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02.07.2004 - 

Ein Handbuch für IT-Chefs

CIOs gewähren tiefe Einblicke in ihre IT

MÜNCHEN (qua) - Druckwerke, die dem IT-Chef mitteilen wollen, wie er seine Arbeit tun sollte, gibt es zuhauf. Die Neuerscheinung "IT im Unternehmen - Leistungssteigerung bei sinkenden Budets" geht einen neuen Weg: Hier berichten CIOs aus der Fülle ihrer beruflichen Erfahrungen.

Ein bisschen Mut gehört schon dazu, seine Erfahrungen preiszugeben. Denn wenn sie für andere lehrreich sind, waren sie schmerzlich oder risikoreich. Wie die Beispiele aus Unternehmen wie Continental, Deutscher Ring, EADS und Vodafone belegen, kann die Informationstechnik aber gerade in Krisenzeiten ihren Wert für das Unternehmen unter Beweis stellen. Den hochrangigen (IT-)Managern, die hier aus dem sprichwörtlichen Nähkasten plaudern, gebührt folglich doppeltes Lob: zum einen, weil sie ihren Standeskollegen einen Ansporn geben wollen, zum anderen, weil sie dies ohne falsche Eitelkeiten tun.

Zu viel Raum für Controller

Die Idee zu dem Buch kam Lothar Dietrich (siehe Kasten "Ex-CIO ohne Bits-und-Bytes-Brille") im Frühjahr 2003. Damals war allenthalben zu beobachten, wie die IT plötzlich nur noch nach Kostengesichtspunkten beurteilt wurde. Dem ehemaligen IT-Chef des Maschinen- und Anlagenbaukonzerns Babcock Borsig fehlte in den meisten Diskussionen der Leistungsaspekt: "Die Unternehmen machten den Fehler, ihren Controllern zu viel Raum zu lassen, anstatt zu fragen, wie sich die Leistung der IT steigern ließe."

Damit stand der Untertitel des Buches fest: "Leistungssteigerung bei sinkenden Budgets". Als Mitstreiter gewann Dietrich bald den Consulting-erfahrenen Wolfgang Schirra (siehe Kasten "Mathematisch geschulter Berater".) Als Senior Partner bei Booz Allen Hamilton (BAH) hatte auch Schirra einen guten Draht zu den CIOs deutscher Konzerne. Gemeinsam gelang es den beiden Herausgebern, die IT-Macher von 15 renomierten Unternehmen als Autoren zu gewinnen; eigenen Angaben zufolge handelten sie sich nur drei bis vier Absagen ein - zumeist mit dem Hinweis auf allzu gedrängte Terminpläne. Einer der designierten Autoren habe am Ende dann auch nicht fristgerecht - Mitte April dieses Jahres - liefern können.

Die veröffentlichten Beispiele seien beileibe nicht die einzigen "Pionierleistungen", die die IT in deutschen Unternehmen vollbracht habe, versichern die Herausgeber. Es gebe zahlreiche Kandidaten, die für eine mögliche Neuauflage des Buches in Frage kämen. Entscheidend für die Auswahl der Autoren sei - neben der persönlichen Wertschätzung und der Reputation des jeweiligen Unternehmens - auch das Bestreben gewesen, einen Querschnitt durch unterschiedliche Branchen und Organisationsformen anzubieten. So vereint das Buch Beiträge von Jürgen Maidl, dem Leiter Zentrale IT bei BMW, und von Schering-CIO Jürgen Schröder, von Stefan Keese, dem Geschäftsführer der Vattenfall Europe Information Services, wie von Paul Schwefer, Group-CIO der Continental AG - um nur eine willkürliche Auswahl zu treffen.

Weil CIOs zumeist wenig schriftstellerische Ambitionen hegen, konnten sie bei Bedarf die Formulierungshilfe von BAH-Beratern in Anspruch nehmen. Einige machten von diesem Angebot Gebrauch, andere suchten sich lieber Assistenz im eigenen Unternehmen. Die Ergebnisse lassen sich gut lesen. Sie sind im Allgemeinen auch für IT-Laien verständlich - oder zumindest so angelegt, dass Nicht-Insider bis zu einem gewissen Grad in das Thema einsteigen können.

Von "quick" bis nachhaltig

Die Themen reichen von den kurzfristig erreichbaren Zielen oder "Quick Wins" bis zur nachhaltigen Leistungssteigerung der IT, vom Infrastruktur-Management über gezieltes Outsourcing bis zur Stärkung der Geschäfts- und Prozesskompetenz in der IT. In seiner Ankündigung benennt der Verlag acht Handlungsfelder, mit deren Hilfe der IT-Bereich zu einem Unternehmen im Unternehmen weiterentwickelt werden könne: IT-Governance, Produktorientierung, Controlling, Strategie, Organisation, Geschäftsprozess-Optimierung, Effizienzsteigerung und Personal-Management. Jeder davon wird in mindestens einem Beitrag ausführlich behandelt.

Auf Honorar verzichtet

Dass die Autoren ein echtes Anliegen verfolgen, haben sie dadurch verdeutlich, dass sie auf ein Honorar für ihre Beiträge verzichteten. So konnte der Preis mit etwa 50 Euro relativ niedrig gehalten werden. Auch den Herausgebern ging es nicht darum, mit dem Buch Geld zu verdienen. Ihre Intention sei es vielmehr gewesen, eine Lücke zu schließen, die derzeit im Buchmarkt - und damit auch in der öffentlichen Diskussion - klaffe, sagt Schirra: "Wir wollten die Erkenntnis beleben, dass sich die Unternehmen nicht gesund sparen können. Innovation ist die Kraft, die sie nach vorn bringt."

