Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

04.06.2004 - 

Vorstoß in Supercomputing-Bereiche

Cisco läutet eine neue Router-Ära ein

MÜNCHEN (CW) - Mit dem Highend Router "CRS-1" adressiert Cisco vor allem Telcos und Internet-Service-Provider, denen das Gerät in konvergenten Netzen als Plattform zum Transport von Daten, Videos und zur IP-Telefonie dienen soll. Hierzu entwickelte Cisco zudem ein neues, modulares Router-Betriebssystem.

Vor Selbstbewusstsein strotzend präsentiert sich Cisco dieser Tage anlässlich der Vorstellung des "Carrier Routing System CRS-1". Mit dem System, seit 1996 die erste komplette Neuentwicklung des Unternehmens im Bereich der Core-Router, läutet die Company eigenen Worten zufolge "die Zukunft der Kommunikation ein". In konvergenten Netzen sollen die neuen Highend-Router, die preislich bei 450000 Dollar beginnen, Carrier in die Lage versetzen, neben IP-Telefonie und Internet auch bandbreitenintensive Dienste wie Video on Demand, High-Definition-Video-Übertragungen oder Videotelefonie zu offerieren.

Die überschwänglichen Marketing-Aussagen sind verständlicher, wenn man bedenkt, welchen Aufwand Cisco bei der Entwicklung des CRS-1 betrieb. Um endlich dem jüngeren Rivalen Juniper Networks leistungsmäßig Paroli bieten zu können, investierte die Company viel in die Entwicklung der neuen Plattform: Das Projekt CRS beschäftigte 500 Entwickler über vier Jahre und schlug mit Forschungs- und Entwicklungskosten in Höhe von einer halben Milliarde Dollar zu Buche. Dabei schufen die Ingenieure ein massiv verteiltes Multiprozessor-System - also eine Art Supercomputer des Routing. Hierzu entwickelte das Team acht eigene Chips, wobei etwa der Silicon Packet Processor (SPP) aus 188 parallel arbeitenden 32-Bit-CPUs besteht. Zudem schrieben die Programmierer des Unternehmens 20 Jahre nach dem Erscheinen des "Internet Operating System" (IOS) mit dem "IOS XR" ein komplett neues Router-Betriebssystem.

Ein Aufwand, der sich unter Performance-Aspekten wohl gelohnt hat. Eine "Single-Shelf"-Maschine, so heißt ein einzelnes Carrier Routing System, kann IP-Verkehr mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1,2 Tbit/s abwickeln. Als "Multi-Shelf"-Architektur ausgelegt - hier werden mehrere einzelne CRS-1 zu einem virtuellen System verbunden - weist das System eine Gesamtkapazität von 92 Tbit/s auf und unterstützt bis zu 1152 40-Gbit/s-Anschlüsse. Mehr als die reinen Leistungsdaten beschäftigt Anwender und Analysten eine andere Frage: Markiert das neue Betriebssystem IOS XR endlich eine Abkehr von den bisherigen Routing-Betriebssystemen der Company?

Das 20 Jahre alte IOS, das in den Varianten "IOS T" und "IOS S" auf den meisten Cisco-Maschinen läuft, entpuppt sich in letzter Zeit verstärkt als Problemfall. Aufgrund seines monolithischen Aufbaus mit über 15 Millionen Codezeilen hat das Betriebssystem, ähnlich wie Windows, immer häufiger mit Sicherheitsproblemen zu kämpfen und erfordert vom Anwender ein regelmäßiges Patchen, um die Fehler auszubügeln. Wie Windows-Server müssen die Router hierzu heruntergefahren und neu gestartet werden. Probleme, die beim neuen Betriebssystem XR laut Cisco der Vergangenheit angehören. Das modulare, Microkernel-basierende System sei laut Hersteller nicht nur flexibler sondern auch besser gegen Angriffe wie Denial-of-Service-Attacken (DoS) geschützt als seine älteren Brüder. Dank dem modularen Aufbau führten Fehler nicht mehr zum Absturz der ganzen Maschine, denn nun könnten die Prozesse einzeln gestartet und angehalten werden. Gleichzeitig ermöglicht diese Architektur das Einspielen von Patches oder neuer Funktionen via Software im laufenden Betrieb. Und last, but not least eröffnet XR dem Hersteller den Einstieg in ein neues Business-Modell, wenn Anwender Funktionen erst später zukaufen, oder "pay as they grow", wie es David Ward, einer der XR-Entwickler formuliert.

Für Anwender, die angesichts dieser Verbesserungen auf eine schnelle Portierung des Betriebssystems auf andere Cisco-Produkte hoffen, halten die offiziellen White Papers eine bittere Pille bereit: XR sei nur für das CRS-1 konzipiert, so ist dort zu lesen. Auf Nachfrage wollte aber Cisco Deutschland nicht ausschließen, "dass mittel- bis langfristig XR oder Bestandteile davon auch auf vorhandenen oder weiteren neuen Produktlinien zum Einsatz kommt". (hi)

Ciscos Betriebssystem-Familie und ihre Einsatzgebiete

/ IOS T / IOS S / IOS XR

Einsatzbereiche / Access, Enterprise, Managed Customer Premise Equipment (CPE) / Core-Netze im Enterprise, Edge- und Core- Netze bei Service Providern / Terabit-Core- Netze der Carrier und Service- Provider

Applikationen / Multiprotokoll- Routing, Security, Firewall, Intrusion Detection, IP-Telefonie, WLAN, Quality of Service / IP/MPLS-Routing, Virtual Private Networks (VPNs) auf MPLS-Basis, breitbandige Enterprise-Netze, redundante Systeme / IP/MPLS-Routing in Core-Netzen, große Peering- Knoten, dedizierte IP-Infrastrukturen, PoP-Konsolidierung