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19.04.1985 - 

Amerikanische Hochschulen bauen auf die neue Technik, Teil 1:

Chips erobern den Campus und die Cafeteria

Enge Partnerschaften zwischen Hochschule und Rechnerproduzenten sind in den USA - im Gegensatz zur Alten Welt - seit langem alltäglich. Als die Mikros ihren Marsch auch in die Unis begannen, verschliefen viele ausgefuchste DV- Hersteller jedoch den richtigen Einstieg. Pascal und hohe Rabatte machten Apple zum Spitzenreiter. IBM zog nach: mit einer ausgeklügelten Strategie. Subventionen in Millionenhöhe und großzügigen Spenden. Die COMPUTERWOCHE beginnt in dieser Ausgabe mit einem dreiteiligen Bericht* von Dr. Hans Robert Hansen, der an der Wirtschaftsuniversität Wien lehrt und die US-Hochschulszene aus eigener Erfahrung kennt.

In den USA arbeiten seit jeher viele Computerhersteller eng mit Hochschulen zusammen. Neben den marktüblichen bezahlten Beschaffungen für die Hochschulrechenzentren erfolgen "kostenlose" Hardware- /Software-Installationen über Entwicklungsaufträge durch Institute beziehungsweise Abteilungen, wobei die Systeme in der Regel nach Projektabschluß an der Hochschule für allgemeine Lehr- und Forschungszwecke verbleiben. Vor allem Minicomputer wurden auf diese Weise beschafft.

Die Zusammenarbeit, die auch gelegentlich aus Herstellersicht eher den Charakter von zweckgebundenen Spenden aufwies, war bisher stets punktuell, also auf einzelne Abteilungen und Vorhaben von nicht allzu großen Dimensionen beschränkt. Es konnte jedoch schon vorkommen, daß bis zu zehn kleinere Rechner im Rahmen einzelner Kooperationsprojekte an Informatik-Institute gelangten - so zum Beispiel VAX-Maschinen an die University of Massachusetts in Amherst, um dort die Künstliche- Intelligenz- Forschung im Textverarbeitungsbereich zu unterstützen.

Auf das Aufkommen der Mikrocomputer haben die Hochschulen unterschiedlich reagiert.

- Traditionell "starke" Minicomputerhersteller wie DEC oder Data General haben diesen Markttrend zunächst. unterschätzt und nichts unternommen, -wodurch jetzt ihre Stellung im Hochschulbereich akut gefährdet erscheint

- Erst in den letzten Jahren groß gewordene, reine Mikrocomputerhersteller von 8-Bit-, 16-Bit- beziehungsweise 1 6/32- Bit- Massenprodukten, große wie Commodore oder Tandy und die Vielzahl von kleineren, haben erst in wenigen Fällen und in sehr beschränktem Ausmaß Absatzerfolge an Hochschulen erzielt Eine übergreifende Marketing- oder Förderungsstrategie ist nicht erkennbar. Eine Ausnahme bildet hier allein Apple.

- Einzelne auf den wissenschaftlichen Einsatz spezialisierte 16-Bit- und 32-Bit-Mikrocomputerhersteller mit zukunftsweisenden, besonders hochwertigen Produkten haben sich in relativ kurzer Zeit an Informatik- und technischen Fachbereichen fest etabliert. Beispiele sind etwa Apollo Computer, Three Rivers Computer Corp. (Perq) oder Sun Microsystems. Die Arbeitsstationen dieser Hersteller kosten in einer Minimalkonfiguration für den Stand-alone-Betrieb derzeit rund 12 000 bis 15 000 Dollar und sind damit für eine breit eingelegte Ausbildung noch zu teuer

Die seit 1983 verfügbaren Sun-2-Arbeitsstationen gelten bislang als die fortschrittlichsten Mikrocomputer für die Programmentwicklung und den technischen Anwendungsbereich. Kenndaten sind Mikroprozessor MC68010, Multibus (IEEE-796), 16 MB virtueller Adreßraum pro Prozeß, 1 bis 4 MB reale Arbeitsspeicherkapazität, Unix 4.2 bsd als Betriebssystem, hochauflösender 19- Zoll-Monochrom-Rasterbildschirm (1152 x 900 Punkte), 13- oder 19- Zoll- Farb- Rasterbildschirm mit mittlerer Auflösung (640 x 480 Punkte), Maus, Fenstertechnik und Pop-up-Menüs, Piktogrammen etc., Grafikprogrammbibliothek, C, Fortran, Pascal als Programmiersprachen, diverse Peripherie (unter anderem bis 380 MB Festplatte), Ethernet-Schnittstelle, Arpanet-Protokolle.

