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22.04.1977 - 

Praxisbericht Phywe AG, Göttingen: Von 370135 auf Univac 9030, von DOSVS auf OS3

Chronologie einer Umstellung, Teil I

Drei Computergenerationen, vier Systeme, fünf Betriebssysteme kennzeichnen das Kapitel "Datenverarbeitung" bei der Phywe AG, Göttingen. Der 30 9.1975 war ein Wendepunkt in der EDV-Historie dieses Schulgeräte-Herstellers: Nach mehr als zwölfjähriger Bindung an IBM entschied man sich zugunsten einer Univac 90/30, die eine 370/135 ablöst.

Worin die EDV-Probleme bei Phywe vor dem Herstellerwechsel lagen und welche Auswahlkriterien herangezogen wurden, schildert EDV-Leiter Joachim Neugebauer in dieser Ausgabe. In einem zweiten Teil werden dann die eigentlichen Umstellungsarbeiten behandelt (CW-Nr. 18).

Der geplante Ausbau des Systems /370-135 auf 256 K und 8 Platteneinheiten zu 100 Mio. Bytes im März 1975 wurde zunächst genehmigt, die Entscheidung jedoch auf Grund der ungünstigen Konjunkturlage auf Juni 1975 verschoben. Bei der Wiedervorlage wurde der Vorschlag, der mit einer Kostensteigerung von 30 Prozent verbunden war, abgelehnt.

Eine Ausweichlösung wurde gesucht und gefunden. Untersucht wurden folgende Alternativen:

Leasing IBM/370-135

Miete IBM/370-125

Unidata 7.730

Univac 90/30

Honeywell 64/40

Auswahlkriterien

- Die monatliche Belastung in der angestrebten Ausbaustufe (256 K, Plattenkapazität 800 Mio. Bytes 2 Bandeinheiten, Schnelldrucker, Leser, Stanzer, 16 Bildschirme, 4 Terminaldrucker) soll den derzeitigen Mietaufwand möglichst nicht übersteigen.

- Die sofortige Kapazitätserhöhung auf 192 K, Plattenkapazität 800 Mio. Bytes, muß wenigstens 10 Prozent Kostenreduzierung bieten, bei erhöhtem Umstellungsaufwand mehr.

- Als Bemessungsgrundlage für den Umstellungsaufwand wird die Zeit angesetzt, die ohne Hersteller- und Betriebssystemwechsel für die Umstellung auf eine andere Plattenorganisation benötigt wird (15 Mann-Monate).

- Assembler-Verträglichkeit. Die Programmlogik ist 1:1 zu übernehmen. Umprogrammierungen sind ausgeschlossen.

- Eine Umsetzung der DBOMP-Anwendungen ohne großen Programmieraufwand muß gegeben sein. Die Ablauflogik, Input und Output für das Fertigungssteuerungssystem dürfen nicht verändert werden.

- 2 bis 3 Monate nach der Installation muß der 2-Schicht-Betrieb erreicht werden.

Anwendungen der Datenverarbeitung

Vertrieb: Auftragsbearbeitung, Disposition und Bestandsführung Statistiken. Fertigungssteuerung: Bedarfsauflösung, Disposition und Bestandsführung, Verfügbarkeitskontrolle, Fertigungsauftragsschreibung und Verwaltung, Kapazitätsterminierung.

Beschaffung: Bestellschreibung (primär und sekundär), Terminverfolgung, Obligo.

Betriebswirtschaft: Ermittlung des Umsatzaufwandes auf der Basis der Herstellkosten, Fertigungsauftragsabrechnung und Nachkalkulation, Kostenrechnung (Budgetkontrolle).

Finanzbuchhaltung: Verwaltung der Debitoren, Lohn-, Gehalts- und Rentenabrechnung.

Konstruktion und Normung: Stammdatenverwaltung, Stücklistenverwaltung, teilegerechte Dokumentation, Versuchsdokumentation.

Zu einem kompletten Informationssystem fehlen nur noch die Abwicklung der Kreditoren und das Hauptbuch.

Kapazitätsprobleme

Permanent, da die Genehmigung zu Erweiterungen erst dann erteilt wurde, wenn die Information sichtbar gefährdet war.

Beispiel: Im Januar 1973 wurde im 3-Schicht-Betrieb von montags 6.00 Uhr bis samstags 14.00 Uhr, alle 14 Tage bis 22.00 Uhr gearbeitet.

Belastung: 128-136 Std./Woche.

Durch Tuning konnte die Schichtzeit ab 1. 4. 73 auf 120 Std./Woche reduziert werden. System IBM /360-30, 64 K, Plattenkapazität 116 Mio. Bytes.

Durch Ausbau und Übernahme weiterer Anwendungen brachte die Installation des Systems IBM /370-135, 96 K, Plattenkapazität 232 Mio. Bytes im März 1974 nur eine Reduzierung der Schichten auf 110 Std./Woche.

Selbst eine Hauptspeichererweiterung auf 144 K und der konsequente Einsatz von Spoolsystemen, erst ASAP von Westinghouse, später POWER VS, konnten die Schichtbelegung nur auf 100 Std./Woche drücken da der Engpaß eindeutig in der zu geringen Plattenkapazität lag.

Benchmarks, Risiken

Nach dem Literaturstudium wurden in nur 3 Wochen Benchmarktests vorbereitet und auf einer IBM /370-12S und einer Univac 90/30 durchgeführt Ein Test auf einer Unidata 7.730 kam aus zeitlichen Gründen nicht zustande.

Risiken:

- Eigene Organisation

- richtige Beurteilung von Unverträglichkeiten

- Unterstützung des Herstellers

- Hardware

- Software

Die Entscheidung zugunsten der Univac 90/30 fiel am 30. 9. 75.

Das Risiko, ein junges und kaum erprobtes Betriebssystem sowie noch nicht in der Praxis erprobte Hardwarekombinationen zu übernehmen, wurde bewußt eingegangen.

Das Unternehmen

Umsatz 1975: 80 Millionen Mark, davon 65 Prozent Eigenfertigung.

951 Mitarbeiter, davon 229 in der Produktion.

Produktions- und Vertriebsprogramm: Geräte und Einrichtungen für den naturwissenschaftlichen Unterricht und die Forschung.

3 Produktgruppen 30 Untergruppen.

Die Phywe-DV

Gründung am 2.1.1963 in 14 Jahren:

3 Computer-Generationen 4 Systeme

(IBM 1440, IBM /360-30, IBM /370-135, Univac 90/30)

5 Betriebssysteme (Systemloader 1440, BOS DOS DOS/VS, OS/3)

Nur die Jahre 1965, 1966, 1971 und 1973 verliefen ohne Änderung der Hardware.

Mengengerüst

Aufträge pro Jahr etwa 40 000

Auftragsgrößen von 1- 3 000 000 DM

Vertriebsprogramm ca. 12 000. Teile,

Geräte, Einrichtungen davon rund 5000 aus eigener Fertigung

Teilestammsatz Fertigung 60 000

Strukturen 120 000

Arbeitspläne 80 000

Arbeitsgangschritte 130 000

Arbeitsplatzgruppen 700

Lieferanten 3 500

Bestelltexte 25 000

Teilestammsatz Absatz 14 000

Kunden 30 000

Stamm- und Arbeitsdateien

insgesamt rund 500

Belegvolumen Ø pro Jahr 2 200 000

Ø pro Monat 183 000

Ø pro Tag 9 200