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24.01.2008

CIOs hängen am Tropf der Finanz-Chefs

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Nach einer Accenture-Studie gilt die IT hierzulande immer noch als Kostenfaktor. Trotzdem braucht sie den internationalen Vergleich nicht zu scheuen.
Die deutschen CIOs beurteilen ihre Systeme fast durchweg besser als ihre Kollegen aus anderen Ländern.
Die deutschen CIOs beurteilen ihre Systeme fast durchweg besser als ihre Kollegen aus anderen Ländern.
Hochperformante Betriebe haben die besseren Kunden- und Lieferantenanwendungen.
Hochperformante Betriebe haben die besseren Kunden- und Lieferantenanwendungen.

Nur 23 Prozent der deutschen CIOs beziehungsweise CTOs haben ein Selbstbestimmungsrecht, was die Höhe ihrer jährlichen Budgets angeht. Jedes vierte einheimische Unternehmen lässt sogar ein IT-fremdes Vorstandsressort - häufig den Finanzchef - bestimmen, wie viel Geld es für seine Informationstechnik ausgibt. Hierzulande wird die IT mehr als Kostenstelle und weniger als Partner für den Geschäftserfolg betrachtet. Um ihrem Sparauftrag gerecht zu werden, fällen vier Fünftel der deutschen IT-Abteilungen die Investitionsentscheidungen selbst, anstatt die Fachabteilungen um die Projektbudgets konkurrieren zu lassen. Das hat das IT-Beratungs- und -Serviceunternehmen Accenture in der jüngsten "High-Performance-IT-Studie" festgestellt.

Seit 2005 fragt Accenture CIOs und CTOs rund um den Globus nach ihrer Stellung im Unternehmen, ihren Budgets und ihrem Investitionsverhalten sowie danach, wie sie die Leistungsfähigkeit ihrer Systeme und Anwendungen einschätzen. Ziel dieser Untersuchung ist es, herauszufinden, was die IT-Abteilungen besonders erfolgreicher Unternehmen anders machen als die weniger erfolgreicher.

In die diesjährige Studie wurden 261 IT-Chefs rund um den Globus einbezogen, davon 138 in Europa und etwa 40 in Deutschland. Die Ergebnisse belegen, dass die deutschen IT-Fachleute im internationalen Vergleich relativ gut abschneiden.

Ziemlich nah am Benchmark

Die Angaben der deutschen IT-Abteilungen liegen häufig ziemlich nah an denen der von Accenture ermittelten "High Performers". So bezeichnet der IT-Dienstleister Betriebe, die sich durch überdurchschnittliches Umsatz- und Renditewachstum auszeichnen. "Diese Unternehmen investieren kontinuierlich in ihre Optimierung und erzielen damit bessere Wachstumsraten", erläutert Tönnies-Hilmar von Donop, Managing Director für den Accenture-Bereich Systemintegration und Technologie. Diese handverlesene Benchmark-Gruppe setzt sich diesmal aus 13 Organisationen zusammen. Immerhin vier davon stammen aus Deutschland.

Den reinen Betrieb haben die deutschen IT-Abteilungen nach eigener Einschätzung sogar besser im Griff als die High Performers: Demnach müssen sie nur 38 Prozent ihrer Zeit für Aufgaben aus dem Bereich Operations und Maintenance aufwenden. Der Vergleichswert in den besonders erfolgreichen Unternehmen liegt bei 42 Prozent.

Zudem bewerten die deutschen CIOs ihre Systeme im weltweiten Vergleich recht positiv - sowohl was die Erfüllung technischer Ansprüche angeht als auch hinsichtlich der Business-Unterstützung (siehe Grafiken). Das wiegt umso schwerer, als viele Applikationen hierzulande deutlich mehr Jahre auf dem Buckel haben als anderswo. Vor allem die Systeme für Forschung und Entwicklung, Distribution und Supply-Chain-Mangement sowie Kundenservice sind mit einer Lebensdauer von durchschnittlich sieben Jahren definitiv älter als in anderen Ländern - und vor allem in den hochperformanten Betrieben.

Da passt es wieder ins Bild, dass die deutschen Umfrageteilnehmer ihre Systeme für Customer-Service, Vertrieb und Marketing sowie Distribution und Lieferketten-Management deutlich schlechter beurteilen als der Benchmark. Allerdings befinden sie sich damit in - nein, nicht guter, aber umfangreicher Gesellschaft. Weltweit zählen die auf den Kunden ausgerichteten Systeme in technischer wie betriebswirtschaftlicher Hinsicht zu den schwächsten Anwendungen überhaupt, so Accenture.

