrechner heraus, der bis zu 10 Millionen Gleitkomma-Operationen pro Sekunde schafft. ICT-Angaben zufolge stammt die Anlage zu 99 Prozent aus chinesischer Produktion. Nach einem Bericht des amerikanischen Fachmagazins "Computer" ist der schnelle Rechner ein Musterbeispiel dafür, wie man mit veralteter Technologie Spitzenleistungen erreichen kann.

Seit 1984 hat China auch den ersten eigenen Supercomputer. Die Maschine mit der Bezeichnung "Galaxis" wurde an der Wissenschaftlich-Technischen Hochschule für

Landesverteidigung in Changsha entwickelt und gebaut. Dazu waren allerdings ganz besondere Anstrengungen nötig: "Die Fabrikation einwandfreier Präzisionsteile für Galaxis erforderte die Fingerfertigkeiten und scharfen Augen eines Elfenbeinschnitzers", schreibt der Fachjournalist Pan Yunfang im Magazin "China im Aufbau".

Der Aufwand hat sich für die Chinesen in zweierlei Hinsicht gelohnt. Zum einen konnten sie damit beweisen, daß sie allen westlichen Ausfuhrsperren zum Trotz doch zu einem Supercomputer kamen.

Zum anderen ist die "Galaxis" natürlich ein sehr nützliches Instrument. Mit ihren l00 Millionen Operationen pro Sekunde ist sie prädestiniert für rechenintensive Einsätze bei der Wettervorhersage und in der Seismologie. Neben den Meteorologen und Erdölprospektoren interessieren sich auch Forscher und Industriekapitäne für den Supercomputer: Eine Stahlfirma aus Anshan zum Beispiel hat damit eine Strategie für den sparsamsten Brennstoffverbrauch entwickelt.

Was die Chinesen auf dem Computersektor wirklich können, zeigt sich aber weniger auf dem Gebiet der Hardware, sondern bei Spezialanwendungen und in der Ausbildung.

Paradebeispiel einer erstklassigen Computeranwendung ist das System, das Wissenschaftler und Ingenieure unter Leitung von Wang Xuan an der Universität Beijing entwickelt haben, um das chinesische Zeitungswesen direkt vom Bleistift- ins Computerzeitalter zu katapultieren.

Was bei uns als Fotosatz bekannt und bald bei jedem Lokalblatt eingeführt ist, können die Chinesen nicht einfach übernehmen. Das liegt in erster Linie an der Schrift. Mehr als zehn Jahre bemühten sich Fachleute, für die komplizierten Hanzi - so heißen die chinesischen Zeichen - ein geeignetes computerisiertes Satzsystem zu entwickeln. 1985 ist es ihnen gelungen.

Das Hauptproblem war, etwa 7000 Zeichen in sechs verschiedenen Schrifttypen und 16 Größen in den Computer zu bringen und sie dort abzuspeichern (siehe Seite 43). Ohne spezielle Tricks würde es dazu einen Speicher von 20 Gigabit (20 Milliarden Bit) brauchen.

Die Forscher suchten also nach einer Methode, mit der sich die Zeicheninformation drastisch reduzieren ließ. Die ersten Versuche waren nicht sehr ermutigend: Je stärker die Information komprimiert wurde, desto schlechter war die resultierende Druckqualität. Schließlich gelang Wang Xuan und seinen Kollegen der Durchbruch: Statt 20 Milliarden Bit braucht ihr System lediglich 50 Millionen Bit, also 400mal weniger Speicherplatz. Die verblüffende Einsparung war möglich, nachdem die Forscher ein spezielles Programm entwickelt hatten, das aus der Rumpfinformation die gewünschten Hanzi-Zeichen reproduziert.

Auch bei der Technik der Filmbelichtung ging das Team eigene Wege. Statt einfach westliche Maschinen zu kopieren, die damals noch vorwiegend mit Elektronenstrahlen arbeiteten, setzten die Chinesen gleich von Anfang an auf die modernere Laser-Technik. Die Filmbelichtung mit dem Laserstrahl war nicht nur sehr schnell (60 bis 180 Zeichen pro Sekunde), sie lieferte auch eine vorher kaum erreichte Zeichenqualität.

Das System wird Jetzt bei der Nachrichtenagentur Xinhua eingesetzt wo es die alte Bleisatzmaschine abgelöst hat. Den Input besorgen Datatypistinnen, die mit einem elektronischen Griffel das chinesische Keyboard bedienen. 4000 chinesische und alphanumerische Zeichen kann man auf der Tastatur direkt eingeben; alle anderen Zeichen lassen sich leicht zusammensetzen.

