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Dienste harmonisieren die Interaktion zwischen Netz und Applikationen


26.02.1999 - 

Cisco ebnet Sprache den Weg ins lokale Netz

SAN JOSE (pg) - Cisco Systems versucht, das Image des reinen Routing-Spezialisten abzustreifen. Das Unternehmen definiert sich neuerdings nicht nur als Integrator von Sprache in IP-Netze, sondern will mit Diensten auch eine Brücke zwischen Anwendungen und dem Netz schlagen. Ziel ist die regelbasierte Kontrolle und Priorisierung von Anwendungen.

Mit Speck fängt man Mäuse. Das wissen auch die Marketiers von Cisco. Sie locken Unternehmen in Zeiten stark steigender Datenvolumen, bei gleichzeitig unterproportional wachsender IT-Budgets mit dem Versprechen, Kosten sparen zu können. Dazu müßten sie lediglich ihren Sprachnetzen und Telefonanlagen Lebewohl sagen. Das auf den ersten Blick so simple Patentrezept von Cisco, aber auch anderer Anbieter wie Lucent, Nortel, Siemens oder 3Com lautet: Migration der Sprachkommunikation auf die bislang ausschließlich für den Datentransfer genutzten IP-Netze (IP =Internet Protocol).

Was Cisco und seine Wettbewerber da vorschlagen, kann als Paradigmenwechsel betrachtet werden. Es ist die Verschmelzung der bisher strikt getrennten Sprach- und Datenwelt. Glaubt man den Protagonisten, liegen die Vorteile auf der Hand, insbesondere für Unternehmen, die über eine eigene, Campus-übergreifende Infrastruktur verfügen. Durch die Integration beider Welten in existierende IP-Plattformen können im Optimalfall das Management vereinfacht, Kosten für Betrieb, Support und Personal reduziertund aufgrund des offenen IP-Standards bessere Applikationen und Dienste entwickelt werden.

Mit den genannten Argumenten für die Konvergenz versuchen die Anbieter deshalb jetzt, Unternehmen wie auch Service-Provider für die Netzmetamorphose zu gewinnen. Sie spielen dabei jedoch ein gefährliches Spiel, da sämtliche Hersteller den Spagat zwischen Neuentwicklung und proaktivem Marketing wagen. Sie müssen im Eiltempo IP-Lösungen zu generieren haben, die sowohl im LAN als auch im WAN stringent Sprach-, Daten- und Videopakete kontrollieren und transportieren können. Eile tut deshalb Not, weil sie sich durch ihr eigenes Marketing in Zugzwang gesetzthaben, und Flagge für Produkte zeigen, die noch nicht existieren.

Während Cisco, dessen Stärken im IP-Sektor liegen, fieberhaft an der Aufrüstung seiner Router und Switches mit Voice-Merkmalen arbeitet, gehen die TK-Traditionalisten Lucent und Nortel den umgekehrten Weg. Sie bemühen sich, ihre auf leitungsvermittelnder Technologie (Circuit Switching) basierenden Knoten IP-fähig zumachen. Helfen sollen ihnen dabei die jeweils gekauften IP-Spezialisten Ascend und Bay Networks.

Cisco sicherte sich hingegen durch die Übernahmen von Stratacom, Lightspeed und Selsius Know-how in Sachen Telefonie. Mit derAkquisition von Selsius Ende 1998 gelang es der kalifornischen Company, die Lücke zum Desktop zu schließen. Selsius stellt Ethernet-Telefone her und liefert außerdem mit dem "Call Manager" eine Art Directory Server auf Basis von Windows NT - sprich eine kleine IP-Telefonanlage. Durch die Integration der Selsius-Produkte nimmt Cisco nun für sich in Anspruch, durchgängig von der Workgroup im LAN bis ins WAN Multiservice-Lösungen anbieten zukönnen.

Legt man die interne Marschtabelle zugrunde, setzt das Unternehmen derzeit die vierte Stufe eines Fünf-Phasen-Plans um. Die ersten drei Stufen galten der Transportkonsolidierung im WAN. Cisco richtet sein Augenmerk dabei darauf, Komponenten für das Backbone, den WAN-Access sowie Multiservice-Gateways auf Voice over IP zu trimmen. Dazu zählen unter anderem Router der Serie "2600", "3600" und "7200". Im Klartext heißt das: Produkte dieser Kategorie sind in der Lage, Sprache auf Basis von IP, Frame Relay oder ATM als Pakettechnologie zu vermitteln.

