Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

01.05.1987 - 

Uni Graz entwickelt "elektronischen Gesundheitspaß":

Chip-Karte speichert medizinischen Lebenslaut

WIEN (CWÖ) - Am medizinisch-chemischen Institut der Universität Graz wurde in Zusammenarbeit mit dem Labor für Bioanalytik ein System entwickelt, das sämtliche medizinischen Kenndaten eines Menschen zusammenfaßt und behandelnden Ärzten die Möglichkeit bieten kann, zusätzliche Informationen zu integrieren.

Dieser "elektronische Gesundheitspaß" basiert auf der Chip-Karte CP 8 von Bull und soll - wenn sie sich österreichweit durchsetzt - die wichtigsten medizinischen Daten des Besitzers bei Bedarf schnell über einen PC abrufbar machen. Die mit einem Mikroprozessor und 8 KB Speicher ausgestattete Chip-Karte enthält fünf Datenbereiche:

1. Die Stammdaten. Dazu zählen vor allem jene Daten, die bisher auf der grünen Versicherungskarte erscheinen, plus Adresse, Beruf und Körpergröße.

2. Die Notfalldaten. Darunter versteht man besonders notwendige, weil lebenswichtige Gesundheitsdaten, wie etwa Blutgruppe, Allergien, Impfungen oder Dialyse, genauso wie die nächsten Angehörigen bei einem Unfall.

3. Der "medizinische Lebenslauf" (Eigenanamnese) von der Geburt bis zur Gegenwart. Er umfaßt in Stichworten alle Krankheiten, Unfälle, Operationen und chronische Leiden und Behandlungen.

4. Die Befunderhebung speichert Zeit und Ort, wo Untersuchungen durchgeführt werden oder wurden und wo Befunde des jeweiligen Patienten liegen. Die Einzelbefunde sind dabei nicht auf der Chip-Karte abgespeichert.

5. Als zukunftsweisend im Hinblick auf den Übergang zur Vorsorgemedizin sehen die Entwickler die Speicherung sogenannter Vorsorgedaten - das sind persönliche Kenndaten, die bei der Entstehung von Krankheiten eine wesentliche Rolle spielen: etwa Gewicht, Blutdruck, Blutzucker-Fette, Harnsäure, Alkohol, Ernährung und Gesamtzustand. Diese Daten werden vom Arzt nach jeder Untersuchung neu eingetragen. Hier können auch Vorsorgeprogramme und Therapieanweisungen für den Patienten integriert werden.

Die Datenbereiche sind laut Hersteller bis auf die Stammdaten mit einem Code geschützt und nur dem Karteninhaber beziehungsweise dem Arzt über PC oder Bildschirmtext zugänglich. Ähnlich wie bei der Bankomat-Karte wird bei mehrmaligem Eintippen eines unrichtigen Codes die Information blockiert. Dennoch, so die Hersteller, könne eine rasche und sichere Vermittlung der notwendigen Daten über die MED-Info-Karte lebensrettend sein.

Im Labor für Bioanalytik und MED-Info hält man die Chip-Karte für ein "Brückenmedium". Mit ihr sei der Sprung von der ärztlichen Tätigkeit in die Technik gelungen. Das Labor, das sich vorwiegend mit Forschung und Programmen auf dem Gebiet der Ernährung und der Fitneß beschäftigt, stellt für seine Patienten bereits solche Chip-Karten aus, welche in Verbindung mit dem Bull-Micral 60 und einer Großrechneranlage verwendet werden. Eine flächendeckende Einführung dieses Systems würde so Professor Jörg Birkmayer, Geschäftsführer des Wiener Labors für Bioanalytik, langfristig erhebliche Zeitverkürzungen beim Erstellen des medizinischen Lebenslaufes und beim Auffinden der medizinischen Daten der jeweiligen Person bringen.

Außerdem könnte man mit dieser Technologie eine gewisse Redundanz bei Diagnoseerstellungen ausschalten. Untersuchungen müßten nicht mehrmals durchgeführt werden, sondern wären über das Speichermedium Gesundheitskarte sozusagen patientenbegleitend abrufbar.

Eine solche flächendeckende Versorgung setze allerdings voraus, daß praktisch jeder Arzt über einen IBM-kompatiblen AT verfüge und daß die Chip-Karte als Ersatz der Sozialversicherungskarte gewissermaßen verpflichtend eingeführt werde, schränkte Birkmayer ein. Was die flächendeckende Versorgung betrifft, ist man bei den Entwicklern zumindest für Wien optimistisch. In der Bundeshauptstadt sollen in zwei Jahren sämtliche Kliniken mit PCs ausgestattet sein, so daß eine Chip-Karten-Diagnose zumindest theoretisch möglich erscheint.