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15.04.1983 - 

Europäische DV-Hersteller loten Kooperationsmöglichkeiten aus:

CII-HB, ICL und Siemens kommen sich näher

KÖLN/NÜRNBERG/MÜNCHEN - Erstmals seit der Unidata-Pleite 1976 scheint sich wieder eine - wenn auch begrenzte - Liaison führender europäischer DV-Hersteller anzubahnen: CII-Honeywell-Bull. ICL und Siemens stehen kurz vor dem Abschluß eines Vertrages, in dem die Gründung eines gemeinsamen Forschungsinstituts vorgesehen ist. Während sich die deutschen Töchter von CII-HB und ICL offiziell noch nicht Informiert zeigten, bestätigte ein Siemens-Sprecher, daß es Überlegungen gebe, "Fragen der Grundlagenforschung und der langfristigen Entwicklung gemeinsam voranzutreiben".

Die drei Unternehmen - so hieß es weiter - hätten sich darauf geeinigt, "nach der Hannover-Messe zusammenzukommen und in einem, ?letter of intent? die Absichten zu Papier zu bringen, die man gegebenenfalls realisieren will, wenn sich eine Übereinstimmung ergibt".

Die potentiellen Partner sind offenbar von dieser Übereinstimmung nicht mehr allzuweit entfernt, zeigen sich jedoch verschnupft darüber, daß die Kooperationspläne vor der abschließenden Verhandlungsphase bekannt wurden. So berichtete das französische Magazin "Le Point" kurz nach der letzten Brüsseler Gesprächsrunde zwischen der EG-Kommission und den zwölf europäischen DV-Herstellern im Rahmen des "Esprit"-Projekts (European Strategic Program on Research in Information Technology) über die Absicht der drei, in der Forschung zusammenzuarbeiten.

Unter anderem hieß es, daß Jaques Stern, der Chef von CII-HB, Rob Wilmot, oberster Boß von ICL, und Claus Kessler, bei Siemens zuständig für den Unternehmensbereich Datentechnik und Mitglied des Vorstandes, ihre Verhandlungen bereits im April erfolgreich abschließen könnten. Voraussetzung sei zum einen, daß man sich auf gemeinsame Ziele einige und daß zum zweiten die Regierungen der drei Länder das geplante Forschungskind finanziell unterstützten. Als Standort für das Zentrum, das Anfang nächsten Jahres seine Arbeit aufnehmen soll, seien das französische Valbonne oder München im Gespräch. Zunächst sei an ein Budget von 50 Millionen Franc gedacht; das Team solle rund 50 Forscher aus den drei Unternehmen umfassen.

Wenig später griff die englische Zeitung "Financial Times" das Thema ebenfalls auf. Sie wußte zusätzlich zu berichten, daß Stern kurz nach seiner Ernennung zum Chef von CII-HB die Zusammenarbeit angeregt hatte. Auf Vorschlag seines englischen Kollegen Wilmot seien die Gespräche dann auch auf die Münchener ausgedehnt worden.

Insbesondere dieser "Financial Times"-Bericht erregte nach Angaben von Siemens die Gemüter der drei Partner, da er nicht den derzeitigen Tatbeständen entspreche. Möglicherweise gebe es eine Stelle, die Halbwissen herausgelassen habe oder die daran interessiert sei, auf diese Weise irgendwelchen Überlegungen oder Entscheidungen vorzugreifen. Auf Details wollte der Siemens-Sprecher nicht eingehen, da es im jetzigen Stadium "zumindest unpraktisch ist, wenn Dingen, die in dieser Form noch gar nicht gemeinsame Absicht oder gemeinsamer Beschluß sind", vorgegriffen würde.

Unidata wirkt nach

Die zurückhaltenden Äußerungen sind sicherlich nicht zuletzt Spätfolgen des Unidata-Debakels aus dem Jahr 1976, als die perfekt scheinende DV-Kooperation zwischen Siemens, CII und Philips durch den plötzlichen Ausstieg der Franzosen in die Brüche ging.

Dennoch scheint man in München wie in Paris bereit, mit dem neuen Partner ICL einen - wenn auch begrenzten - neuen Versuch zu wagen. Im Vergleich zu 1976 hat sich nämlich die Wettbewerbssituation der europäischen DV-Industrie eher verschlechtert. Die Zahlen, die die Brüsseler Eurokraten im vergangenen Mai zusammengetragen haben, sprechen da eine deutliche Sprache: Die Alte Welt repräsentiert zwar 30 Prozent des Weltmarktes für Produkte der Informationstechnologie, auf die europäischen Hersteller entfallen jedoch nur 40 Prozent des Binnenmarktes und nur zehn Prozent des Weltmarktes. Die EG-Kommission hatte daher angeregt, ein gemeinsames Förderprogramm aller EG-Staaten zu starten, um langfristig mit der überseeischen Konkurrenz aus den USA und aus Japan wieder gleichziehen zu können.

CII-HB und ICL befinden sich derzeit in einer Umstrukturierungsphase, die mehr oder weniger abgeschlossen ist und die dazu dienen soll, den Marktgegebenheiten besser Rechnung zu tragen. Siemens hat kürzlich bekanntgegeben, daß man zum 1. April kommenden Jahres den bisherigen Unternehmensbereich Datentechnik um Teile der Kommunikationstechnik erweitern will (siehe CW Nr. 14 vom 31. März 1983, Seite 107).

Darüber hinaus scheint die Kritik, die die beiden Beratungsunternehmen Arthur D. Little und SRI im vergangenen Jahr in einer vom Bonner Forschungsministerium in Auftrag gegebenen Untersuchung über die deutsche DV-Förderung geübt hatten, bei den Münchenern nicht ungehört verhallt zu sein. Eine der dringlichsten Empfehlungen lautete damals, deutsche Unternehmen und vor allem Siemens müßten stärker als bisher international kooperieren. Nach dem Forschungsabkommen mit dem holländischen Ex-Unidata-Partner Philips auf den Gebieten der Mikroprozessortechnologie, CAD und elektronischer Spracherkennung wäre der neue Verbund mit ICL und CII-HB ein zweiter Schritt in diese Richtung.