Vorbildliche Informatik-Ausbildung

Solche Entwicklungen kommen nicht von ungefähr. China mißt der Informatik-Ausbildung große Bedeutung zu, und dies schon seit über zehn Jahren. An der Universität Beijing zum Beispiel wurde 1978 eine Informatikabteilung gegründet; vorher waren die Computerleute bei den Mathematikern und Physikern angesiedelt. Die Studentenzahlen zeigen einen starken Aufwärtstrend: Sie stiegen von 80 (davon 14 Frauen) im Jahr 1978 auf über 500.

Das Informatik-Studium beginnt mit viel Mathematik - und wenig Computerkursen. "Solide Grundkenntnisse in höherer Mathematik gehören nun einfach zum Informatiker", betont Hsu Cho-Chun, der dort unterrichtet. "Von der Mittelschule bringt er solche Kenntnisse meistens nicht mit, also müssen wir sie ihm vermitteln.

Daß Studienanfänger den Computer nicht so oft sehen, hat noch andere Gründe: "Wir haben zuwenig Platz, zuwenig Material und zuwenig Techniker, um unsere Installationen in Schuß zu halten, kritisiert Cho-Chun die Situation an der Uni Beijing.

Vom zweiten Jahr an ähnelt das Informatikstudium westlichen Uni-Lehrgängen: Es vermittelt Kenntnisse in verschiedenen Programmiersprachen, offeriert Grundlagenkurse wie Kombinatorik und bietet daneben reichlich Gelegenheit zu praktischer Arbeit an großen Projekten. Auch neue Entwicklungen wie die sogenannte "Künstliche Intelligenz" bleiben den chinesischen Informatikern nicht verschlossen.

Nach dem Studienabschluß teilen sich die Wege: Einige gehen ins Lehramt, andere in die Forschung. Viele landen im Computerzentrum eines Ministeriums, wo sie zwar modernere Anlagen als an der Uni, aber lang weiligere Arbeit antreffen. Glücklich ist, wer einen Vertrag mit der Industrie angeboten bekommt. Dieser garantiert die Finanzierung eines Nachdiplomstudiums im Austausch gegen Arbeit, die der Student später für die Firma leisten wird. Sehr beliebt ist bei den Studienabgängern die Mitarbeit an Joint-ventures mit dem Ausland.

In den Sommerferien unterrichtet die Informatik-Abteilung der Universität Beijing Arbeiter und Angestellte der Industrie. In sechswöchigen Kursen - Professor Cho-Chun charakterisiert sie als "Continuing Education Program" - erhalten die Teilnehmer eine Einführung in die Welt der Computer und lernen, einfache Programme zu schreiben.

Eine eher trockene Art von Computerunterricht erteilt das chinesische Fernsehen. Im Tele-Kolleg des Technologie-Instituts Beijing erhält der geduldige Zuschauer (auf dem Fernsehschirm sieht man minutenlang eine Hand, die mit Kreide eine Wandtafel vollschreibt) immerhin einen kleinen Einblick von Programmiersprachen und Computeranwendungen.

Wie reagieren die Chinesen auf diese Technik, die für sie sicher überraschender kam als für uns? "Natürlich gibt es auch bei uns Widerstände gegen die zunehmende Computerisierung", räumt Cho-Chun ein. "Sogar in der Regierung scheint es Leute zu geben, die dem Computer nicht so recht über den Weg trauen."

Cho-Chun meint, daß dies vor allem auf mangelnde Kenntnisse zurückzuführen sei: "Viele wissen eben gar nicht, was der Computer kann oder nicht kann."

Daß die High-Tech nicht nur Probleme löst, sondern auch neue mit sich bringt, will der Professor auch gar nicht abstreiten. Aber die Befürchtung gewisser Leute in seiner eigenen Abteilung, der Computer könnte bald zum Jobkiller werden, teilt er nicht. "China muß noch einen weiten Weg gehen - auch auf dem Gebiet der Computer. Was wir jetzt feststellen, ist ja nur ein Trend - wer weiß, was in den nächsten Jahren noch alles passiert. Im übrigen ist es; unsere Pflicht, den Leuten Arbeit zu geben."