Universalrechnerhersteller haben erst sehr spät, IBM beispielsweise 1981, eigene Mikrocomputer angekündigt. Innerhalb kürzester Zeit hat sich der 16-Bit-PC (Personal Computer) von IBM mit dem MS-DOS-Betriebssystem von Microsoft (bei IBM PC-DOS genannt) zum Marktführer (in den USA etwa 30 Prozent Marktanteil bei 16-Bit-Systemen) und Marktstandard entwickelt.

Wie im Gesamtmarkt hat IBM auch beim Mikrocomputereinsatz an Hochschulen durch eine systematische USA-weite Marketing- und Förderungsstrategie eine dominierende Stellung erreicht. Andere Universalrechnerhersteller spielen mit ihren Mikrocomputer-Angeboten an den US-Hochschulen bis heute praktisch keine Rolle.

Durch das Engagement von Apple und IBM zeichnen sich im Bereich der Hochschulausbildung deutliche Verschiebungen der Marktanteile zugunsten dieser Hersteller ab.

Mit dem frühzeitigen Angebot von Pascal kamen Apple-Mikrocomputer schon seit Ende der siebziger Jahre an verschiedenen Hochschulen in der Ausbildung zum Einsatz. Für eine massenhafte Verwendung war der preisgünstige Hauptumsatzträger Apple II jedoch zu wenig leistungsfähig, der weiterentwickelte Apple III zunächst zu anfällig und die Ende 1982 vorgestellte Lisa trotz optimaler softwareergonomischer Eigenschaften zu teuer.

Erst der seit Anfang 1984 verfügbare, um die Hälfte billigere Macintosh mit "Lisa-Technologie" brachte an Hochschulen den Durchbruch auf breiter Ebene.

Besser wäre es allerdings von "Xerox-Technologie" zu sprechen, denn in Xerox PARC wurde die originäre Entwicklungsarbeit für die Benutzerschnittstelle geleistet. Von dort. kommen auch die Apple- Entwicklungsingenieure. Die vorbildliche, ein Jahr vor der Lisa angekündigte Arbeitsstation Xerox 8010 (STAR) war wie die Lisa ein Marktflop - sie war noch wesentlich teurer, zu langsam und sie wurde an die zu unbestimmte Zielgruppe der fachorientierten Führungskräfte nur sehr zögernd, fast dilettantisch vermarktet.

Hieran hat sich bis heute wenig geändert - auch nicht bei der Firma Siemens, welche diese Arbeitsstation in Lizenz unter dem eigenen Namen EMS 5815 vertreibt.

Eine aggressive USA-weite Werbekampagne mit Anti-IBM-Fernsehspots war insgesamt äußerst erfolgreich und brachte Apple den dringend benötigten Wachstumsschub. Der Macintosh hat sich mittlerweile zu einem Marktrenner entwickelt. Schon im Mai 1984 wurden in den USA täglich 1 500 Stück in einer eigens dafür gebauten, hochautomatisierten Fabrik in Kalifornien gefertigt und 1 700 Stück wurden täglich verkauft oder bestellt. Jährlich sollen künftig weltweit 500 000 bis 600 000 Macintosh- Mikrocomputer abgesetzt werden. An US- Hochschulen entfielen schon wenige Wochen nach der Ankündigung 70 Prozent des Apple-Absatzes auf dieses Modell.

Die Produktspezifikationen der Systemeinheit dürften mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum hinlänglich bekannt sein: 16/32-Bit-Mikroprozessor MC 68000, 128 KB Arbeitsspeicherkapazität, integriertes 3,5-Zoll-Sony-Diskettenlaufwerk (400 KB), 9-Zoll-Rasterbildschirm (512 x 342 Punkte), abgesetzte Tastatur und Maus, Fenstertechnik.

Als besonders positiv gelten die hervorragenden Grafikeigenschaften zu einem moderaten Preis: in den USA 2495 Dollar. Als negativ werden die für viele Anwendungen zu kleine Arbeitsspeicherkapazität, die mangelhafte Kompatibilität zu anderen Apple-Systemen (aufgrund der neuen Diskettenformate), keine IBM- Verträglichkeit, fehlende Peripherie (Festplatten) und vor allem das bisher sehr beschränkte Anwendungssoftwareangebot betrachtet.

