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05.06.2009

Cisco macht Druck im Rechenzentrum

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Die neuen Rack-Server der "C-Series" sollen angestammtes Terrain von HP und IBM erobern.

Cisco hat mit der C-Series einen neuen Baustein und Formfaktor für sein Unified Computing System (UCS) vorgestellt. Die Rack-Server ergänzen die bisherigen Blades der B-Series und sollen einen günstigen Einstieg in UCS ermöglichen sowie mehr Wahlfreiheit bieten. Nutzer könnten damit das System wählen, das in ihre aktuelle und künftige Rechenzentrumslandschaft passe, so der Hersteller. Preise für die ab dem vierten Quartal verfügbaren 1U- und 2U-Server gab der Netzwerkriese jedoch nicht bekannt.

Speziell an Cisco UCS angepasst

Ähnlich wie die B-Series sind auch die drei Rack-Modelle mit Xeon-5500-Prozessoren (Nehalem) von Intel ausgerüstet und mit der Extended Memory Technology sowie Adapter-Virtualisierung speziell an Ciscos UCS angepasst. UCS unterstützt den konsolidierten Zugriff auf Speichersysteme (SANs, NAS, iSCSI) über ein Interface. Durch den Einsatz von 10-Gigabit-Data-Center-Ethernet bietet das System Anschlüsse für die gleichzeitige Übertragung von Ethernet/IP und Speicherverkehr. Diese von Cisco selbst entwickelten Neuerungen schließen jedoch die Nutzung von fremden Blade- und Rack-Servern in einer UCS-Umgebung grundsätzlich aus. So hatte der Hersteller schon früher erklärt, dass er keine Pläne habe, UCS für die Rechenzentrums-Server der Platzhirsche HP, IBM, Dell oder Sun zu öffnen. Genauso wenig will er die zugrunde liegenden Technologien für Virtual-Adapter und Speichererweiterung lizenzieren.

Eintrittskarte in den Server-Markt

Mit den neuen Rack-Servern sehen Analysten die Chancen Ciscos, im Server-Markt Fuß zu fassen, kräftig wachsen. Gleichzeitig gehen sie davon aus, dass der Wettbewerb mit den alteingesessenen Server-Herstellern HP und IBM zunimmt. "Cisco muss nun als ein viel breiter aufgestellter Player im Server-Markt gesehen werden, der direkt mit Topanbietern wie HP und IBM konkurriert", kommentierte Ittai Kidron, Analyst bei Oppenheimer & Co., die Ankündigung der C-Series. Da sich die Server-Produkte mit denen von HP und IBM jetzt noch stärker überlappten, geht Kidron davon aus, dass die beiden Rivalen ihr Angebot beziehungsweise ihre Partner im Bereich Netzwerke entsprechend anpassen werden. Unter anderem wird spekuliert, dass IBM Juniper-Equipment unter Lizenz nimmt, um seine Beziehung zu Cisco weiter zu lockern.

Cisco scheint bereits einige Aufmerksamkeit auf das im dritten Quartal 2009 erhältliche UCS gelenkt zu haben. Einer Umfrage von Goldman Sachs unter 100 IT-Entscheidern in Fortune-1000-Unternehmen zufolge rechnen fast zwei Drittel der Befragten innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre mit einer wachsenden Zahl von Cisco-Servern in ihren Rechenzentren. 18 Prozent erklärten, sie wollten den Einsatz von Cisco UCS noch in diesem Jahr prüfen.

Insgesamt sieht Cisco das Potenzial des Markts für Rechenzentren einschließlich Services, das man bedienen kann, bis 2012 auf über 83 Milliarden Dollar anwachsen. Im vergangenen Jahr setzten alle Anbieter zusammen mit Zwei-Sockel-Rack-Servern weltweit 12,8 Milliarden Dollar um.

Um die künftigen Umsatzziele erreichen zu können, räubert Cisco bereits jetzt bei der Konkurrenz: Nach Angaben des Herstellers sind rund 70 Prozent der Vertriebspartner für die Rechenzentrumslösungen autorisierte Reseller eines Wettbewerbers. Cisco rechnet damit, in sechs Monaten mehr als 500 spezialisierte Partner parat zu haben. (mb)