Wer einen Blick auf die chinesische Sprache mit ihren rund 50 000 Zeichen wirft, erkennt die Probleme bei der Programmierung sehr schnell: Der Zeichensatz moderner chinesischer Wörterbücher umfaßt 7000 bis 10 000 Hanzi (chinesische Zeichen); ein Büro wird in der Praxis mit etwa 4000 auskommen. Um sie zu lernen, sind Jahre nötig.

Geschrieben wird in China auch heute noch in erster Linie von Hand. Es gibt zwar Hanzi-Schreibmaschinen - die erste wurde 1913 in Japan entwickelt - aber sie sind mit ihren paar tausend Tasten nicht nur teuer, sondern verlangen von ihrem Benutzer auch Kondition. Getippte Originaltexte haben im Reich der Mitte Seltenheitswert.

Bei der Suche nach einem praktischeren Schreibinstrument sind die Chinesen schon bald auf den Computer gestoßen. Natürlich stellt sich auch dort das Problem der Tastatur, aber man kann es mit der Elektronik eleganter lösen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, chinesische Schrift in den Computer zu füttern:

- Eintippen fertiger Hanzi-Zeichen. Das erfordert eine Tastatur mit mehreren tausend Stellen. Technisch löst -man das mit einem grafischen Zeichenbrett, auf dem die Hanzi mit einem Leuchtstift angewählt werden können.

- Zusammensetzen von grundlegenden Strichen zu Hanzi-Zeichen. Ein solches System wurde in der Abteilung für Computerwissenschaften der Universität Hongkong entwickelt. Mit einer 256stelligen Tastatur können die 16 000 wichtigsten Zeichen geschrieben werden.

- Eingabe auf einer normalen Computertastatur. Zu diesem Zweck müssen die Hanzi-Zeichen nach einem bestimmten Schema codiert werden. Der Code kann von der Form der Zeichen, ihrer Aussprache oder beidem abhängen.

Bei der sogenannten phonetischen Konversion tippt der Benutzer das gewünschte Wort in einer Lautschrift ein. Der Computer sucht dann in seinem elektronischen Dictionary und präsentiert ihm alle Wörter zur Auswahl, die phonetisch gleich geschrieben werden.

Dutzende von Methoden wurden bereits vorgeschlagen. Jede hat ihre Vor- und Nachteile. Die Hongkonger Lösung, die vor einigen Jahren Furore machte, scheint wieder in Vergessenheit geraten zu sein.

Am schnellsten (150-400 Zeichen pro Minute) läßt sich mit dem sogenannten Two Stroke System arbeiten, einem Spezialfall der Codierungsmethode. Dazu benutzt man eine gewöhnliche Computertastatur, auf der man jedes Hanzi-Zeichen mit zwei ganz bestimmten Tastendrucken eingibt. Die Methode erfordert sehr viel Training (Code auswendiglernen!) und eignet sich daher fast nur für Spezialisten.

Testresultate, die der amerikanische Computer- und Sprachspezialist Joseph D. Becker publiziert ("Computer", Januar 1985) qualifizieren allerdings die phonetische Konversion als die benutzerfreundlichste Methode für den Input chinesischer (und übrigens auch japanischer) Sprache: Man kann sie sofort anwenden (kein Auswendiglernen von Codes), sie ist effizient und belastet Körper und Geist weniger als andere Methoden.

Ein großer Vorteil der phonetischen Konversion ist, daß der Benutzer mit ganzen Wörtern arbeitet und nicht mit einzelnen Hanzi-Zeichen. Ein Hanzi repräsentiert nämlich nicht ein Wort, sondern ein Morphem (kleinstes bedeutungstragendes Sprachelement). Es gibt zwar im Chinesischen ein paar Ein-Hanzi-Wörter; aber die meisten chinesischen Wörter bestehen aus zwei oder mehr solchen Sprachelementen. Erst zusammengesetzte Wörter sorgen dafür, daß man gesprochenes Chinesisch verstehen kann.

Die wortorientierte phonetische Konversion ist der chinesischen Sprache besser angepaßt als die diversen morphemorientierten Codierungsmethoden, bei denen der Benützer den Computer laufend mit Hanzi-Mehrdeutigkeiten überfüttert. Allerdings bedingt sie eine standardisierte Lautschrift.

Zwei Lautschriften sind in China im Gebrauch: Zhuyin Zimu und Hanyu Pinyin. Zhuyin Zimu (beziehungsweise Bopomofo, wie es heute heißt) wurde 1913 eingeführt. Sie besteht aus 37 Symbolen, die aus chinesischen Schriftzeichen entwickelt wurden. Die Lautschrift - sie wird heute noch weltweit in chinesischen Wörterbüchern verwendet - bedingt also eine spezielle Tastatur.

