Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

12.05.1989

CIM: Die Euphorie ist vorbei - Ernüchterung macht sich breit

Noch vor zwei Jahren löste Computer Integrated Manufacturing (CIM) unter den DV-Herstellern und -Anwendern wahre Begeisterungsstürme aus. Heute jedoch sind viele DV-Manager nicht mehr gut auf CIM zu sprechen. Der anfänglichen Euphorie folgte nämlich bald die Ernüchterung. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen mußten feststellen, daß die Realisierung eines solchen durchgängigen Integrationskonzeptes zu kostenintensiv ist und längst nicht so problemlos verläuft, wie zahlreiche Hersteller dies in der Vergangenheit glauben machen wollten. Entrüstet sich Rolf Born, Leiter Betriebsorganisation, Pierburg Luftfahrtgesellschaft, Neuss: "Manche Unternehmen sind heute noch damit beschäftigt, einzelne Bausteine zum Laufen zu bringen." Solche Erfahrungen führten dazu, daß viele DV-Leiter dem Thema CIM heute realistischer und kritischer gengenüberstehen. Dazu Klaus Caprano, Geschäftsführer der Ravensburger Hawera Probst GmbH: "Langsam, aber sicher verstehen die Anwender, was CIM eigentlich ist: kein DV-Thema, sondern eine unternehmensorganisatorische Philosophie." Dadurch habe CIM auch seinen Schlagwortcharakter abgelegt. Freut sich Klaus Caprano: "Die CIM Euphorie ist verflogen - Gott sei Dank."

Klaus Caprano Geschäftsführer Hawera Probst GmbH, Ravensburg

Die CIM-Euphorie ist verflogen - Gott sei Dank. Langsam, aber sicher verstehen die Anwender, was CIM eigentlich ist: kein EDV-Thema, sondern eine unternehmensorganisatorische Philosophie, die von entscheidender Bedeutung für die künftige Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen ist. Dadurch hat CIM auch seinen Schlagwortcharakter abgelegt.

Der wichtigste Buchstabe bei CIM ist das I, welches für Integration steht - Eine Herausforderung, der sich viele Unternehmen zunehmend stellen müssen. Denn die Anforderungen der Kunden werden immer größer. Sie wollen Problemlösungen, kurze Produkt-Lieferzeiten und Termintreue. Für den Unternehmer bedeutet dies, nicht nur Produkt-, sondern vielmehr Servicequalitäten zu bieten. Eine wichtige Rolle dabei spielt auch der Lieferservice, also im richtigen Moment die richtige Menge am richtigen Ort mit relativ kurzen Durchlaufzeiten. All dies kann ohne die Integration der gesamten betriebsinternen Abläufe und Tätigkeiten heute nicht mehr gewährleistet werden.

Daß die Wellen der Euphorie vor einigen Jahren so hoch schlugen, ist überwiegend auf das Verhalten der Anbieter zurückzuführen. Der Anwender wurde überschüttet mit einer Flut von Prospekten, die vor Werbesprüchen wie: "CIM-Salabim und schon haben Sie CIM im Haus" nur so strotzten. Diese Art von Werbung bewegte sich für mich schon hart an der Grenze der Unseriosität.

Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Starverkäufer, die in der Vergangenheit CIM dem Anwender geradezu aufdrängen wollten, sind bei den Adressaten zunehmend aufgelaufen. Denn mehr als hochtrabende Konzepte hatten viele C-Hersteller in aller Regel nicht zu bieten. Die Unternehmer erkannten immer mehr, daß sich eine CIM-orientierte Firmenorganisation nur realisieren läßt, wenn zuvor eine klare Strategie festgelegt wurde, die dann Punkt für Punkt mit dem Hersteller durchgesprochen und Schritt für Schritt in die Tat umgesetzt wird.

Auch die Hersteller haben ihre Einstellung geändert. Sie haben begriffen, daß sie CIM nicht wie einen PC verkaufen können, sondern daß Konzepte und Problemlösungen gefragt sind. Dies hat mittlerweile dazu geführt, daß die Anbieter heute nicht nur für nahezu jedes Problem eine Lösung offerieren können, sondern zudem auch besser und intensiver beraten. Ein Handikap dabei ist allerdings, daß viele Anwender ihre Probleme und Vorstellungen gegenüber dem Hersteller nicht klar definieren können. Dies ist vor allem in Betrieben der Fall, die aus Kostengründen auf eine Org./ DV-Abteilung verzichten. Folge: Die Unternehmer verlassen sich auf eine externe Beratung. Das Resultat ist häufig, daß zu voreilig Standard-Hardware oder Softwareprodukte gekauft werden, die sich nach Einführung und Inbetriebnahme als ungeeignet für die spezifische Problemstellung erweisen. Eine Fehlberatung kann so schnell zu einem Millionenflop werden.

