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20.08.2004 - 

Warum der Netzausrüster trotz glänzender Zahlen ein paar Probleme hat

Cisco zollt dem Wachstumstempo Tribut

Ein (guter) Ruf verpflichtet. Cisco-Chef John Chambers wurde jedenfalls vergangene Woche seiner Rolle als Kassandra der Branche wieder einmal gerecht. Seit dem weltweiten Absturz der IT-Industrie vor rund vier Jahren hatte der CEO des kalifornischen Netzausrüsters stets pessimistische Prognosen abgegeben, auch wenn seine Company vergleichsweise komfortabel durch die Krise kam.

Die Vorstände vieler Unternehmen, mit denen er zuletzt gesprochen habe, seien "weniger optimistisch und vorsichtiger in ihren Technologieausgaben als noch vor drei Monaten", betonte der Cisco-Frontmann in der Analystenkonferenz zu den Ergebnissen des vierten Quartals und des Fiskaljahres 2004 (Ende: 31. Juli). Er warnte deshalb davor, dass das Unternehmen das bisherige hohe Wachstumstempo in naher Zukunft nicht beibehalten könne. Den zurückhaltenden Ausblick begründete Chambers mit saisonalen Einflüssen, unter anderem den schleppenden Verkäufen im Sommer in Europa. Die Wallstreet reagierte prompt und strafte die Cisco-Aktie massiv ab.

An der Enttäuschung vieler Anleger konnte auch die Tatsache nichts ändern, dass Cisco in der jüngsten Berichtsperiode mit einem Umsatzplus gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum von 26 Prozent auf 5,92 Milliarden Dollar das stärkste Wachstum der vergangenen drei Jahre verzeichnen konnte. Unter dem Strich blieb dabei ein Nettogewinn von 1,38 Milliarden Dollar übrig. Beide Kennziffern lagen zudem leicht über den Erwartungen der Analysten. Das gilt auch für den Abschluss des gesamten Fiskaljahres 2004, in dem der Netzausrüster einen Umsatzanstieg gegenüber dem Vorjahr um 16,8 Prozent auf 22,04 Milliarden Dollar verbuchte. Der Nettoprofit verbesserte sich um 23 Prozent von 3,6 auf 4,4 Milliarden Dollar und erreichte damit einen neuen Spitzenwert.

Die Lager füllen sich

Ungeachtet dessen dürfte es nicht nur die flaue Konjunktur speziell in Europa sein, die Ciscos weitere Marktaussichten trübt. So ist ein Großteil des Umsatzzuwachses im zurückliegenden Geschäftsjahr auf Aufträge von Behörden zurückzuführen. Zumindest in den Vereinigten Staaten dürfte sich jedoch die Nachfrage der öffentlichen Hand aufgrund der anstehenden Präsidentschaftswahlen im zweiten Kalenderhalbjahr deutlich abkühlen, vermuten Analysten. Gleichzeitig zeigen sie sich besorgt über die wieder gestiegenen Lagerbestände Ciscos, die in der jüngsten Berichtsperiode auf einen Wert von 1,2 Milliarden Dollar angewachsen sind.

Daneben haben die Kalifornier zunehmend das, wie Insider es nennen, "Microsoft-Problem". Nennenswertes Wachstum im eigentlichen Kerngeschäft ist aufgrund des dort erreichten hohen Niveaus zukünftig nur noch bedingt und mit einem immer größeren Aufwand möglich. So erwirtschaftete Cisco im abgelaufenen vierten Quartal immer noch 65 Prozent seiner Einnahmen mit Routern und Switches - eine Umsatzstruktur also, die sich in den letzten Jahren kaum geändert hat. Zwar erzielte der Netzprimus in seinen klassischen Geschäftsfeldern immer noch zweistellige Zuwächse, doch der Bereich Advanced Technologies, der zuletzt 16 Prozent zum Gesamtumsatz beisteuerte und in dem Cisco seine unter anderem für IP-Telefonie, Speichersysteme, Security und Home Networking zuständigen Business Units gebündelt hat, konnte um mehr als 75 Prozent zulegen.

Konzernchef Chambers hat daher nicht umsonst das Ziel ausgegeben, dass jede der genannten Business Units binnen weniger Jahre beim Umsatz die Milliarden-Dollar-Marke überschreiten muss. Bei den Security-Produkten ist dies nach Schätzung von Experten bereits der Fall; die Sparte IP-Telefonie steht dem Vernehmen nach kurz davor. Eine detaillierte Segmentberichterstattung, aus der solche Informationen hervorgehen würden, veröffentlicht das Unternehmen aber nicht. Offiziell mitgeteilt wurde indes, dass im laufenden Geschäftsjahr zirka 1000 neue Mitarbeiter, vorwiegend im Bereich Forschung und Entwicklung, eingestellt werden. Die Sparte Advanced Technologies solle über kurz oder lang umweitere Geschäftsfelder ergänzt werden, hieß es.

Trotzdem zeigt man sich an der Wallstreet über die weiteren Wachstumsaussichten Ciscos eher besorgt. Dies vor allem, weil die besagte Diversifizierung in neue, wachstumsstarke Märkte nicht schnell genug gelingen könnte. So befürchtet die US-amerikanische Investmentbank Lehman Brothers "auf längere Sicht sehr negative Einflüsse" auf die konzernweite Gewinnmarge der Kalifornier, die in der jüngsten Berichtsperiode mit 68,4 Prozent in der Branche noch ihresgleichen suchte.

Magere Aussichten im Router-Markt

Was die Finanzanalysten in diesem Zusammenhang aber besonders beunruhigt, sind die eher durchwachsenen Aussichten im weltweiten Router-Markt. Diesem hat die US-amerikanische Marktforschungsgesellschaft Dell'Oro erst vor kurzem bis zum Jahr 2008 "nur" durchschnittliche jährliche Wachstumsraten von acht Prozent prognostiziert. Für die Maßstäbe Ciscos ist dies eine eher magere Perspektive. Vor allem das Geschäft mit Enterprise-Routern werde sich nur sehr verhalten (plus vier Prozent) entwickeln, während die Aussichten im Carrier-Geschäft mit Zuwächsen von durchschnittlich 14 Prozent wesentlich erfreulicher seien. Im diesem Segment habe Cisco es aber mit einem anhaltend starken Preisdruck und der zunehmenden Konkurrenz durch Anbieter wie Juniper zu tun, hieß es bei Dell'Oro.(gh)

Hier lesen Sie ...

- warum Ciscos sehr gute Geschäftszahlen nur die eine Seite der Medaille sind;

- warum der Netzausstatter in der eigenen Wachstumsfalle sitzt;

- warum Konzernchef John Chambers die Diversifizierung in neue Märkte mit Nachdruck vorantreibt, die entsprechende Strategie womöglich aber nicht schnell genug den gewünschten Erfolg bringt.

Abb: So verteilt sich der Umsatz

Der Netzausstatter nähert sich wieder den Umsätzen aus den Boom-Jahren. Für weiteres Wachstum im Kerngeschäft muss Cisco aber großen Aufwand treiben. Quelle: Cisco Systems