Die Pinyin-Umschrift hingegen stammt aus dem Jahr 1958 und verwendet lateinische Buchstaben. "Leider", schrieb Harro von Senger in der Neuen Zürcher Zeitung, "werden die Regeln der Pinyin-Lautschrift regelmäßig mißachtet." Das trägt natürlich auch nicht gerade dazu bei, die Probleme des Computer-Chinesisch zu lösen.

Vielleicht kommen die Chinesen deshalb immer wieder auf die komplizierte 4000stellige Hanzi-Tastatur zurück. Trotz schlechter Resultate im Benutzertest wird das Zeichenbrett in der Shanghai Computer Factory jetzt in Serie fabriziert. Auch die Nachrichtenagentur Xinhua hat ihre computerisierten Lichtsatzanlagen damit bestückt.

Westlicher Boykott

Zwischen 1949 und 1972 konnten die Chinesen keine westliche Technologie importieren, da die USA, Japan und Westeuropa den Handel mit dem Reich der Mitte boykottierten. Die Restriktionen wurden 1972 etwas gelockert, 1979 und 1983 noch mehr, und heute diskutiert man über ihre gänzliche Abschaffung.

Die Öffnung hat ihre Wirkung nicht verfehlt: Nach Japan und Hongkong ist China für die USA der drittwichtigste asiatische Handelspartner geworden. Auch der Handel zwischen China und Japan wächst und wächst: Die Chinesen brauchen Technologie und Kapital, die Japaner Rohstoffe.

Computertechnik für Chinesen fast unerschwinglich

Bei den Computern präsentiert sich die Situation jetzt so, daß die eigene Industrie auch privatwirtschaftlich gefördert wird. Jedoch kann sie mit der Nachfrage kaum Schritt halten. Die Great Wall Corporation zum Beispiel, der wichtigste Hersteller chinesischer IBM-Klone, hatte 1987 eine Jahreskapazität von lediglich 25 000 Stück.

Kein Wunder, daß westliche Hersteller rund die Hälfte aller Microcomputer und etwa ein Drittel der größeren Systeme liefern.

Computer sind in China astronomisch teuer: Ein IBM XT zum Betspiel kostet mehrere Jahresgehälter. Klone sind nicht viel billiger - ihr Marktvorteil besteht darin, daß man sie in der lokalen Währung bezahlen kann.

Nachdem die Chinesen jahrelang viel Hardware importiert haben, möchten sie nun auch das Know-how erwerben, um selber gleichwertige Produkte herzustellen (Die Klone sind keine richtigen Eigenproduktionen, da die Chips ebenfalls aus dem Ausland stammen). Daß dieses Streben nach Unabhängigkeit nicht mit jenem der ausländischen Lieferanten kongruent ist, liegt auf der Hand. Trotzdem haben jetzt Firmen wie IBM, Fujitsu, Intel und andere mit den Chinesen Joint-ventures abgeschlossen.

Fachleute fehlen

China hat heute die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Wie es damit weitergehen wird, hängt auch stark vom Engagement ab, das die Chinesen der Computertechnologie entgegenbringen. Seit ein paar Jahren ist dieses Engagement unverkennbar. Das zeigte die nationale Computerkonferenz, die vor zwei Jahren unter dem Vorsitz des damaligen Vizepräsidenten Li Peng stattfand.

1986 waren in China rund 7000 Mini- und Mainframe-Computer sowie etwa 200 000 Mikrocomputer installiert. Allerdings wurde nur etwa jeder fünfte davon effizient eingesetzt, wie der zuständige Minister Lu Dong bedauerte: "Wir haben einfach zuwenig Computertechniker und vor allem zuwenig Programmierer - nur etwa 100 000. Um den Anforderungen gerecht zu werden, müßten jedes Jahr so viele dazukommen, so daß wir 1990 rund 600 000 Computerspezialisten haben."

Dieses Ziel wird allerdings schwer erreichbar sein: Zwar stieg die Zahl der Computerfachleute bis Mitte 1987 auf 170 000, aber die Grenzen rücken immer näher. Die Universitäten. die die Ausbildung übernehmen sollten, sind chronisch überlastet: zudem fehlt es am nötigen Fachpersonal und den Ausrüstungen.

*Felix Weber ist freier Journalist in Dielsdorf, Schweiz .