Unter erschwerten Bedingungen

Die deutschen CIOs fallen also keineswegs hinter den internationalen Wettbewerb zurück - obschon sie unter erschwerten Bedingungen arbeiten: Von ihren Kollegen in anderen Ländern können immerhin 30 Prozent die Höhe ihrer Budgets selbst aushandeln, in den hochperformanten Unternehmen sind es sogar 62 Prozent.

Die Abstimmung zwischen IT und Business ist anderswo offenbar ebenfalls besser. So treffen in den High-Performer-Betrieben nur 54 Prozent der IT-Abteilungen einsame Investitionsentscheidungen. Oder anders ausgedrückt: In jedem zweiten dieser Betriebe haben die Fachabteilungen ein gewichtiges Wort mitzureden, wenn es darum geht, welche IT-Projekte bevorzugt umgesetzt werden.

"Die deutschen CIOs haben aus den gegebenen Umständen das Beste gemacht", bestätigt Accenture-Geschäftsführer von Donop. Es wäre interessant zu sehen, was sie bewegen könnten, wenn die Rahmenbedingungen günstiger wären.

Diese Bedingungen zu ändern ist nach Ansicht des IT-Insiders eine Aufgabe, die die CIOs selbst erledigen müssen. Beispielsweise sollten sie sich darum bemühen, die Erfolgsfaktoren, nach denen sie ihre Leistung messen lassen, möglichst eng mit den Bedürfnissen des Business abzustimmen. Anstatt auf die Zuverlässigkeit des Rechenzentrums zu pochen, wäre es sinnvoller, die Verfügbarkeit der Geschäftsprozesse zu betonen, also zu zählen, wie oft - oder vielmehr: wie selten - ein Produkt wegen eines IT-Fehlers nicht ausgeliefert werden kann. Wenn diese Werte stimmen, verliere das sklavische Einhalten des Budgets irgendwann an Bedeutung.

Deutlich reger als der Durchschnitt nutzen die IT-Fachleute hierzulande interaktive Wissensvermittlungssysteme. Sieben Prozent der deutschen CIOs haben offenbar schon Erfahrungen mit Wikis vorzuweisen. Der weltweite Durchschnitt liegt bei drei Prozent. Aber auch hier besteht kein Grund zur Euphorie: Von den besonders erfolgreichen Unternehmen nutzt schon jedes vierte diese "Web-2.0"-Technik.

Wirklich wegweisend sind deutsche Unternehmen hingegen, was den Einsatz von Service-orientierten Architekturen (SOA) betrifft. 43 Prozent reklamieren für sich, bereits eine SOA installiert zu haben. Damit stechen sie sogar die High Performers aus; dort sind es nur 38 Prozent. Von Donop hat für diese spezifisch deutsche SOA-Affinität eine einleuchtende Erklärung: Die Systeme seien hierzulande wesentlich komplexer als beispielsweise in den USA, und damit wachse der Bedarf für eine übergreifende Integrationsarchitektur.

Ein lohnendes Investitionsfeld

Gar nicht schlecht schlagen sich die deutschen IT-Abteilungen hinsichtlich der automatisierten Online-Kontakte mit Unternehmenskunden: So liegt der Anteil der Interaktionen, die vollständig im Netz und ohne händisches Eingreifen ablaufen, hierzulande bei 23 Prozent und damit knapp vor dem weltweiten Durchschnitt (22 Prozent). Diese Zahlen relativieren sich allerdings, wenn die Benchmark-Gruppe zum Vergleich herangezogen wird; dort gilt das bereits für 53 Prozent der Kundenkontakte.

Hinter ihren weltweiten Konkurrenten her hinken die deutschen Unternehmen bezüglich der Online-Interaktion mit den Zulieferern (17 gegenüber 20 Prozent, High Performer: 33 Prozent) und den eigenen Mitarbeitern (25 gegenüber 30 Prozent; High Performer: 52 Prozent). Letzteres führt von Donop auf die Datenschutzbestimmungen zurück.

Vor allem in der automatisierten Online-Kommunikation mit der Kundschaft liegt für den Accenture-Manager ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen den Gewinnern und Verlierern der weltweiten Wirtschaft: Die Kunden würden immer anspruchsvoller; von ihren privaten Systemen seien sie einen Integrationsstandard gewohnt, den ihnen kaum ein Unternehmen bieten könne. Deshalb lohnten sich Investitionen hier besonders.