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Wird eine Hälfte der Führungskräfte überflüssig?

CIM stellt mittleres Management zur Disposition

08.05.1987

MÜNCHEN (dar) - Die Zukunft kann für die Manager der mittleren Führungsebene düster aussehen. Ihre Positionen werden mit dem Blick auf Computer Integrated Manufacturing (CIM) derzeit kontrovers diskutiert. Deshalb könnte diese Führungsschicht bei Neuerungen mauern, befürchten namhafte Professoren in der Bundesrepublik. In der Praxis indes bestätigt sich diese Prognose noch nicht.

"Die verdecktesten und intelligentesten Innovationswiderstände tauchen auf dieser Managementebene auf", schildert Professor Erich Staudt vom Institut für angewandte Innovationsforschung an der Universität Bochum seine Erfahrungen. Er hält künftig zwei Organisationsentwicklungen für möglich. Erstens könne der Fall eintreten, daß das alte streng gegliederte Prinzip beibehalten werde - dabei tausche man nur die Sachkompetenz und unter Umständen auch die Personen aus. Bei einem konsequenten CIM-Einsatz sei eine wesentlich flachere Hierarchie die Folge, da die Koordinationsaufgaben des mittleren Managers wegfielen.

Allein aus ökonomischen Gründen hält Professor Staudt diese Lösung für besser. Allerdings sieht auch er, daß damit Führungspositionen verlorengehen. Der amerikanische Zukunftsforscher John Naisbitt formuliert noch härter: "Die alte hierarchische Unternehmensstruktur, straff von oben nach unten, wird aussterben. Veränderte Wertvorstellungen und auch wirtschaftliche Notwendigkeiten bewirken das." Er prophezeit, daß es in fünf Jahren nur noch die Hälfte der heutigen Mittel-Management-Positionen geben wird.

Diese und ähnliche Prognosen beunruhigen diese Führungskräfte aus verständlichen Gründen. Deshalb drängt Professor August Wilhelm Scheer, Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Universität Saarbrücken, darauf, daß diese Personengruppe unbedingt in die Erarbeitung neuer Konzeptionen miteinbezogen werde.

Damit soll die Akzeptanz gegenüber den organisatorischen Auswirkungen durch die neuen DV-Konzepte auch bei ihnen erhöht werden. Denn in der Einführungs- und Übergangsphase sind die Führungskräfte dringend nötig. Offen bleibt, ob sie danach nicht überflüssig werden.

Bei einem CIM-Konzept müßten unbedingt die Betroffenen miteinbezogen werden, meint auch ein Sprecher der IBM. Daß im Zuge eines CIM-Konzeptes bestimmte Rationalisierungsmaßnahmen auch im Management-Bereich vorkommen könnten, schließt er jedoch nicht aus. Allerdings sieht er eine Reduzierung der Managerposten für nicht zwingend an. Von einer Abwehrhaltung der Führungskräfte in diesen Positionen sei ihm nichts bekannt.

Manfred Lahner, Mitarbeiter im Bereich Technologie und Betriebswirtschaft am Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung in Nürnberg, malt die Situation ebenfalls nicht in so düsteren Farben. "Ein Trend zeichnet sich heute schon klar ab, die Qualifikation der Mitarbeiter wird bis zum Jahr 2000 stark zunehmen. Dies könnte dazu führen, daß Hierarchiestufen abgebaut werden." Seiner Meinung nach sei das mittlere Management nicht unbedingt bedroht, denn es rutsche nach oben "mit den anderen mit." Einen Aufgabenbereich hat Lahner für diese Führungskräfte auch schon ausgemacht. Sie sollen sich in der Zukunft mehr der Personalführung widmen und für Ermessensentscheidungen zuständig sein. Denn die Sachbearbeiter, spekuliert er weiter, hätten zu diesem Zeitpunkt kaum noch "routinemäßige und stumpfsinnige Arbeiten" zu verrichten. Folglich seien sie kreativ tätig. Und was bringe schon Hierarchie im schöpferischen Bereich? Tatsache sei, daß man Kreativität nicht erzwingen könne. Deshalb würden die Führungskräfte "Anleitungsaufgaben" übernehmen. Einen Haken hat die Sache dennoch, meint Professor Staudt. Er bezweifelt, daß die jetzigen Manager in den mittleren Führungspositionen fähig sein werden, diese neuen Aufgaben wahrzunehmen.

Diese Theorie kann wiederum Hartmut Brandt, Abteilungsleiter der Stabsabteilung CAD/CAM-Gesamtkonzeption bei Daimler-Benz, nicht bestätigen: "Der heutige Stand der CIM-Realisierung ist aus meiner Sicht noch im konzeptionellen Stadium, so daß man weder über Personalauswirkungen auf das mittlere Management konkrete Aussagen machen kann, noch ist es möglich, diese Auswirkungen zur Zeit im Detail zu untersuchen."

Ewald Stein, der bei der Maho AG in Pfronten für das Produktmanagement CIM zuständig ist, beurteilt die Situation anders. "CIM besteht aus vielen Bausteinen und kann nicht von heute auf morgen eingeführt werden. Dieses Konzept wird sukzessive mit Hilfe des mittleren Managements aufgebaut; insofern hat diese Führungsschicht mehr Anpassungs- und Einflußmöglichkeiten." Der Mitarbeiter im technischen Bereich erhalte zwar mehr Entscheidungsfreiheit, aber er müsse auch gewillt sein, neue Arbeitstechniken zu erlernen. Grundsätzlich vertritt Stein die Auffassung, daß CIM zu einem neuen Instrument für das mittlere Management werde; das Know-how des Mitarbeiters könne damit nicht ersetzt werden. Schließlich müsse der Mensch CIM beherrschen und nicht umgekehrt.