Mit Ausnahme der grundsätzlich nicht angestrebten IBM-Kompatibilität durften die aufgezählten Schwachpunkte jedoch in nicht allzu ferner Zukunft behoben werden.

Derzeit entwickelt eine große Zahl von Softwarehäusern Macintosh-Anwendungsprogramme oder es werden die verbreitetsten Programme entsprechend angepaßt. Nachdem nun Apple anstelle der bisherigen fremdbezogenen 64-KB-Speicherchips 2S6-KB-Chips zur Verfügung stehen, kann der Arbeitsspeicher so ausgebaut werden, daß auch leistungsfähige, kommerzielle Software, wie etwa Lotus 1-2-3 oder das Nachfolgeprodukt Symphony, lauffähig ist.

Die neue 512-KB-Version des Macintosh kostet in den USA 2900 Dollar. Zur Erschließung des US-amerikanischen Hochschulmarkts hat Apple drei Programme verabschiedet:

- Apple Computer University Consortium,

- University Purchase Agreement

- Education Purchase Program.

"Der Zweck des, Consortiums ist es, den Macintosh unter die Studenten und an die Fakultäten zu bringen - mal sehen, was sie damit anstellen", beschreibt Dan'l Lewin, Apple's Hochschulmarketing-Manager, den Zweck des erstgenannten Programms. Während eines Zeitraums von drei Jahren erhalten 24 ausgesuchte Hochschulen für Hochschulangehörige Macintosh-Systemeinheiten mit 128 KB zum Preis von je 1000 Dollar, je ein Gerät pro Person.

Das sind 60 Prozent Nachlaß auf den empfohlenen und üblicherweise auch eingehaltenen Endverkaufspreis.

Auswahl der Hochschulen nach Reputation und Einfluß

Die Hochschulen haben sich verpflichtet, in den drei Jahren Apple- Produkte im Wert von mindestens zwei Millionen Dollar zu kaufen Software für Ausbildungszwecke zu entwickeln und Erfahrungen auszutauschen. Die Verpflichtungen zur Softwareentwicklung und zum Erfahrungsaustausch sind aber nicht weiter konkretisiert, alle Rechte für erstellte Softwareprodukte liegen bei den Hochschulen.

Die Auswahl der teilnehmenden Hochschulen erfolgte nach deren Reputation und Einfluß; Staatsuniversitäten sind auch deshalb kaum vertreten, weil diese in den 18-monatigen Vertragsverhandlungen vor der Macintosh-Ankündigung keine Verpflichtungen über die Mindestumsatzsumme und die vereinbarte Geheimhaltung eingehen konnten.

Die 24 Hochschulen des Apple Konsortiums sind: Boston College, Brigham Young University, Brown University, Carnegie-Mellon University, City University of New York, Columbia University, Cornell University, Dartmouth University, Drexel University, Harvard University, Northwestern University, Princeton University, Reed College, Rice University, Stanford University, University of Chicago, University of Michigan, University of Notre Dame, University of Pennsylvania, University of Rochester, University of Texas at Austin, University of Utah, University of Washington, Yale University.

Das University Consortium hat sich für Apple als äußerst publizitätswirksam und verkaufsfördernd erwiesen. Zum Beispiel haben die sieben Hochschulen in Neuengland - Boston College, Brown University, Cornell University, Dartmouth University, Harvard University, University of Rochester und Yale University - im ersten halben Jahr nach der Ankündigung schon mehr als 10 000 Macintosh-Einheiten geordert. Während der dreijährigen Laufzeit sollen dort noch mindestens fünfmal so viele Systeme plaziert werden. Von der University of Texas in Austin kam im Sommer 1984 der größte Einzelauftrag in der Apple-Firmengeschichte: 13 000 Macintosh-Computer wurden bestellt.

Das "University Purchase Agreement" bietet bis zum Ende des Jahres 1985 einem erweiterten Kreis von 150 bis 200 Hochschulen beim Bezug von Apple-Computern Mengenrabatte bis zu 50 Prozent. Je nach Gesamtabnahmeverpflichtung während der Laufzeit (1 bis 2,2 bis 5,5 bis 10 sowie über 10 Millionen Dollar) kostet die Macintosh-Systemeinheit mit 128 KB 1600, 1450, 1350 oder 1250 Dollar. Wie bei dem Konsortium ist die Hochschule für Verkauf und Wartung selbst verantwortlich. Sie kann diese Funktionen Dritten übertragen, hat aber sicherzustellen, daß kein Verkauf an Nichtberechtigte erfolgt. Kaufberechtigt sind alle ganztags beschäftigten Hochschullehrer, Verwaltungsangestellte und Studenten. Ein Wiederverkauf in den ersten 15 Monaten ist ausgeschlossen. Dies sichert die schriftliche Verpflichtungserklärung des Käufers.

