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19.05.2000 - 

Technische Hürden treten in den Hintergrund

CIOs stürzen sich Hals über Kopf in E-Business-Projekte

19.05.2000
MÜNCHEN (CW) - Deutsche Chief Information Officers (CIOs) kennen die Bedeutung des E-Business für ihr Unternehmen inzwischen sehr genau. Mehr noch: Der Leidensdruck führt sogar dazu, dass sich einige von ihnen ohne genaue Vorstellungen über Kosten und Ergebnisse in Internet-Projekte stürzen. Hauptsächlich kommt die Initialzündung für solche Vorhaben aus der Chefetage.

Wurden in der Vergangenheit deutsche Vorstände und Geschäftsführer wegen ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem E-Business noch gescholten, so hat sich das Blatt nun gewendet: Bei mehr als der Hälfte der Firmen ist bei diesem Thema die Führungsetage die treibende Kraft. Erst an zweiter Stelle sind es die Kunden, die Unternehmen drängen, E-Business-Lösungen zu realisieren. Nur in jedem vierten Unternehmen initiierte die IT-Abteilung das Projekt.

Die Motivation, ins E-Business einzusteigen, ist für deutsche Firmen in erster Linie der Wettbewerb. Darüber hinaus wollen sie sich durch ihre Online-Anwendungen von ihren Konkurrenten abheben. "Für viele Unternehmen geht es darum, überhaupt dabei zu sein", kommentiert das IT-Beratungsunternehmen Cap Gemini aus Bad Homburg das Ergebnis einer Studie. Im Auftrag der Berater befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa die CIOs von 102 deutschen Unternehmen.

E-Business ist keine fixe Idee mehr. 56 Prozent der Firmen betreiben bereits ein E-Business-Projekt, die meisten davon (79 Prozent) sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Zwar befindet sich ein Viertel noch in der Planungsphase, doch jeder dritte Betrieb will in den nächsten drei bis sechs Monaten fertig sein. 17 Prozent der Unternehmen haben noch keine Projekte definiert.

Bei der Beurteilung, was das wichtigste Thema rund ums E-Business sei, ergibt sich kein einheitliches Bild. Fast 23 Prozent der CIOs liegen Einkaufsfunktionen für und Kommunikation mit Endkunden besonders am Herzen (siehe nebenstehende Grafik). Für knapp ein Fünftel steht die Integration ihrer Enterprise-Resource-Planning-Systeme im Vordergrund. Die Integration ihres Call-Centers halten fast 15 von hundert für erstrebenswert. Die elektronische Beschaffung (E-Procurement) spielt mit knapp 14 Prozent im Vergleich dazu eher eine untergeordnete Rolle. Data Mining ist lediglich für zwei Prozent der Befragten von Bedeutung, was laut Cap Gemini daran liegt, dass dieses Verfahren noch nicht mit E-Business in Verbindung gebracht wird. Auch das Demand Chain Management - dazu zählten alle Aktivitäten rund um die Anlieferung von Waren zum Kunden - halten nur elf Prozent der Antwortenden vordringlich. Nach Ansicht der Berater schenken amerikanische DV-Leiter diesem Thema weit mehr Beachtung.

Konsens herrscht dagegen bei den E-Business-Zielen. So möchten 84 Prozent der Befragten auf diese Weise Geschäftsprozesse beschleunigen. Etwa die Hälfte will neue Geschäftsfelder erschließen. Ebenfalls 50 Prozent hoffen, bestehende Systeme auch weiterhin verwenden zu können.

Der Druck, ins E-Business einzusteigen, ist offenbar so groß, dass sich einige Firmen Hals über Kopf in Projekte stürzen. So haben sich erstaunlich wenige Unternehmen Gedanken über die Wirtschaftlichkeit ihrer geplanten oder laufenden E-Business-Lösungen gemacht. Nur gut ein Viertel wog Kosten und Nutzen ab, während sich jeder Dritte dabei auf eine ungefähre Abschätzung beschränkte. 29 Prozent begnügten sich damit, die Plausibilität ihres Vorhabens zu prüfen. Nahezu ein Drittel der Auskunftgeber haben keine Vorstellungen über das erforderliche Budget - für Cap Gemini ein weiteres Indiz dafür, wie rasch die Betriebe vom E-Business überrollt wurden.

Dennoch gibt es Firmen mit konkreten Vorstellungen über die benötigten finanziellen Mittel, und sie sind dabei nicht knauserig: So veranschlagen 14 Prozent der Unternehmen, die ein richtiges Budget aufgestellt haben, drei Millionen Mark und mehr für ihr Vorhaben. Offenbar haben sie erkannt, dass E-Business mehr bedeutet, als eine Online-Präsenz mit E-Mail-Schnittstelle einzurichten. Ein großer Teil von ihnen glaubt allerdings, dass ihr Projekt den finanziellen Rahmen sprengen wird. Dies ist denn auch die zweithäufigste Sorge der CIOs bei der Implementierung ihrer Systeme. Noch öfters fürchten sie jedoch, den gesteckten Zeitplan nicht einhalten zu können (61 Prozent). Auf Ärger zwischen dem eigenen Personal und externen Beratern stellen sich 40 Prozent der IT-Manager ein - den müssen sie wohl in Kauf nehmen, sind doch die meisten Unternehmen mangels internen Know-hows auf Hilfe von außen angewiesen.

Die Technik bereitet den IT-Leitern dagegen weit weniger Kopfzerbrechen. So gab beispielsweise nur jeder vierte CIO an, die Auswahl der geeigneten E-Business-Software stelle für ihn ein Hindernis dar, und lediglich ein Fünftel sieht angesichts der erforderlichen Integration von Altsystemen dunkle Wolken aufziehen.

Die größte Gruppe der befragten deutschen Firmen machen mit 59 Prozent solche aus, die 1000 oder mehr Mitarbeiter beschäftigen. Ein Viertel hat zwischen 500 und 999 Angestellte. Die restlichen Betriebe sind kleiner. Knapp die Hälfte von ihnen zählten zur Industrie, 42 Prozent bieten Dienstleistungen an und neun Prozent waren Händler.

Abb.1: E-Business

Online-Geschäfte mit Konsumenten liegen in der Gunst deutscher CIOs vorn, doch ihr Hauptziel ist, Geschäftsprozesse zu beschleunigen. Quelle: Cap Gemini

Abb.2: Kosten-Nutzen-Rechnung

Manche Firmen starten E-Business-Projekte, ohne sich über Kosten und Nutzen im Klaren zu sein. Quelle: Cap Gemini

Abb.3: E-Business-Projekt-Budgets

Dass E-Business mehr bedeutet als das Einrichten einer Homepage, haben die Firmen offenbar begriffen und veranschlagen teilweise umfangreiche Budgets. Quelle: Cap Gemini