Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

05.06.1987

CIM: DV-Leiter müssen gesamtkonzeptionell arbeiten

Integration ist nicht nur eine Herausforderung für jedes Unternehmen, sondern auch für jeden DV-Leiter. Mehr denn je muß der DV-Chef heute über Organisations- und Koordinationsfähigkeiten verfügen, mehr denn je muß er die Bereitschaft mitbringen, mit den Kollegen der Fachbereiche gezielt zusammenzuarbeiten. "Die Zeit der Einzelprojekte", so Jürgen Schoop von den Mülheimer Clark Equipment GmbH, "ist vorbei." Statt dessen ging es heute vielmehr um Gesamtkonzeptionen, die der DV-Leiter in übergeordneter Position für das Unternehmen und mit den Mitarbeitern gemeinsam entwickeln und realisieren müsse.

Um den Stellenwert des DV-Leiters bei Planung und Einführung von CIM beschreiben zu können, muß zunächst erläutert werden, was man unter diesem Schlagwort versteht. Unsere Vorstellung von CIM deckt sich weitgehend mit einer Definition von Professer U. W. Geitner von der Gesamthochschule in Kassel: CIM ist die Integration von CAE, PPS und CAM. Die erste Komponente CAE setzt sich dabei zusammen aus der computerunterstützten -Konstruktion und Entwicklung (CAD), aus der computerunterstützten Fertigungsvorbereitung (CAP) und der rechnerunterstützten Qualitätssicherung (CAQ). Die zweite Komponente PPS umfaßt die Stammdatenverwaltung (Stücklisten, Arbeitspläne etc.), die Materialwirtschaft sowie die Kapazitätswirtschaft. Das dritte Element CAM schließlich gliedert sich in die Transportsteuerung, Lagerung, Handhabung und Fertigung; und dies alles programmgesteuert, programmunterstützt.

Auf der Basis dieser Definition ergibt sich die CIM-Position des DV-Leiters. Sein Stellenwert hängt davon ab, welche Aufgaben er heute schon in bezug auf die vielfältigen Anwendungsgebiete, die Bestandteil von CIM sind, wahrnimmt. Ist beispielsweise der DV-Leiter heute schon zuständig für CAD? Wie sieht es mit dem NC-Komplex, mit Roboting, Transport- oder Lagersteuerung aus, die allesamt Teilgebiete der Informationsverarbeitung sind? Grundsätzlich läßt sich also sagen: Je mehr der DV-Leiter von diesen Aufgaben heute wahrnimmt desto größer ist sein Stellenwert in einem CIM-Konzept.

Als DV-Leiter bin ich in unserem Haus nicht nur für die Datenverarbeitung verantwortlich, sondern auch für die Organisation. Dies ist von besonderem Vorteil, da CIM eine sehr anspruchsvolle Organisationsaufgabe ist. Außerdem gehören neben der kommerziellen DV, IDV und Bürokommunikation auch die technisch-administrativen Anwendungen (Stücklisten, Arbeitspläne etc.) sowie CAD in meinen Zuständigkeitsbereich.

Damit ist meine Grundposition relativ stark. Der rein technische EDV-Einsatz für Berechnungen, Prozeßsteuerung und NC-Programmierung hingegen zählt nicht zu meinem Aufgabengebiet. Dies bedeutet jedoch nicht, diese Bereiche außer acht lassen zu können. Im Gegenteil: Der DV-Leiter muß mehr denn je den Weg zu seinen technisch orientierten Kollegen suchen.

Im Zeitalter von CIM ist der DV-Leiter immer weniger Einzelkämpfer, der im Alleingang Projekte realisieren und dann den Fachbereichen vorsetzen kann. CIM erfordert eine Zusammenarbeit auf allen Ebenen und in allen Bereichen des Unternehmens. Die Realisierung dieses Konzepts muß eine Gemeinschaftsproduktion sein, sonst kann es keine integrierten Lösungen geben. Demzufolge muß der DV-Leiter heute noch mehr Teamarbeit und Projektarbeit leisten sowie Arbeitsgruppen bilden, in denen man gemeinsam versucht, eine Konzeption zu entwickeln. Wir sind derzeit dabei, auf Anordnung der Geschäftsleitung solche Projektteams zu aktivieren, um die vielen Einzelkomponenten, die wir bereits realisiert haben, jetzt in ein Gesamtkonzept zu integrieren; um also den eigentlichen CIM-Effekt, das "I" in CIM, sprich: die Integration, zu erreichen. Neben den Teamprojekt-Gruppen ist dabei insbesondere die Einrichtung eines übergeordneten Arbeitskreises wichtig, um die Integrationsproblematik besser in den Griff zu bekommen.

