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26.10.1990 - 

Von Anfang an ein abteilungsübergreifendes Konzept

CIM-Lösung zum Vorzeigen bei der Unilever-Tochter 4P

Im Werk des Unternehmens 4P Folie Forchheim GmbH wurde in Zusammenarbeit mit Hewlett-Packard innerhalb der letzten dreieinhalb Jahre eine ClM-Lösung erarbeitet. Sie ist das Ergebnis eines konsequent durchdachten DV-Konzepts. Die eigentliche Aufgabe der neuen DV besteht darin, zu komplex gewordene Fertigungsabläufe besser in den Griff zu bekommen.

Die Folie läuft je nach Auftrag individuell in unterschiedlicher Reihenfolge durch die verschiedenen Maschinen. Große Datenmengen fallen in der vorbereitenden Abwicklung nicht an. "Wir müssen nur etwa 80 Rechnungen sowie 80 Auftragsbestätigungen pro Tag erstellen", erklärt Walter A. Hertwig, der zuständige Business Systems Manager. Allerdings besteht innerhalb eines Auftrags eine sehr aufwendige Produktbeschreibung. Diese kann bis zu zwei Schreibmaschinenseiten lang sein "Die kundenindividuelle Fertigung verlangt Termintreue, was bei einer Änderungsquote von zehn bis 15 Prozent im Laufe der Auftragsabwicklung zu einer komplexen Steuerung der Fertigung führt", umreißt Hertwig die Problematik. "Dies wird dadurch unterstrichen, daß bei der Belegung der nicht immer austauschbaren Maschinen ein Kostenoptimum bei Minimierung der Halbfabrikatsbestände angestrebt werden muß."

Ein hoher Exportanteil und umfangreiche Auftragsgrößen zwingen außerdem dazu, die Auftragsabwicklung komfortabel zu gestalten. Hertwig nennt als Beispiele die automatische Erstellung von Fremdsprachenbeziehungsweise Zoll- und Ausfuhrpapieren, die Prüfung von Kreditlimits, die Angebotskalkulation mit Stundenfristen sowie die Abwicklung der Kunden-Lieferanten-Konsignationslager.

Auf dem Softwaremarkt war kein fertiges Paket für diese Anforderungen zu finden, lediglich einige Datenbankstrukturen konnte Hertwig übernehmen. Der Rest mußte selbst beziehungsweise mit Hilfe eines Softwarehauses entwickelt werden.

In bezug auf die Hardware standen drei Anbieter zur Wahl: IBM, Digital Equipment und Hewlett-Packard. "Einer der Gründe, warum wir uns für das Angebot von Hewlett-Packard entschieden haben, resultierte daraus, daß HP bereits seit Jahren auf die Entwicklung von offenen Systemen, sprich: Standards, setzt. Dies kommt unseren CIM-Plänen entgegen, Fertigungsmaschinen mit unterschiedlichen Steuerungen an Rechner zu koppeln und damit zu kontrollieren", so Hertwig. "Ein weiterer Grund war die hohe Benutzerfreundlichkeit der Systeme."

Die installierten Hardwaresysteme bestehen auf der Unternehmensebene aus einer HP 3000, Modell 950. Auf der darunter liegenden Werksebene kommt im Bereich der Qualitätssicherung ein Prozeßrechner HP 1000 mit der Software "Moquiss" zum Einsatz. In den Fertigungsabteilungen Extrusion, Veredeln und Prägen arbeitet man heute mit Unix-Workstations und dazugehörigen Servern der Systemfamilie HP 9000. Größter Wert wurde dabei auf die Ausfallsicherheit dieser Systeme gelegt.

Alle Rechner im Hause 4P Folie sind über ein LAN vernetzt. Für die Zukunft sind bereits zwei HP-9000-Server für die Abteilungen OPP-Extrusion und Rollenschneiden fest eingeplant. Zwölf weitere Rechner vom Typ HP 9000/340 sollen darüber hinaus an verschiedenen Fertigungsmaschinen installiert werden.

Verantwortlich für die Installation ist Hermann Lorenz von der HP Geschäftsstelle in Nürnberg. Nach seinen Aussagen ist die ClM-Lösung bei 4P Folie deshalb recht gut gelungen, weil es sich von Anfang an um ein abteilungsübergreifendes DV-Konzept gehandelt hat. Dadurch steht einer systematischen Weiterentwicklung nichts im Weg", erwartet Lorenz. Vor der oben skizzierten Entscheidung wurden bei 4P Folie mit einer Gruppe von qualifizierten Mitarbeitern gründliche Untersuchungen durchgeführt. Anhand einer daraus resultierenden Studie konnten der Geschäftsleitung exakte Zahlen vorgelegt werden, wobei auch Werte, die sich nicht unmittelbar in Zahlen ausdrücken lassen, wie beispielsweise die Qualitätsverbesserung, eine entscheidende Rolle spielten. Nach der Studie folgte ein von DV-Fachleuten aufgestellter Realisierungsplan. Bereits während dieser Phase legte 4P Folie Wert auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem DV-Hersteller und zog Berater aus dem Hause Hewlett-Packard hinzu.