Entwicklungsprojekt IBM-driven

Das "Education Purchase Program" räumt Ausbildungsstätten aller Art Preisnachlasse bis zu 25 Prozent ein, die nach Auftragshöhe gestaffelt sind. Die Produkte müssen für den hochschuleigenen Gebrauch vorgesehen sein, ein Weiterverkauf an Hochschulangehörige war zumindest bis zum Sommer 1984 nicht zulässig, allerdings sind in diesem Punkt Änderungen vorgesehen. Eine Mindestauftragshöhe gibt es nicht. Eine Macintosh-Systemeinheit mit 128 KB kostet 1949 Dollar (Auftragswert: 1 bis 14 999 Dollar), 1890 Dollar (Auftragswert: 15 000 bis 49 999 Dollar) oder 1870 Dollar (Auftragswert: über 50 000 Dollar). Wartung und Beratung werden von autorisierten Apple-Händlern übernommen.

Ungefähr jeder zweite an US - Hochschulen angeschaffte Mikrocomputer ist heute ein IBM Personal Computer (PC). In der Abbildung -1 erscheinen die derzeit an den US - Unis verwendeten Modelle.

Die für die PC-Systemeinheiten angegebenen Preise gelten für die Basisstufe mit Tastatur und ohne Bildschirm (Ausnahme: Portable PC mit integriertem Bildschirm) in den US in IBM-Verkaufsstätten (IBM Product Centers).

Das "älteste" Modell, der PC, auch PC- 1 genannt, wurde in den USA 1981 angekündigt, in Europa 18 Monate später im Januar 1983.

IBM hat die starke Marktstellung durch folgende Maßnahmen erreicht:

- Massive finanzielle Förderung fortschrittlicher, universitätsweiter Mikrocomputernetzkonzepte an einer sehr kleinen Zahl besonders renommierter ausgewählter "Informatik- Universitäten" unter Einbringung von IBM-Forschungs- und -Entwicklungs-Know-how, sogenannte "Advanced Education Projects".

- Stimulierung und Schwerpunkt-unterstützung auf Wettbewerbsbasis einer etwas größeren Zahl von "Anwendungsfachbereichen" (zum Beispiel CAD, MIS) primär in curricularer Hinsicht.

- Weitgehende Rabatte für; Hochschulen; Leih- beziehungsweise Geschenkaktionen für meinungsbildende Hochschullehrer, begleitet von einem gezielten Schulungsangebot.

Bei den "Advanced Education Projects" unterscheidet IBM entwicklungsorientierte "Joint Studies" anwendungsorientierte "Grants" Von außen betrachtet ist die IBM- Unterscheidung in Entwicklungs- und Anwendungsvorhaben Fiktion - es handelt sich in jedem Fall tendenziell eher um Entwicklungsprojekte, die sich jedoch in der IBM-Einflußnahme und in den IBM-Rechten an den Ergebnissen unterscheiden. Bei den Joint Studies ist IBM die treibende Kraft ("IBM driven"), die Firma bringt Know-how und auch experimentelle, nicht angekündigte Produkte und Forschungserfahrungen ein, sie behält daran die Eigentumsrechte und sie erhält auch alle Rechte an den Projektergebnissen. Der Bogen spannt sich dabei von neuen Arbeitsstationen, Netzwerkprodukten, Software, bis zu geistigem Eigentum. Bei den Grants hingegen verbleiben alle Urheberrechte an der Hochschule, die für den Projektablauf allein verantwortlich ist ("University driven"). IBM leistet technische Unterstützung und stiftet angekündigte Produkte (primär Arbeitsstationen), die in das Eigentum der Hochschule! übergehen. Ziel ist die Verbesserung von Lehre und Forschung - in dieser Reihenfolge - durch die Verwendung

- innovativer neuer "Courseware" beziehungsweise optimaler Computer- Lernumgebungen sowie

- verteilter, aber integrierter intelligenter Arbeitsstationen durch neue Netzwerktechnologien.