Wolfgang Neubauer, Technischer Leiter, Karl H. Bartels GmbH & Co.KG, Hamburg

Pauschal kann man nicht sagen, daß die CIM-Euphorie vorbei ist, sie ist nur differenzierter geworden. Bei kleineren und mittleren Betrieben ist die Begeisterung ziemlich abgekühlt, doch bei größeren Unternehmen ist CIM nach wie vor ein sehr interessantes Thema.

Die Einführung von CIM setzt eine intensive Beschäftigung mit den theoretischen Abhandlungen der Hersteller voraus. Darüber hinaus muß sorgfältig überprüft werden, ob die angebotenen ClM-Bausteine für den Einsatz im Betrieb geeignet sind. Kleinen und mittleren Unternehmen fehlt aber meistens neben den finanziellen Mitteln eine kompetente Person, die sich ausschließlich und über einen längeren Zeitraum hinweg mit dem Thema CIM befassen kann. Deshalb schrecken diese Betriebe mehr und mehr vor der Einführung einer allumfassenden Integration zurück.

Ich bin sicher, daß in ein paar Jahren einzelne CIM-Komponenten preisgünstig erworben werden können. Vielleicht werden sogar Standardkonzepte entstehen. Damit meine ich einen Leitfaden für die Einführung von CIM, an dem sich Unternehmen ähnlich wie an einer Checkliste orientieren können. Sollte sich eine solche Entwicklung wirklich abzeichnen, dann wird CIM auch für kleinere und mittlere Betriebe wieder interessant.

Rolf Born, Leiter Betriebsorganisation, Pierburg Luftfahrtgesellschaft, Neuss

Die Begeisterung für CIM hat bei vielen Anwendern inzwischen spürbar nachgelassen. Eingetreten ist eine gewisse Ernüchterung, nachdem einige Unternehmen feststellen mußten, daß die Realisierung eines solchen durchgängigen Integrationskonzeptes längst nicht so problemlos verläuft, wie viele Hersteller dies mit Sprüchen wie "Einmal Daten eingeben und sie stehen jeder Abteilung ohne weiteres Zutun zur Verfügung" suggerierten. Wer diesen Versprechungen aufgrund von Technikgläubigkeit und Begeisterung für neue Systeme glaubte und sich der ClM-Einführung verschrieb, sah sich schon bald gravierenden Schwierigkeiten ausgesetzt. Resultat: Manches Unternehmen ist heute noch damit beschäftigt, einzelne Bausteine zum Laufen zu bringen.

Solche Erfahrungen haben bei den meisten Anwendern nicht nur einen negativen Beigeschmack hinterlassen. Sie führten vielmehr dazu, daß der Blickwinkel für CIM realistischer und somit auch kritischer wurde. Die Anwender haben mittlerweile begriffen, daß CIM nur ein theoretisches Konzept ist und sie auf ihr Unternehmen zugeschnittene spezifische Lösungen benötigen, die mit viel Sorgfalt ausgesucht und dann Schritt für Schritt realisiert werden müssen.

Die Euphorie für CIM habe ich nie so recht verstanden. In unserem Haus hat eine solche Begeisterung auch nie existiert. Für uns war und ist es eine Selbstverständlichkeit, einzelne Abteilungen unseres Betriebes zu koppeln. Deshalb arbeiten wir bereits seit Jahren an der Integration sämtlicher Unternehmensbereiche.

Werner Lorenz, Leiter der Datenverarbeitung, Bernhard Krone GmbH, Spelle

In der mittelständischen Industrie ist bei vielen CIM-Anwendern einer ersten Euphorie schnell die Ernüchterung gefolgt. Denn: Ein solches Schlagwort spricht sich schneller aus, als es sich in die Praxis umsetzen läßt.

Das Problem bei mittelständischer Unternehmen ist, daß sie es sich in der Regel nicht leisten können, mehr Geld für CIM auszugeben als mit CIM eingenommen wird. Da aber die Realisierung von CIM hohe Investitionen erfordert und es zudem eine ganze Weile dauert, bis der C-Kreislauf geschlossen ist, können viele mittlere und kleinere Betriebe eine solche durchgängige Integrationslösung nicht finanzieren. Zwar sind die Angebote der Hersteller oft verlockend - doch mittelständische Betriebe werden angesichts der Kosten, die mit der Realisierung verbunden sind, schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Neben den Kosten macht aber auch die Fertigungsstruktur vielen mittleren und kleinen Unternehmen einen Strich durch die Rechnung. Während sie bei Großunternehmen meist relativ simpel und demzufolge überschaubar ist, haben mittelständische Betriebe eine niedrige Stücklistenfertigung bei vergleichweise hohem Aufwand an Montagearbeiten. Eine Komplett-Integration ist deshalb mehr als schwierig.

Zahlreiche Unternehmen, die den Versuch unternahmen CIM einzuführen, mußten wieder aufgeben, weil ihnen die Probleme über den Kopf wuchsen und kein Ende abzusehen war. Wir gehen das Thema CIM daher sehr vorsichtig an. Erste Grundsteine sind zwar gelegt, doch wird es sicherlich noch einige Zeit dauern, bis wir eine durchgängige Integration in unseren Betrieben finanzieren und realisieren können.