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29.10.1993

Chuck Peddle ueber Tandon, ASI und Apple Die neue Tandon setzt wieder auf den Vertrieb ueber den Fachhandel

MUENCHEN (kk) - Auf der Systems 1985 praesentierte sich der Laufwerkhersteller Tandon der Oeffentlichkeit erstmals als PC- Lieferant. Die Idee war, einerseits preiswerte kompatible Rechner - damals ATs - und andererseits Produkte mit voellig neuen Techniken wie das erste Wechselplattenlaufwerk "Datapac" anzubieten. Acht Jahre und einen Konkurs spaeter wird Tandon zur diesjaehrigen Systems ein zweites Mal aus der Taufe gehoben. CW- Mitarbeiterin Kriemhilde Klippstaetter sprach mit Chuck Peddle, dem alten und neuen technischen Vordenker der Firma, ueber das Verhaeltnis zu ASI Computer, Apples Newton-Technik und was Tandon dagegenstellen will.

CW: Wie kam es denn dazu, dass Tandon nach dem Konkurs in Deutschland und anderen europaeischen Laendern nun wiederauferstanden ist?

Peddle: Tandon war sehr erfolgreich, bis vor drei Jahren alle Schluesselpersonen die Firma verliessen, ich als erster. Ich hatte damals das Problem mit Sirjang Lal Tandon, der das Unternehmen alleine fuehren wollte. Aber nun hat sich die alte Crew wieder zusammengefunden.

CW: Ist Herr Tandon auch wieder mit dabei?

Peddle: Ja und nein. Als ich damals Tandon verliess, gruendete ich die Firma Thstyme, die neben Speicherprodukten und Diskdrives auch die Technologie entwickelt, die wir naechstes Jahr zur CeBIT zeigen werden. Fuer das Computergeschaeft suchten wir einen eingefuehrten Markennamen. In Frage kamen Zenith - wir dachten, Bull wuerde die Marke verkaufen -, Victor, die aber an AST gingen, und Tandon. Wir sind sehr gluecklich, dass wir nun Tandon als Marke zurueckhaben, denn wir glauben, dass sie von den dreien die staerkste ist. So kauften wir die Firma aus dem Konkurs und koennen uns gerade noch rechtzeitig zur Systems praesentieren. Fuer die Uebernahme suchten wir Investoren. Einer davon ist Herr Tandon.

CW: Wer ist noch beteiligt?

Peddle: Die anderen Investoren sind die kalifornische Firma CMS, die als Festplattendistributor gute Verbindungen nach Taiwan und Ostasien hat; der dritte im Bunde ist der Taiwaner Venture- Kapitalgeber Peter Lu und seine Firma IVCIC, die auch an dem Monitor- und Notebook-Hersteller Arche beteiligt ist. Arche ist der offizielle Geldgeber.

CW: Eine internationale Investorengemeinde.

Peddle: Ja, Lal Tandon verfuegt ueber Kontakte nach Indien und Thailand, Peter Lu deckt China, Taiwan und Singapur ab, CMS die USA, und wir machen das Geschaeft mit Europa und Russland.

CW: Die alte Tandon verkaufte ausschliesslich ueber den Fachhandel. Wollen Sie das mit der neuen Firma wiederholen?

Peddle: Wir versprachen damals den Haendlern, dass sie Gewinne erzielen koennten, weil wir ihnen Produkte in die Hand geben wuerden, die sie - bei besserer Qualitaet - zu einem guenstigeren Preis verkaufen koennten als die Konkurrenz, die damals aus Compaq, Commodore, IBM und Victor bestand. Wir glauben, dass das auch heute noch funktioniert.

CW: Aber einige der grossen Hersteller gehen ueber die Massenmaerkte an die Kundschaft.

Peddle: Compaq attackiert die Haendler. Aber die Haendler bauen mein Geschaeft auf. Ich habe nicht wie die IBM Verkaeufer, die an die Tueren klopfen. Ich brauche den Fachhandel.

CW: Welche Produkte bieten Sie an?

Peddle: Heute haben wir anstelle von kalifornischen Produkten Geraete aus Deutschland, das heisst aus Westdeutschland - man muss da sehr genau unterscheiden.

