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11.03.1994

CIL kontra Microsoft Marktreifes Opendoc soll im Herbst gegen OLE 2.0 antreten

FRAMINGHAM (IDG) - Fuehrende Vertreter der Opendoc-Spezifikation haben sich darauf geeinigt, ihre Compound-Document-Architecture im Herbst auszuliefern. Fraglich bleibt, ob das Corba-konforme Opendoc in verteilten DV-Umgebungen technische Vorteile gegenueber Microsofts Object Linking and Embedding (OLE) 2.0 ausspielen kann.

Zu den in der CIL (Component Integration Laboratories) zusammengeschlossenen Opendoc-Vertretern zaehlen Branchengroessen wie Apple, IBM und Wordperfect. Sie positionieren ihre Spezifikation fuer Windows, OS/2 und den Macintosh gegen das seit kurzem verfuegbare OLE 2.0. Beide Architekturen gelten als die Konkurrenztechnologien zur Verknuepfung von Objekten, die Entwickler bei der Integration von PC-Applikationen kuenftig benutzen werden.

Ein Beispiel dafuer bietet OLE 2.0 im neuen Office-Paket von Microsoft: Anhand der Objektverknuepfung laesst sich eine Tabelle aus Excel in ein Winword-Dokument integrieren, wobei die Spreadsheet- Funktionalitaet aus der Textverarbeitung heraus erhalten bleibt.

Den Prototyp einer Opendoc-Variante fuer den Mac hat nun Apple gezeigt. Bis Herbst soll eine marktreife Version dieser Technik verfuegbar sein. Ein aehnlicher Zeitrahmen schwebt IBM fuer die OS/2- Opendoc-Adaption und Wordperfect fuer ein Windows-faehiges Opendoc bevor. Der Textverarbeitungsspezialist faehrt allerdings zweigleisig: Um sich bei OLE nicht voellig auszuklinken, plant Wordperfect eine Uebersetzungshilfe, mit der Applikationen beider Glaubensrichtungen zusammengesetzte Dateien (Compound Documents) gemeinsam nutzen koennen. Andere CIL-Mitglieder wie Novell, Oracle, Sunsoft, Taligent und Xerox arbeiten derzeit noch an Opendoc fuer Unix.

Der Unterschied zwischen OLE und Opendoc besteht laut Experten darin, dass sich die CIL-Variante fuer eine verteilte Rechnerinfrastruktur eignet. Applikationen koennen sich so Objekte innerhalb eines Netzwerks teilen. Dabei beruecksichtigt Opendoc die von der Object Management Group (OMG) mit der Corba-Architektur empfohlenen Standards fuer Objekttechnik.

Ein weiterer Vorteil von Opendoc soll auch in der einfachen Bedienung liegen: Um eine Applikation zu entwerfen, benoetigt der Entwickler laut CIL-Angaben lediglich ein API und 50 Funktionen. Die gleiche Anwendung fuer OLE 2.0 wuerde etwa 13 Schnittstellen und 126 Funktionen erfordern. Diesem Vergleich entgegnet Microsoft, dass OLE wesentlich breiter angelegt sei und hinsichtlich der Objekttechnik als Basis fuer ein kuenftiges Windows wie Cairo dienen soll. OLE sei also zwangslaeufig komplexer als die Opendoc- Spezifikation, wo es lediglich darum gehe, Compound Documents zu erzeugen.

Die Arbeit mit dem noch jungen OLE 2.0 stoesst inzwischen bei den Anwendern vielfach auf Anerkennung, obwohl sich die Objectlinks derzeit noch auf eine reine Desktop-Anwendung beschraenken. Eine Version fuer verteilte Umgebungen soll es erst mit der Einfuehrung von Cairo geben.

Verstaendnis aeussern Branchenkenner deshalb auch dafuer, dass sich Microsoft einer direkten Unterstuetzung des Corba-Standards derzeit noch verschliesst. Das Gates-Unternehmen habe intensiv an der Entwicklung der Objectlinks gearbeitet und muesse auch in Zukunft sehr viel Zeit in diese Technik investieren. Die Kompatibilitaet mit Corba wuerde das Re-Engineering zumindest von Teilen in OLE 2.0 bedeuten sowie einen Bruch mit bereits vorhandenen OLE-faehigen Applikationen.

Man koenne Microsoft aufgrund seines eigenen Wegs kritisieren, so John Rymer von der Sybold Group: Dies aendert jedoch nichts daran, dass der Softwareriese die Nachfrage nach Objekttechnik fuer seine verbreitete Plattform so schnell wie moeglich bedient.

Welcher "Standard" sich letztlich durchsetzen wird, bleibt trotzdem fraglich: Fuer den Austausch von Objekten ueber das unternehmensweite Netz, so die Experten, werde Corba beziehungsweise Opendoc eine aehnliche Rolle spielen wie SQL bei relationalen Datenbanken. In dieser Hinsicht koennte sich Microsoft doch noch beugen. Andererseits haben inzwischen viele Softwarehersteller ihre OLE-Unterstuetzung zugesagt.