Wichtigster Punkt bei der Durchführung war die Trennung in den dispositiven und den ausführenden Teil. Im Zentrum der Disposition steht die Auftragsbearbeitung. Zielvorgabe ist, wie eingangs beschrieben, die Festlegung einer optimalen Reihenfolge der zu bearbeitenden Aufträge, um die Rüst- und Durchlaufzeiten unter Beachtung der Halbfabrikatsbestände zu minimieren. Dies muß zusammen mit der Rohstoff- und Betriebsmitteldisposition zu Termintreue gegenüber dem Kunden führen.

Im ausführenden Teil kam es darauf an, dem Personal an der Maschine möglichst exakte Einstellwerte für die Ausführung des betreffenden Auftrags zu liefern, denn wenn eine Maschine mit ungenauen Werten hoch gefahren wird, steigt die Ausschußquote an, was bei Rohstoffkosten von zirka 55 Prozent der Verkaufserlöse von entscheidender Bedeutung für das Betriebsergebnis ist. Zur Erfassung der eingestellten Parameter erhalten derzeit sämtliche neuen Maschinen verschiedene Signalgeber, die über V.24- und H1-Schnittstelle mit dem HP-9000-Rechner verbunden sind.

Eine weitere wichtige Vorgabe war die Entkoppelung von Maschine und Computer. Bei den teilweise sehr teuren Maschinen, die rundum die Uhr im Einsatz sind, darf kein Stillstand, bedingt durch den verwaltenden Rechner, eintreten. Deshalb werden alle Fertigungsdaten bereits 14 Tage im voraus erfaßt und dieser Feinplan an den Verwaltungsrechner geliefert. In die Steuerung der einzelnen Maschinen werden jeweils zwei Aufträge geladen.

Sehr zufrieden äußert sich Hertwig über die mittlerweile eingeführte automatische Betriebsdatenerfassung. "Dadurch sind wir in der Lange, den Rohstoff- beziehungsweise Zeitverbrauch der damit ausgerüsteten Maschinen exakt festzuhalten." Aus den gespeicherten Angaben kann der Rechner Schwachstelen aufzeigen, um den Fertigungsablauf weiter zu optimieren. Dadurch erwartet Hertwig einen Kapazitätsgewinn von mehreren Prozent. Erste Vergleiche mit früheren Werten bestätigen diesen Trend. Außerdem dienen die gespeicherten Daten noch weiteren Zwecken: Der Fertigungsablauf ist für berechtigte Personen jederzeit einsehbar, aufwendige Erfassungsarbeiten für Produktionsberichte entfallen.

Auch für die kommerzielle DV

Ergebnis der automatischen Erfassung und Aufzeichnung der Folienrollen ist ein mit Barcode versehenes Rollenetikett, das in der nächsten Produktionsstufe wieder eingelesen wird. Damit ist eine lückenlose Verfolgung der Halbfabrikatsbestände möglich.

Die HP Rechner werden selbstverständlich auch im Bereich der kommerziellen DV herangezogen: Programme zur Auftragsbuchung, Kalkulation für die Angebotserstellung, Kostenträger-Kalkulation, Terminbestimmung, Buchhaltung, Kostenrechnung, Marktberichterstattung, Fakturierung, zu Produktionsberichtswesen, Statistiken und Lohnabrechnung sind fest implementiert.

HP-Mann Lorenz verweist in diesem Zusammenhang auf die Integration von Bürokommunikationslösungen im normalen Systemdialog der Anwender. Das Informationssystem von Hewlett-Packard ermöglicht die Kommunikation zwischen den einzelnen Abteilungen und Mitarbeitern.

"Wir sind sogar schon soweit, daß wir einem unserer wichtigsten Kunden Daten aus der Qualitätssicherung über das elektronische Postsystem 'HP Desk-Manager' direkt auf dem Bildschirm übermitteln", so Hertwig.

Die installierte Hardware:

- eine HP 3000/950 mit zirka 140 Bildschirmen und PCs,

- eine HP 1000,

- drei HP-9000-Server,

- zwölf HP-9000-Workstations.

Wolfgang Taschner ist freier Journalist in München

Das Unternehmen:

4P Folie Forchheim GmbH gehört neben der 4P Verpackungen Ronsberg GmbH der 4P Nicolaus Kempten GmbH, der 4P Rube Göttingen GmbH und der 4P Emballages Beauvais, Frankreich, zur 4P Verpackungsgruppe mit Sitz in Kempten. Alle genannten Unternehmen gehören zum Unilever-Konzern.

Das Werk Forchheim erzeugt und veredelt kalandrierte Hart-PVC-Folien, Hoch- und Niederdruck-Polyäthylen sowie Polypropylen-Folien. Die 950 Beschäftigten erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von zirka 270 Millionen Mark.

In Forchheim fertigen aufwendige Maschinen aus angelieferten Rohstoffen Flach- und Schlauchfolien aller Art. Die erzeugten Produkte werden im weiteren Fertigungsverlauf bedruckt, kaschiert oder beschichtet und anschließend konfektioniert. Insgesamt kommen zirka 65 unterschiedliche Maschinen zum Einsatz.