Wir kaufen beispielsweise unsere Laufwerke von IBM und auch den Rest von grossen europaeischen Herstellern. (Wie berichtet, fertigt SNI die Tandon-Rechner als OEM-Produkt in Augsburg - die Red.) Im naechsten Jahr wird Tandon neue wettbewerbsfaehige Modelle bringen. Im Jahr darauf - eventuell schon Ende 1994 - wird ein Rechner kommen, der sehr verschieden sein wird von den bekannten PCs. Wir arbeiten momentan am Silicon - ebenfalls in Deutschland. Die Entwicklungen stammen teilweise aus russischen Labors.

CW: Produzieren Sie mit Ihrer Firma Thstyme auch in Russland?

Peddle: Wir haben 50 Lieferanten in Russland. Die Produktionsstaetten dort waren frueher mit militaerischen Aufgaben beschaeftigt und sind nun auf friedliche Zwecke umgestellt worden. Thstyme fertigt dort Computer, Floppy-Laufwerke, PC-Boards, viele Dinge.

CW: Wo assemblieren Sie?

Peddle: Auch in Russland, die technischen Voraussetzungen sind glaenzend. Das beweist auch das Joint-venture, das IBM dort vor drei Wochen mit lokalen Gesellschaften eingegangen ist. IBM will in der Naehe von Moskau produzieren. Ich habe mein Buero im gleichen Gebaeude wie die IBM. Tandon wird aus Russland Ende des Jahres die ersten Geraete exportieren.

CW: Fuer den Markt im Osten Europas?

Peddle: Vor allem, aber auch beispielsweise fuer Spanien. Einige Produkte - unter anderem die mit der neuen Technologie - wird man auch in Deutschland finden koennen.

CW: Wann lueften Sie das Geheimnis um die neue Technologie?

Peddle: Wir halten es nach unserer Devise, nichts anzukuendigen, bevor wir auch liefern koennen. Nur soviel: Die technische Entwicklung ist Ende des Jahres abgeschlossen. Auf der CeBIT 1994 werden wir die Technik erstmals in einem Peripherieprodukt vorstellen. Das wird zeigen, in welche Richtung wir gehen.

CW: Naemlich?

Peddle: Als ich das Computergeschaeft verliess, versprach ich jedem, dass ich in das Geschaeft mit Robotern einsteigen werde. Das neue Geraet ist ein Diener. Jeder will einen Butler.

CW: Mit Spracherkennung?

Peddle: Natuerlich, ein Diener muss gehorchen. Aber viel wichtiger, ein Diener muss dich verstehen. Erkennung ist nichts, wenn er dich nicht versteht. Und ein guter Buttler kennt dich besser als sonst jemand.

CW: Also lernt er?

Peddle: Vielleicht.

CW: Koennte man das mit Apples Newton-Technologie vergleichen? Die Software fuer die Handschriftenerkennung stammt ja auch aus Russland.

Peddle: Der Apple-Newton ist ein Spielzeug. Man kann das, was Apple versprochen hat, nicht in einem derartigen Geraet unterbringen. Das ist technisch nicht moeglich.

CW: Aber die Software fuer die Handschriftenerkennung ist gut.

Peddle: Die braucht aber einen besseren Platz zum Ablaufen.

CW: Mit einer Intel-CPU?

Peddle: Ich garantiere, dass auf jedem Computer, den ich baue, PC- Software ablaufen wird.

CW: Welchen Umsatz wollen Sie im ersten Jahr erzielen?

Peddle: 100 Millionen Dollar in den ersten zwoelf Monaten.

CW: Gehoert Tandon in Frankreich nun ASI Computer?

Peddle: Nein, der Manager von Frankreich kaufte mit Bankgeldern ASI-Produkte und ging bankrott. ASI holte die Produkte zurueck. Die haben nur die Produkte und die Mannschaft. Tandon Technologies hat die Distributionsrechte in Frankreich, das ist unsere Firma, wir haben von Deutschland aus die Rechte auf den Markennamen.

CW: Aber ASI stand im Sommer knapp vor der Uebernahme und lieferte auch Rechner an die alte Tandon aus deren Werk in Soemmerda.

Peddle: Sie muessen Herrn Hoffmann fragen, was er tut, wenn er keine Ideen mehr hat und ein Geschaeft starten muss. Es ist ein Unterschied, ob man von einem Deal zum naechsten laeuft oder ob man ein Geschaeft aufbaut. Dann muessen Sie Technik entwickeln, einen Markt bereiten und nicht vom Markt stehlen.