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31.08.2001 - 

John Chambers bündelt Entwicklungsaktivitäten

Cisco kehrt vor der eigenen Tür

MÜNCHEN (pg) - Der vor sich hin dümpelnde Networking-Markt lässt selbst Primus Cisco Systems nicht kalt. Das Unternehmen reagiert mit einer Neustrukturierung auf die schlechte Geschäftslage. Eine stärkere Koordination von Produktentwicklung und Marketing soll jetzt für mehr Effizienz sorgen.

Die Monate seit Anfang des Jahres sind an Cisco-Boss John Chambers nicht spurlos vorübergegangen. Insbesondere die Entlassung von 8500 Angestellten und das verheerende dritte Quartal, in dem das Unternehmen erstmals in seiner Geschichte einen Verlust ausweisen musste, haben am Erfolgsnimbus des Top-Managers gekratzt. Wer Chambers kennt, weiß, dass er sich nach außen zwar gelassen gibt, es hinter den Kulissen aber brodelt. Deshalb kommt die Neustrukturierung des Unternehmens jetzt nicht überraschend.

Die Taten, die Chambers dem Einbruch nun folgen lässt, bestehen im Wesentlichen in einer Auflösung der drei bisherigen Geschäftsbereiche. Cisco adressierte damit die Marktsegmente der Geschäftskunden, Service-Provider sowie klein- und mittelständischen Unternehmen. Diese Einteilung existiert ab sofort nicht mehr. Stattdessen gilt ein zentraler Technologie- und Marketing-Ansatz für folgende elf Kernbereiche: Routing, Zugangsverfahren, Speichertechnik, Management-Dienste, Bandbreiten-Aggregation, Cisco Internetwork Operating System (IOS), Internet Switching und Services, Ethernet Access, optische Netze, Sprache und drahtlose Transfertechniken.

Chambers begründet die Umstellung mit veränderten Kundenansprüchen. Der bisherige Ansatz habe in der Vergangenheit gut funktioniert, weil es der Hersteller in der Regel mit deutlich unterschiedlichen Kundensegmenten und Produktanforderungen zu tun hatte. Die Konsolidierung im Markt, so der CEO, habe jedoch zu einer Aufweichung der Grenzen zwischen den drei klassischen Segmenten geführt.

Das Cisco-Management verspricht sich von der neuen Struktur vor allem mehr Effizienz und eine bessere Koordination in der technologischen Entwicklung. Während bisher jeder der drei Geschäftsbereiche eigene und teilweise sogar mehrere Forschungseinheiten hatte, die alle ihr eigenes Süppchen kochten, soll nun jede der elf technischen Unternehmensgruppen ihre Laboraktivitäten für alle Marktsegmente - also Geschäftskunden, Service-Provider und Telcos sowie kleine und mittelständische Unternehmen - bündeln.

Damit die Entwicklungsströme nicht wieder aus dem Ruder laufen, werden die elf Einheiten an Mario Mazzola berichten, der die Arbeiten koordiniert und Chambers informiert. Mazzola, früher schon Vice President bei Cisco, war bereits drei Monate im Ruhestand, kehrte als enger Vertrauter des CEO aber ins Unternehmen zurück. Die zweite Säule der Company, die Marketing-Gruppe, wird von James Richardson geleitet, bislang Vice President der Enterprise Division. Kevin Kennedy, verantwortlich für das Service-Provider-Business, scheidet zwar bei Cisco aus, wird den Kaliforniern aber beratend zur Seite stehen.

Nach Ansicht von Petra Borowka, unabhängige Beraterin für Netzwerktechnik in Aachen, macht die Neustrukturierung bei Cisco durchaus Sinn. Ihrer Meinung nach tauchen viele Produkte aus dem Bereich Small- und Medium-Business auch im Enterprise-Segment auf. Als ein Beispiel nennt sie Workgroup-Switches, die in Großunternehmen um Core-Switches ergänzt werden. Da außerdem die Service-Provider zunehmend als Outsourcer für Enterprise-Dienste in Bereichen wie Web Hosting oder Storage auftreten, komme es auch hier zu Überschneidungen. "Entscheidend für Cisco ist jedoch, wie der Vertrieb die technologische Umstrukturierung umsetzt und wie stimmig neue Technologien in vorhandene oder neue Bereiche eingegliedert werden", gibt Borowka zu bedenken.

Laut Harald Zapp, Marketing-Manager der Cisco Systems GmbH in Eschborn, hat die Umstrukturierung auf Deutschland keine direkte Auswirkung. Trotzdem brütet man in Hallbergmoos und Eschborn über Verbesserungen: "Da das Geschäft derzeit nicht ganz so hektisch ist, nutzen wir die Zeit, um uns Gedanken über die Aufstellung am Markt zu machen", sagt Zapp. Er bestätigt damit die Konjunkturdelle und denkt laut über eine Mikrosegmentierung des deutschen Marktes sowie eine andere Fokussierung auf die Zielgruppen - sprich Branchenlösungen für Großkunden und den gehobenen Mittelstand - nach.

Peinliche FehleinschätzungMit einer Prognose, wie sich der Markt entwickelt, hält sich Zapp allerdings zurück und verweist lediglich auf den vorsichtigen Optimismus seines obersten Dienstherrn Chambers. Der sprach diesertage davon, Anzeichen für eine Stablisierung des Geschäfts zu erkennen. Die Auftragslage, so der CEO, bewege sich in den ersten Wochen des Quartals im Rahmen der Erwartungen. Der Zeitpunkt für die Umstrukturierung sei deshalb ideal. Chambers versicherte ferner, dass es im Zuge der Reorganisation zu keinen Entlassungen kommen werde.

Die Töne, selbst bei Chambers, sind jedenfalls leiser geworden, seit das Unternehmen die Marktlage falsch eingeschätzt hat und vor allem vom Einbruch im Bereich Service-Provider und Telcos sowie mit Wagniskapital finanzierte Firmen überrascht worden ist. Das Management hatte dabei zu sehr auf sein so gerühmtes softwaregestütztes Frühwarnsystem vertraut und war damit auf die Nase gefallen. Eine solche Peinlichkeit kann und will sich John Chambers nicht mehr leisten. Cisco wäre aber nicht Cisco, gäbe man sich jetzt nicht kämpferisch. Zapp: "Nie waren die Möglichkeiten, Marktanteile zu gewinnen, besser als jetzt."