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06.02.2004 - 

AMD gewinnt mit seinem Opteron-Prozessor Marktanteile

Chiphersteller Intel steckt in der 64-Bit-Falle

MÜNCHEN (CW) - Die Gerüchte verdichten sich, Intel werde einen 64-Bit-fähigen Desktop-Chip herausbringen. Die Erfolge AMDs mit den "Opteron"-Prozessoren ließen dem Chiphersteller keine andere Wahl, sagen Experten.

"Wenn es die entsprechenden 64-Bit-fähigen Betriebssysteme und Applikationen gibt, werden auch wir zur Stelle sein", verkündete kürzlich Intels President und Chief Operating Officer (COO) Paul Otellini gegenüber Analysten. Mit dieser Äußerung erhielten Gerüchte neue Nahrung, Intel arbeite an einer 64-Bit-Variante seiner x86-Architektur.

Bereits seit zwei Jahren kursieren Spekulationen in der Branche, Intel entwickle eine Hybrid-Prozessorplattform, auf der neben herkömmlichen 32-Bit-Programmen auch 64-Bit-Applikationen und -Betriebssysteme laufen (siehe www.computerwoche.de/go/5472026 : "Intel wappnet sich für Itanium-Fehlschlag"). Die US-amerikanische Zeitung "San Jose Mercury News" hatte Anfang 2002 berichtet, Intel-Ingenieure würden mit dem "Yamhill"-Projekt an einer Hybridarchitektur arbeiten, die beide Welten unterstützt. Die neue Technik solle in die für 2004 erwartete Pentium-Generation "Prescott" integriert werden und sich je nach Bedarf zu- und abschalten lassen, hieß es vor zwei Jahren. Ob die zusätzlichen Funktionen aktiviert würden, sollte erst kurz vor der Marktfreigabe je nach Erfolg und Misserfolg der konkurrierenden AMD-Plattformen und der eigenen Itanium-Architektur entschieden werden. Insidern zufolge wurde das Yamhill-Projekt unter dem Codenamen "CT" weitergeführt.

Das Intel-Management wollte in den vergangenen Jahren zu diesen Spekulationen nie Stellung beziehen. Noch vor einem Jahr erklärten ranghohe Firmenvertreter auf dem Intel Developer Forum (IDF), es gebe keinen Bedarf für 64-Bit-Funktionen im Desktop- und Lowend-Server-Segment. Daran werde sich bis 2010 nichts ändern. Doch mit dem wachsenden Erfolg von AMDs 64-Bit-Strategie und Problemen mit der eigenen Itanium-Technik gerät der kalifornische Chiphersteller aus Santa Clara immer mehr in Zugzwang.

AMD feiert derzeit mit seinem 64-Bit-Chip Opteron Erfolge. Server-Hersteller wie Sun, IBM und Fujitsu-Siemens Computers (FSC) haben entsprechende Systeme angekündigt oder bieten sie schon an. Jüngsten Informationen zufolge denkt sogar Hewlett-Packard - immerhin entscheidend an der Entwicklung von Intels Itanium-Architektur beteiligt - über Opteron-Server nach.

Analysten rätseln derweil, wie Intel reagieren wird. Der Chiphersteller könne nicht darauf hoffen, dass sich das Problem von selbst löse, kommentierte Gordon Haff, Analyst bei Illuminata Inc. Ob jedoch bereits der jüngst vorgestellte Prescott-Prozessor mit - möglicherweise versteckter - 64-Bit-Funktion ausgestattet ist, bleibt fraglich. Experten zufolge hat der Chip das Potenzial dafür. So arbeitet die im 90-Nanometer-Verfahren hergestellte CPU mit rund 125 Millionen Transistoren, mehr als doppelt so viele wie der Vorgänger Pentium-4. Ein Teil dieser Transistoren dient der Erweiterung des Level-2-Cache von 512 Kilobyte auf ein Megabyte. Es bliebe allerdings immer noch eine genügende Anzahl für neue Funktionen.

Vertauschte Rollen: Intel muss sich an AMD orientieren

Andere Analysten gehen davon aus, dass erst die nächste Desktop-Prozessor-Generation, die derzeit unter dem Codenamen "Tejas" entwickelt wird, mit 64-Bit-Funktionen ausgestattet sein wird. Das Design des Prescott sei bereits fertig gewesen, bevor Intel Zugriff auf die 64-Bit-Spezifikationen von AMD gehabt habe, erläutert Nathan Brookwood, Analyst von Insight 64. Intel sei in diesem Fall gezwungen, sich an den AMD-Spezifikationen zu orientieren, weil Microsoft ein an den Opteron angepasstes 64-Bit-fähiges Windows-Betriebssystem entwickelt. Der Softwareriese werde kaum bereit sein, eine weitere Variante speziell für Intel-Chips zu programmieren.

Intel selbst hält sich mit Informationen zum Prescott noch zurück. Der auf dem Pentium-4-Kern basierende Chip soll vorerst mit Taktraten von 2,8, drei und 3,2 Gigahertz herauskommen. Für Mitte Juni ist eine Variante mit 3,4 Gigahertz angekündigt. Die Entwickler gehen davon aus, wegen der geringeren Strukturbreite schon in diesem Jahr eine Taktrate von vier Gigahertz zu erreichen. 2005 soll die Fünf-Gigahertz-Hürde genommen werden. Zu möglichen Erweiterungen des Prozessors wollen die Intel-Verantwortlichen nichts verraten. Man kommentiere keine Techniken, die nicht offiziell angekündigt seien, blockte Bill Siu, General Manager von Intels Desktop Platforms Group, ab. Mit Spannung erwarten Branchenbeobachter daher das Intel Developer Forum vom 17. bis 19. Februar in San Francisco.

Sollte Intel dort offiziell eine hybride Prozessorarchitektur ankündigen, die sowohl 32-Bit- als auch 64-Bit-fähig ist, müsste der Hersteller seine CPU-Roadmap neu definieren. So wirke sich eine 64-Bit-Strategie im Desktop-Segment auf die Geschäfte mit 32-Bit-Xeon-Prozessoren, die vor allem im Lowend-Server-Bereich verkauft werden, und letztendlich auch auf den Itanium aus, prognostiziert Peter Glaskowsky vom "Microprocessor Report". "Langfristig gesehen könnte dies der Anfang vom Ende des Itanium sein." (ba)