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06.03.1987 - 

Informatiker erhalten harte Konkurrenz aus anderen Fachdisziplinen:

CIM bringt auch Maschinenbauer nach vorn

MÜNCHEN - Kaum bahnt sich mit dem Schlagwort CIM (Computer Integrated Manufacturing) eine neue Ära des Computerzeitalters an, beginnt auch schon das Gerangel der wissenschaftlichen Disziplinen: Maschinenbauer wollen Informatiker als CIM-Verantwortliche verdrängen. Gerhard Krüger, Informatik-Professor an der Universität Karlsruhe, bleibt auch angesichts solch provokativer Versuche gelassen: "Abwarten, wer sich letztendlich durchsetzt."

"Für Informatiker ist es sehr schwer, im Bereich CIM tätig zu sein'', meint Andreas Spielvogel, Leiter des Bereichs Strukturmechanik und Künstliche Intelligenz am Institut für Maschinenelemente und Maschinengestaltung der Technischen Hochschule in Aachen. Diese seien mehr für Teilgebiete geeignet und weniger als CIM-Projektleiter, fehle ihnen doch meist der "Tiefgang" im Maschinenbau oder der Elektrotechnik. ClM-Erfolg basiert, nach Meinung des Maschinenbauers, vor allem auf einer Erkenntnis: Im Fertigungsbereich müßten lukrative Möglichkeiten erkannt und geschickt mit dem Rechner unterstützt werden - und dies könne nur der Ingenieur.

Dem widerspricht Informatik-Professor Krüger vehement. Er geht davon aus, daß CIM im wesentlichen die Integration der Informations- und nicht der Material- oder gar der Energieflüsse sei; damit aber werde der Informatiker sein Aufgabenfeld haben. Das CIM-Konzept sei außerdem nur realisierbar im Team, in dem der Ingenieur ein durchaus wichtiger Mann sei. "Wer aber Projektleiter wird, entscheidet sich nach der Persönlichkeitsstruktur des einzelnen und weniger nach dem ursprünglichen Studium" so Krüger.

Gerade aber die Persönlichkeitsstruktur ,sei der Stolperstein für den Informatiker, erläutert der Wirtschaftsingenieur und Psychologe Hans-Joachim Berthold, DV/Org.-Leiter bei der Maschinen- und Turbinen Union (MTU) München.

"Der CIM-Verantwortliche muß ein Ganzhirnmensch sein, der ein naturwissenschaftlich-mathematisches Studium hat. In der Praxis erfüllen häufig die Informatiker diese Bedingung nicht. Sie bleiben zu sehr ihrer Fachwelt verhaftet (Berthold)." Informatiker Krüger bejaht dies zwar, meint aber: "Für Ingenieure gilt dasselbe."

Der Maschinenbauer Spielvogel wittert jedoch Morgenluft, sieht er doch seine These durch die gängige Praxis bestätigt: "Im CIM-Bereich von heute sind Kräfte aktiv, die sich selbst einen fachübergreifenden Studiengang ausgesucht haben. Diese Mitarbeiter sind im wesentlichen technisch vorgebildet und haben sich Kenntnisse, die über die Technik hinausgehen, in Fortbildungsveranstaltungen oder Aufbaustudien angeeignet." Dagegen gibt es seiner Meinung nach bisher kaum EDV-Leiter oder Betriebswirte, die CIM durchziehen.

Dennoch beurteilt Informatiker Krüger die Situation für seine Studenten positiv. Die klassischen DV-Leute, die derzeit in Führungspositionen seien, könnten nämlich nicht mit dem mittlerweile ausgebildeten Informatiker verglichen werden, von denen es erst 6000 bis 8000 gebe. Sie hätten momentan noch das Handikap, daß sie sehr jung seien. Deshalb vertraue man ihnen nicht gerade die große Fabrikautomatisierung an. Für dieses Projekt benötigt man den 40jährigen mit Autorität und Berufspraxis. "Man muß eben abwarten wie die Situation aussieht, wenn 10 000 Informatiker zehn Berufsjahre haben", meint Krüger zuversichtlich. Die Befürchtung indes bleibt bestehen, daß bis dahin die entscheidenden Positionen schon von den Maschinenbauern besetzt und die Informatiker in eine Ecke abgedrängt worden sind. "Im Moment ist jedoch aus der aktuellen Entwicklung genau das Gegenteil herauszulesen. Je mehr Informatiker auf den Arbeitsmarkt kommen, um so größer wird die Nachfrage nach ihnen", konstatiert der Karlsruher Informatik-Professor, "denn jetzt können sich die Chefs vorstellen, was so ein Mann leisten kann."

Der CIM-Manager wird um beides - Maschinenbau- und Informatikkenntnisse - auf keinen Fall herumkommen. Die Universität Karlsruhe beispielsweise bietet ihren Informatik-Eleven deshalb seit zehn Jahren als Ergänzungsfach "Maschinenbau" an. Ganz anders sieht die Situation für das Maschinenbaustudium aus: Verantwortliche dieser Fachrichtung an den Universitäten und Hochschulen sind erst dabei, die Informatik in die Lehrpläne einzuarbeiten.

Informatikkentnisse erwerben

Informatiker Krüger kommentiert dies denn auch entsprechend: "Wir haben die Entwicklung viel früher als die Maschinenbauer erkannt. Diese sind jetzt auf einer Aufholjagd, weil die Wirtschaft und die weltweiten Entwicklungen ihnen keine andere Wahl lassen." Der Maschinenbauer müsse sich eben, wenn er eine CIM-Aufgabe übernehmen wolle, erhebliche Informatikkenntnisse aneignen - ein Ziel, das er und seine Kollegen unterstützen: "Uns geht es nicht um Konkurrenzkampf. Arbeit gibt es für beide genug, da der eine den anderen nicht ersetzen kann."

Von den Lehrinhalten her sieht der Karlsruher Informatiker eigentlich keine Kompetenzschwierigkeiten. Die Professoren an den Lehrstühlen für Maschinenbau hätten aber die Befürchtung, daß zuviel öffentliche Gelder in den Bereich Informatik fließen würden: "Wir sollten zusammenarbeiten und nicht streiten."

Auch die Maschinenbauer wollen, so jedenfalls Andreas Spielvogel, mit den Informatikern kooperieren - zumindest, soweit es sich um gemeinsame Anschaffungen für Institute und Universitäten handelt.