All dies macht erforderlich, daß dem DV-Leiter letztlich die übergreifende Funktion eines Koordinators zufällt. Gerade weil CIM ein Zusammenspiel von sehr vielen Anwendungsgebieten ist und der DV-Leiter in der Regel die Zusammenhänge doch am besten überblickt, sollte er in der Lage sein, die Fäden zu ziehen, übergreifend zu managen. Bestes Beispiel dafür ist die Finanzierung von CIM. Der Vorstand beziehungsweise die Geschäftsleitung muß erkennen, daß CIM ein komplexes Projekt ist, das Zeit zur Realisierung braucht und das zudem eine Menge Geld kostet. Der DV-Leiter kann dies dem Management klarmachen, der Kollege aus der Fertigung wäre damit überfordert, weil eine übergreifende Organisation bisher nicht zu seinem Aufgabengebiet zählte.

Aus all diesem ergibt sich, daß die Aufgaben des DV-Leiters in einem CIM-Konzept umfangreicher und komplizierter geworden sind. Er muß sich stärker denn je den technischen Anwendungsgebieten öffnen und noch mehr Kooperationsbereitschaft an den Tag legen. CIM ist für alle traditionellen DV-Chefs eine interessante Herausforderung.

Dr. Heinz Rettenmeier DV/Org.-Leiter, Zahnradfabrik Friedrichshafen

AIs DV-Leiter eines mittelständischen Unternehmens ist CIM für mich nichts anderes als ein neuer Begriff für die Zentralisierung der Datenverarbeitung, wobei unerheblich ist, ob man einen oder mehrere Rechner im Einsatz hat. Unser Unternehmen arbeitet derzeit mit zwei Systemen, einem für die kommerziellen Anwendungen und einem in der Fertigung zur Steuerung der Maschinen. Auf dem kommerziellen Rechner ist der gesamte Ablauf von der Produktionsplanung über die Materialwirtschaft bis hin zur Auftragsabwicklung zentralisiert, während die Anlage in der Produktion ein reiner Steuerungsrechner ist, der keine Impulse aus der Arbeitsvorbereitung zum Beispiel bekommt. Somit ist das, was uns die, Anbieter als CIM verkaufen wollen, in unserem Haus in einem Rechner integriert. Dies ist in größeren Unternehmen jedoch sicherlich anders. Dort sind zahlreiche Abteilungsoder Bereichsrechner im Einsatz, an denen selbständig gearbeitet wird und die man jetzt versuchen muß, zusammenzukoppeln.

Der Stellenwert des DV-Leiters hat sich meiner Meinung nach durch CIM nicht sonderlich verändert. Vorausgesetzt, er arbeitete schon immer gesamtkonzeptionell im Unternehmen und bezog die technische Komponente in sein Aufgabengebiet mit ein. Natürlich ist er heute stärker ein Organisator, als dies früher der Fall war. Er muß die Fäden ziehen und für eine konstruktive Zusammenarbeit der einzelnen Abteilungen sorgen. Jeder Mitarbeiter des Hauses muß das Gefühl haben, seinen Teil zum Gesamtkonzept beizutragen. Es darf nicht passieren, daß jeder einzelne Bereich sein "eigenes Süppchen kocht". Dies erfordert jedoch, daß die Geschäftsleitung dem DV-Leiter eine übergeordnete Position zubilligt und ihm die nötigen Kompetenzen, den nötigen Freiraum erteilt. Damit ist er heute mehr als früher am Management aufgehängt.

Dabei muß der DV-Leiter natürlich nicht nur mit den Fachabteilungen, sondern auch mit der Geschäftsleitung eine gemeinsame Basis finden. Meiner Meinung nach wird der DVLeiter gegenüber dem Management die Position eines Katalysators einnehmen, indem er der Geschäftsleitung die erforderlichen Informationen an die Hand gibt und das Schlagwort CIM mit Know-how ausfüllt. Nur so kann er von vornherein eine klare Strategie entwickeln und verhindern, daß Entscheidungen getroffen werden, die dem Unternehmen nicht zuträglich sind. Schließlich fängt kein Unternehmen mit der CIM-Realisierung bei Null an, sondern die bereits vorhandenen Lösungen müssen in ein Gesamtkonzept integriert werden.