Ergänzt Dietrich: "Nach meinem Geschmack ist in der jüngsten Vergangenheit zu viel über Scheinlösungen wie Fusionen, Akquisition oder Umstrukturierungen geredet worden anstatt über neue Produkte und Dienstleistungen, also wertschöpfende Tätigkeiten, die man anbieten könnte." Die gewonnenen Einsichten würden zudem kaum in die Tat umgesetzt, so der heutige Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Manß & Partner. Darüber hinaus fehle es an der strategischen Ausrichtung und Abstimmung der IT, also an dem, was das Schlagwort "IT-Governance" aussagt. Dietrichs Fazit: "Wir wünschen uns, dass sich IT und Management künftig stärker an gemeinsamen Zielen ausrichten - und diese auch verwirklichen."

Nicht nur für Fachleute

Deshalb will sich das Buch auch nicht in erster Linie an die IT-Fachleute richten, sondern auch oder sogar vor allem an Unternehmenslenker, die lernen wollen, wie sich die IT für den Geschäftserfolg instrumentalisieren lässt. Nach Ansicht der Herausgeber ist das Zusammenspiel von IT und Prozessen heute entscheidend für den Unternehmenserfolg. Voraussetzung dafür sei aber das gegenseitige Verständnis derjenigen, die für das Funktionieren der Prozesse verantwortlich zeichnen, sprich: der Geschäftsführung, und derjenigen, die diese Prozesse mitdefinieren und praktikabel machen, also der IT-Leitung. Zu diesem Verständnis kann das Buch eine Menge beitragen.

Frisch aus den Druckmaschinen des Heidelberger Springer-Verlags: die von Lothar Dietrich und Wolfgang Schirra herausgegebenen Beiträge zum Thema "IT im Unternehmen - Leistungssteigerung bei sinkenden Budgets." Das Werk, für das namhafte deutschsprachige IT-Chefs als Autoren gewonnen wurden, umfasst etwa 450 Seiten. Es ist ab sofort im Buchhandel verfügbar - unter der ISBN-Nummer 3-540-20253-6 und zum Einzelhandelspreis von 49,95 Euro.

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In den kommenden Wochen werden an dieser Stelle sechs der in dem Buch beschriebenen Beispiele als Fallstudien beschrieben. Zudem stellen einige der Autoren ihre Beiträge auf dem nächsten "Executive Forum" vor. Das Arbeitstreffen mit Rahmenprogramm, zu dem die COMPUTERWOCHE zweimal jährlich handverlesene CIOs einlädt, steigt diesmal am 19. und 20. September im Dresdener Kempinski-Hotel "Taschenberg Palais".

Ex-CIO ohne Bits-und-Bytes-Brille

Seit Anfang vergangenen Jahres führt Lothar Dietrich die Geschäf-te des Beratungsunternehmens Manß & Partner GmbH mit Sitz im rheinischen Wermelskirchen - eine Aufgabe, für die er sich als Chief Information Officer der Babcock Borsig AG qualifizierte. Als enger Vertrauter des Vorstandsmitglieds Gisbert Rühl trachtete der promovierte Wirtschaftsingenieur damals bereits, "die IT von der Bit- und Byte-Betrachtung zur Prozessorientierung zu führen", wie er selbst formuliert. In Diensten des Oberhausener Anlagen- und Maschinenbauers entwickelte er Standards für die IT und führte - darauf aufbauend - in unterschiedlichen Gesellschaften des Konzerns die Enterprise-Resource-Planning-Software SAP R/3 ein.

Zuvor hatte Dietrich neun Jahre lang die IT-Verantwortung bei einem Automobilzulieferer getragen. Erfahrungen als IT- und Prozessberater konnte er zudem bei Branchengrößen wie Krupp und Kraus-Maffei sammeln. Zu den Karrierestationen des heute 54-Jährigen gehört darüber hinaus der IT-Anbieter Siemens-Nixdorf, wo er für strategische Großprojekte in der Fertigungsindustrie zuständig zeichnete.

Mathematisch geschulter Berater

Als Senior Partner, Mitglied des European Board und weltweiter Leiter der "IT-Management Consulting Practice" ist Wolfgang Schirra beim internationalen Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton einer der kompetentesten Ansprechpartner zu den Themen Informationstechnik, Organisation und Change-Management sowie Operations. Promoviert hat er allerdings im Fach Mathematik. Und nach seinem Studium arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundeskriminalamt in Wiesbaden.

Seine Beraterlaufbahn begann der heute 52-Jährige dann 1981 bei McKinsey und Company in Düsseldorf, wo er es innerhalb von sechs Jahren zum Partner brachte. Nach weiteren sieben Jahren verließ er die Management-Beratung wieder, um nach einem zweijährigen Gastspiel als Geschäftsführer von Knight Wendling Consulting schließlich als Partner bei Booz Allen Hamilton einzusteigen. Anfang des Jahres 2000 wurde er dort zum Senior Partner gewählt. Als seine Branchenschwerpunkte nennt Schirra die Automobil- und Pharmaindustrie, die Energieversorgung sowie die Telekommunikation.