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28.11.1986 - 

Halbleiterabkommen zwischen Amerika und Japan hat sich noch nicht bewährt

Chip Pakt: Ärger in USA - Angst in Europa

MÜNCHEN (ujf) - Kaum hat die Europäische Gemeinschaft in Brüssel ihre "großen Besorgnisse" über die Auswirkungen des japanisch-amerikanischen Anti-Dumping-Vertrags zum Ausdruck gebracht, kommt harsche Kritik an der "Nippon Inc." aus den Vereinigten Staaten: Die SIA, Lobby-Verband der US-Chipindustrie, behauptet, die Japaner hätten sich um das Abkommen nie geschert.

Im Mittelpunkt des Konflikts zwischen Japan und den USA, der im Sommer dieses Jahres mit dem Abschluß eines handelspolitischen Waffenstillstands geendet hatte, stand seinerzeit das aggressive Marketing von NEC, Toshiba, Hitachi und anderen aus der Phalanx der "Nippon Inc." in Amerika. Jetzt weitet sich die Auseinandersetzung auf sogenannte Drittländer aus - vor allem also auf Europa. Anfang November drohten Vertreter des Handelsministeriums in Washington ihren Amtskollegen vom MITI damit, den am 31. Juli geschlossenen Vertrag zu stornieren, falls die Japaner nicht bis Anfang Dezember das Dumping auf "Drittmärkten" einstellten.

Die Angegriffenen spielten daraufhin auf Zeit: Die ehrenwerten Herren Kollegen von jenseits des Pazifik möchten sich doch bitte in Geduld üben, bekamen die amerikanischen Parlamentäre in Tokio zu hören. Ein MITI-Sprecher nach drei Tagen Verhandlungsdauer: Man sei weder bereit, Dumpingpraktiken zuzugeben noch abzustreiten. Ferner müsse man erst noch die Exportaktivitäten der Halbleiterproduzenten prüfen, bevor man Stellung nehmen könne. Japaner, denen man die Pistole auf die Brust setzt, mauern. So wurden weder Ort noch Zeitpunkt für seitens der USA erwünschte weitere Gespräche vereinbart.

Unterdessen gehen die Ausfuhren fernöstlicher Chips mit Bestimmungsziel Europa munter weiter. Um mehr als zwei Drittel über dem Vorjahreswert lag der Import japanischer Halbleiter in die EG-Staaten im Oktober. Und auch Südkorea bereitet den hiesigen Elektronikfirmen arge Sorgen. Jürgen Knorr, Bauelemente-Lobbyist im ZVEI, klagte auf der Münchner Fachmesse Electronica bitterlich über die Politik der Regierung dieses südostasiatischen Staates: 256-KBit-Chips etwa würden von koreanischen Herstellern "klar regierungsgestützt" für die Hälfte des in der Bundesrepublik kostendeckenden Preises angeboten.

Tatsächlich richtet sich Seoul auf einen Exportboom auf dem Gebiet der Elektronik ein. Die Unternehmensgruppen Samsung, Goldstar, Hyundai, Daewoo und Korea Electronics wollen in den nächsten vier Jahren über 1,5 Milliarden Mark in den Ausbau ihrer Produktionsanlagen stecken. Bis 1990 wollen die Koreaner ihren Anteil am weltweiten Chipexport von gut fünf auf acht Prozent steigern.

Wegen der Billigkonkurrenz aus Südostasien habe hierzulande die betroffene Industrie ihre Speicherchip-Produktion auf ein Minimum reduziert, beachtete Knorr. Der ZVEI-Sprecher erwartet bei der nächsten in Serienproduktion gehenden Generation, den "Megachips", innerhalb von drei bis vier Jahren Preisstürze wie bei den Vorgängern - Folge weltweiter Überkapazitäten.

EG wittert Gefahr für Export nach Japan

Mit Hilfe der EG versuchen nun die europäischen Bauelementeproduzenten, ihre bescheidene Position - über drei Viertel vom Weltmarkt teilen sich USA und Japan - wenigstens ein bißchen aufzubessern. Die vergebliche Selbstbeschränkung der beiden Marktführerstaaten macht der EG-Kommission zusehends Angst. Auf Anfrage des liberalen niederländischen Europa-Abgeordneten Gijs de Vries verkündeten die Berufseuropäer, das in dem Abkommen vereinbarte System der Exportüberwachung führe zur Bildung eines Kartells und sei in der Lage, den EG-Markt zu stören. Angeblich, so jedenfalls meinen die Brüsseler Bürokraten, hindert das Abkommen die Europäer auch, Chips nach Japan zu liefern. Doch um Elektronik an Nippon-Firmen zu verkaufen, muß sie konkurrenzlos sein.

Um die gebeutelten Eurochip-Unternehmen nicht im Regen stehen zu lassen, verpaßte EG-Kommissar Alois Pfeiffer den Konzernen Philips und Siemens jüngst eine Streicheleinheit: Das Regensburger, Megachip-Projekt sei "wirtschaftlich sinnvoll". Mit diesem Statement verbunden war ein Bonbon: Die Europäische Investitionsbank unterstützt das ohnehin subventionierte Riesenprojekt der Euro-Multis mit einem neuen Darlehen von 80 Millionen Europäischen Währungseinheiten (ECU).

Währenddessen kürzen die japanischen Konkurrenten durch die Bank ihre Investitionen, um an den aktuellen Großserien-Chips trotz sinkender Gewinnspannen verdienen zu können. Allerdings wenden die sechs größten Unternehmen in diesem Jahr trotz Halbierung der Summen immer noch zusammen etwa drei Milliarden Mark für Investitionen auf.

Toshiba steckt dabei viel Geld in ein Joint-venture mit einem Marktgegner - mit Motorola, einem der US-Marktführer bei Mikroprozessoren. Etwa 350 Millionen Mark läßt Toshiba sich die Zusammenarbeit mit den Amerikanern kosten. Dafür erhoffen sich die Japaner das Prozessor-Know-how des 680X0-Herstellers. Motorola will seine Abteilung für Speicherchips ausgliedern und gemeinsam mit Toshiba Megabit-D-RAMs fertigen; auch Siemens hatte vor einiger Zeit Toshiba-Know-how für das Mega-Projekt gekauft.