Die Laufzeit der Advanced Education Projects beträgt drei bis fünf Jahre und beinhaltet für eine teilnehmende Hochschule IBM-Subventionen bis zu 20 Millionen Dollar und mehr. Bis zum Sommer 1984 bestanden derartige Projektvereinbarungen mit sechs führenden Universitäten: Berkeley, Brown, Cal Tech, Carnegie-Mellon, MIT, Texas (Austin). Mit weiteren Informatik-Hochburgen führt IBM Verhandlungen über eine derartige Zusammenarbeit

Die Schwerpunktunterstützung von Anwendungsfachbereichen wird am Beispiel des "IBM Program of Support for Education in the Management of Information Systems in Graduate Schools of Business/Management" beschrieben. Um einen Anreiz zur Verstärkung der Lehre und Forschung in Wirtschaftsinformatik zu bieten, lud die Firma IBM im April 1984 alle US-amerikanischen nichterwerbswirtschaftlichen Wirtschaftshochschulen beziehungsweise -fachbereiche mit Graduate-Ausbildung zu einem Wettbewerb um zwölf hohe Geldpreise ein. Ausgeschrieben waren zwölfmal: IBM- Geräte im Wert von einer Million Dollar, kostenlose IBM-Software sowie eine Million Dollar in bar über eine Laufzeit von drei bis fünf Jahren. Um zur Teilnahme anzuregen, stiftete IBM dreißig "Planungsspenden" in Höhe von 5000 bis 12 000 Dollar, wodurch die Hochschulen mit den besten Projektvorschlägen ihre Vorbereitungskosten abdecken konnten. Erwünscht waren hierfür zunächst Projektskizzen im Umfang von vier bis fünf Seiten, in denen die Hochschule

- ihre Qualifikation für eine Ausbildung im Bereich "Management of Information Systems" nachweist,

- Plane für ein Curriculum und die Rekrutierung oder Förderung von Lehrpersonal, eventuell verbunden mit einschlägigen Forschungsvorhaben, umreißt und

- die Ressourcen definiert, die entsprechend diesen Plänen nötig sind.

Einreichungstermin für die Kurzbeschreibung war Mitte Juli 1984; zwei Monate später wurden die Empfänger der Planungsspenden bekanntgegeben und zur Ausarbeitung eines vollständigen Projektvorschlags aufgefordert. Auch nicht berücksichtigte Hochschulen konnten sich weiterhin beteiligen. Bis zum 15 Januar 1985 mußten die detaillierten Pläne vorliegen, die endgültige Auswahl der zwölf Hauptpreisträger trifft ein IBM-Expertengremium im April 1985. Als wichtigste Beurteilungskriterien gelten dabei, inwieweit das vorgesehene Curriculum geeignet ist,

- die Zahl der Hochschulabsolventen mit einer fundierten Wirtschaftsinformatikausbildung zu steigern,

- die Qualität dieser Ausbildung zu verbessern, insbesondere im Hinblick auf die neuesten Technologien und Forschungsergebnisse, sowie

- die Lehrkapazitäten für die Wirtschaftsinformatikausbildung auszuweiten.

Die IBM-Rabattpolitik gegenüber den Hochschulen entspricht weitgehend der von Apple. Allerdings erreichen die mengengestaffelten Preisnachlässe beim Bezug von Mikrocomputer-Hardware und -Software für Studenten maximal 50 Prozent. Darüber hinaus erhalten ausgesuchte Hochschullehrer, in Einzelfällen sogar alle Professoren eines Fachbereichs, kostenlose Leihmaschinen auf unbestimmte Zeit.

(wird fortgesetzt)

*Der vollständige Bericht erschien in Angewandte Informatik, Heft 11 und 12 1984 Friedrich Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig/Wiesbaden.

Professor Dr. Hans Robert Hansen

beschreibt Eindrücke, die er im Sommer 1984 während eines Forschungssemesters in den USA gewinnen konnte. Für die "akademische Computerwelt von morgen" scheinen den US-Universitäten keine Investitionen zu hoch. Allerdings erhalten sie auch massive Unterstützung: Marketing- und Förderungsstrategien der Computerhersteller bewegen Dollarmillionen, etwa zur Anschaffung von Mikrocomputern und deren Vernetzung. Der Verfasser zielt mit seinem Bericht auf Hochschullehrer (keineswegs nur der betroffenen Fachgebiete), zuständige Kommissionsmitglieder von Hochschulen, Ministerien und Unterstützungsfonds. Besonders aber sollen sich Führungskräfte der Computerhersteller als potentielle "Förderer" angesprochen fühlen.