Im vierten Schritt liegt der Fokus nun auf dem Campus beziehungsweise LAN. Neben der bereits erwähnten Integration der Selsius-Produkte nimmt sich Cisco hier die LAN-Switches der Serien "Catalyst 5000" und "5500" vor.

Diese Geräte erhalten durch sprachunterstützende Asics auf der "Netflow Feature Card" Voice-Funktionalität, die dem Unternehmenzufolge zusätzlich durch das Internetwork Operating System (IOS) Version 12.0 unterstützt wird. Ein Novum ist ferner der "Catalyst6000", der die 50xx-Workgroup-Switches als High-end-Lösung im Backbone ergänzt und Voice-Features standardmäßig implementiert hat (siehe Kasten "Catalyst 6000").

Darüber hinaus kündigte Cisco für den Catalyst 5000 und 5500 Port-Module an, die IT-Managern ermöglichen sollen, Sprachverkehr im Netz zu komprimieren und gegenüber anderen Anwendungen zu priorisieren. Cisco plaziert damit die für Multiservice-Netze so wichtige Funktionalität der Quality of Services - besonders für die Sprache - direkt auf der Netzhardware.

Stichwort Quality of Services (QS): Sie sind Bestandteil einer ganzen Reihe von IP-Diensten, die Cisco nach und nach über die Schicht 3 des ISO-Modells hinaus bis in die Ebene 7 anbieten will. Laut Jayshree Ullal, Vice-President Enterprise Line of Business, sind sie als intelligente Hilfsmittel zur Kontrolle des Netzes, aber auch der darauf aufsetzenden Anwendungen zu verstehen. Mit anderen Worten: Die Services integrieren die Netzinfrastruktur mit den genutzten Applikationen und erlauben IT-Managern dadurch, regelbasiert Anwenderrechte, Applikationen und Netzparameter zu priorisieren.

Dienste, die bis in die Ebene 7 reichen, können zum Beispiel folgende Bereiche betreffen: Sprache, Redundanz, Load Balancing, Web-Caching, Fehlererkennung und -beseitigung, Dienstegüte (QS), Sicherheit, Verfügbarkeit, Accounting oder Billing (letztere besonders in Virtual Private Networks). Diese Dienste korrelieren dann mit unternehmenskritischen Applikationen wie etwa Enter-prise Resource Planing (ERP), aber auch Sprach-, Intranet-, Web-Anwendungen etc. Das Ergebnis: Unternehmen mit Call-Center können beispielsweise tagsüber den Sprachverkehr priorisieren, andere hingegen je nach Bedarf ERP- oder CAD/CAM-Traffic.

Um diese Interaktion sicherzustellen, sind QS-Mechanismen nötig,die zum Teil auf dem Resource Reservation Protocol (RSVP)basieren. RSVP reserviert vor der Kommunikation für eine bestimmte, priorisierte Anwendung Bandbreite. In der Regel greifen die Hersteller aber auf eigene Entwicklungen zurück, weil RSVP nicht in jedem Fall angewandt werden kann.

Mit Testprojekten im Campus starten

"Eine durchgängige Quality of Services kann es in gemischten Netzen nicht geben", räumt Ullal ein und rät bei IP-Netzen deshalb zu einer einheitlichen Infrastruktur. Cisco wird der Managerin zufolge mit Partnern weiter Dienste entwickeln, die regelbasierte Netze fördern. Das sei Bestandteil der fünften und noch ausstehenden Phase des Multiservice-Plans. Die Schaffung von Applikationen wie etwa Voice-Messaging oder IP-basierte Call-Center wird das Unternehmen aus San Jose aber anderen Herstellern überlassen. Ullal glaubt jedoch, daß in den nächsten 18 Monaten Hunderte solcher Killerapplikationen entstehen werden. "1999 istdas Jahr, im dem Unternehmen mit Testprojekten im Campus starten sollten", rührt sie deshalb die Werbetrommel für die Integration von Sprache und Daten. Cisco selbst will seine Sprachkommunikation im Jahr 2000 auf IP umstellen.

Gemischte Sprachwelten

Glaubt man den Marktforschern von Ovum, dann wird der IP-Markt in den nächsten Jahren explodieren. Die Analysten prophezeien bis zum Jahr 2005 ein Volumen von rund 40 Milliarden Dollar. Der Trend zur Integration von Sprache und Daten auf einer einheitlichen IP-Plattform scheint unaufhaltsam.

