Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

28.11.2003 - 

Betreibergesellschaft Communicant geht das Geld aus

Chipfabrik Frankfurt/Oder droht die Pleite

MÜNCHEN (CW) - In der sächsischen Landeshauptstadt Dresden kennt der Jubel über das geplante zweite AMD-Werk keine Grenzen. Ganz anders im benachbarten Brandenburg: Nach fast dreijährigen Verhandlungen ist die Finanzierung der Chipfabrik Frankfurt/Oder alles andere als gesichert.

"Mit dem heutigen Tag beginnt eine neue Epoche in der sächsischen Mikroelektronik-Geschichte. Dresden wird durch die neue AMD Fab 36 zur Chipmetropole Nummer eins in Europa", freute sich Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt. Unterstützt durch öffentliche Fördergelder und verbürgte Kredite, baut AMD für rund 2,4 Milliarden Euro eine zweite Fabrik für Mikroprozessoren. In der Region entstehen dadurch schätzungsweise 2300 neue Arbeitsplätze.

Pleite nach dem Rohbau?

Im brandenburgischen Frankfurt/ Oder hofft man auf ähnliche Effekte. Das geplante Werk soll Chips für drahtlose Kommunikationssysteme fertigen und rund 1300 Arbeitsplätze schaffen. Doch obwohl der Rohbau schon errichtet wurde, ist die Zukunft ungewiss. Denn die Finanzierung steht drei Jahre nach Projektstart noch immer auf tönernen Füßen.

Im ursprünglichen Konzept sind die Gesamtkosten mit 1,3 Milliarden Euro veranschlagt. Davon sollen 371 Millionen über staatliche Beihilfen gedeckt werden. Größter Einzelinvestor ist das Emirat Dubai mit 250 Millionen Euro, der Halbleiterkonzern Intel beteiligt sich mit 40 Millionen Euro. Während diese Gelder als gesichert gelten, steht eine Staatsbürgschaft über 508 Millionen Euro für das benötigte Fremdkapital auf der Kippe.

Harte Auflagen

Der gemeinsame Bürgschaftsausschuss von Bund und Land knüpft seine Entscheidung an Bedingungen, die für die Beteiligten nur schwer zu erfüllen sind. So soll das Land Brandenburg das Eigenkapital der Betreibergesellschaft Communicant um 38 Millionen Euro aufstocken und damit seinen Finanzierungsanteil verdoppeln. Zudem verlangt das im Ausschuss vertretene Bundeswirtschaftsministerium, dass Dubai eine zweite Fabrik mit der gleichen Technik im Emirat erst nach dem Jahr 2010 baut. Diese Auflage scheint noch am ehesten erfüllbar zu sein.

Nach den Vorstellungen des Bundes müsste auch Intel sein Engagement ausweiten und auf Lizenzzahlungen für eigene Technologien verzichten. Doch damit nicht genug: Communicant-Chef Abbas Ourmzad solle seinen Hut nehmen, fordern die Beamten. Ourmzad, ehedem Leiter des am Projekt beteiligten Instituts für Halbleiterphysik (IHP), gilt als Vater der Chipfabrik. Er hatte die Firma GSMC Planning mit ins Leben gerufen, die zwei Jahre später Communicant gründete. Kritiker werfen dem gebürtigen Iraner vor, den Bau der Fabrik ohne ausreichende Finanzierung begonnen zu haben und das Projekt insgesamt schlecht zu managen. Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Potsdamer Landtag, Heiko Müller (SPD), sieht gar einen "erheblichen Grad an Befangenheit und einen Interessenkonflikt". Würde das neue Werk eines Tages rentabel arbeiten, könnte der Manager über seine Beteiligung an GSMC Planning Millionensummen einstreichen, lautet ein Vorwurf.

Brenzlig wird es für Communicant, weil Dubai wegen der offenen Bürgschaftsentscheidung eine fällige Ratenzahlung in Höhe von 105 Millionen Dollar zurückhält. Sollte das Geld nicht eintreffen, wäre die Betreibergesellschaft am 27. November zahlungsunfähig, bestätigte ein Firmensprecher: "Entweder Communicant muss dann Insolvenz anmelden, oder das Unternehmen wird abgewickelt."

Eine Entscheidung des Bürgschaftsausschusses stand bis Redaktionsschluss noch aus. (wh)