Karl-Heinz Heinze Leiter DV/Org., Polychrome GmbH, Osterode

Ich verstehe unter CIM einen geschlossenen Regelkreis von Informationen zwischen Produktplanung, Produktentwicklung, Kundenauftrag, Verfolgung dieses Auftrags in der Werkstatt sowie Steuerung der Fertigungsmaschinen bis hin zum Fertigwarenlager und zum Versand. Ein Informationsfluß also, der den gesamten betrieblichen Ablauf bis hin zur Fertigung durchzieht.

Damit ist das Aufgabengebiet des heutigen DV-Leiters vielfältiger als früher. Bei der Planung und Einführung von CIM muß er nicht nur in technischer Hinsicht seinen Beitrag leisten, also über Know-how in Hardware, Software, Logistik oder Informationsorganisation verfügen. Vielmehr muß er auch das Wissen über das aktuelle Marktgeschehen mit einbringen und die Bereitschaft der Unternehmensleitung wecken, sich für CIM zu öffnen.

Somit fängt die Arbeit des DV-Leiters in der oberen Management-Etage an. Es gilt, den Standpunkt der Geschäftsleitung in der CIM-Diskussion zu bestimmen und der Geschäftsführung näherzubringen, daß CIM ein Konzept zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit ist.

Damit geht für den DV-Chef die Aufgabe einher, eine Bedarfsanalyse zu erstellen, um erkennen zu können, welche CIM-Teilkomponenten bereits realisiert sind, in welcher Reihenfolge neue Elemente eingeführt werden können, wie sich

Vorhandenes und Neues integrieren läßt, welche Schulungsmaßnahmen für die Mitarbeiter erforderlich sind und welche technischen Möglichkeiten der Markt bietet.

Ein solches Konzept kann der DV-Leiter heute jedoch nicht mehr allein erarbeiten. Mehr denn je ist partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Fachbereichen gefordert, wo bei die Schwerpunkte sicherlich in Konstruktion und Fertigung liegen. Darüber hinaus lassen sich Akzeptanzprobleme vermeiden, die gerade bei derartigen tiefgreifenden Veränderungen entstehen können. Wir haben aus der Vergangenheit gelernt: Wenn der DV-Leiter früher zu wissen glaubte, was der Fachbereich benötigt, so entwickelte er dies und gab es den Mitarbeitern an die Hand. Deren Akzeptanz jedoch fehlte dann oft.

Im Zeitalter von CIM muß jeder Mitarbeiter des Unternehmens mit dem Konzept, mit seinen Aufgaben mitwachsen. Jeder Kollege muß das Gefühl bekommen, ein wichtiger Partner in einem Team zu sein und mit der EDV-Abteilung gemeinsam an einem Projekt für das Unternehmen zu arbeiten. Für den DV-Leiter wiederum bedeutet dies, mehr auf die Enduser (seine "Kunden") zugehen zu müssen, deren Probleme auch schon einmal vor

Ort zu sehen und zu lösen. Er muß demzufolge seine passive Rolle der Vergangenheit ablegen und sich für die Mitarbeiter der Fachbereiche öffnen. Nur so kann es zu oben angesprochenem Regelkreis des Informationsflusses in dem Unternehmen kommen.

Insofern ist der DV-Leiter heutzutage mehr denn je Organisator, Koordinator und Stratege. Er muß sich lösen von seiner klassischen Position, Gralshüter einer Funktion "Datenverarbeitung" zu sein und sollte verstärkt in Richtung lnformationsmanagement, Kommunikation und zukunftsorientiertes Strategiedenken in Verbindung mit der EDV tendieren.

Das EDV-Tagesgeschäft darf nicht mehr zu seinen Aufgaben gehören. Die Standardarbeiten müssen ohne ihn laufen. Dies setzt allerdings voraus, daß er sich einen entsprechend qualifizierten Mitarbeiterstab aufgebaut hat, daß er Verantwortlichkeiten delegieren kann und die Mitarbeiter die Verantwortung auch tragen läßt.

Die Herausforderung CIM macht die Arbeit der DV-Leiter interessanter und vielfältiger. Man denkt in größeren Kategorien und größeren Komplexen, denkt und arbeitet "firmenflächendeckender". Die Zeit der Einzelprojekte ist vorbei; heute geht es um Gesamtkonzeptionen, die für das Unternehmen und mit den Mitarbeitern zusammen entwickelt und realisiert werden müssen.

Jürgen Schoop DV-Leiter, Clark Equipment GmbH, Mülheim/Ruhr