Ein Ende der traditionellen Telefonanlagen ist deshalb aber längst nicht Sicht. "Unternehmen werden Nebenstellenanlagen (Privat Branch Exchange = PBX) und Mainframes, auf die sich so lange verlassen haben, nicht über nacht ausmustern", sieht Jayshree Ullal, Vice-President Enterprise Line of Business bei Cisco Systems, einen schleichenden Migrationsprozeß voraus. Dafür spricht auch, daß viele Firmen erst vor kurzem in klassische Telefonsysteme investiert haben und längere Abschreibungszyklen einen Umstieg eher verzögern werden.

Die Koexistenz beider Welten ist jedoch nicht ausgeschlossen. Gateways und Application Interfaces schaffen eine Verbindung zwischen den paketvermittelnden IP-Networks sowie leitungsorientierten Telefonnetzen. Cisco hat zum Beispiel die Gateway-Funktionalität in die Router "2600", "3600" und "5300" integriert, bietet aber auch Stand-alone-Lösungen. PBX-Ströme werden dabei wie auch SNA Verkehr in IP-Pakete eingebettet und über das Netz geschickt. Die Transparenz der Features ist laut Hersteller gewährleistet. Als Plus des IP-Verfahrens gilt die Skalierbarkeit sowie hohe Durchsatzrate der Vermittlungsrechner, die im Moment im Gigabit-Bereich liegt.

Da eine Installation aber nur in den seltensten Fällen von der grünen Wiese aus möglich ist, sollten Unternehmen, die migrieren wollen, ihre Infrastruktur genau auf relevante Testbereiche untersuchen. Derzeit ist von unternehmenskritischen End-to-end-Systemen allerdings zunächst abzuraten, weil die erste Produktgeneration vermutlich noch Kinderkrankheiten birgt. Mehr zur Realisierung von integrierten Sprach-Datennetzen lesen Sie inder nächsten Ausgabe der COMPUTERWOCHE.

Catalyst 6000

Cisco Systems bügelt im Backbone einen Schwachpunkt aus. Mit der insgesamt vier Switches umfassenden Serie "Catalyst 6000" kündigte das Unternehmen eine Produktgruppe an, die künftig die Workgroup-Switches der Reihe "Catalyst 5000" sowie den "Catalyst 8500 Campus Switch Router" ergänzt. Diese Aufgabe mußten bisher 5000er Switches übernehmen, die mit einer Durchsatzrate der Backplane von3,6 Gbit/s dafür im Vergleich zu Konkurrenzprodukten aber nicht performant genug waren. Die neuen 6000er Maschinen können in Unternehmensnetzen nun als zentrale Backbone-Switches für Catalyst-5000-Workgroups dienen oder aber den Switch-Router 8500 als Front-end-Komponente mit hoher Port-Dichte unterstützen.

Den Catalyst 6000 gibt es in zwei Versionen, dem 6000 und 6500. Beide sind jeweils in Chassis-Ausführung erhältlich, die über sechs (Modell 6006 und 6506) oder neun Einschübe (Modell 6009 und 6509) verfügen. Die Geräte der Serie 6000 besitzen eine Backplane,die 32 Gbit/s verarbeitet, die der 6500er Switches 256 Gbit/s. Gegenüber der CW räumte Peter Alexander, Vice-President Enterprise Marketing bei Cisco allerdings ein, daß die Modelle der Serie 6500 zunächst nur mit 32 Gbit/s verfügbar sein werden. Kunden könnten später dann auf die 256-Gbit/s-Backplane aufrüsten. Die Switches unterstützen bis 130 Gigabit Ethernet Ports und 384 Anschlüsse mit 10 Mbit/s beziehungsweise 100 Mbit/s Übertragungsrate. Die 6000er Modelle sollen 24 Millionen Pakete pro Sekunde durchschleusen, die 6500er Modelle (später mit 256-Gbit/s-Backplane) 192 Millionen Pakete.

Als erste LAN-Switch-Familie von Cisco verfügt die 6000er Reihe außerdem serienmäßig über integrierten Voice-Support und trägt somit zum Ziel des Unternehmens bei, Telefonverkehr im lokalen Netz anzubieten. Verantwortlich für die Sprachkommunikation ist dabei das Express-Forwarding-Verfahren von Cisco, das Applikationen mit schnellem Transferbedarf, wie es die Sprache ist, erkennt und automatisch priorisiert.